Schmerzmedizin 3 / 2019

Wenig körperliche Aktivität bei Krebspatienten mit Schmerzen und Fatigue assoziiert Die große Mehrheit der Krebspatienten bewegt sich nach der Tumordiagnose weniger als zuvor, obwohl zahlreiche Empfehlungen und Leitlinien eine verstärkte körperliche Aktivität für diese Patienten propagieren. Gleichzeitig bestehen oft Schmerzen und Fatigue. T umorpatienten, die an Fatigue und Schmerzen leiden, bewegen sich häu­ fig weniger als vor der Krebsdiagnose. Das ergab eine Studie des Tumorzent­ rums der Universität Pennsylvania, USA, mit 629 ambulanten Patienten. Ange­ sprochen und interviewt wurden sie von ausgebildeten Forschungsassistenten in denWartebereichen. Es handelte sich so­ mit um gemischte ambulante Studien­ population, ähnlich wie in der täglichen Praxis. Um die Assoziationen zwischen den Symptomen, den demografischen Variablen und den klinischen Charakte­ ristika einerseits und der verminderten körperlichen Aktivität andererseits zu untersuchen, wurden multivariate logis­ tische Regressionsmodelle eingesetzt. 499 der 629 Patienten (79%) berichte­ ten von einer Abnahme ihrer körperli­ chen Aktivität seit der Krebsdiagnose. Nur 14% konnten ihre körperlichen Tä­ tigkeiten in gleichemMaße weiterführen. Immerhin 78% der Teilnehmer hatten in den 7 Tagen vor dem Interview an einer mäßigen bis sehr schweren Fatigue gelit­ ten und 68% unter Schmerzen mit einem Schmerzlevel von 4 oder mehr (Skala 0–10). Auch wenn man die Ergebnisse entsprechend verschiedener möglicher Einflussfaktoren adjustierte, hatten Pati­ enten mit Fatigue und Schmerzen immer noch eine höhere Wahrscheinlichkeit ei­ ner reduzierten körperlichen Aktivität als ohne (adjusted odds ratio [AOR] 4,01 bzw. 1,89). Eine laufende Chemotherapie oder andere aktive Krebsbehandlungen waren ebenfalls signifikant mit vermin­ derter Bewegung assoziiert. Die Patienten zeigten ein breites Spek­ trum von Diagnosen, zum Beispiel Brustkrebs, gastrointestinale Maligno­ me oder Lungentumoren. Bestrahlun­ gen oder chirurgische Eingriffe waren häufig vorausgegangen. Bei 46,3% der Patienten war die Krankheit bereits me­ tastasiert. Die genaueren Zusammenhänge zwi­ schen Schmerz, Fatigue und körperli­ cher Aktivität sind bis heute noch nicht bekannt. Es gibt aber Hinweise darauf, dass der Tumor und die dann folgende notwendige Therapie Entzündungsvor­ gänge triggern, die unter anderem zur Ausschüttung entsprechender Neuro­ transmitter im zentralen Nervensystem führen und so das Verhalten und Befin­ den der Patienten steuern. In einer aktu­ ellen Metaanalyse stellte sich heraus, dass gezieltes Training, psychologische Interventionen und deren Kombination die durch Tumoren verursachte Fatigue effektiver bekämpfen konnten als medi­ kamentöse Ansätze. Fazit: Mit einer verminderten körperli­ chen Aktivität sind bei Tumorpatienten oft Fatigue und Schmerz assoziiert. Interventionen, die diese Symptome eindämmen, könnten dazu beitragen, die körperliche Aktivität aufrechtzu­ erhalten. Brigitte Schalhorn Romero SAD et al. The association between fatigue and pain symptoms and decreased physical activity after cancer. Support Care Cancer 2018;26(10):3423-30 Therapie der Tumor-Fatigue Was hilft bei Müdigkeit und Erschöp- fung? Eine Übersicht von Irene Fischer und Manfred E. Heim gibt Anworten: https://www.springer - medizin.de/ link/9312372 ©© alvarez/Getty Images/iStock (Symbolbild mit Fotomodellen) Sport hilft! Auch, um Fatigue von Krebspatienten zu begegnen.

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