Schmerzmedizin 3 / 2018

Migränetherapie bereitet Kopfschmerzen Migräne ist – obwohl Volksleiden – eine viel zu selten diagnostizierte und viel zu wenig behandelte Erkrankung. Was an die Verhältnisse in Entwicklungs­ ländern gemahnt, entspricht in Wahrheit der Lage im vergleichsweise wohl­ habenden Europa. K opfschmerzen, und vor allem Migrä­ ne, sind keine Bagatellerkrankung. Auf der Liste der Krankheiten, die den größten Verlust an gesunden Lebensjah­ ren bedeuten, rangiert Kopfweh welt­ weit an dritter und speziell Migräne an sechster Stelle. Betrachtet man nur die Patienten unter 50 Jahren, ist Migräne inzwischen sogar auf Position eins vor­ gerückt. Es wäre daher anzunehmen, dass Kopfschmerzen von den Betroffenen und den für das Gesundheitswesen Ver­ antwortlichen als Problem von einigem Gewicht betrachtet werden. Doch offen­ bar entspricht das nicht der Realität, je­ denfalls nicht in Europa und auch nicht in Deutschland. Das hat die Querschnitt­ erhebung Eurolight zutage gefördert, für die Daten aus zehn europäischen Län­ dern, darunter auch der Bundesrepublik, analysiert worden sind. Die Ergebnisse von Eurolight hat ein Medizinerteam um Zaza Katsarava vom Evangelischen Krankenhaus in Unna vorgelegt, das zur Universität Duisburg- Essen gehört. Hiernach waren von den gut 9.000 Studienteilnehmern 37,6% de­ finitiv oder wahrscheinlich an Migräne erkrankt. 33,8% von ihnen hatten mehr als fünfmal im Monat Migräne, wären also Kandidaten für eine medikamentö­ se Prophylaxe. Die Zahlen für Deutsch­ land zeigen, dass nur 11% der Migräne­ patienten eine Triptantherapie bekom­ men. Wer zum Arzt geht, hat es dabei besser: Knapp 30% der Patienten von Allgemeinärzten und fast 60% der Pati­ enten von Spezialisten sind mit Tripta­ nen versorgt. Allerdings lassen sich nur wenige Betroffene von Ärzten helfen Ge­ rade einmal 6,4% suchen einen Spezia­ listen und 12,8% einen Allgemeinarzt auf. 4,6% erwarten sich Linderung von Nichtmedizinern. Präventive Medikation wird hierzu­ lande 2,4% der Patienten mit häufigen Migräneattacken zuteil. Bei Patienten von Spezialisten sind es knapp 20%. Die Rate der Patienten, die am besten ver­ sorgt sind, war erwartungsgemäß eben­ falls bei denjenigen höher, die einen Arzt konsultiert hatten. Europaweit lagen die Anteile bei bis zu 29,6% für Patienten von Allgemeinärzten und bis zu 33,8% für Patienten von Migränespezialisten. Die weitaus meisten Patienten mit Mi­ gräne betreiben laut der Eurolight-Zah­ len Selbstmedikation, je nach Stichprobe sind es zwischen 48,0% und 84,2%. In Deutschland beträgt die Quote 76,1%. Expertenempfehlungen zufolge kommt die Selbstbehandlung aber nur für etwa 50% der Migränepatienten infrage. Die Chance auf anhaltende Linderung der Kopfschmerzen liegt bei Einnahme von 1.000 mg Acetylsalicylsäure bei 52%, von 400 mg Ibuprofen bei 45% und von 1.000 mg Paracetamol bei 56%. Robert Bublak Katsarava Z et al. Poor medical care for people with migraine in Europe – evidence from the Eurolight study. J Headache Pain 2018 Feb 1;19(1):10 Migräne plus Spannungskopfschmerz: Bewegung tut gut Migränepatienten mit zusätzlichen Spannungskopf- und Nackenschmerzen bewegen sich nicht gerne, was sich wahrscheinlich nicht immer förderlich auf das Befinden auswirkt. Eine prospektive Studie untersuchte den Effekt eines moderaten aeroben Trainings. V iele Patienten mit Migräne leiden zu­ sätzlich unter Spannungskopf­ schmerzen und Nackenschmerzen, was unter anderem auch die körperliche Ak­ tivität beeinträchtigt. Umgekehrt be­ steht eine inverse Beziehung zwischen physischer Fitness und der Migräne- Prävalenz, so die Ergebnisse von bevöl­ kerungsbasierten Studien. Ein wohl­ dosiertes aerobes Training könnte daher

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