Schmerzmedizin 5 / 2019

CRPS-Management im internationalen Vergleich Das Management des komplexen regionalen Schmerzsyndroms (CRPS) unterscheidet sich trotz weitgehend einheitlicher Leitlinien in einzelnen Ländern und Regionen noch stark. Eine internationale Umfrage bei Ärzten und Experten dokumentiert den Status quo bei der Versorgung. H auptmerkmale des komplexen regio- nalen Schmerzsyndroms (CRPS) sind chronische Schmerzen in der betrof- fenen Extremität, Veränderungen in Temperatur oder Farbe sowie Sensibili- tätsstörungen, begleitet oftmals von psy- chischen Symptomen wie Depression und Angst. Eine kausale Therapie exis- tiert nicht, eine möglichst frühe Interven- tion verbessert Prognose und Behand- lungsergebnis. Nationale und internatio- nale Leitlinien geben detaillierte Hinwei- se zu Diagnostik und Therapie, werden aber laut Praxisumfragen nicht immer adäquat umgesetzt. Vielmehr existiert in verschiedenen Ländern und Regionen eine Fülle von unterschiedlichen Heran- gehensweisen in Diagnostik und Thera- pie, nicht zuletzt auch geprägt von natio- nalen Besonderheiten im Gesundheits- wesen oder Vergütungssystem. Für einen Einblick in das weltweite CRPS-Management wurde ein E-Survey mit 32 Einzelfragen gestartet. Adressaten waren praktisch tätige Ärzte, Lehrende und Forschende im Bereich CRPS aus sechs Kontinenten, die möglichst reprä- sentativ ausgewählt wurden. Von den 260 Antwortenden waren 96% Praktiker. Die Hälfte von ihnen berichte- te über Schwierigkeiten beim Erkennen von CRPS-Symptomen, die angegebenen Therapieziele entsprachen jedoch imGro- ßen und Ganzen denen von Leitlinien. Als Barrieren für eine frühe Intervention wurden vor allem fehlende Zeit oder the- rapeutischenOptionen sowie mangelnde Möglichkeiten zur Konsultation eines Spezialisten genannt. Zudem ließen sich fünf Bereiche identifizieren, die von den Befragten als wichtig im Umgang mit CRPS angesehen wurden: interdisziplinä- re Zusammenarbeit, Symptommanage- ment, frühe Diagnose und Intervention, gute Zusammenarbeit mit den Patienten sowie die Schulung von Patienten und medizinischem Fachpersonal. Fazit: In einer internationalen Umfrage kannten die meisten Ärzte die CRPS-Be- handlungsziele gemäß Leitlinien. Schwie- rigkeiten bei der Umsetzung ergaben sich aber vor allem durch einen Mangel an Zeit und therapeutischen Optionen. Dr. Barbara Kreutzkamp Grieve S et al. Complex regional pain syndrome: an international survey of clinical practice. J Pain 2019; doi:10.1002/ejp.1463 auch andere positive Effekte, insbesondere imBereich der Sehnenheilung, nachgesagt. Diese Aspekte sind in der vorliegenden Ar- beit nicht beleuchtet worden. Von den vielen Diagnosen, bei denen durch PRP eine Schmerzreduktion zu erzielen ist, stellt die vorliegende Metaanalyse eine Schmerzreduktion bei der lateralen Epikon- dylitis und der Gonarthrose auf niedrigem bis mäßigem Evidenzniveau fest. Bei der Gonarthrose bietet sich sicherlich eine Möglichkeit der Schmerzreduktion, da ge- rade auch die neue S2k-Leitlinie „Gonarth- rose“ aufzeigt, dass nicht steroidale Anti- rheumatika für viele Patienten auf Grund von Komorbiditäten oder Medikationen kontraindiziert sind. Bei der lateralen Epi- kondylitis handelt es sich um eine Erkran- kung, die konservativ häufig schwer zu be- handeln ist, sodass hier durchaus auch ein Therapieversuch mit PRP sinnvoll erscheint. Die Wirksamkeit ist für beide Krankheitsbil- der durch die vorliegende Studie nachge- wiesen, wenn auch nur mit niedriger bezie- hungsweise mäßiger Evidenz. Dennoch bietet es Therapeuten in Klinik und Praxis bei der Argumentation gegenüber Patien- ten und Kostenträgern eine Hilfestellung. Professor Dr. med. Dr. h.c. Jörg Jerosch Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin Johanna-Etienne-Krankenhaus, Neuss E-Mail: j.jerosch@ ak-neuss.de Hinweis der Redaktion: Dieses Injektionsver- fahren wird auch in Deutschland angewendet. In der AWMF-Leitlinienkommission „Gonarthro- se“ sind gegen dieses Injektionsverfahren keine rechtlichen Bedenken zu Tage getreten.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQxNTg=