Schmerzmedizin 5 / 2018

Gehäufte Hirn- und Herzinfarkte bei Migränepatienten Migränepatienten zeigen im akuten Anfall auffällige hämodynamische Veränderungen. Das kann sich langfristig negativ auf zerebro- und kardio­ vaskuläre Ereignisse auswirken. Ein Metaanalyse suchte nach statistisch signifikanten Zusammenhängen. M igräne, zumal Migräne mit Aura, geht mit einer zerebralen Minder- durchblutung, einer systemischen Vas- kulopathie, endothelialer Dysfunktion und einem erhöhten Gerinnungsstatus einher. Diese Faktoren gelten auch als Risikofaktoren für kardio- und zerebro- vaskuläre Ereignisse wie Myokard- und Hirninfarkt. Einzelstudien zu einem möglichen Zusammenhang zwischen Migräne und diesen Ereignissen kom- men aber zu inkonsistenten Ergebnissen. Eine Metaanalyse suchte deshalb nach zusammenfassenden Tendenzen zum zerebralen und kardiovaskulären Lang- zeitrisiko von Migränepatienten. Einbezogen in die Analyse waren 16 Kohortenstudien mit 394.942 Migräne- patienten und 757.465 Kontrollpersonen ohne Migräne, deren Daten hinsichtlich der primären Zielkriterien schwerwie- gende kardio- und zerebrovaskuläre Er- eignisse (MACCE) sowie zusätzlich hin- sichtlich der Gesamtmortalität bis zur jeweils maximalen Beobachtungszeit ausgewertet wurden. Insgesamt war eine Migräne-Erkran- kung in einem durchschnittlichen Fol- low up-Zeitraum von 18,5 Jahren mit ei- nem erhöhten Risiko für MACCE asso- ziiert (adjustierte Hazard Ratio [HR] 1,42; 95%-Konfidenzintervall [KI] 1,26– 1,60; p < 0,001; I² = 40%). Dabei beein- flussten sowohl das erhöhte Schlagan- fall-Risiko mit einer adjustierten HR von 1,41 (95%-KI 1,25–1,61; p < 0,001; I² = 72%) als auch das erhöhte Myokard­ infarkt-Risiko mit einer adjustierten HR von 1,23 (95%-KI 1,03–1,43; p = 0,006; I² = 59%) den statistisch signifikanten Zusammenhang. Bei der Gesamtmorta- lität ergaben sich dagegen keine statis- tisch auffälligen Assoziationen. Migrä- nepatienten mit Aura waren mit noch höheren Risiken sowohl für einen isch- ämischen als auch hämorrhagischen Schlaganfall belastet, auch bei der Ge- samtmortalität schnitten diese Patienten besonders schlecht ab. Diese Risikozu- sammenhänge zeigten sich vor allem in Studien mit längerem Beobachtungszeit- raum. Fazit: Patienten mit Migräne, insbeson- dere einer Migräne mit Aura, haben ein erhöhtes Risiko, langfristig einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt zu erleiden. Nun sollte untersucht werden, wie man hier therapeutisch vorbeugen könnte. Dr. Barbara Kreutzkamp Mahmoud AN et al. Migraine and the risk of cardiovascular and cerebrovascular events: a meta-analysis of 16 cohort studies including 1152407 subjects. BMJ Open 2018;8:e020498 ©© PhotoBylove / Getty Images / iStock Das Risiko für Herz­ infarkt und Schlaganfall ist bei Migränepatienten erhöht. Schmerzmedizin 2018; 34 (5) 15

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