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http://www.DGS-PraxisLeitlinien.de

Da Ärzte kaum alle möglichen Nebenwirkungen derjenigen Arzneimittel im Blick

haben (können), die für eine Substitution in Betracht kommen und eine Wie-

dereinbestellung der Patienten nach dem Apothekenbesuch zwecks Aufklärung

über die Risiken und Nebenwirkungen des ausgehändigten Substitutionspräpa-

rates unrealistisch ist, ist ihnen deshalb im Zweifelsfall grundsätzlich zu raten, die

Substitution durch Ankreuzen des Aut-idem-Feldes auszuschließen.

Der Ausdruck „Aut-idem“ leitet sich aus dem Lateinischen ab und bedeutet „oder

das Gleiche“. Damit wird dem Apotheker die Möglichkeit gegeben, statt des vom

Arzt verordneten Medikamentes ein wirkstoffgleiches, aber preisgünstigeres

Präparat abzugeben. Vor dem Arzneimittelausgaben-Begrenzungsgesetz (AABG)

musste der Arzt den Austausch des Medikaments ausdrücklich zulassen, in dem

er das auf dem Rezeptformular befindliche Feld ankreuzte. Mit Inkrafttreten des

oben genannten Gesetzes wurde die Bedeutung des Kästchens umgekehrt. Lässt

der Arzt bei der Verordnung eines Medikamentes das entsprechende Aut-idem-

Feld nun auf dem Rezept frei, so wird dem Apotheker die Substitution erlaubt.

Durch das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz haben bei der Aut-idem-Substituti-

on rabattierte Produkte grundsätzlich Vorrang.

Apotheken sind nach § 129 SGB V bei der Abgabe verordneter Arzneimittel an

Versicherte zur Abgabe eines preisgünstigen Arzneimittels verpflichtet, wenn

der verordnende Arzt ein Arzneimittel nur unter seiner Wirkstoffbezeichnung

verordnet hat oder die Ersetzung des Arzneimittels - für das ein Rabattvertrag

(§ 130a Abs. 8 SGB V) zwischen der Krankenkasse und dem pharmazeutischen

Unternehmen besteht - durch ein wirkstoffgleiches Arzneimittel nicht explizit

durch das Ankreuzen des Aut-idem-Feldes ausgeschlossen hat. Gibt es für ein

Präparat keine Rabattvereinbarung, so ist das verordnete oder eines der drei

preisgünstigsten Arzneimittel abzugeben.

Zusätzlich können formale bzw. bürokratische Vorgaben Ursache dafür sein, dass

das in der Apotheke abgegebene Arzneimittel von dem ärztlicherseits verordne-

ten ungewollt abweicht, wie z.B., dass

a) das verordnete Arzneimittel durch einen Rabattpartner nur in einer ab-

weichenden/kleineren Packungsgröße angeboten wird

b) das verordnete Arzneimittel bzw. die spezifizierte Darreichungsform nicht

mehr im Handel ist

c) das Arzneimittel (vorübergehend) nicht lieferfähig ist

d) das verordnete Originalarzneimittel zur Erreichung der „Importquote“ in

der Apotheke ausgetauscht wird

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