Schmerzmedizin 5 / 2018

©© Mehmet Dilsiz / Fotolia.com In der Rubrik „Literatur kompakt“ werden die wichtigsten Originalarbeiten aus der internationalen Fachliteratur referiert. Spezialisierte palliative Versorgung bei tumorkranken Kindern Erhalten Kinder mit bösartigen Erkrankungen zusätzlich zur onkologischen Therapie auch eine spezialisierte pädiatrische palliative Versorgung, sinkt die Wahrscheinlichkeit einer stationären Intensivtherapie am Lebensende deutlich. W elche Auswirkungen es bei Kindern mit nicht heilbaren Tumorerkran- kungen haben kann, ein Team der spezi- alisierten pädiatrischen palliativen Ver- sorgung (SPPC) einzubeziehen, war – anders als bei Erwachsenen – bislang un- bekannt. Die Studien hierzu waren klein und die Ergebnisse widersprüchlich. Da- her analysierten kanadische Forscher re- trospektiv die Daten einer großen Ko- horte von Kindern, die 2000–2012 an bösartigen Tumorerkrankungen verstor- ben waren. Von den 572 Kindern wurden 166 (29%) mindestens 30 Tage vor ihrem Tod von einem SPPC-Team betreut, wo- bei die SPPC-Rate im Untersuchungs- zeitraum anstieg. 100 Kinder (17,5%) er- hielten lediglich eine allgemeine pallia- tive Versorgung (PC). Die restlichen 306 Patienten (53,5%) wurden nicht palliativ mitbetreut. Die Versorgung mit der SPPC war mit einer sehr stark reduzier- ten Wahrscheinlichkeit für eine statio- näre Intensivtherapie verbunden (Odds Ratio [OR] 0,2; 95%-Konfidenzintervall 0,1–0,4). Ähnliche Ergebnisse ergaben sich auch bei der Auswertung einzelner Sekundärparameter wie maschinelle Be- atmung oder Wiederbelebungsmaßnah- men. Eine allgemeine Palliativtherapie hatte dagegen keinen Einfluss auf diese Aspekte. Kinder mit hämatologischen Erkran- kungen erhielten signifikant seltener eine SPPC als Kinder mit soliden Tumoren (OR 0,3). Auch äußere Faktoren spielten für den Zugang zur SPPC eine Rolle: So wurden Kinder, die in einer einkom- mensschwachen Umgebung lebten oder weit entfernt vom Behandlungszentrum wohnten, deutlich seltener von einem SPPC-Team betreut (OR 0,4 bzw. 0,5). Bei rund 20% der Kinder mit bösarti- gen Erkrankungen versagt die Therapie auch heute noch. Für diese nicht mehr heilbaren Kinder könnte eine Aufnahme auf die Intensivstation unnötig belas- tend sein. Zur Frage, ob der Einsatz einer SPPC hilft, diese Situation zu verbessern, liegt nun erstmals eine zahlenmäßig ausreichende Studie vor. Fazit: Wenn verfügbar, ist bei Kindern mit therapierefraktären malignen Er- krankungen die spezialisierte pädiatri- sche Palliativversorgung (SPPC), nicht aber die allgemeine Palliativversorgung, mit einer geringeren Therapieintensität am Lebensende assoziiert. Diese Resul- tate liefern starke Argumente dafür, die Bildung von Palliativteams weiter zu un- terstützen. Brigitte Schalhorn Widger K et al. Predictors of specialized pediatric palliative care involvement and im- pact on patterns of end-of-life care in children with cancer. J Clin Oncol. 2018;36(8):801-7 Wegweiser Hospiz- und Palliativversorgung in neun Sprachen In neun Sprachen ist der „Wegweiser Hospiz- und Palliativversorgung Deutschland“ mittlerweile verfügbar: deutsch, englisch, französisch, polnisch, russisch, türkisch, vietnamesisch, rumänisch und arabisch. „Das mehrsprachige Informations- und Adressangebot ist ein wichtiges Angebot, damit Menschen am Ende ihres Lebens die bestmögliche Versorgung und Lebens- qualität erfahren können!“ wird die dama- lige Bundesfamilienministerin Katerina Barley in einer Meldung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin zitiert. Der Wegweiser bietet Informationen über die verschiedenen Versorgungsformen und mehr als 3.000 Anlaufstellen der Hospiz- und Palliativversorgung bundes- weit. Zudem kann man diese speziell für Erwachsene beziehungsweise Kinder und Jugendliche abrufen und auch gezielt im Umkreis des Wohnorts suchen. Kim Jené ©© Warchi / Getty Images / iStock Literatur kompakt  Schmerzmedizin 2018; 34 (5) 11

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