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Jahrzehntelange Bemühungen des Gesetzgebers, den Finanzierungsproblemen

des gesetzlichen Krankenkassensystems durch zahllose Reformen des Sozial-

gesetzbuchs 5 (SGB V) Einhalt zu gebieten, führten zu endlosen Debatten im

Grenzbereich zwischen formal erwünschter Rationalisierung und tatsächlich an-

gestrebter Rationierung medizinischer Leistungen. Obwohl die medizinische Ver-

sorgung mit Arzneimitteln bzgl. des Gesamtvolumens der Gesundheitsausgaben

eher von nachrangiger Bedeutung sind, stand (und steht) der Arzneimittelmarkt

überdurchschnittlich häufig im Fokus der verschiedensten Kostendämpfungs-

maßnahmen und war (bzw. ist!) Gegenstand zahlreicher (mehr oder weniger ra-

tionaler) Sparbemühungen.

Kernelement dieser Bestrebungen zur Kostenreduktion der Arzneimittelaus-

gaben im Gesundheitswesen war bereits vor vielen Jahren das gesetzgebe-

rische Angebot zur vereinfachten Zulassung und Einführung sog. Generika als

preiswerte(re) Alternative zu den teueren innovativen Erstanbieterarzneimitteln

(den sog. Innovatorprodukten). Darüber hinaus besteht ein zunehmender öf-

fentlicher Druck (v.a. durch die Krankenkassen), Patienten mit diesen kosten-

günstigeren Alternativen zu behandeln bzw. Patienten umzustellen, auch wenn

die Behandlung bereits begonnen hat.

Ungeachtet der intensiven und durchaus kontroversen Diskussion über mögliche

Risiken eines medizinisch nicht-indizierten Wechsels zwischen verschiedenen

wirkstoffidentischen Originalarzneimitteln, Generika, Parallel- und Reimporten

und zunehmend auch zwischen unterschiedlichen generischen Produkten unter-

einander, hat der Gesetzgeber die Regelungen zur Arzneimittelsubstitution im

Laufe der Jahre kontinuierlich im Sinne einer Präferenzierung des Einsatzes von

Generika verschoben und gegenüber den Ansprüchen Betroffener auf eine hohe

Versorgungsqualität und eine konstante Arzneimitteltherapie priorisiert. Konse-

kutiv wurde durch diese gesetzlichen Vorgaben ein Substitutionskarussel in Gang

gesetzt, dessen Dynamik einerseits offensichtlich den Krankenkassen eine Sen-

kung der Arzneimittelausgaben beschert, andererseits patientenrelevante Fra-

gen der Arzneimittelsicherheit und der Versorgungsqualität negiert.

Offensichtlich ist, dass die diesbezüglich dringend notwendigen Diskussionen

und Güterabwägungen nicht nur durch die gesellschaftliche Vielfalt von Wer-

teüberzeugungen und Lebensentscheidungen geprägt sind und eher selten auf

einem allgemein geteilten und konsentierten Wertekonsens beruhen. Betroffe-

ne werden unter Berücksichtigung ihrer individuellen Betroffenheit naturgemäß

anders argumentieren als die sie versorgenden Leistungserbringer [die unter

dem zunehmenden ökonomischen Druck möglicherweise nicht, bzw. nicht nur

das Wohl des individuell leidenden Schmerzpatienten zum Ziel haben (dürfen?)]

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