Schmerzmedizin 4 / 2018

Schmerzmedizin 4 / 2018

damit sie wissen, wann eine Akutthera- pie bestimmungsgemäß eingesetzt wer- den kann, wann Prophylaxe sinnvoll ist und welche Erwartungen an ein solches Behandlungsregime geknüpft werden können. Wichtiger Baustein der Vermittlung von Coping-Strategien sind aber nicht nur pharmakologische Therapiebaustei- ne sondern auch Hilfen wie Entspan- nungsverfahren oder Sporttherapie. Sinnvoll ist auch eine individuelle Bera- tung über mögliche Auslösefaktoren. Es existieren hunderte von möglichen Trig- gern, die eben nicht für jeden Einzelnen zutreffen mögen. Hier kann eine kompe- tente Beratung stützen und die Perspek- tiven des Betroffenen erweitern. Nicht zuletzt ist der persönliche Austausch auch bei Migränepatienten oder deren Angehörigen ein wichtiger Therapiebau- stein. Aktuelle Programme In Deutschland existieren für Patienten bedauerlicherweise nur wenige Mög- lichkeiten an multimodalen Program- men teilzunehmen. Exemplarisch seien hier – ohne Anspruch auf Vollständig- keit – Strukturen mit Vorbildcharakter genannt. Im Versorgungsnetz der inte­ grierten Versorgung der Techniker Krankenkasse (TK) von deutschland- weit über 400 Praxen, das von der Schmerzklinik Kiel organisiert und strukturiert wird, besteht die Möglich- keit, Patienten in das Programm einzu- schreiben, um an einer multimodalen stationären Therapie in Kiel teilzuneh- men. Die TK unterstützt ebenfalls im Rahmen eines Vertrages zur integrierten Versorgung die Behandlung in der Kli- nik für Traditionelle Chinesische Medi- zin und Integrative Medizin in Essen Steele (Professor Dr. Gustav Dobos). Eine andere kompetente Adresse zur sta- tionären Versorgung von Betroffenen, ist die Migräneklinik Königstein (Chef- arzt Dr. Charly Gaul), hier ist auch ne- ben einer Kostenübernahme der Kran- kenkassen eine Behandlung über den Rententräger möglich. Einzelne weitere Kliniken führen kopfschmerzspezifi- sche Behandlungen zulasten der Renten- träger durch, etwa die Berolina Klinik (Leiter des Programms: Dr. Zoltan Meg- hessy). Aktuell wird ein Versorgungsfor- schungsprojekt unter der Ägide der Cha- rité in Berlin (Professor Uwe Reuter) durch den G-BA [17] gefördert. Die Ver- sorgungslandschaft ist also zersiedelt und letztendlich bestimmt der Versiche- rungsstatus aber zum Teil auch der Wohnort eines Betroffenen über die Güte der medizinischen Versorgung. Ambulante, berufsbegleitende multi- modale Therapien wie sie für viele Pati- enten sinnvoll und dringend notwendig wären, existieren in Deutschland nicht. Wünschenswert wären tagesklinische Programme, die im Modularsystem wohnortnah angeboten würden. Im Un- terschied zu anderen Schmerzerkran- kungen mit relevanter Beeinträchtigung sind Migränepatienten meist berufstätig und eine längere Abwesenheit aus dem Berufsalltag auch eher nicht gewünscht. Eine Initiative zur besseren Versorgung von Migränepatienten auf jedem Level der multimodalen Therapie wäre eine optimale Strategie um Patienten über neue, effektivere Pharmakotherapie hin­ aus behilflich zu sein und die Last der Erkrankung zu mindern. Dr. med. Astrid Gendolla Vizepräsidentin der DGS, Praxis für Neurologie, Psychosomatik, Psychia­ trie, Nervenheilkunde, Psychotherapie und Spe­ zielle Schmerztherapie, Leiterin Regionales Schmerzzentrum DGS Essen, Am Alfredusbad 2, 45133 Essen Literatur 1. Stovner LJ et al. The global burden of head­ ache: a documentation of headache preva­ lence and disability worldwide. Cephalalgia 2007; 27:193–210 2. Lipton RB et al. The family impact of migrai­ ne: population-based studies in the USA and UK. Cephalalgia 2003; 23:429–40 3. Brown H et al. Behavioural management of migraine. Ann Indian Acad Neurol 2012; 15 (Suppl 1):S78–S82 4. Lampl C et al. Headache, depression and an­ xiety: associations from the Eurolight pro­ ject. 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