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http://www.DGS-PraxisLeitlinien.de

Heilen, lindern, vermeiden, beistehen – diese Kernbegriffe beschreiben die

grundlegenden Aufgaben der Schmerzmedizin – auch und gerade im Rahmen

wissenschaftlich begründeter evidenzbasierter Behandlungskonzepte – zu Be-

ginn des 21. Jahrhunderts. Damit gehört die Schmerzmedizin zu den vornehmlich

moralisch definierten patientenzentrierten Unternehmungen. Sie soll schmerz-

verursachende Krankheiten heilen oder – wenn dies nicht (mehr) möglich ist –

zumindest das Leiden der von Schmerzen Betroffenen lindern bzw. ihnen eine

möglichst umfassende Teilhabe am alltäglichen Leben ermöglichen. Und dies auf

eine möglichst effektive Weise.

Diesem Heilungsauftrag kann grundsätzlich nur entsprechen, wer auf der Grund-

lage eigener Erfahrungen und in Kenntnis der besten verfügbaren wissenschaft-

lichen Daten eine qualitativ gute, heilsame Schmerzmedizin macht, dabei die

Bedürfnisse der von chronischen Schmerzen Betroffenen berücksichtigt und mit

diesen gemeinsam individuelle Behandlungskonzepte entwickelt.

Damit gewinnt das institutionelle Mitwirkungsrecht von praktisch erfahrenen

Ärzten, nicht-ärztlichen Therapeuten und Patienten nicht nur bzgl. der Defini-

tion von Leistungsansprüchen sondern auch bzgl. der konkreten Ausgestaltung

medizinisch sinnvoller Leistungen zunehmend an Bedeutung. Durch die aktive

Einbeziehung aller Beteiligung verbreitert sich nicht nur die demokratische Ba-

sis, sondern auch die sachliche Legitimationsgrundlage für patientenorientierte

schmerzmedizinische Aktivitäten. Gerade vor dem Hintergrund der zunehmend

in den Mittelpunkt des gesundheitspolitischen Interesses rückenden Nutzenbe-

wertung schmerzmedizinischer Maßnahmen eröffnet die Einbeziehung und ak-

tive Mitwirkung von Betroffenen und Angehörigen eine neue gesellschaftliche

Repräsentanz ihrer spezifischen schmerzmedizinischen Bedürfnisse.

Diesem, bereits 2010 von der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin und

der Deutschen Schmerzliga in einer Stellungnahme zum Umgang mit Leitlinien

in der Schmerztherapie und Palliativmedizin, verabschiedeten Grundkonsens

(Überall MA. MMW-Fortschr Med 2010; Supplement Nr 1: 1-16) folgend, be-

schlossen imMärz 2012 die Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Schmerz-

medizin die Entwicklung eigener Therapieempfehlungen und verabschiedeten

ein entsprechendes Grundlagenpapier zur Erstellung praxisrelevanter schmerz-

medizinischer Leitlinien.

Kernelement dieser PraxisLeitlinien ist – neben den „üblichen“ Verfahren zur

Wertung bzw. Wichtung evidenzbasierter Empfehlungen aus Studien unter-

schiedlichster Ausrichtung und Qualität (der sog. externen Evidenz) – die Prü-

fung von Alltagstauglichkeit und -wertigkeit durch die sog. interne Evidenz von

Entstehungsgeschichte und Eckpunkte