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http://www.DGS-PraxisLeitlinien.de

Vorwort

Die PraxisLeitlinie FibroMyalgie-Syndrom ist eine von der DGS entwickelte Leit-

linie, die den aktuellen Wissenstand über das Syndrom „Fibromyalgie“ spiegelt

und in Handlungsempfehlungen mündet, die den erwartbar besten Umgang mit

den Patienten und den Beschwerden, die man diesem Syndrom zuschreibt, ver-

mitteln soll.

Deshalb ist diese Leitlinie keine puristische Akkumulation von Studienergeb-

nissen, sondern (nach Sackett) die gemeinsame Rationale von Expertenerfah-

rungen, Patientenerwartungen und Ergebnissen von Studien, deren Resultante

nützliche Hinweise zu Diagnostik und Therapie des FibroMyalgie-Syndroms er-

geben sollen.

2012 erschienen die 2 jüngsten Leitlinien zum FMS, dem FibroMyalgie-Syndrom.

Eine aus Deutschland und eine aus Kanada.

Die erste ist die 2008 erstmalig aufgelegte und 2012 redigierte S3 Leitlinie Defini-

tion, „Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms“ in

der Systematik der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlich medizini-

schen Fachgesellschaften) in Deutschland.

Die Zweite ist die Leitlinie „2012 Canadian Guidelines for the diagnosis and ma-

nagement of fibromyalgia syndrome“ des Canadian Fibromyalgia Guidelines

Committee (CFGC). Beide Leitlinien haben akribisch die bis dato alle verfügba-

ren Literaturnachweise gesammelt, und bewertet. Interessant sind allerdings

die zum Teil diametral unterschiedlichen Schlussfolgerungen, z.B. für die Anwen-

dung von Opioiden, obwohl identisches Literaturmaterial zugrunde liegt. Dies

liegt zum großen Teil daran, dass offenbar unterschiedliche Bewertungskriterien

verwendet worden sind, vorwiegend, was die Empfehlungen zu Therapieoptio-

nen betrifft.

Die deutsche Leitlinie lässt im Wesentlichen reduktionistisch und exklusiv nur

klare Beweise der vermeintlich höchsten Stufe der EBM (evidence based me-

dicine) in Form von mehreren RCTs (randomisiert kontrollierte Studien) gelten,

um eine Aussage zu einer Therapie zu empfehlen oder zu verwehren und tut

dies meist kategorisch mit streng imperativen Bewertungen wie „Starke Opioide

sollen nicht eingesetzt werden. EL 4b, stark negative Empfehlung, starker Kon-

sens“, weil als Ergebnis der entsprechenden Recherchen zu starken Opioiden

(Buprenorphin, Fentanyl, Hydromorphon, Oxycodon) nur eine Fallserie zu Fen-

tanyl mit fragwürdigen Ergebnissen erwähnt wird: „Eine signifikante Reduktion

von Schmerz oder Einschränkungen der Lebensqualität konnte nicht festgestellt

werden. [GL1] Alle Patienten gaben Nebenwirkungen an (Verwirrtheit, Übelkeit,

Erbrechen). 7/16 Patienten brachen die Therapie vorzeitig ab“. Eine solche Dikti-