Schmerzmedizin 5 / 2018

die Ausstrahlungen ins Bein die Baustei- ne: „Beinaußenseite schieben“ (tui gu- waice) und „Beinrückseite schieben“ (tui guhou). Der erste Baustein „In der Lumbalre- gion punktartig pressen und waagrecht reiben“ bewegt das Qi und dynamisiert das Xue. Er macht die Netzleitbahnen (reticulares, luomai) durchlässig und lin- dert Rückenschmerzen und Lumbalgien. Behandelt werden die Punkte V 23/Bl 23, 24 und 25 mit der Technik des „punktar- tigen Pressens imAtemrhythmus“ ( Abb. 1a , Abb. 1b ). Der zweite Baustein „In der Lumbalregion gerade schieben“ ( Abb. 2 ) erwärmt die Blasenleitbahn und wirkt Blockaden aufgrund einer Schwäche des Yang entgegen. Weiterhin macht er die Netzleitbahnen durchlässig, soll die Lumbalregion und die untere Extremi- tät kräftigen sowie Schmerzen, Kraftlo- sigkeit und Parästhesien beseitigen. Hier werden die Punkte V 21/Bl 21, 23 und 31 in einer Linie und anschließend V 50/Bl 50, 52 und 27 gepresst und geknetet. Da- zwischen wird geschoben und abschlie- ßend von kranial nach kaudal mit dem Handballen gerieben. Mit dem Baustein „die Acht Kellerlöcher“ sollen Nieren- funktionskreis und die Lumbosakralre- gion sowie die Beine gekräftigt werden. Dazu wird die Zirkulation des Qi ange- regt ( Abb. 3 ). Diese Behandlung bein- haltet die Punkte V 31/Bl 31, 32, 33 und 34. Die beiden Bausteine, die je nach radi- kulärer Symptomatik eingesetzt werden, sind „Beinaußenseite schieben“ ( Abb. 4 ) und „Beinrückseite schieben“. Die erste Punktkombination macht die Gallenbla- senleitbahn und die Netzleitbahn durch- lässig und stillt Schmerzen. Der Reihe nach schiebt man zwischen F 30/Gb 30, 31, 34, 37, 39 und 40 und behandelt jeden der Punkte mit „pressen und kneten“. Beim Baustein „Beinrückseite schieben“ ( Abb. 5 ) wird Einfluss auf die Blasenleit- bahn genommen, man löst Stasen in Leit- und Netzleitbahnen (jingmai luomai) und kräftigt die Lumbalregion sowie die untere Extremität. Hier sind es die Punkte V 36/Bl 36, 40 und 57, die mit „pressen und kneten“ behandelt werden. Verbindend wird die Leitbahn zwischen den Punkten geschoben. Frau K. kam wöchentlich zur Behand- lung, die Schmerzen besserten sich rasch. Insgesamt waren nach sieben Be- handlungen die Beschwerden nachhaltig gebessert. Die Patientin geht inzwischen wieder regelmäßig zum Wandern. An diesem Fallbeispiel kann man sehr gut sehen, wie die Tuina-Massage nicht nur die TCM-Behandlung durch Aku- punktur und Phytotherapie unterstüt- zen kann, sondern ihr gelingt auch der Brückenschlag zwischen traditioneller chinesischer Medizin und westlicher Medizin. Es ist dank der gezielten Mas- sagetechniken möglich, die Leitbahn- blockaden aufzulösen und durch inhi- bierenden Einfluss auf die Nozizeption den Schmerz zu lindern. Die Qualität der TCM zeigt sich unter anderem darin, dass es zu jedem Krank- heitsbild mehrere differenzialdiagnosti- sche Behandlungsoptionen gibt. Das Er- lernen der TCM erfordert eine mehrjäh- rige Ausbildung. In China dauert das Studium fünf bis sechs Jahre an einer Hochschule oder Universität. In Deutschland werden Ausbildungen in Tuina-Massage mit hoher Qualität von der Internationalen Gesellschaft für Chinesische Medizin (SMS) angeboten. Abb. 4 : Technik „Beinaußenseite schieben“ zur Aktivierung der Gallenblasen- und Netzleit- bahn (aus [4], mit freundlicher Genehmigung) Gb 30 schieben: kneten: vibrierend pressen: pressen: pressen: Gb 31 Gb 34 Gb 37 Gb 39 Gb 40 „Angelpunkt des Femurs“ huantiao Gb 30 F 30 „Marktplatz der Winde“ fengshi Gb 31 F 31 „Quelle am sonnenbeschienenen Grabhügel“ yanglingquan Gb 34 F 34 „Glanz und Licht“ guangming Gb 37 F 37 „Die herabhängende Glocke“ xuanzhong Gb 39 F 39 „Das Feld am Hügel“ qiuxu Gb 40 F 40 Aus: Han, Leitfaden Tuina, 3. Aufl. 2013 © Elsevier GmbH, Urban & Fischer, München Abb. 5 : Technik „Beinrückseite schieben“ zur Aktivierung der Blasenleitbahn (aus [4], mit freundlicher Genehmigung) schieben: kneten: pressen: Bl 36 Bl 40 Bl 57 „Spalte des Fleisches“ chengfu Bl 36 V 36 „Die Mitte des Staugewässers“ weizhong Bl 40 V 40 „Säule des Fleisches“ chengshan Bl 57 V 57 Aus: Han, Leitfaden Tuina, 3. Aufl. 2013 © Elsevier GmbH, Urban & Fischer, München Schmerzmedizin 2018; 34 (5) 19

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