Schmerzmedizin 2 / 2019

zervikalen Radikulopathien in Erwä- gung gezogen werden. Zudem wurde vermerkt, dass partikelhaltige Steroide aufgrund der höheren Gefahr schwer- wiegender Komplikationen nicht ver- wendet werden sollten. ImGegensatz zu derzeit international geltenden Stan- dards wird aber geraten, den transfora- minalen und nicht den interlaminären Zugang zu wählen. Vergütungssituation im EBM und Forderungen an die Kassen Injektionen im Wirbelsäulenbereich sind nur im Ausnahmefall Bestandteil der Vergütung durch gesetzliche Kran- kenkassen. Sämtliche nervennahen In- jektionen, insbesondere die epiduralen Injektionen, sind aufgrund des Off-La- bel-Status von Kortison von der Vergü- tung ausgeschlossen. Dies wurde von der kassenärztlichen Bundesvereini- gung im Herbst 2013 eindeutig so fest- gelegt [13]. Zwar können laut GOP 34503 im Ein- heitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) bildwandlergestützte Interventionen an der Wirbelsäule vergütet werden, da je- doch hier nach internationalen Leitlini- en der mediale Ast adressiert wird, ist dies streng genommen ebenfalls ein Off- Label-Use als perineurale Infiltration. Besonders schwierig wird es bei der Ra- diofrequenzdenervation. Hier gab es bis zum Beschluss 290 des Bewertungsaus- schusses zum 1. April 2013 eine adäqua- te Abrechnungsziffer, die jedoch streng genommen die offene Radiofrequenzin- tervention abdeckte. Diese Abrech- nungsziffer wurde im ambulanten Be- reich ersatzlos gestrichen, aufgrund strenger Prüfungen des medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) ist auch die Radiofrequenzbe- handlung im stationären Bereich in den allermeisten Fällen nicht abbildbar. Dieses Vorgehen wurde wohl in eini- gen Vorstandsetagen – besonders von Betriebskrankenkassen – als problema- tisch gesehen und so gibt es eine Viel- zahl von meist regional integrierten Ver- sorgungsverträgen, in denen diese Kos- ten offiziell als Vertrag oder inoffiziell durch interne Absprachen bei Kranken- kassen vergütet werden. Dennoch sollte darauf hingearbeitet werden, dass eine Therapiemöglichkeit für alle gesetzlich Versicherten in Deutschland offensteht. Derzeit sind eher kleinere und wohlha- bendere gesetzliche Krankenkassen in eine extrabudgetierte Vergütung einge- bunden. Damit es nicht wieder zu einer Mengenausweitung kommt, wäre zu überlegen, ob man eine spezielle Zertifi- zierung, wie in der Schweiz, für inter- ventionell arbeitender Schmerzthera- peuten einführt. Zusammenfassung Weltweit haben Arbeitsgruppen inter- ventionell arbeitender Schmerzthera- peuten vielfach gezeigt, dass in gut kon- zipierten Studien – zum Teil randomi- siert und kontrolliert – den Patienten mit Schmerzgeneratoren durch gezielte Interventionen geholfen werden kann. Dennoch ist zu betonen, dass auch bei mäßig chronifizierten Patienten mit identifizierbarem Schmerzgenerator das biopsychosoziale Schmerzmodell nicht unberücksichtigt bleiben darf. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass viele multimodal arbeitenden Abteilungen in Deutschland durch Schmerztherapeuten, Physiotherapeu- ten und Psychologen/Psychotherapeu- ten gut aufgestellt sind. In den wenigsten Fällen steht hier aber gleichberechtigt ein interventioneller Schmerztherapeut zur Seite. In Deutschland gewann die interven- tionelle Schmerztherapie erst in den letzten beiden Jahren durch die Berück- sichtigung in den Leitlinien an neuer Wertigkeit. Es bleibt abzuwarten, ob durch die neue Leitlinie zum spezifi- schen Rückenschmerz der Druck auf die Krankenkassen zur besseren Honorie- rung erhöht werden kann. Positiv zu be- werten ist, dass insbesondere kleinere Betriebskrankenkassen im Erstattungs- verfahren oder in der Einzelfallentschei- dung die interventionellen Leistungen adäquat vergüten. Es wird sich aber erst zeigen müssen, ob in diesem Bereich künftig überall das Honorar der (eviden- ten) Leistung folgt. Dieser Beitrag ist eine überarbeitete und aktua- lisierte Fassung von: Schneider M. Injektionen an der Wirbelsäule: Für welche Verfahren gibt es Evidenzen? Chirurgen Magazin + BAO Depe- sche 2018; 16 (5): 46–50 Dr. Markus Schneider Leiter Regionales Schmerzzentrum DGS – Bamberg Facharzt f r Orthopädie/ Unfallchirurgie Kärntenstr. 2 96052 Bamberg E-Mail: schneider@alphamed-bamberg.de Literatur: 1. Nationale Versorgungsleitlinie: Nicht-spezifischer Kreuzschmerz. AWMF-Registernr.: nvl-007 2. Staal JB et al. 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Thema: Abrechnung und Honorar. 2013: www.kvhh.net/media/public/db/me- dia/1/2009/10/112/2013-06-18_kbv-infor- mation_89_kbv-auffassung_abrechenbar- keit_kortikoide.pdf For tbildung Interventionelle Eingriffe an der Wirbelsäule 20 Schmerzmedizin 2019; 35 (2)

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