Schmerzmedizin 3 / 2019

©© Mehmet Dilsiz / Fotolia.com In der Rubrik „Literatur kompakt“ werden die wichtigsten Originalarbeiten aus der internationalen Fachliteratur referiert. Botulinumtoxin A besteht Alltagstest bei der Migräneprophylaxe Onabotulinumtoxin A ist auch unter Alltagsbedingungen zur Prophylaxe bei chronischer Migräne wirksam und sicher. Das zeigt eine prospektive Studie, in der sich patientenrelevante Parameter wie Alltagsbeeinträchtigungen und Lebensqualität besserten. O nabotulinumtoxin A ist in fast allen europäischen Ländern für die Pro- phylaxe der chronischen Migräne bei Erwachsenen zugelassen. In klinischen Studien hat sich ein Behandlungssche- ma von intramuskulären (i. m.) Injekti- onen in sieben Muskelgruppen der Kopf- Hals-Region alle 12 Wochen etabliert. Die Wirksamkeit über 56 Wochen ist in einer placebokontrollierten Phase-III- Studie dokumentiert, eine offene Studie über bis zu 108 Wochen bestätigte die Langzeiteffektivität. In einer neuen offe- nen Studie wurden jetzt die Langzeit- wirksamkeit unter Real-Life-Bedingun- gen anhand patientenrelevanter Wirk- samkeitsparameter analysiert. Einbezogen in die offene, multizentri- sche, nicht interventionelle Studie waren 633 überwiegend weibliche Patienten mit chronischer Migräne, die über 24 Monate Onabotulinumtoxin A i. m. auf Basis des in Studien evaluierten Dosie- rungs- und Applikationsschemas und im Ermessen ihres Arztes erhielten. Wirksamkeitszielgrößen waren die Häu- figkeit der Kopfschmerztage, Angaben im Migraine-Specific-Quality-of-Life Questionnaire (MSQ) und dem EuroQol 5-Dimension Questionnaire (EQ-5D) sowie unerwünschte Effekte. Insgesamt erhielten die Patienten 3.499 Behandlungssitzungen, wobei sich die behandelnden Ärzte eng an das vor- gegebene Schema hielten. Durchschnitt- lich wurden 155,1 U an 31,4 Injektions- stellen appliziert, bei 79,1% der Patien- ten wurde mindestens eine Einzelbe- handlung mehr als 13 Wochen nach der vorangegangen Injektion gegeben. Die Zahl der Kopfschmerztage redu- zierte sich von 20,6 pro Monat (Stan- dardabweichung [SD] 5,4) zu Behand- lungsbeginn auf 7,4 Tage pro Monat (SD 6,6) bei Studienende nach 24 Mona- ten (p < 0,001). Im MSQ ging jede der drei Einzeldomänen (ungeplante sowie geplante Einschränkungen im Alltag aufgrund der Migräneattacken und emo- tionale Funktion) im Verlauf der Thera- pie mit jeder Behandlungssitzung zurück (p < 0,001), ebenso der mediane EQ-5D beim Gesamt- und Gesundheitsstaus- Score (p < 0,001). Insgesamt berichteten 18,3% der Patienten über unerwünschte Nebeneffekte. Zumeist waren diese von leichter bis mäßiger Intensität, nur 1,3% der Studienteilnehmer gaben schwere unerwünschte Effekte an. Als häufigste Nebenwirkungen traten Ptosis am Au- genlid (5,4%), Nackenschmerzen (2,8%) und Muskelsteifheit (2,7%) auf. Fazit: Die regelmäßige i. m.-Injektion von Botulinumtoxin reduziert Kopf- schmerzhäufigkeit, krankheitsbedingte Einschränkungen im Alltag und die Lebensqualität bei insgesamt guter Sicherheit. Dr. Barbara Kreutzkamp Ahmed F et al. An open-label prospective study of the real-life use of onabotulinumtoxinA for the treatment of chronic migraine: The REPOSE study. J Headache Pain 2019;20(1):26 Alle 12 Wochen eine Botulinumtoxin-Injektion in sieben Muskelgruppen der Kopf-Hals-Region – das klinische Setting zur Migräneprophylaxe bewährt sich auch unter Real-World-Bedingungen. ©© AlexRaths / Getty Images / iStock Literatur kompakt  Schmerzmedizin 2019; 35 (3) 15

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