Schmerzmedizin 5 / 2019

Neuropsychiatrische Symptome in der Palliativmedizin Häufig präsent und doch unterschätzt Christoph Gerhard, Oberhausen Delirien, Depressionen, Schlafstörungen und Koma – neuropsychiatrische Symptome sind in der Palliative Care eher die Regel als die Ausnahme und verursachen sowohl bei Patienten als auch deren Angehörigen großes Leid. Noch immer werden sie in der Praxis oft verkannt, dabei gibt es zahlreiche medikamentöse wie nicht medikamentöse Ansätze, sie zu therapieren oder sogar zu verhindern. N europsychiatrische Symptome spielen in der Palliativ- medizin eine überragende Rolle, werden jedoch imVer- gleich zu „klassischen“ Symptomen wie Schmerzen, Atemnot, Übelkeit oder Obstipation oft unterschätzt. Am häu- figsten treten Delirien auf, aber auch Depressionen, Schlafstö- rungen sowie epileptische Anfälle sind zahlreich vertreten. Delirien – Belastend, aber behandelbar Obwohl sie sehr häufig in der Palliativversorgung vorkommen, werden Delirien oft verkannt. Zu Beginn äußern sie sich meist mit emotionaler Labilität, Ängstlichkeit und Unruhe. Delirien lassen sich auf die verschiedensten Ursachen und nur in den seltensten Fällen auf einen Alkoholentzug zurückführen. Alte Menschen, Patienten mit mehreren Erkrankungen (insbeson- dere Leber- und Nierenfunktionsstörungen) oder neurologi- schen Erkrankungen sowie Demenzkranke zählen zu der größ- ten Risikogruppe für ein Delir ( Tab. 1 ). Sowohl hyper- als auch hypoaktive Delirien bedeuten eine große Belastung und Einschränkung für Betroffene und deren Angehörige. Da sich hypoaktive Delirien aber eher in Apathie und Schläfrigkeit äußern, werden sie häufig nicht erkannt, so- dass eher das hyperaktive Delir mit Agitation und Halluzina- tionen im Vordergrund steht, das für die Umgebung und die betreuenden Gesundheitsberufe sehr störend ist. Beim hyper- aktiven Delir leiden Angehörige vor allem darunter, dass sich ihr geschätzter und geliebter Partner, Kind oder Freund unge- wohnt und nicht immer nachvollziehbar verhält und sich die bestehenden Rollenverhältnisse notgedrungen ändern; beim hypoaktiven Delir entsteht der Leidensruck vor allem dadurch, dass der Patient kaum oder nicht mehr ansprechbar ist ( Tab. 2 ). Im Idealfall gelingt es, ein Delir gar nicht erst entstehen zu lassen. Folgende Maßnahmen eignen sich zur Prävention: — Risikopatienten frühzeitig ermitteln — Risikofaktoren frühzeitig behandeln — Kognitive Fähigkeiten systematisch screenen und bei Anzei- chen eines beginnenden Delirs frühzeitig mit der Behand- lung beginnen — Schmerzen und Infektionen vorbeugen — Versorgung mit ausreichend Sauerstoff gewährleisten — Möglichst wenig Stress — Wahrnehmung und Kommunikation fördern, für Mobilität sorgen ©© digitalskillet1 / stock.adobe.co (Symbolbild mit Fotomodell) 20 Schmerzmedizin 2019; 35 (5) Zer tif izier te For tbildung

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