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http://www.DGS-PraxisLeitlinien.de

nicht wirksamen Verfahrensweisen zu trennen. Der Garant für eine umfassende

Implementierung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse in der alltäglichen

Praxis – und damit Hauptargument evidenzbasierender Entscheidungsfindungs-

prozesse – ist jedoch das immerwährende Hinterfragen der gewählten thera-

peutischen Ansätze (d. h. der internen Evidenz) durch die verfügbare externe

Evidenz und die Formulierung einer rational stets nachvollziehbaren Grundlage

für das im jeweiligen Einzelfall gewählte therapeutische Konzept.

Dass mit evidenzbasierten Entscheidungsfindungsprozessen „sektoral“ betrach-

tet u.U. sogar höhere Kosten entstehen können ist offensichtlich. Dass damit

„sektorübergreifend“, d.h. gesamtwirtschaftlich betrachtet enormes Optimie-

rungs- und Einsparpotenzial besteht, ist unbestritten (Sackett DL, Rosenberg

WMC, Muir JAM Gray, Haynes RB, Richardson WS. Evidence-based medicine:

what it is and what it isn’t. BMJ 1996; 312: 71-72):

„Some fear that evidence-based medicine will be hijacked by purchasers

and managers to cut the costs of health care. This would not only be a

misuse of evidence-based medicine but suggests a fundamental misunder-

standing of its financial consequences. Doctors practicing evidence-based

medicine will identify and apply the most efficacious interventions to maxi-

mize the quality and quantity of life for individual patients; this may raise

rather than lower the cost of their care.“

Abschließend noch ein paar Worte warum ausgerechnet zu tumorbedingten

Durchbruchschmerzen – einer zugegebenermaßen „kleinen“ Indikation – die

erste PraxisLeitlinie der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin entwickelt

wurde. Entscheidender Anlass hierfür war sicherlich die Erkenntnis, dass in kaum

einer anderen Schmerzerkrankung die emotionalen, rationalen und ökonomi-

schen Ansichten in der öffentlichen und gesellschaftlichen Wahrnehmung so di-

vergent sind wie bei tumorbedingten Durchbruchschmerzen. Nicht selten wird

diesbezüglich in der laienhaften Betrachtung der Kombination einer potenziell

lebensbedrohlichen Erkrankung einerseits und der durch diese Tumorerkran-

kung ausgelösten Symptome (wie z.B. der Schmerzen) andererseits der Wert

kausaler, d.h. ursächlich und gegen den Tumor (meist unter der Annahme eines

lebensverlängernden Einflusses) gerichteter Therapiemaßnahmen der Vorrang

vor symptomatischen (z.B. schmerzlindernden) Maßnahmen gegeben, die „nur“

die Lebensqualität verbessern.

In dem Bestreben das Leben zu verlängern und den Tumor zu bekämpfen bleibt

bisweilen das Leben an sich auf der Strecke und es werden Behandlungserfolge

gefeiert, die angesichts der damit einhergehenden bzw. durch die Betroffenen

in Kauf zu nehmenden Belastungen nicht in jedem Fall als sinnvoll erachtet wer-

den können. Analysen zeigen, dass die Lebensqualität tumorkranker Menschen

Vorwort