Schmerzmedizin 5 / 2019

©© Mehmet Dilsiz / Fotolia.com In der Rubrik „Literatur kompakt“ werden die wichtigsten Originalarbeiten aus der internationalen Fachliteratur referiert. Schmerzreduktion in der Orthopädie: Was bringt die PRP-Injektion? Injektionen von autologem plättchenreichem Plasma (PRP) zur Schmerz­ reduktion bei muskuloskelettalen Beschwerden erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Doch was bringt das Verfahren tatsächlich? Eine Metaanalyse ver- schafft einen Überblick. D ie Injektion von autologem plätt- chenreichem Plasma (PRP) wird vor allem in der (konservativen) Orthopädie und auch im Breitensport immer belieb- ter. Mit dieser lokalen Therapie werden vor allem Schmerzen bei Sehnen- bezie- hungsweise Bändererkrankungen oder arthrotischen Prozessen behandelt. Das PRP enthält supraphysiologische Kon- zentrationen von Blutplättchen und de- ren biochemisch aktiven Proteinen wie Wachstumsfaktoren und Zytokinen, die geweberegenerativ auf mesenchymale Stammzellen, Fibroblasten und regene- rative Leukozyten wirken sollen. Ein Problem bei der Bewertung dieser Therapiemethode ist die fehlende Stan- dardisierung der Zubereitung; die aus dem Patientenblut gewonnen Plasma- produkte unterscheiden sich hinsicht- lich Zusammensetzung und Menge von Plättchen und aktiven Proteinen deut- lich. Eine systematische Übersichtsar- beit mit Metaanalyse erlaubt nun eine erste Einschätzung über zu erwartende Effekte bei verschiedenen orthopädi- schen Indikationen. In die Auswertung einbezogen waren 78 randomisierte kontrollierte Studien mit 5.308 erwachsenen Patienten, in de- nen die Wirksamkeit von PRP-Injektio- nen mit anderen konservativen oder chirurgischen Verfahren bei verschiede- nen muskuloskelettalen Beschwerdefel- dern untersucht wurde. Insgesamt ergab sich unter einer PRP eine Schmerz­ reduktion um –0,34 standardisierte Durchschnittsdifferenz (SMD) nach 3 Monaten, die mit einer SMD von –0,60 über ein Jahr anhielt. Vor allem bei Pa- tienten mit einer lateralen Epikondylitis beziehungsweise einer Gonarthrose re- duzierten sich die Schmerzen mit einer jeweiligen SMD von –0,69 und –0,91, er- mittelt auf niedrigem bis mäßigen Studienevidenzniveau. Auf der Basis von Schätzungen publi- zierter Arbeiten wurde ein klinisch rele- vanter analgetischer Effekt ab einer SMD von 0,5 unterstellt. Damit kann die PRP vor allem bei Tennisellenbogen und Kniearthrose als wirksam eingestuft werden, diskutieren die Autoren. Bei an- deren untersuchten Indikationen wie Muskelverletzungen, Kreuzbandrekon- struktionen oder Verletzungen der Ro- tatorenmanschette ist die Evidenz einer PRP-Therapie dagegen nicht eindeutig und die Schmerzreduktion möglicher- weise eher auf unspezifische Effekte durch die Injektion zurückzuführen. Dafür spricht auch, dass die Konzentra- tion von Leukozyten, Thrombozyten oder der Einsatz eines Aktivators in den einzelnen Zubereitungen keinen Ein- fluss auf das Ergebnis hatte. Fazit: PRP-Injektionen reduzieren Schmerzen bei muskuloskelettalen Er- krankungen insgesamt geringfügig. Ein klinisch relevanter Effekt ist am ehesten bei lateraler Epikondylitis und Gonarth- rose zu erwarten. Dr. Barbara Kreutzkamp Johal H et al. Impact of platelet-rich plasma use on pain in orthopaedic surgery: a systematic review and meta-analysis. Sports Health 2019;11:355-66 Kommentar Arbeiten und Metaanalysen wie die Studie von Johal et al. zum Thema Injektion von autologem plättchenreichem Plasma (PRP) sind dringend notwendig, um derartige innovative, aber auch kostenintensive Ver- fahren für die Praxis zu beleuchten. Natur- gemäß können sich derartige Metaanalysen immer nur auf wenige Aspekte konzentrie- ren – wie hier auf den Parameter Schmerz. PRP werden aber neben Schmerzlinderung ©© Witthaya Prasongsin / Getty Images / iStock Unter anderem bei Gonarthrose kann die PRP-Injektion Schmerzen lindern. Literatur kompakt  16 Schmerzmedizin 2019; 35 (5)

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