Schmerzmedizin 6 / 2018

Kann die „Lichtdusche“ am Morgen Rückenschmerzen lindern? US-Forscher haben untersucht, ob chronische Rückenschmerzen auf eine morgendliche Lichttherapie ansprechen. In ihrer Pilotstudie fanden sie Hin- weise dafür, dass das Licht subjektiv empfundene Schmerzen lindern könnte. C hronische Schmerzen sind nach An­ sicht vieler Experten ein multi­ dimensionales Phänomen. Studien ha­ ben gezeigt, dass unter anderem Fakto­ ren wie schlechter Schlaf und gedrückte Stimmung das subjektive Schmerzemp­ finden beeinflussen können. Patienten, bei denen entsprechende Zusammen­ hänge bestehen, müssten demnach von schlafverbessernden und stimmungs­ aufhellenden Maßnahmen profitieren. Inwieweit vor diesem Hintergrund eine morgendliche Lichttherapie in der Lage ist, chronische Rückenschmerzen zu bes­ sern, wollten Forscher der Rush Univer­ sity Medical Center in Chicago klären. An der offenen Studie waren 37 US-Ve­ teranen beteiligt, die seit mindestens sechs Monaten an Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich litten. Die Forscher stellten bei jedem Teilnehmer zu Hause zwei Boxen auf, die Weißlicht emittier­ ten. An 13 aufeinanderfolgenden Tagen sollten sich die Probanden jeweils mor­ gens nach dem Aufwachen eine Stunde lang vor die eingeschalteten Lampen set­ zen. Während der Studienphase trugen die Teilnehmer einen Aktigrafen zur Ak­ tivitätsmessung am Handgelenk und ei­ nen Fotosensor um den Hals, um die Lichtexposition zu verifizieren. Zusätz­ lich mussten die Probanden zu Studien­ beginn und dann noch zweimal im Ver­ lauf jeweils am Nachmittag beziehungs­ weise abends halbstündlich imDunkeln Speichelproben abgeben, in denen die Melatoninkonzentration (DLMO, „dim light melatonin onset“) und darüber der zirkadiane Rhythmus bestimmt wurde. Ein validierter Fragebogen (PROMIS) gab den Forschern Auskunft über die Entwicklung der Rückenschmerzen im Studienverlauf. Über weitere Fragebögen (CES-D, STAI, PTSD-Checklist) wurden Anzeichen für Depression, Angst und Posttraumatisches Belastungssyndrom (PTSB) erhoben. Wie Dr. Helen J. Burgess und Kollegen berichten, nahmen sowohl die subjektive Schmerzintensität als auch das Schmerz­ verhalten im Laufe der Studie signifikant ab. Auch die körperliche Funktionalität erfuhr eine deutliche Besserung. Beson­ ders ausgeprägt war der Effekt der Licht­ therapie offenbar im Hinblick auf die PTSB-Symptomatik. Dagegen veränder­ ten sich die Werte der depressiven Sym­ ptome und der Angstsymptomatik kaum. Die entsprechenden Scores waren aller­ dings zu Studienbeginn nicht sehr hoch gewesen (CES-D 10 < 10, STAI = 35). Als weiteren positiven Effekt verzeich­ neten die Forscher eine Verbesserung der subjektiv empfundenen Schlafquali­ tät: So rutschten die Teilnehmer im „In­ somnia Severity Index“ (ISI) im Mittel Onabotulinumtoxin A für die Migräneprophylaxe Eine kleine Beobachtungsstudie mit Migränepatienten hat gezeigt, dass die Anwendung von Onabotulinumtoxin A auch über drei Jahre hinweg sicher ist und sich mit diesem Mittel Kopfschmerztage reduzieren lassen. E in Team aus Griechenland hat den Nutzen einer mehrjährigen Migräne­ prophylaxe mit Onabotulinumtoxin A in einer Beobachtungsstudie untersucht. Sie ist die Fortsetzung einer Beobach­ tungsstudie an fünf Kopfschmerzzent­ ren in Griechenland, in der Onabotuli­ numtoxin A zur Migräneprophylaxe in Form einer monatlichen Injektion zu­ nächst über drei Monate eingesetzt wur­ de. Die Teilnehmer der Kernstudie wa­ ren Patienten mit chronischer Migräne, die an mindestens 15 Tagen pro Monat und seit mehr als drei Monaten unter Migräneanfällen litten. 65 Patienten hat­ ten auf die Injektionstherapie angespro­ chen, sie zeigten also eine mindestens 50%-ige Reduktion der durchschnitt­ lichen Kopfschmerztage pro Monat. Von diesen Patienten nahmen 56 an weiteren monatlichen Therapiesitzungen über insgesamt drei Jahre (nach Abschluss der Primärstudie) teil. Sie bildeten das Studienkollektiv dieser prospektiven Langzeitstudie. Wie Dr. Michail Vikelis und sein Team von der Kopfschmerzklinik im Mediterrano Hospital in Glyfada berich­ ten, wurde in der dreijährigen Studien­ periode mit Onabotulinumtoxin A eine signifikante Reduktion der monatlichen Kopfschmerzen von imMittel 7,2 auf 3,4 Tage erreicht. Ein Rückgang wurde zu­ dem bei der Kopfschmerzintensität er­ zielt: So nahm die Zahl der Tage mit Kopfschmerzen, die mit mindestens 4 von 10 Punkten auf einer numerischen Skala angegeben wurden, von imMittel 3,4 auf 2,5 pro Monat ab; dieser Rück­ gang war allerdings knapp nicht statis­ tisch signifikant. Deutlich ging die Zahl der Tage zurück, an denen die Patienten akut wirksame Kopfschmerzmedika­ mente einnahmen (von imMittel 4,7 auf 2,8 pro Monat). Wie Vikelis et al. betonen, wurde kein Patient resistent gegen Onabotulinum­ toxin A, und auch die Nebenwirkungen hielten sich in Grenzen. So kam es nur in wenigen Fällen zu Quaddeln im Be­ reich der Injektionsstelle oder zu Schul­ ter- beziehungsweise Nackenschmerzen. 50 Studienteilnehmer entschlossen sich nach Ablauf der dreijährigen Studien­ phase, die Prophylaxe fortzusetzen. Die Forscher haben angekündigt, über die weitere Entwicklung zu berichten. Fazit: In einer kleinen Beobachtungsstu­ die aus Griechenland hat sich die Mig­ räneprophylaxe mit Onabotulinumto­ xin A über drei Jahre als effektiv und si­ cher erwiesen. Dr. Elke Oberhofer Vikelis M et al. Sustained onabotulinumtoxinA therapeutic benefits in patients with chronic migraine over 3 years of treatment. J Headache Pain 2018; Sep 17;19(1):87 Literatur kompakt  22 Schmerzmedizin 2018; 34 (6)

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