Schmerzmedizin 1 / 2019

verbringen, durchschnittlich 19 Stunden pro Monat. 85% der Patienten mit häufi- ger Migräne litten zudemunter Gefühlen wie Hilflosigkeit, Depression und Unver- standenheit durch die Mitmenschen, 83% unter Schlafschwierigkeiten, 55% unter der Angst vor neuen Attacken. Während der akuten Attacken konn- ten 95% der Patienten nur noch einge- schränkt am Alltagsleben teilnehmen, 87% empfanden Einschränkungen in beruflichen, privaten oder sozialen Be- langen, 51% in allen drei Bereichen. 38% hatten in den vergangenen 12 Monaten die Notfallambulanz aufgesucht, 23% blieben über Nacht im Krankenhaus. Auf der anderen Seite machten 57% der Befragten eine oder mehr positive Erfahrungen, die sie auf eigene Bemü- hungen im Kampf gegen die chronische Erkrankung zurückführten. Diese Pati- enten hatten Bewältigungsstrategien er- lernt und gaben an, durch die Krankheit psychisch stärker geworden zu sein. Fazit: Patienten mit vier und mehr Mig- räneattacken pro Monat suchen relativ häufig die Notfallambulanz auf und be- nötigen überdurchschnittlich häufig eine Übernachtung im Krankenhaus. Auch das tägliche Leben in beruflichen, privaten und sozialen Bereichen empfin- den die Patienten als eingeschränkt. Als positiv werteten die Betroffenen die Ent- wicklung von Resilienzfaktoren im Kampf gegen die Krankheit. Sollten die krankheitsbedingten Belastungen durch geeignete Interventionen wegfallen, blie- ben diese erlernten Copingstrategien er- halten und tragen möglicherweise zu ei- ner hohen Belastbarkeit der Betroffenen bei, diskutieren die Autoren. Dr. Barbara Kreutzkamp Martelletti P et al. My Migraine Voice survey: a global study of disease burden among individu­ als with migraine for whom preventive treat­ ments have failed. J Headache Pain 2018;19:115 Menstruelle Migräne nicht mit prämenstruellem Syndrom assoziiert Haben Frauen mit prämenstruellem Syndrom häufiger eine menstruations­ assoziierte Migräne als Frauen mit einer „normalen“ Migräne? Hormonelle Dysbalancen lassen theoretisch einen Zusammenhang vermuten. Eine populationsbasierte Untersuchung schafft Klarheit. D ie menstruelle Migräne (MM) wird laut International Classification of Headache Disorders 3rd edition (ICHD 3) definiert als Migräneattacken, die 2 Tage vor und bis zu 3 Tage nach Beginn der Regelblutung auftreten. Weiter un- terteilt wird die MM in die ausschließ- lich menstruationsbezogene Migräne („pure menstrual migraine“, PPM) und die menstruationsassoziierte Migräne („menstrually-related migraine“, MRM), bei der Migräneattacken zusätzlich auch zu anderen Zykluszeitpunkten vorkom- men. Ob eine MMmit dem Vorliegen eines prämenstruellen Syndroms (PMS) kor- reliert, wurde bisher kontrovers disku- tiert, eine Verbindung über Sexualhor- mone erscheint theoretisch aber plausi- bel. Nicht vergessen werden darf bei sol- chen Diskussionen allerdings, dass die meisten Frauen während der Menstrua- tion leichte Beschwerden haben, aber nur ein Bruchteil dieser Frauen die PMS- Kriterien mit einer deutlichen Beein- trächtigung des Alltagslebens erfüllt. In einer bevölkerungsbasierten Studie wur- den unter Anlegung von klinischen PMS-Diagnosekriterien erneut Zusam- menhänge überprüft. Einbezogen in die Studie waren 126 Frauen im gebärfähigen Alter mit diag- nostizierter Migräne und ohne Einnah- me von Kontrazeptiva. Einer PMS wurde anhand des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) dia­ gnostiziert. 78 Frauen hatten eine MM und 48 eine MRM. Beim Vergleich zwi- schen den Frauen mit MMund den Frau- en mit „normaler“ Migräne ergaben sich keine Unterschiede beim Auftreten von PMS-Symptomen zwischen den beiden Gruppen (5,4 vs. 5,9, p = 0,84). Frauen mit einer menstruellen Migräne berich- teten im Vergleich zu den Frauen mit nicht menstruationsassoziierter Migräne über mehr Migränetage im Monat, län- gere Attackendauer und höhere Scores imHeadache Impact Test (HIT-6). Beim Migraine Disability Assessment Score (MIDAS) bestanden keine Unterschiede. Fazit: Ein prämenstruelles Syndrom kommt bei Frauen mit einer menstruel- len Migräne statistisch gesehen genauso häufig wie bei Frauen mit einer „norma- len“ Migräne vor. Bei der menstruati- onsassoziierten Migräne scheinen also andere (hormonelle) Pathomechanis- men eine Rolle zu spielen als beim PMS. Dr. Barbara Kreutzkamp Vetvik KG et al. Symptoms of premenstrual syn­ drome in female migraineurs with and without menstrual migraine. J Headache Pain 2018;19:97 Migräneattacken können abhängig von der Regelblutung sein. Zu PMS aber scheint es keine Verbindung zu geben. ©© stock_colors / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell) Literatur kompakt  16 Schmerzmedizin 2019; 35 (1)

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