Schmerzmedizin 3 / 2018

Primäre Kopfschmerzen Chronische Migräne richtig diagnostizieren und behandeln Eberhard Albert Lux, Lünen; Astrid Gendolla, Essen Die Migräne stellt eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen dar und geht mit starken Einschränkun- gen der Lebensqualität einher. Um eine chronische Migräne optimal behandeln zu können, ist zunächst die korrekte Diagnosestellung entscheidend. D ie richtige Diagnose ist essenziell für eine rationale und erfolgreiche Behandlung. Die Klassifikation der Inter- nationalen Kopfschmerzgesellschaft IHS (International Headache Society) unterscheidet primäre von sekundären Kopfschmerzen. Als sekundär werden Kopfschmerzen bezeich- net, wenn sie Folge einer anderen Erkrankung oder Körperstö- rung sind (arterielle Hypertonie, Trauma, Intoxikation). Pri- märe Kopfschmerzen mit ihrer typischen Symptomatik stellen eine Krankheitsentität dar [1]. Migräne ohne Aura (ICD-10 G43.0) ist eine der häufigen pri- mären Kopfschmerzerkrankungen mit einem Prävalenzgipfel zwischen dem 35. und 40. Lebensjahr, wobei Frauen dreimal häufiger betroffen sind als Männer. Zwischen den einzelnen At- tacken sind die Betroffenen kopfschmerzfrei, ihr Leben ist aber häufig geprägt von der Angst einer bevorstehenden Attacke. Die in der Regel heftigen und häufig einseitigen, pulsierenden be- ziehungsweise pochenden Kopfschmerzen sind begleitet von Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Licht- und/oder Lärm- scheu sowie manchmal auch Überempfindlichkeit gegenüber Gerüchen. Körperliche Aktivität führt regelhaft zu einer Zu- nahme der Symptome. Die Dauer der Kopfschmerzen beträgt gemäß der Definition der ICHD-III-Kriterien (International Classification of Headache Disease) der IHS 4–72 Stunden. Die Einführung definierter Diagnosekriterien durch die IHS ermög- lichte die Zuordnung evidenzbasierter Therapieansätze [1]. Was steckt hinter der Migräne? Unter ICD-10 G43.1 ist die Migräne mit Aura klassifiziert. 20% der Migränepatienten sind von dieser Form betroffen. Als Aura werden sämtliche neurologischen Reiz- und Ausfallssympto- me verstanden. Diese treten zeitlich meist vor der Kopf- schmerzphase auf, ein kleiner Prozentsatz der Patienten leidet parallel an Aura-Symptomen und Kopfschmerzen, auch iso- liertes Auftreten von Auren ist möglich. Die Pathophysiologie der Migräne ist heute in vielen Aspek- ten bekannt. Auf der genetischen Grundlage kommt es rezidi- vierend zu einer Erregung im Kerngebiet des Nervus trigemi- nus. Dieser endet mit C-Fasern auf meningealen Blutgefäßen. Über 5-HT1 B/D -Rezeptoren kommt es zu einer Vasodilatation und Konstriktion der meningealen Blutgefäße, zum anderen werden Neuropeptide (vor allemCalcitonin Gene-Related Pep- tide; CGRP) freigesetzt. Durch diesen Prozess werden Mast­ zellen und Histiozyten angezogen was in dem Begriff „neuro- gene Entzündung“ zusammengefasst wurde [1]. Diagnostik Im Gegensatz zum Kopfschmerz vom Spannungstyp ver- schlechtert sich der Kopfschmerz bei Migräne bewegungsab- hängig; somit ist die Frage nach dem Verhalten des Patienten währen der Kopfschmerzen klinisch sehr wertvoll ( Tab. 1 ). Die Führung eines Kopfschmerztagebuches seitens der Patienten ist essenziell. ©© amaxim / Fotolia Bei Migräne treten die Kopfschmerzen häufig an einer Stirnseite auf. Zer tif izier te For tbildung 22 Schmerzmedizin 2018; 34 (3)

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