Background Image
Previous Page  4 / 182 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 4 / 182 Next Page
Page Background

3

http://www.DGS-PraxisLeitlinien.de

Vorwort:

Ich weiß jetzt, dass ich in naher Zukunft an meinem Krebs ster-

ben muss! Aber muss ich bis dahin aufgrund meiner Schmerzen

auch noch die Hölle auf Erden erleben?

(Patientin CF; 64 Jahre; Ovarialkarzinom T3c, N1, M1; Auszug aus ihrem Tagebuch, 4 Wochen

vor ihrem Tod).

„Blitzartig eintretende, extrem starke und schwere, nicht selten unerträgliche

Schmerzexazerbationen, die bei Tumorpatienten spontan oder im Zusammen-

hang mit einem bestimmten vorhersehbaren oder nicht vorhersehbaren Aus-

löser trotz relativ konstanten und angemessen kontrollierten Dauerschmerzen

auftreten“ stellen im Spektrum aller bekannten Schmerzsyndrome eine relativ

neue Entität dar und werden seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts um-

gangssprachlich mit dem Begriff (tumorbedingte) Durchbruchschmerzen (engl.

breakthrough cancer pain, BTcP) umschrieben.

Obwohl Durchbruchschmerzen per definitionem kein eigenständiges Krank-

heitsbild darstellen, kommt ihnen im praktischen Alltag doch ein eigenständi-

ger Krankheitswert zu, dessen klinische Merkmale sich von Person zu Person

und teilweise auch bei ein und derselben Person von Episode zu Episode unter-

scheiden. Die klinischen Merkmale von Durchbruchschmerzen stehen häufig im

Zusammenhang mit den klinischen Merkmalen der zugrunde liegenden Dauer-

schmerzen, mit denen sie darüber hinaus sowohl ätiologisch als auch pathophy-

siologisch eng verwandt sind.

Durchbruchschmerzen stellen nicht nur eine häufige (und häufig unzureichend

adressierte), sondern auch relativ schwer zu behandelnde Ursache für die Mor-

bidität bei Krebspatienten dar, die zu einer ganzen Reihe physischer, psychischer

und sozialer Komplikationen führen können (welche an sich eine bedeutsame

Ursache für die Morbidität bei dieser Patientengruppe darstellen). Darüber hi-

naus führen Durchbruchschmerzen zu einer erhöhten Inanspruchnahme von

Gesundheitsdienstleistungen (d.h. häufigere ambulante Arztbesuche, häufigere

Patienteneinweisungen), welche in höheren direkten Ausgaben (z.B. Arzneimit-

telkosten) und höheren indirekten Ausgaben (z.B. Transportkosten) resultieren,

wodurch nicht nur das Gesundheitswesen sondern insbesondere auch Angehöri-

ge und andere Betreuungspersonen sowie nicht zuletzt auch Betroffene belastet

werden. Durchbruchschmerzen führen außerdem zu einer stärkeren Inanspruch-

nahme des Sozialwesens und beschränken – unabhängig von der zugrunde lie-

genden Tumorerkrankung – die Teilhabe Betroffener am privaten, beruflichen

und sozialen Leben.

Vorwort