Schmerzmedizin 6 / 2018

Das Zusatzrisiko für kardiovaskuläre Komplikationen bestand bei Männern wie Frauen, in allen Altersgruppen (un- ter 50, 50–70 und älter als 70 Jahre) so- wie sowohl bei hohen als auch niedrigen Dosierungen. Den größten relativen Ri- sikoanstieg erfuhren Diclofenac-An- wender, die ein niedriges oder mittleres Ausgangsrisiko für kardiovaskuläre Er- eignisse hatten (z. B. Diabetiker). Bei Pa- tienten mit ohnehin hohem Risiko (z. B. mit früherem Herzinfarkt) war Diclofe- nac zwar im Vergleich zur Nichtbehand- lung mit einem um 10% höheren Ereig- nisrisiko belastet, gegenüber aktiven Therapien war jedoch kein Unterschied mehr festzustellen. Dagegen fiel bei Hochrisikopatienten der absolute Risikozuwachs am größten aus: Pro 1.000 Diclofenac-Anwender und Jahr gab es verglichen mit Ibu- profen 16 zusätzliche Herz-Kreislauf- Ereignisse, mit Naproxen zehn, mit Paracetamol eines und unter Nichtbe- handlung 39. Bei Niedrigrisikopatien- ten war es je ein Extrafall gegenüber den beiden NSAR, drei Fälle gegenüber Pa- racetamol und vier gegenüber Nichtbe- handlung. Hinsichtlich des Risikos für Blutun- gen im oberen Gastrointestinaltrakt schnitt Diclofenac ähnlich ab wie Nap- roxen. Das Risiko war jedoch etwa 2,5- mal so hoch wie mit Ibuprofen oder Pa- racetamol sowie 4,5-mal so hoch wie ohne NSAR und Paracetamol. Fazit: Diclofenac birgt nach dieser Ana- lyse auch gegenüber anderen traditionel- len NSAR ein erhöhtes Risiko für kar- diovaskuläre und gastrointestinale Komplikationen. Die Studienautoren um Dr. Morten Schmidt halten es daher nicht für gerechtfertigt, Diclofenac vor anderen NSAR einzusetzen. Dr. Beate Schumacher Schmidt M et al. Diclofenac use and cardiovas­ cular risks: series of nationwide cohort studies. BMJ 2018;362:k3426; doi: 10.1136/bmj.k3426 Manuelle Therapie nützt Kindern mit Rückenschmerzen wenig Bei Kindern scheint es keinen Unterschied zu machen, ob ihre Rücken­ schmerzen allein mit herkömmlichen konservativen Therapieverfahren angegangen oder ob diese Maßnahmen um eine manuelle Therapie erweitert werden. Die Rückfallquote jedenfalls bleibt die gleiche. E ine wirksameTherapie ist bei rücken- schmerzgeplagten Kindern beson- ders entscheidend, nicht zuletzt, weil aus ihnen nicht selten rückenschmerzge- plagte Erwachsene werden. Da Thera- pieleitlinien explizit für Kinder bislang fehlen, orientiert man sich an den Be- handlungskonzepten für Erwachsene. Eine bei Erwachsenen sehr beliebte Be- handlungsmethode ist die manuelle Therapie (MT), die nun auch bei Kin- dern zunehmend Anwendung findet. Da ihr Nutzen bei dieser Klientel kei- neswegs bewiesen ist, haben Wissen- schaftler aus Dänemark an 238 Kindern im Alter von neun bis 15 Jahren die Wirksamkeit einer manuellen Therapie bei der Behandlung von Rückenschmer- zen untersucht. Die Kinder waren Teil- nehmer der „The Childhood Health, Ac- tivity and Motor Performance School- Study Denmark“ (CHAMPS Study-DK), an der 13 öffentliche Schulen beteiligt waren. Während dieser offenen Kohor- tenstudie wurden die Eltern wöchentlich mittels SMS zu eventuellen muskuloske- lettalen Schmerzen ihrer Kinder befragt. Eltern, die über entsprechende Beschwer- den ihrer Kinder berichtet hatten, wur- den per Telefon kontaktiert und standar- disiert befragt. Nur wenn es sich eindeu- tig um Rücken- oder Nackenschmerzen handelte, die Beschwerden zum Zeit- punkt der Befragung noch akut waren und noch keine manuellen Therapiever- suche durchgeführt worden waren, kam eine Studienteilnahme infrage. Willigten die Eltern in die Teilnahme ihrer Kinder ein, wurden die Kinder innerhalb von zwei Wochen an ihrer Schule von einem Chirotherapeuten des Studienteams un- tersucht. Die 238 Kinder, die zwischen 2012 und 2014, wie oben beschrieben, für die Erhebung ausgewählt und schließlich in zwei Gruppen randomisiert worden wa- ren, wurden zu Beginn umfassend kli- nisch untersucht. Außerdemwurde ihre Krankheitsgeschichte erhoben und die Schmerzintensität evaluiert. In der Non- MT-Gruppe (n = 116) beinhaltete die Therapie Beratung, Krankengymnastik und Massagen, in der MT-Gruppe (n = 122) wurde darüber hinaus eine manu- elle Therapie angeboten. Die Kinder der ©© Dmitry Naumov / stock.adobe.com Manuelle Therapie konnte die Schmerzen nicht lindern. Literatur kompakt  20 Schmerzmedizin 2018; 34 (6)

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