Previous Page  8 / 74 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 8 / 74 Next Page
Page Background

8

http://www.DGS-PraxisLeitlinien.de

on und Vorgehensweise ist phänotypisch für diese Leitlinie.

Die kanadische Leitlinie weiß indes genauso um die schlechte Studienlage, urteilt

aber diametral anders: „A trial of opioids, beginning with a weak opioid such

as tramadol, should be reserved for treatment of patients with moderate to

severe pain that is unresponsive to other treatment modalities [Level 2, Grade

D]. Strong opioid use is discouraged, and patients who continue to use opioids

should show improved pain and function. Healthcare professionals must moni-

tor for continued efficacy, side effects or evidence of aberrant drug behaviours

[Level 5, Grade D].“

Dies ist einer der Gründe, warum 2015 eine Praxisleitlinie FMS der DGS notwen-

dig erscheint. Für die Mehrzahl der Therapien, denen sich FMS Patienten unter-

ziehen, ist die Datenlage nach den Kriterien der EBM (evidence based medicine)

schlecht oder nicht vorhanden. Die Patienten unterziehen sich diesen Therapien

aus einem großen Leidensdruck heraus und machen persönliche Erfahrungen,

die z.T. von den Empfehlungen und Erkenntnissen bisheriger Leitlinien abwei-

chen. Handeln sie deshalb falsch und dürfen verantwortungsvoll handelnde Ärz-

te deshalb diese Therapien nicht anwenden? Diese Frage ist mit einem klaren

Nein zu beantworten. Liegen Studien nicht vor, oder sind sie schlecht gemacht,

oder können sie nicht gemacht werden, weil Geldgeber dafür fehlen oder das

Design schwierig bis unmöglich ist, dann kommen Bewertungskriterien ins Spiel,

die der Erfinder der EBM Sackett der Studienlage als gleichwertig bewertet hat,

nämlich die Erfahrungen der qualifizierten Therapeuten, unter Berücksichtigung

von Indikation und Kontraindiaktion, Wirksamkeit und Umwirksamkeitsaspek-

ten, und der qualifizierte Rapport der Patienten, unter den Aspekten von Wir-

kung und Nebenwirkung, sowie kontrollierter Verbesserung von Behinderung

und Schmerz. Dies geht meist nur individuell, weil große Datenbanken (z.B. ein

Schmerzregister) bislang fehlen. Sie werden aber gerade von der DGS erstellt.

Es geht in diesem Zusammenhang aber andererseits um nichts weniger als die

„ärztliche Kunst“, Erkenntnisse, Erfahrungen und Therapieerfolge individuell zu

bewerten und im Konsens mit anderen Anwendern zu proklamieren. In diesem

Sinne bewertet die PraxisLeitlinie FibroMyalgie-Syndrom der DGS die Diagnose

und Therapie des FMS auf dem Boden des gleichen Datenmaterials wie die der

anderen Fachgesellschaften plus 3 Jahre (2015), aber im Sinne der praxisnahen

Anwender. Hier sollen Strategien und Empfehlungen gegeben werden, hinter de-

nen man 2015 mit der klaren Erkenntnis, das „Richtige“ zu tun, stehen kann, aber

auch, was man mit Vorsicht oder gar nicht anwenden sollte. FMS ist ein Syndrom

mit vielen Facetten und erfordert somit auch eine vielschichtig integrierte multi-

modale, oft auch multiprofessionelle Behandlung.

Gerade dafür, nämlich multifacettäre Behandlungskombinationen gibt es schon

gar keine Studien, bis auf die Empfehlung sogenannter multimodaler Therapie,