Schmerzmedizin 1 / 2019

Kognitive Verhaltenstherapie bei Migräne Das Fass vor dem Überlaufen bewahren Verhaltenstherapeutische Interventionen sind fester Bestandteil einer leitliniengerechten Migräne­ prophylaxe. Besonders gut belegt ist die Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie sowohl in Bezug auf die Migränesymptome als auch auf die assoziierte psychische Problematik. K ognitive Verhaltenstherapie (KVT) definiere Gedanken als entschei- dende Determinanten menschli- chen Erlebens, erklärte Dipl.-Psych. Eva Liesering-Latta von der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein. Dem ent- sprechend sei die Modifikation von Ge- danken, Einstellungen und Verhaltens- weisen das entscheidende Agens der KVT. Beginnen, bevor das Fass überläuft Ein zentraler Bestandteil der KVT bei Migränepatienten ist die Psychoeduka- tion. Dabei könne, so Liesering-Latta, etwa das Diathese-Stress-Modell erklärt werden: Durch das Zusammenspiel von Diathese – das heißt erhöhte Reizsensi- tivität sowie gestörte Habituation – und Stress durch innere und äußere Reize komme es zur Überschreitung der Mig- räneschwelle und eine Attacke werde ausgelöst. Liesering-Latta beschreibt das anhand des Bilds vom überlaufenden Fass. Dabei gehe es darum, den Auf- merksamkeits- und Lernfokus auszu- weiten und nicht nur die Faktoren zu be- achten, die unmittelbar vor der Attacke stehen, etwa ein extremer Wechsel von An- zu Entspannung, sondern auch all das, was das Fass nach und nach füllt: Eine ständig erhöhte Grundanspannung, unregelmäßige Mahlzeiten, Schlafman- gel, reizintensive Situationen, Hektik, Aufregung, Angst oder Ärger. Während der KVT erkunden die Betroffenen, wel- che dieser Faktoren sie verändern kön- nen, um das Volllaufen frühzeitig zu entschleunigen, etwa durch regelmäßige Pausen und Entspannungsübungen. Beachtliche Effektstärken In Studien zur Behandlung der Migräne hat die KVT eine Reduktion der Krank- heitsaktivität um rund 40% und beacht- liche Effektstärken von etwa 0,5 erzielt. Auch die kopfschmerzassoziierten psy- chischen Beeinträchtigungen und Symp­ tome gingen unter der Behandlung zu- rück. Die positiven Effekte der KVT wa- ren stabil und noch nach Jahren nach- weisbar. Wesentliche Wirkfaktoren wa- ren dabei die Steigerung der Selbstwirk- samkeitsüberzeugung und der Abbau ka- tastrophisierender Gedankenschleifen. Menschen unter schweren Alltagsbelas- tungen, mit depressiven Symptomen und maladaptivem Bewältigungsverhalten profitieren Liesering-Latta zufolge beson- ders von einer KVT. Dr. Thomas M. Heim Symposium „Fit für die Zukunft: leitlinien­ gerechte verhaltenstherapeutische Behandlung der Migräne“, Deutscher Schmerzkongress, Mannheim, 19.10.2018 ANZEIGE Schmerzmedizin 2019; 35 (1) 11 Zertifikatsstudium Spezielle Schmerzpsychotherapie Erstes Zertifikatsstudium in Deutschland, zeitlich kompakte Gestaltung in Form von Blockseminaren. Leitung: Prof. Dr. Pia-Maria Wippert. Tel.: +49 331 977 1455 / 1081, Fax: 0331-9771143, E-Mail: schmerztherapie@uni-potsdam.de Anerkannt von der ostdeutschen Psychotherapeutenkam- mer. Es können Fortbildungspunkte der Landesärztekam- mern vergeben werden. Erwerbstätige in Brandenburg können eine finanzielle Förderung bei der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) beantragen. Nähere Informationen unter: https://www.up-transfer.de/ weiterbildung/zertifikatsprogramme/ spezielle-schmerzpsychotherapie/

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