Schmerzmedizin 3 / 2019

das Therapiekonzept einbezogen werden sollten. Die Aussage, dass psychosoziale Be­ lastungen per se einen Risikofaktor für die Chronifizierung von Schmerzen dar­ stellen und dass deshalb eine frühzeitige psychotherapeutische Behandlung ei­ nen positiven Einfluss auf das Behand­ lungsergebnis haben könnte, wird durch diese Studie nicht unterstützt. Eine Neu­ bewertung dieses Themenkomplexes in den aktuellen Leitlinien ist angesichts dieser Datenlage sinnvoll. Larsson B et al. Predictors of chronic pain intensity, spread, and sensitivity in the general population: A two-year follow-up study from the SWEPAIN cohort. J Rehabil Med. 2019; 51:183-92 Dr. med. Ulrich Moser Arzt für Allgemeinmedizin, Spezielle Schmerztherapie, Chirotherapie, Akupunktur, Sportmedizin Marktplatz 2 63920 Großheubach E-Mail: u-moser@t-online.de Palliativversorgung bei Schlaganfall – schon früh daran denken An eine Palliativversorgung nach Schlaganfall wird im Routinefall eher selten gedacht – obwohl viele Patienten die Voraussetzungen dafür erfüllen. Palliativmediziner fassen die Studienlage zusammen, stellen eigene Ansätze vor und weisen auf ungeklärte Fragen hin. B isher erhalten Patienten mit einem Schlaganfall eine Palliativversor­ gung allenfalls bei sehr schlechter Prog­ nose. Dabei erfüllen viele der Betroffe­ nen bei entsprechender Symptomschwe­ re auch schon vor einem absehbaren Tod viele Voraussetzungen für eine solche Betreuung („palliative care“, PC), schrei­ ben Dr. Tobias Steigleder und Kollegen. Die Studienlage zu diesem Thema ist bisher überschaubar, so die Palliativ­ mediziner. Wegweiser für den Beginn einer PC sollten Schmerzen, Spastik oder eine an­ derweitig belastende Symptomatik bei den Patienten sowie Bedarf an Unter­ stützung der Pflegenden beziehungswei­ se Angehörigen sein. Bisher wird daran aber noch zu selten geachtet. Ärzte soll­ ten bei solchen Symptomen oder Klagen über eine schlechte Lebensqualität noch wachsamer als bisher sein, fassen die Autoren die Studienevidenz zusammen. Validierte Fragebögen für PC-Bedürf­ nisse bei Schlaganfall gibt es derzeit al­ lerdings noch nicht. An der Universität Erlangen-Nürn­ berg wurde jetzt ein neuer strukturier­ ter Fragebogen zu möglichen PC-Be­ dürfnissen bei Schlaganfallpatienten entwickelt, der sechs Monate nach Krankenhausentlassung an Patienten beziehungsweise Pflegende verschickt wird. Adressiert werden darin unter an­ derem körperliche, mentale, soziale und spirituelle Aspekte sowie speziell auch Fragen zur Spastizität. Als ein generi­ sches Instrument kommt eventuell die Palliative Care Outcome Scale (POS) in Frage, die beispielsweise schon für Pati­ enten mit Multipler Sklerose angepasst wurde. An den Ergebnissen der (nicht struk­ turierten) Befragungen kann sich auch die Formulierung der Therapieziele ori­ entieren sowie bei Patienten und Pfle­ genden gegebenenfalls auch überhöhte Erwartungen relativiert werden. Zusätz­ lich ergeben sich dadurch auch klarere Vorstellungen für die weitere Behand­ lung beziehungsweise das Vorgehen bei Zustandsverschlechterung, schriftlich festgehalten in Patientenverfügungen. Allerdings sind viele Fragen einer PC bei Schlaganfallpatienten und deren An­ gehörige noch offen – zumeist auch des­ halb, weil diese Patientengruppe Beson­ derheiten imVergleich zu beispielsweise Krebspatienten aufweist. Das gilt insbe­ sondere auch für die Therapie der Schmerzen nach Schlaganfall, die meist nicht auf Opioide ansprechen. Fazit: Noch sind viele Fragen in der PC von Schlaganfallpatienten und deren Angehörige offen. Nun sollten geeignete Screeninginstrumente und dieTherapie­ ziele in allen Phasen der Erkrankung diskutiert und entwickelt werden – am besten im Dialog von Palliativmedizi­ nern, Neurologen, Patienten und deren Angehörigen. Dr. Barbara Kreutzkamp Steigleder T et al. Palliative care for stroke patients and their families: barriers for implementation. Front Neurol 2019;10:Article 164 Treten nach einem Schlaganfall Schmerzen oder Spastiken auf oder klagen die Patienten über eine schlechte Lebensqualität, sollten Ärzte gegebenenfalls über den Beginn einer Palliativversorgung nachdenken. ©© seventyfour / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell) Literatur kompakt  20 Schmerzmedizin 2019; 35 (3)

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQxNTg=