Schmerzmedizin 6 / 2018

Positive Erwartung trotzt negativer Erfahrung Vor acht Jahren wurde am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ein Forschungsvorhaben gestartet, um zu erkunden, wie sich Patienten­ erwartung und Behandlungskontext auf den Therapieerfolg auswirken, etwa über Placebo- oder Noceboeffekte. Ging es zu Beginn vor allem um ein besseres Verständnis der beteiligten psychophysiologischen Mechanismen, könnten die neuesten Studienergebnisse bereits praktische Konsequenzen für therapiebegleitende Kommunikation mit Schmerzpatienten haben. E rwünschte und unerwünschte Wir- kungen einer medizinischen Be- handlung kommen nicht ausschließlich durch physiologische Effekte zustande, sondern werden auch durch psychische Faktoren erheblich beeinflusst. Dabei spielen die Erwartungen des Patienten eine entscheidende Rolle. Zur Frage, was diese Erwartungen konstituiert, fand die Placeboforschung drei Hauptkompo- nenten: Instruktion durch die Behan- delnden, Behandlungskontext und Er- fahrung. Über diese Wirkkomponenten kann die Verarbeitung von Schmerzrei- zen im ZNS nachweislich beeinflusst werden, unter anderem über die Aus- schüttung körpereigener Substanzen wie Opioide. Um das Zusammenspiel von Erwar- tungen und unterschiedlichen Erfah- rungen imVerlauf einer Behandlung auf das Schmerzerleben näher zu erkunden, führte Julia Schmitz mit ihren Kollegen von dem Universitätsklinikum Ham- burg-Eppendorf eine Studie an 73 Per- sonen mit chronischen Rückenschmer- zen durch. Diese wurden in eine von drei Konditionierungsinterventionen – „Placebo“, „Nocebo“ und „kein Effekt“ – oder in eine Kontrollgruppe ohne Inter- vention randomisiert. Die standardisier- te Information an die Teilnehmenden der Konditionierungsarme lautete: „Die im Rahmen der Studie erprobte Behand- lung wirkt schmerzreduzierend, in sel- tenen Fällen auch schmerzverstärkend.“ An die Kontrollgruppe lautete die Infor- mation: „Wir beobachten Ihren natürli- chen Schmerzverlauf.“ Weniger Schmerzen sogar in der Nocebogruppe Am ersten Studientag erfolgte unter der „Behandlung“ − Infusion einer Koch- salzlösung − die Konditionierung. Dazu wurde den Patienten eine Hautelektro- de, ähnlich wie bei einer Transkutanen Elektrischen Nervenstimulation (TENS) dort auf den Rücken geklebt, wo ihre chronischen Rückenschmerzen lokali- siert waren. Über die Elektrode wurden

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