Schmerzmedizin 2 / 2019

©© Mehmet Dilsiz / Fotolia.com In der Rubrik „Literatur kompakt“ werden die wichtigsten Originalarbeiten aus der internationalen Fachliteratur referiert. Orales Methylnaltrexon – vergleichbar sicher wie Placebo Methylnaltrexon in Tablettenform ist bei einer opioidinduzierten Obstipation nicht nur gut wirksam, es beeinträchtigt auch nicht die Opioidwirkung und hat zudem ein überzeugendes Sicherheitsprofil. D ie orale Formulierung von Methyl- naltrexon erhielt im Juli 2016 die Zu- lassung für die Behandlung der opioidin- duzierten Obstipation (OIC) bei Erwach- senen mit nicht krebsbedingten Schmer- zen. Empfohlen wird die einmal tägliche Einnahme von 450 mg, am besten mor- gens. Neben der Wirksamkeit wurde in der Zulassungsstudie auch das Sicher- heitsprofil gegenüber Placebo überprüft. Die detaillierten Ergebnisse stellten nun Schmerzmediziner aus den USA vor. An der Studie hatten insgesamt 803 Erwachsene mit OIC teilgenommen. Sie wurden in einem Verhältnis von 1:1:1:1 randomisiert und über vier Wochen ein- mal täglich entweder mit 150 mg, 300 mg oder 450 mg Methylnaltrexon per os oder Placebo behandelt. Berück- sichtigt wurden Probanden, die seit mindestens zwei Monaten an nicht krebsbedingten Schmerzen gelitten ha- ben und seit 14 Tagen oder länger mit ei- nem Opioid in einer Dosierung von we- nigstens 50 mg Morphinäquivalent be- handelt worden sind. Orales Methylnaltrexon zeigte ein ver- gleichbar gutes Sicherheitsprofil wie Pla- cebo. In den Verumgruppen hatten ähn- lich viele Probanden über behandlungs- assoziierte Nebenwirkungen („treat- ment emergent adverse event“, TEAE) berichtet wie in der Placebogruppe (59% vs. 63%). Ein dosisabhängiger Anstieg der TEAE-Inzidenz war nicht zu beob- achten (150 mg: 58,2%, 300 mg: 59,7%, 450 mg: 59,0%). Zu den häufigsten Be- schwerden zählten abdominale Schmer- zen (8,0% vs. 8,5% mit Placebo), Übel- keit (6,8% vs. 9,0% mit Placebo) und Durchfall (6,0% vs. 3,5% mit Placebo). Kardiale TEAE traten bei 1,8% der Ve- rum- und 1,0% der Placebopatienten auf. Schwerwiegende kardiale Ereignisse gab es keine. Änderungen in den Labor- und Vitalwerten sowie der EKG-Ableitung wurden in allen Gruppen ähnlich selten registriert, und wenn, handelte es sich um diskrete Abweichungen. Die notfall- mäßige Anwendung eines Laxans war in der Placebogruppe häufiger erforderlich als in der 450-mg-Methylnaltrexon- gruppe. Weder in der Verum- noch in der Placebogruppe traten bei nahezu gleichbleibender Opioiddosis mehr Ent- zugssymptome auf oder stieg die Schmerzintensität. Fazit: Methylnaltrexon in Tablettenform hat ein ähnliches Sicherheitsprofil wie Placebo. Weder fanden sich Hinweise für eine kardiale Toxizität noch für eine Beeinträchtigung der Opioidwirkung. Gerade für Patienten, die langfristig be- handelt werden müssen, werten die Stu- dienautoren die orale Formulierung als eine gute und vor allem komfortable Alternative zur subkutanen Injektion. Dr. Dagmar Kraus Rauck R et al. Safety of oral methylnaltrexone for opioid-induced constipation in patients with chronic noncancer pain. J Pain Res 2019;12:139–50 Gerade für Patienten mit einer opioidinduzierten Obstipation, die lange behandelt werden müssen, eignet sich Methylnaltrexon. ©© Robert Kneschke / stock.adobe.com Literatur kompakt  Schmerzmedizin 2019; 35 (2) 11

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