Schmerzmedizin 1 / 2019

handlung von nicht ausreichend thera- pierten mononeuropathischen Schmer- zen zum Einsatz kommt [3, 6]. Indikationen für die periphere Ner- venstimulation sind beispielsweise chro- nische Schmerzen bei Engpasssyndro- men, postoperative Schmerzen nach Engpasssyndromen (z. B. Karpaltunnel- Syndrom), Neuralgien und Nervenläsi- onen der oberen und unteren Extremi- täten, CRPS-Typ I und -Typ II, chroni- sche Schmerzen im Thorakal-, Abdomi- nal-, Interkostal- und Inguinalbereich, Phantomschmerzen und inkomplette Plexusläsionen [5, 7, 8, 9, 10, 11, 12]. Kli- nisch hat es sich vor der Implantation ei- nes peripheren Neurostimulationssys- tems bewährt, diagnostische Nervenblo- ckaden als Verifikation durchzuführen, dass hauptsächlich ein Nerv schmerzur- sächlich ist [9]. Der Wirkmechanismus der PNS be- ruht auf der fehlenden beziehungsweise blockierten Weiterleitung nozizeptiver Impulse vom Rückenmark zum Gehirn aufgrund der Stimulation myelinisierter Aβ-Fasern, auch als Gate-Control-Theo- rie bezeichnet [5, 6, 13]. Seit Kurzem ist eine neue Technik zur PNS verfügbar, bei der lediglich die Elektrode minimalinvasiv implantiert wird. Die Neurostimulation wird extra- korporal durch einen Stimulator erzeugt und kabellos an die implantierte Elekt- rode übertragen. Eine Patientin mit chronischen, neuropathischen Unter- arm- und Handschmerzen profitierte von dieser Therapie durch Implantation der Neurostimulationselektrode am Nervus ulnaris links. Fallbericht Anamnese Die Vorstellung der Patientin in der Ab- teilung für Schmerztherapie in Löwen- stein erfolgte erstmals im Dezember 2017 mit Zustand nach distaler meta- physärer Unterarmfraktur links im Jahr 2011 mit primär konservativer Behand- lung. Aufgrund zunehmender Schmerz- symptomatik und Schmerzexazerbation im linken Handgelenk ulnar-/strecksei- tig mit einschießenden und brennenden Schmerzen erfolgte 2012 eine Hand­ gelenksarthroskopie links. In der Ana- mnese zeigte sich ein fehlendes Anspre- chen auf nicht steroidale Antirheumati- ka (NSAR). Auch der wegen Verdacht auf ein komplexes regionales Schmerz- syndrom (CRPS) durchgeführte Korti- sonstoß brachte keine wesentliche Ver- besserung der Schmerzsymptomatik. Im weiteren Verlauf konnte der Ver- dacht auf ein CRPS nicht bestätigt wer- den. Die Behandlung erfolgte im Dezem- ber 2017 leitliniengerecht zunächst mit Gabapentin in einer Zieldosis von 900 mg/Tag, welche nachfolgend aber auf- grund von Nebenwirkungen wieder ab- gesetzt werden musste. Alternativ erhielt die Patientin retardiertes Tramadol in einer Tagesdosis von 150 mg sowie Tra- madol und Ibuprofen bei Bedarf. Nach Versagen der bisherigen konser- vativen Therapie wurden diagnostische, ultraschallgeführte Nervenblockaden mit Ropivacain 0,2% durchgeführt. Es zeigte sich ein initial sehr gutes Blocka- deergebnis des Nervus ulnaris links mit einer 80–90%igen Schmerzreduktion. Wiederholt durchgeführte Nervenblo- ckaden erbrachten ein reproduzierbares und ebenso sehr gutes Ergebnis. Ablauf der Implantation Aus oben angeführtemGrund wurde bei dieser Patientin eine neuartige Technik der PNS gewählt, die bei chronischen, mononeuropathischen Schmerzen zum Einsatz kommt und ohne implantierba- ren Impulsgenerator fungiert. Die Ener- gieübertragung der Stimulation erfolgt dabei durch galvanische Induktion vom externen, wiederaufladbaren Impulsge- nerator an die implantierte Elektrode ( Abb. 2 ). Externer Puls-Transmitter und Fern- bedienung sind nicht sterile Komponen- ten, die die Patienten im Hausgebrauch nach Bedarf verwenden. Für die Implan- tation der Elektrode steht ein steriles Im- Abb. 2 : Externer Puls-Transmitter als Im- pulsgenerator mit implantierter Elektrode (StimRouter™, Firma Bioness) und Fern­ bedienung zur Einstellung der gewünsch- ten Stimulation durch die Patientin mit freundlicher Genehmigung der Firma Bioness Abb. 3 : Sterile Bestandteile des StimRouter™ Implantat-Sets mit freundlicher Genehmigung der Firma Bioness For tbildung Therapie einer Patientin mit neuropathischen Schmerzen 20 Schmerzmedizin 2019; 35 (1)

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