Schmerzmedizin 6 / 2018

Kardiovaskuläres Risiko von Diclofenac bestätigt Diclofenac ist offenbar mit einem höheren Herz-Kreislauf-Risiko belastet als Paracetamol und auch als andere traditionelle NSAR. Der Unterschied macht sich einer Kohortenanalyse zufolge schon nach 30 Tagen bemerkbar. I n der Fachinformation zu Diclofenac wird auf ein „möglicherweise gering- fügig erhöhtes Risiko von atherothrom- botischen Ereignissen (Herzinfarkt/ Schlaganfall)“ hingewiesen. Wie hoch dieses Risiko ist, haben Wissenschaftler aus Dänemark nun in der bisher größten Kohortenanalyse mit mehr als 1,3 Milli- onen Diclofenac-Anwendern zu quanti- fizieren versucht. Die Analyse beruht auf einer Serie von landesweiten dänischen Kohortenstudien und berücksichtigt Re- gisterdaten von mehr als 6,3 Millionen Patienten, die eine Therapie mit nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) oder Paracetamol begonnen hatten, so- wie von 1,3 Millionen vergleichbaren Pa- tienten ohne eine solche Behandlung. Das Risiko, in den ersten 30 Tagen der Behandlung eine schwere kardiovasku- läre Komplikation zu entwickeln, war mit Diclofenac am höchsten: Es lag um 50% höher als ohne Therapie und um 20% höher als unter Paracetamol. Eine relative Risikozunahme um 20% zeigte sich aber auch imVergleich zu Ibuprofen; gegenüber Naproxen betrug sie sogar 30%. Als schwere kardiovaskuläre Ereig- nisse zählten die Erstdiagnose von Vor- hofflimmern oder -flattern, ischämi- schem Schlaganfall, Herzinsuffizienz oder Herzinfarkt und der kardial beding- te Tod. Auch das Risiko für jedes einzel- ne Ereignis war mit Diclofenac höher als bei Nichtbehandlung, für einen Insult etwa um 60%, für einen Herzinfarkt um 90% und für den Herztod um 70 %. Schmerzpflaster für Kinder mit lokalisierten Neuropathien Neuropathischer Schmerz spricht oft nur schlecht auf die üblichen Analgetika an. Der Einsatz adjuvanter Antidepressiva und Antiepileptika ist häufig durch Nebenwirkungen begrenzt und für Kinder und Jugendliche ungeeignet. Ein Lidocain-Pflaster könnte eine Alternative sein. D as lokal analgetisch wirkende Lido- cain-Pflaster (5%) ist für Erwachse- ne zugelassen, die nach einer Herpes zoster-Erkrankung an neuropathischen Schmerzen leiden. Aus Fallstudien geht hervor, dass das Pflaster auch bei Kin- dern und Jugendlichen mit lokalisierten neuropathischen Schmerzen wirksam sein kann. Dr. John Goddard vom Shef- field Children’s NHS Foundation Trust und Rebecca Reaney von der University of Sheffield haben im Auftrag der „Pain in Children Special Interest Group“ (PICSIG) der Britischen Schmerzgesell- schaft Informationen zur Anwendung und Wirksamkeit des 5%-igen Lido- cain-Pflasters bei Kindern zusammen- getragen. Die Daten stammen von 115 Patienten im Alter von 5 bis 18 Jahren, die in fünf pädiatrischen Schmerzzent- ren behandelt wurden. Das Pflaster soll- te innerhalb von 24 Stunden kontinuier- lich über zwölf Stunden getragen wer- den. Vor Beginn der Behandlung sowie drei bis sechs Monate nach dem Thera- piestart wurden mehrere Aspekte, die den Behandlungserfolg und die Verträg- lichkeit widerspiegeln sollten, dokumen- tiert. Ein Nutzen für den Patienten wur- de als gegeben gewertet, wenn mindes- tens zwei der folgenden Punkte zutrafen: Schmerzreduktion anhand des Schmerz- Scores, funktionelle Verbesserungen, verbesserter Schlaf, weitere Verwendung des Lidocain-Pflasters. Auf Basis dieser Definition konnte bei 79 der 115 Patienten ein Vorteil durch das Schmerzpflaster festgestellt werden. Bei 31 Behandelten zeigte sich kein Nut- zen, die Daten von vier Patienten stan- den nicht zur Verfügung. Bei sieben Pa- tienten waren leichte Hautreaktionen er- kennbar. Den Autoren Goddard und Reaney zufolge bestätigt die Analyse die Wirk- samkeit, Verträglichkeit und Sicherheit des Lidocain-Pflasters bei Kindern und Jugendlichen mit lokalisierten neuropa- thischen Schmerzen. Nach Ansicht der PICSIG sollte dessen Anwendung im Rahmen eines multidisziplinären Ma- nagements in dieser Altersgruppe und dieser Indikation erwogen werden. Zwar könnten laut Goddard und Reaney die Heterogenität der Patientengruppe, der gleichzeitige Einsatz anderer pharmako- logischer oder nicht pharmakologischer Maßnahmen sowie die qualitative Mes- sung der Ergebnisse zur Abschwächung der Aussagekraft beigetragen haben, dennoch habe die Behandlung 69% der Kinder und Jugendlichen geholfen, ohne dass schwere Nebenwirkungen aufgetre- ten seien. Zudem sei die tägliche Weiter- verwendung des Pflasters von 57% der Patienten möglicherweise auch ein Zei- chen der Patientenzufriedenheit. Gegen- über Antidepressiva und Antiepileptika mit den bekannten Nebenwirkungen sei eine topische Therapie für Schulkinder sicher zu bevorzugen. Die Autoren emp- fehlen maximal ein Pflaster bei einem Körpergewicht unter 30 kg, bis zu zwei Pflaster bei 30–60 kg und bis zu drei Pflaster, wenn der Patient mehr als 60 kg wiegt. Fazit: Von den teilnehmenden Kindern und Jugendlichen profitierten 69% von der Behandlung. Die Gruppe war hete- rogen und der Einsatz anderer Maßnah- men wurde nicht ausgeschlossen. Den Autoren zufolge bestätigt die Analyse je- doch Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit des Lidocain-Pflasters. Dr. Christine Starostzik Goddard JM et al. Lidocaine 5%–medicated plas- ter (Versatis) for localised neuropathic pain: re- sults of a multicenter evaluation of use in child- ren and adolescents. Br J Pain 2018;12:189–93 Schmerzmedizin 2018; 34 (6) 19

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