Schmerzmedizin 5 / 2018

dikament die Schmerzen weder kurz- fristig (bis zu drei Monate) noch mittel- fristig (über drei bis zwölf Monate) stär- ker als Placebo, die Differenz über alle drei Studien hinweg war praktisch gleich Null. Auch zeigte sich kein Einfluss auf die Einschränkungen imAlltag. In einer Studie mit Topiramat bei solchen Pati- enten reduzierte das Medikament die Schmerzen immerhin kurzfristig signi- fikant stärker als Placebo, allerdings hat- te es ebenfalls keine Auswirkungen auf die Alltagsfunktion. In fünf Studien wurden Gabapentin, Pregabalin oder Topiramat bei Patienten mit radikulären Lumbalschmerzen ge- prüft. Hier deutete sich lediglich in einer kleinen Studie mit 43 Patienten unter Gabapentin ein Nutzen an, nicht jedoch in allen anderen Studien. Letztlich zeig- te sich lediglich in zwei von insgesamt 20 Vergleichen zur Schmerz- oder Be- hinderungsreduktion ein Vorteil der Be- handlung mit Antikonvulsiva. Dies in- terpretieren die Autoren als moderat bis hohe Evidenz für einen fehlenden Nut- zen einer solchen Therapie. Eine ebenso hohe Evidenz fanden die Forscher um Enke für einen Schaden durch Antikonvulsiva. So war die Rate von unerwünschten Wirkungen unter Gabapentin und Pregabalin um 40% hö- her als unter Placebo. Am häufigsten kam es zu Müdigkeit, Benommenheit und Übelkeit. Keine signifikanten Diffe- renzen wurden unterm Strich in zwei Untersuchungen mit Topiramat ermit- telt, allerdings verwendete eine der Stu- dien Diphenhydramin als aktive Place- bokontrolle – eine Substanz mit sedie- rendem Effekt. Fazit: Antikonvulsiva sind nach bisheri- gen Kenntnissen zur Therapie bei Kreuz- und radikulären Lumbalschmerzen nicht geeignet. Die Evidenz spricht ge- gen einen Nutzen von Topiramat, Gaba- pentin und Pregabalin, wohl aber für ei- nen Schaden. Thomas Müller Enke O et al. Anticonvulsants in the treatment of low back pain and lumbar radicular pain: a systematic review and meta-analysis. CMAJ 2018; Jul 3;190: E786–93 ©© Piotr Marcinski / Fotolia Antikonvulsiva bei Rückenschmerzen schaden mehr als zu nützen.

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