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http://www.DGS-PraxisLeitlinien.de

„External clinical evidence can inform, but can never replace, individual cli-

nical expertise, and it is this expertise that decides whether the external

evidence applies to the individual patient at all and, if so, how it should be

integrated into a clinical decision. Similarly, any external guideline must be

integrated with individual clinical expertise in deciding whether and how

it matches the patient’s clinical state, predicament, and preferences, and

thus whether it should be applied. Clinicians who fear top down cookbooks

will find the advocates of evidence based medicine joining them at the bar-

ricades.“

Analog zu diesen Überlegungen darf der Umstand, dass derartige Entwicklun-

gen aufgrund knapper werdender finanzieller Ressourcen zunehmend um sich

greifen und somit zur Normalität werden, nicht damit verwechselt werden, dass

diese Entwicklung auch wirklich richtig ist. Andererseits müssen vor diesem Hin-

tergrund Leitlinien (auch die vorliegende) kritisch(er) betrachtet werden, weil

die Erfahrungen zeigen, dass die durch sie gesetzten/definierten Handlungsemp-

fehlungen unmittelbare Auswirkungen auf die Versorgungsrealität haben können

bzw. haben werden. Solange diese konkreten Auswirkungen zu einer Verbesse-

rung der medizinischen Versorgung Betroffener führen sind sie zu unterstützen

und ihre Verbreitung zu fördern. Sollten die Empfehlungen jedoch – entgegen

der Intention ihrer Entwickler – zu ökonomisch getriebenen Beschränkungen

und entsprechenden Restriktionen medizinisch sinnvoller Leistungen für Betrof-

fene führen muss ihnen Einhalt geboten werden, da dies der Grundintention der

PraxisLeitlinien der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zutiefst wider-

spricht.

Diese PraxisLeitlinien sollen Perspektiven öffnen, Horizonte erweitern und die

Versorgung in jedem Einzelfall konkret verbessern, nicht jedoch als Argument

für ökonomische Einsparungen herangezogen werden – dafür wurden sie nicht

gemacht, dafür sind sie auch nicht geeignet!

Diese beliebte – nicht nur in Deutschland, hier aber besonders extensiv und

gründlich betriebene – missbräuchliche Nutzung der „evidence-based medicine“

und ihrer Instrumente (wie z. B. Metaanalysen oder Leitlinien) zielt auf deren Ver-

wendung als pseudowissenschaftliche Begründung für gesundheitsökonomisch

notwendig werdende Kostensenkungsmaßnahmen im Sinne einer Rationalisie-

rung medizinischer Maßnahmen (z. B. zur Eindämmung steigender Arzneimit-

telausgaben etc.), um politisch eigentlich längst überfällige, jedoch praktisch der

breiten Bevölkerung (d. h. demWähler) nur schwer vermittelbare Rationierungs-

maßnahmen zu vermeiden. Natürlich ist es das Gebot der Stunde, angesichts

zunehmend schwindender finanzieller Ressourcen im Gesundheitssystem nur ef-

fektive therapeutische Maßnahmen einzusetzen und sich von weniger oder gar

Vorwort