Schmerzmedizin 3 / 2018

©© Mehmet Dilsiz / Fotolia.com In der Rubrik „Literatur kompakt“ werden die wichtigsten Originalarbeiten aus der internationalen Fachliteratur referiert. Rauchen erhöht das Migränerisiko Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum und körperliche Inaktivität gelten als ungesund. Doch wie sieht es ganz konkret am Beispiel Migräne­ risiko aus? Norwegische Neurologen studierten die Aktenlage. E ine ungesunde Lebensweise mit zu we- nig Bewegung, Rauchen und übermä- ßigem Alkoholkonsum gilt als Klassiker unter den Risikofaktoren für verschiede- ne Erkrankungen. Auch Migräne und Spannungskopfschmerzen lassen sich mit einem ungesunden Lebensstil in Ver- bindung bringen. Allerdings ist die Stu- dienlage dazu gar nicht so eindeutig, vor allem Alkoholkonsum als Risikofaktor für eine Migräne bleibt umstritten. Im Rahmen einer inNorwegen durchgeführ- ten populationsbasierten Kohortenstudie wurde nun noch einmal nachgeforscht. Dazu analysierte das multidisziplinä- re Team aus Neurologen und Bewe- gungswissenschaftlern die Daten der Nord-Trøndelag-Gesundheitsstudie aus den Jahren 1995–1997 und 2006–2008 mit insgesamt 15.276 Teilnehmern, die zu Beginn des Survey keine Kopf- schmerzen angaben. Die Assoziation zwischen verschiedenen Lifestyle-Fak- toren und dem relativen Risiko (RR) für Migräne und Spannungskopfschmer- zen elf Jahre später wurde mit Hilfe ei- nes Poisson-Regressionsmodells über- prüft. Ein leicht erhöhtes Risiko für eine Mi- gräne ergab sich für aktive oder in der Vergangenheit aktive Raucher im Ver- gleich zu Personen, die niemals geraucht hatten (RR: 1,30, 95%-Konfidenzinter- vall [CI]: 1,11–1,52). Personen, die sich über mindestens ein bis zwei Stunden pro Woche so bewegten, dass sie schwitzten und sich ihre Atemfrequenz erhöhte („hard physical activity“), hat- ten ein geringeres Migränerisiko im Vergleich zu Personen, die körperlich in- aktiv waren (Odds Ratio: 0,71, 95%-CI: 0,54–0,94). Alkoholkonsum mit einer Häufigkeit von mindestens einmal pro Monat war dagegen im Vergleich zu Abstinenz mit einem reduzierten Migränerisiko asso- ziiert (RR: 0,73, 95%-CI: 0,57–0,94). Stu- dienteilnehmer, die angaben, mehr als achtmal pro Monat Alkohol zu konsu- mieren, hatten im Vergleich zu denen, die auf Alkohol verzichteten, sogar ein halbiertes Migränerisiko (RR: 0,52, 95%-CI: 0,32–0,82). Eine statistisch auf- fällige Korrelation zwischen Spannungs- kopfschmerzen und den Faktoren Rau- chen, Alkoholkonsum und körperliche Aktivität ergab sich in dieser Studie nicht. Fazit: Rauchen erhöht das Risiko für die Entwicklung einer Migräne, regelmäßi- ger Alkoholgenuss und ein bis zwei Stunden anstrengende körperliche Ak- tivität pro Woche scheinen das Risiko dagegen zu senken. Assoziationen zwi- schen Lebensstilfaktoren und Span- nungskopfschmerz waren in der Nord- Trøndelag-Gesundheitsstudie nicht zu erkennen. Dr. Barbara Kreutzkamp Hagen K et al. Lifestyle factors and risk of migraine and tension-type headache. Follow- up data from the Nord-Trøndelag Health Sur­ veys 1995–1997 and 2006–2008. Cephalalgia 2018 Jan 1:333102418764888 Eine Zigarette rauchen? Besser nicht, wenn man sein Migränerisiko senken möchte. ©© photo 5000 / stock.adobe.com Literatur kompakt  16 Schmerzmedizin 2018; 34 (3)

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