Schmerzmedizin 4 / 2019

Weitere Phase-III-Studie bestätigt Nutzen von Lasmiditan bei Migräne In einer weiteren Phase-III-Studie konnte der selektive Serotoninrezeptor- Agonist Lasmiditan Migräneattacken dosisabhängig lindern. Bis zu 39% der Betroffenen waren nach zwei Stunden schmerzfrei. T riptane sind bei Patienten mit kar- diovaskulären Erkrankungen kont- raindiziert, da die Serotonin-Agonisten auch an vasokonstriktive Rezeptorsub- typen wie 5-HT 1B binden. Speziell für solche Patienten werden nun sogenann- te Ditane entwickelt: Sie binden selektiv an trigeminale 5-HT 1F -Rezeptoren und sollten daher keine unerwünschten kar- diovaskulären Effekte erzeugen. In der Phase-III-Studie SAMURAI mit über 2.200 Patienten konnte der 5-HT 1F -Rezeptor-Agonist Lasmiditan in der höchsten Dosierung (200 mg) 32% der Patienten innerhalb von zwei Stun- den von den Kopfschmerzen befreien, unter Placebo gelang dies nur bei 15%. Fast vier Fünftel der Teilnehmer hatten kardiovaskuläre Risikofaktoren. Die Si- cherheit und Verträglichkeit von Lasmi- ditan über einen längeren Zeitraum wird gegenwärtig der GLADIATOR- Studie untersucht. In einer ersten vor- läufigen Auswertung kam es zu keinen kardiovaskulären Ereignissen. Etwa 20% der Patienten berichteten von Ne- benwirkungen, darunter vor allem Schwindel. Inzwischen liegen die Resultate der zweiten Phase-III-Studie SPARTAN mit dem Wirkstoff bei über 3.000 Mig- ränekranken vor. Jeweils ein Viertel be- kam für eine einzelne Attacke entweder Placebo oder Lasmiditan in einer Dosis von 50 mg, 100 mg oder 200 mg. Auch hier hatten rund 80% der Migränepati- enten mindestens einen kardiovaskulä- ren Risikofaktor; etwa 85% waren Frauen, der Altersschnitt lag bei 42 Jah- ren, die Migräne bestand seit etwa 18 Jahren. Die Teilnehmer sollten die Arznei spätestens vier Stunden nach Beginn der Attacke einnehmen. Zwei Stunden nach der Einnahme waren 39% mit der höchsten Dosierung, 31% mit der mitt- leren und 29% mit der niedrigen Dosie- rung schmerzfrei, unter Placebo gelang dies nur 21%. Die am stärksten belas- tenden Symptome wie Übelkeit oder Fo- tophobie verschwanden nach zwei Stun- den bei jeweils 49%, 44%, 41% und 34% der Betroffenen. Alle Unterschiede waren gegenüber Placebo statistisch si- gnifikant. Nebenwirkungen beobachteten die Studienautoren bei jeweils 39%, 36%, 25% und 12% – auch hier offenbarten sich dosisabhängige Effekte. Diese be- trafen unter Lasmiditan zumeist das ZNS und bezogen sich auf Müdigkeit, Benommenheit sowie Parästhesien. Pal- pitationen und Tachykardien bemerk- ten in jeder Gruppe nur ein bis zwei Pa- tienten. Deutliche Wirksamkeitsunterschiede zwischen Lasmiditan und Placebo fan- den die Ärzte bereits eine Stunde nach der Einnahme. Außerdem benötigten unter Placebo rund doppelt so viele Pa- tienten wie mit der 200-mg-Dosis eine weitere Migränearznei (40% versus 21%). Fazit: Die Studie SPARTAN bestätigt die Resultate aus SAMURAI. So linderte Lasmiditan dosisabhängig Schmerzen und Beschwerden einer Migräneattacke; kardiale Symptome wurden nicht ver- mehrt beobachtet. Thomas Müller Goadsby PJ et al. Phase 3 randomized, placebo- controlled, double-blind study of lasmiditan for acute treatment of migraine. Brain 2019;142:1894–904 Schmerzmedizin 2019; 35 (4) 17

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