Schmerzmedizin 4 / 2018

Schmerzmedizin 4 / 2018

Akupunktur gegen chronische Schmerzen: Metaanalyse bestätigt Therapieeffekte Die Akupunktur in der Behandlung von chronischen Schmerzen ist immer noch umstritten – zu dubios erscheint manchen das zugrunde liegende Konzept. Eine aktuelle Metaanalyse dokumentiert nun aber erneut den Effekt der nadelgesteuerten Qi-Harmonisierung. D ie Behandlung chronischer Schmer- zen mittels Akupunktur ist ein be- währtes Verfahren, das sich vor allem auf die traditionelle chinesische Medizin und ihr Qi-Konzept beruft. Kurzfristige Effekte in der Schmerztherapie sind mittlerweile weitgehend anerkannt, Langzeiteffekte wurden allerdings im- mer noch angezweifelt. Eine Metaanaly- se mit individuellen Patientendaten un- tersuchte die Wirksamkeit der Aku- punktur speziell bei chronischen Schmerzen. Einbezogen waren randomisierte kli- nische Studien bei Patienten mit chroni- schen muskuloskelettalen Schmerzen, chronischen Kopf- beziehungsweise Schulterschmerzen oder chronischen Schmerzen im Rahmen einer Osteopo- rose. Die Interventionsgruppen erhielten eine Akupunktur, die Kontrollgruppen eine Scheinakupunktur oder eine stan- dardisierte Schmerzbehandlung ohne Akupunktur. Hauptzielkriterien waren Schmerz und Funktion. Insgesamt 39 Studien mit 20.827 Pati- enten wurden ausgewertet. Dabei zeigte sich die Akupunktur sowohl einer Scheinakupunktur als auch einer Stan- dardschmerzbehandlung bei jedem der vier Schmerzsyndrome überlegen (alle p < 0,001), mit Gruppendifferenzen um die 0,5 SD bei Studien mit einer nicht akupunktierten Kontrollgruppe und bis zu 0,2 SD bei Studien mit einer Schein- akupunktur als Kontrolle. Die Aku- punktureffekte persistierten mit einem kleinen, etwa 15%igen Schmerzabfall im Vergleich zur Kontrolle über ein Jahr. Fazit: Chronische Schmerzen bei mus- kuloskelettalen Erkrankungen und Kopfschmerzen reduzieren sich unter ei- ner Akupunkturbehandlung sowohl im Vergleich zu einer Kontrollgruppe als auch – wenngleich in geringerem Aus- maß – im Vergleich zu einer Scheinaku- punktur. Der Verweis auf Placeboeffekte als alleinige Erklärung für die analgeti- sche Wirkung der Nadelbehandlung ist damit nicht ausreichend. Weitere Studi- en sollten nun zeigen, welche Patienten und welche Schmerzzustände einer Akupunktur besonders zugänglich sind. Dr. Barbara Kreutzkamp Vickers AJ et al. Acupuncture for chronic pain: update of an individual patient data meta-analysis. J Pain 2018;19:455–74 ©© Max Tactic / Fotolia auch nach Abschluss der Behandlung an, Gruppeninterventionen waren ins- gesamt erfolgreicher als Einzelinterven­ tionen. Der Vorteil von Gruppeninterventio- nen bei älteren Patienten dürfte vor al- lem auf der Unterstützung durch eben- falls Betroffene, der sozialen Interakti- on und der Verpflichtung zu gemeinsa- men Behandlungszielen beruhen, diskutieren die Autoren. Allerdings sollten die durchschnittlichen Werte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Verhaltenstherapie für einige Patienten hervorragend, für andere ältere Herr- schaften dagegen überhaupt nicht ge- eignet ist. Fazit: KVT-basierte psychologische In- tervention bei über 60-jährigen Patien- ten mit chronischen Schmerzen haben einen signifikanten, wenngleich in der Metaanalyse insgesamt nur kleinen Ef- fekt auf Schmerzstärke, Katastrophisie- ren und Selbstwirksamkeit. Gruppen- sitzungen erwiesen sich dabei im Ver- gleich zu Einzeltherapien als erfolgrei- cher. Dr. Barbara Kreutzkamp Niknejad B et al. Association between psycho­ logical interventions and chronic pain out­ comes in older adults. a systematic review and meta-analysis. JAMA Intern Med 2018; 1;178:830–9 Akupunktur kann chronische Schmerzen besser lindern als Scheinakupunktur. Literatur kompakt  14 Schmerzmedizin 2018; 34 (4)

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