Previous Page  54 / 74 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 54 / 74 Next Page
Page Background

54

http://www.DGS-PraxisLeitlinien.de

# 37

EG:

A

EL:

1++

K

A

:

95,8

K

P

:

84,2

Antidepressiva

Alle Antidepressiva insbesondere der Tricyclica-Klasse, aber

auch selektive Serotonin und/oder Noradrenalin Wiederauf-

nahmehemmstoffe, können bei FMS und bezüglich einigen kon-

komitanten Erkrankungen (Schlafstörung, affektive Störungen)

eingesetzt werden unter Monitoring des jeweiligen Wirkungs-/

Nebenwirkungsspektrums und unter qualifiziertem Patienten

Rapport bezüglich Besserung von Schmerz, Behinderungen und

Begleitsymptomen. Sie sind die Mittel der ersten Wahl, wenn

man eine medikamentöse Therapie in Betracht zieht. Besonders wichtig ist, dass

man den Patienten vor Beginn der Behandlung verständlich erklärt, dass man

ein Antidepressivum als Schmerzmittel und zur Besserung der FMS-Symptome

einsetzt, damit sie nicht zu Hause wahrnehmen, ein Antidepressivum erhalten zu

haben und sich dadurch stigmatisiert fühlen. Antidepressiva haben unabhängig

von ihrer Wirkung auf ihre eigentliche Hauptindikation, den Störungen aus dem

affektiven Formenkreis (Depression, etc.), eine analgetische Wirkung schon in

niedriger Dosierung. Diese Wirkung ist über die Serotonerg/Noradrenerg gesteu-

erte Boosterung  der absteigenden Schmerzhemmung, aber auch durch andere

Wirkungen erklärt. Insbesondere die alten bekannten und gut untersuchten Tri-

cyclischen Antidepressiva (z.B. Amitryptilin, Doxepin, Trimipramin) haben diese

Wirkungen nachgewiesen. Sie wirken darüber hinaus auch noch in unterschied-

lichem Ausmaß Ionen-kanalmodulierend (Natriumkanäle). Auch die selektiven

Serotononin und Adrenalin-Wiederaufnahmehemmer (z.B. Citralopram, Dulo-

xetin) haben ähnliche Effekte nachgewiesen. Cyclobenzaprin ist ebenfalls emp-

fehlenswert, vor allem wegen seiner schlafmodulierenden Effekte, ist aber in

Deutschland nicht zugelassen. Die TCAs haben darüber hinaus auch einen schlaf-

modulierenden Effekt, den man therapeutisch besonders bei FMS ausnutzen

kann. Zu beachten ist das allerdings z.T. dosisabhängige Nebenwirkungspoten-

tial (Vigilanzstörungen, Mundtrockenheit, Gewichtszunahme), besonders unter

den TCAs als deren anticholinergen antihistaminergen Nebenwirkungsspektrum.

Letztere UAWs sind bei den Selektiven Antidepressiva geringer ausgeprägt, al-

lerdings auch deren Wirksamkeit. Insofern muss das ideale Antidepressivum im

individuellen Test herausgefunden werden. Venlafaxin ist nicht klinisch für FMS

geprüft, hat aber bezüglich der o.g. Rationale für den Einsatz bei FMS ebenfalls

eine theoretische Berechtigung. Duloxetin ist neben dem Antikonvulsivum Pre-

gabalin (s.u.), das einzige in Kanada für die Behandlung von FMS explizit zugelas-

sene Medikament. Das ähnlich wirkende Milnacipran hat in USA eine Zulassung,

allerdings nicht explizit für die FMS-Behandlung.

IV. Behandlungsempfehlungen

Literatur

5; 6; 25; 27; 29; 59; 61; 67; 88; 89; 95; 98; 114; 125; 127; 135; 139