Schmerzmedizin 5 / 2019

Trauerbegleitung bis zur Bestattung des Kindes. Das verwaiste Elternpaar geht danach wieder zurück in die Beratungs- stellen, in denen es vor der Geburt vor- stellig gewesen war. Verstirbt das Kind nicht in der Neonatologie, wird es entwe- der in Begleitung des spezialisierten ambulanten Palliativversorgungsteams nach Hause entlassen oder in das Kin- derhospiz überwiesen. Die Trauerbegleitung ist von großer Bedeutung, nicht zuletzt da sich die Sterblichkeit der Mutter in den ersten beiden Jahren nach dem Verlust eines Kindes um 40% erhöht – unabhängig davon wie alt es war, als es verstarb. „Wir müssen uns darüber imKlaren sein, dass der Verlust eines so kleinen Kindes kein Momentereignis ist, sondern die Eltern über Jahre hinweg beschäftigt“, hob Gar- ten hervor. „Wir müssen uns daher mit dem gleichen Einsatz um die Trauerbe- gleitung der Eltern kümmern wie wir das für Eltern tun, die ihr Kind nach fünf oder zehn Jahren verloren haben.“ Entscheidend für die Abläufe sei dabei die Erarbeitung eines perinatalen Palli- ativplans. Hier sind die wichtigsten Da- ten dokumentiert, etwa die Namen aller behandelnden Kollegen, die Ergebnisse der Pränataldiagnostik, die Zusammen- fassung der Beratungsgespräche oder das Vorgehen nach der Geburt. Familienzentrierte Betreuung Da sich die Sterbebegleitung häufig noch in der Klinik ereignet, spielt die famili- enzentrierte Betreuung eine große Rolle. Garten nannte einige Anpassungen, die relativ einfach umzusetzen und den Fa- milien eine große Hilfe sind. So wurden etwa die Besucherregelungen aufgelöst; es gebe keine festen Besuchszeiten mehr und es dürfen mehr als zwei Verwandte zeitgleich die Familie besuchen. Wichtig sei auch die Nähe der Eltern zu ihrem Neugeborenen. Daher kann das Kind in ein Erwachsenenbett gelegt werden, bei Bedarf können die Eltern dazukommen. Das sei für das Neugeborene wesentlich stressfreier als die Umpositionierung vom Brutkasten auf den Arm der Mutter und wieder zurück. Gegen das Ausküh- len des Kindes helfe eine Wärmematte. Garten fasste die drei Herausforderun- gen im Bereich der perinatologische Pal- liativversorung wie folgt zusammen: „Wir als Kinderärzte und Palliativversor- ger müssen in die pränatale Beratung kommen, dort Gehör finden und von Kollegen zu gemeinsamen Gesprächen eingeladen werden.“ Zudem müsse die Palliativversorgung der Kinder und die Begleitung der Familien in den Perina- talzentren so familienzentriert und indi- viduell wie möglich gestaltet werden. „Außerdem haben wir dafür Sorge zu tra- gen, dass die Trauerbegleitung der früh verwaisten Eltern gewährleistet ist. Und das endet nicht mit der Entlassung der Familie aus der Klinik.“ Dr. Miriam Sonnet Vortrag „Perinatale Palliativmedizin“, 9. Homburger Schmerz- und Palliativkongress, Homburg, 21. August 2019

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