Schmerzmedizin 4 / 2018

Schmerzmedizin 4 / 2018

Therapie der Migräne Multimodal versus monoklonal? Astrid Gendolla, Essen Migräneattacken beeinträchtigen die Betroffenen während eines Anfalls durch starke Kopfschmerzen, zum Teil Übelkeit und Erbrechen oder Licht und Lärmempfindlichkeit sowie in schweren Fällen auch Bettlägerigkeit. Aber auch interiktal ist das Leben der Patienten durch Angst vor kommenden Attacken mit drohendem Funktions- und Aktivitätsverlust geprägt. Für die Prophylaxe der Migräne wurde mit den Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP)-Hemmern ein neuer, spezifischer Therapieansatz entwickelt. Das erste Präparate dieser Stoffklasse ist in den USA bereits zugelassen. M igräne ist eine schwere, chroni- sche neurologische Erkran- kung und dazu eine der häu- figsten: Die globale Prävalenz beträgt rund 11% [1, 2]. Eine Migräneattacke ist geprägt von moderaten bis starken, oft unerträglichen Kopfschmerzen, die sich durch Bewegung verschlimmern. Fakul- tative Begleitsymptome sind Nausea, Vomitus, Osmophobie, Photo- und Pho- nophobie. Die Patienten sind in ihrer Alltagsfähigkeit stark beeinträchtigt. Die Folge sind Fehltage im Beruf, eine eingeschränkte Teilnahme am Sozialle- ben sowie eine Beeinträchtigung des Fa- milienlebens [3]. Migräneattacken dauern definitons- gemäß mindestens vier Stunden, kön- nen aber auch bis zu drei Tage lang an- halten. Die Schmerzen sind in der Regel pulsierend-pochend und meistens ein- seitig. Sie können sowohl während ei- ner Attacke die Seite wechseln oder aber auch bei einer der nächsten. Atta- cken können allerdings auch beidseitig auftreten. Jeweils 40–80% der Patien- ten leiden zudem unter Begleitsymp­ tomen. Wegen der Empfindlichkeit ge- genüber Licht und Geräuschen wäh- rend der Attacke ziehen sich viele Be- troffene in dieser Zeit in abgedunkelte Räume zurück. Dies bedingt, dass Mi- gräne sich häufig „im Dunkeln ab- spielt“. Vielleicht ist das eines der Grün- de warum – Migränepatienten berich- ten häufig darüber – Ärzte, Familien- mitglieder oder andere nahestehende Personen sich oft nicht über das Aus- maß der Beeinträchtigung durch die Erkrankung im Klaren sind. Die Sorge vor kommenden Attacken prägt das Leben der Betroffenen. Das Eurolight-Projekt verdeutlicht diese Tat- sache: In der Querschnittsbefragung wurde die Belastung durch Kopf- schmerzkrankheiten bei 18- bis 65-Jäh- rigen in zehn EU-Ländern ermittelt. In der Migränegruppe traten vermehrt Ko- morbiditäten wie Angststörungen und Depressionen auf [4]. 26% der Migänepatienten sind zwi- schen zwei Anfällen nicht komplett symptomfrei. ImVergleich zu Patienten mit Spannungskopfschmerzen (Tension- Type Headache, TTH) gaben zudem fast dreimal so viele Patienten mit Migräne interiktale Angstsymptome und Ver- meidungsverhalten an (10,6% und 14,8%). Problematische Diagnose? Die Dunkelziffer der Zahl Betroffener, die keinen Arzt konsultieren, ist trotz des erheblichen Leidensdrucks hoch. Nach Ergebnissen der Eurolight-Studie (populationsbasierte Daten: n= 3.466 Migränepatienten aus zehn europä­ ischen Ländern) befanden sich 76,1% der befragten deutschen Migränepati- Fünf von sechs Patienten mit chronischer Migräne brechen eine Therapie mit bisheri- gen Prophylaktika aufgrund von Nebenwirkungen oder Unverträglichkeit ab. ©© V_Sot / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell) Schmerzmedizin 2018; 34 (4) 21

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