Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V.
Nationales Versorgungsforum Schmerz

Opioidausweis

Kommen mit Opioiden versorgte Patienten in die Hand von nicht analgetisch geschulten Kollegen (zum Beispiel nach Unfällen oder bei unvorhergesehenen Akuterkrankungen im Urlaub etc.), droht leider nur allzu oft eine wohlgemeinte "Entzugsbehandlung", die den algesiologischen Therapieerfolg über Nacht zunichte macht. Um Patienten vor derartigen Pseudoentzügen zu schützen, wird vom DGS empfohlen, die Kranken neben der schriftlichen Einnahmeanordnung mit einem Opioidausweis zu versorgen, den die Patienten in ihrer Brieftasche mit sich führen. Mit diesem Ausweis werden mitbehandelnde Ärzte darüber informiert, daß die Betroffenen Opioide benötigen und in welcher Dosierung sie verabreicht werden müssen. Erfahrungen von Schmerzspezialisten belegen, daß andere Ärzte aufgrund des Ausweises die Opioid-Therapie kaum noch verändern.

Darum bietet die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. allen interessierten Ärzten und Apothekern den Opioid-Ausweis bundesweit als Service-Leistung zur Abgabe an ihre Patienten an.

Fachkreise:
Von Ärzten und Apothekern kann der Ausweis bei der Geschäftsstelle der DGS angefordert werden.
Adenauerallee 18
61440 Oberursel
Telefon: (0 61 71) 28 60 60
Telefax (0 61 71) 28 60 69
Online Bestellung des Opioid-Ausweises

Patienten:
Patienten, die den Ausweis erhalten möchten, wenden sich bitte an ihren behandelnden Arzt oder an unsere Partnerorganisation Deutsche Schmerzliga e.V.. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir nur Bestellungen von Ärzten und Apothekern entgegennehmen können. Bei der Deutschen Schmerzliga e.V. (www.schmerzliga.de) können Sie den Opioidausweis unter folgenden Link: http://schmerzliga.de/downloads.html direkt ausdrucken oder anfordern. 

Opioid-AusweisViele unserer Schmerzpatienten leiden unter opioidpflichtigen Schmerzen. Das in Deutschland Opioidanalgetika sehr zurückhaltend, oft bei zwingender Indikation sogar überhaupt nicht verordnet werden, ist eine beklagenswerte Tatsache. Opioidanalgetika, die nicht der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung (BtMVV) unterliegen, werden ebenso wie die Opiate, die BtMVV-Rezepte benötigen, immer noch als gefährlich angesehen und sind mit längst widerlegten Vorurteilen belastet. Dementsprechend müssen sehr viele Patienten, die von solchen Medikamenten profitieren könnten, unnötig leiden, weil ihnen die Linderung vorenthalten wird. Patienten, denen Opioidanalgetika nach algesiologischen Richtlinien verordnet wurden, sind häufig den Vorurteilen von mitbehandelnden Kollegen ausgesetzt, die sich berufen fühlen, die Medikation zu verändern oder gar eine "Entzugsbehandlung" durchzuführen - ohne die notwendigen algesiologischen Kenntnisse und ohne in der Lage zu sein, eine wirksame Behandlungsalternative aufzuzeigen. Diese Pseudoentzugsbehandlung wird nach unseren Beobachtungen besonders gerne während stationärer Behandlungen und ohne jede Schmerzanalyse durchgeführt. Um unsere Patienten vor solchen ungerechtfertigten Eingriffen in die Schmerzbehandlung zu schützen, geben wir ihnen - neben der schriftlichen Einnahmeanordnung - einen "Opioidausweis", den sie in ihren Ausweispapieren mit sich führen und bei mitbehandelnden Kollegen in Praxis und Krankenhaus vorlegen können. Diese Bescheinigung, die auf einem Privatrezeptformular gedruckt wird, hat sich in den letzten Jahren bei unseren Patienten mit opioidpflichtigen Schmerzen gut bewährt. Sie fühlen sich bei Notfällen, Reisen und bei Krankenhausaufenthalten besser geschützt. Modifikationsversuche unserer Pharmakotherapie kommen kaum noch vor. Manchmal führt diese Bescheinigung sogar zu konstruktiven interdisziplinären Kontakten. Wir können die Übernahme empfehlen.

EVA SUSANNE JUNGCK UND DIETRICH JUNGCK, Hamburg