Schmerzmedizin 1 / 2019

Therapie einer Patientin mit neuropathischen Schmerzen Periphere Nervenstimulation mit extrakorporalem Neurostimulator Markus Geuting, Löwenstein Wenn bei neuropathischen Schmerzen nicht invasive Therapieoptio- nen ausgeschöpft sind, wird oft eine Neuromodulation angewandt. Ein Beispiel dafür ist das neuartige Neuromodulationssystem StimRouter™, ein minimalinvasives Verfahren für die periphere Nervenstimulation. C hronische, neuropathische Schmer- zen werden imKlinikalltag immer häufiger identifiziert, ihre Präva- lenz in der weltweiten Bevölkerung liegt bei circa 7% [1]. Je nach Quelle können nur 30–40% aller Patienten mit neuropa- thischen Schmerzen medikamentös aus- reichend eingestellt werden [2]. Dabei sind vor allem von peripheren Nerven ausgehende Schmerzsyndrome oft nicht ausreichend chirurgisch therapierbar oder pharmakologisch einstellbar [3]. Therapieoptionen In Anlehnung an die gängigen AWMF- Empfehlungen kann der klinische Be- handlungsablauf von chronischen, neuropathischen Schmerzen in einem Vierstufenmodell beschrieben werden ( Abb. 1 ) [2, 4]. Dabei verläuft die Be- handlung zunächst kausal, gegebenen- falls in Kombination mit Psychothera- pie, Entspannungsverfahren, Physio- therapie/Funktionstraining, Ergothera- pie, physikalischer Therapie oder alter- nativen Heilverfahren. Weiterhin kann die Therapie als konventionelle, medi- kamentöse Kombination mit lang wirk- samen Opioiden, Antikonvulsiva, An- tidepressiva und topischer Therapie mit Lidocain- oder Capsaicin-Pflastern er- folgen [4]. Stellt sich der erwünschte Therapieer- folg nicht ein oder sind die Nebenwirkun- gen unverhältnismäßig, wird die Behand- lung im Rahmen einer stationären, inter- disziplinären, multimodalen Schmerz- therapie fortgeführt. Hier erfolgt dann eine Kombination von diagnostischen Nervenblockaden und der therapeuti- schen gepulsten Radiofrequenztherapie. Lässt sich unter den genannten Therapie­ maßnahmen kein ausreichender und an- haltenderTherapieerfolg erzielen, kommt in der nächsten Stufe, vor allem bei mo- noneuropathischen Schmerzen, eine mi- nimalinvasive periphere Nervenstimula- tion (PNS) in Betracht. Ist diese nicht in- diziert oder hat nicht die gewünschte Schmerzreduktion zur Folge, kommen weitere, meist invasivere Neuromodulati- onsverfahren in Frage, etwa die Dorsal- Root-Ganglion-Stimulation (DRG-Sti- mulation) oder die Spinal-Cord-Stimula- tion (SCS). Bei allen Neuromodulations- verfahren sind psychiatrische Kontrain- dikationen vor der Behandlung auszu- schließen. Neuromodulation Unter Neuromodulation versteht man die effektive, reversible Beeinflussung von Nervenstrukturen, beispielsweise durch elektrische Stimulation einzelner Nerven oder komplexer nervaler Sys- temstrukturen wie des Rückenmarks. Die elektrische Nervenstimulation er- zeugt eine Parästhesie, die den Schmerz „maskiert“ und von Patienten meist als „angenehmes Kribbeln“ wahrgenommen wird [5, 6]. Dieser Artikel konzentriert sich auf die Behandlung von chronischen, neu- ropathischen Schmerzen durch die PNS, die eine effektive Therapiemodalität ge- worden ist und vor allem bei der Be- Abb. 1 : Vierstufenmodell des klinischen Behandlungsablaufes zur Therapie von chronischen, neuropathischen Schmerzen M. Geuting Stufe 4 Dorsal-Root-Ganglion-Stimulation (DRG) Spinal-Cord-Stimulation (SCS) Intrathekale Medikamentenpumpe Stufe 3 Periphere Nervenstimulation Stufe 2 Interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie Diagnostische Nervenblockaden Stufe 1 Kausale Therapie Physio- und Ergotherapie Konventionelle medikamentöse Kombinationstherapie Schmerzmedizin 2019; 35 (1) 19 For tbildung

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