Schmerzmedizin 6 / 2018

Verhaltenstherapie, interdisziplinäre Behandlung, E-Health Aktuelle Entwicklungen in der psychologischen Kopfschmerztherapie Thomas Dresler, Tübingen, Timo Klan, Mainz, Torsten Kraya, Halle (Saale), Peter Kropp, Rostock Zur Behandlung von Kopfschmerzen sind medikamentöse Therapien nicht immer ausreichend wirksam oder können aus medizinischen Gründen nicht eingesetzt werden. Die psychologische Kopfschmerztherapie ist besonders bei chronischen Kopfschmerzen, einer hohen Beeinträchtigung der Patienten sowie als Ergän- zung oder Alternative zur medikamentösen Behandlung sinnvoll. D ie aktuellen Entwicklungen in der psychologischen Kopfschmerztherapie umfassen eine Ausweitung der klassischen Therapeut-Patient-Beziehung, die Weiter- entwicklungen verhaltenstherapeutischer Ansätze sowie den zunehmenden Einsatz von digitalen Medien. Kopfschmerzen Nach Klassifikation der „Internationalen Kopfschmerzgesell- schaft“ (IHS) [1] unterscheidet man primäre und sekundäre Kopfschmerzen. Bei primären Kopfschmerzen definieren die Kopfschmerzen die Erkrankung an sich, andere Ursachen las- sen sich nicht finden; bei sekundären Kopfschmerzen resultie- ren die Kopfschmerzen aus anderen ursächlichen somatischen Erkrankungen oder äußeren Einflüssen (z. B. Infektionen, Sub- stanzgebrauch, Traumata). Bei sekundären Kopfschmerzen ist die Behandlung der eigentlichen Ursachen das primäre Ziel, wodurch indirekt auch die Kopfschmerzen behandelt werden. Psychologische Therapieansätze spielen hier nur eine unterge- ordnete Rolle und sind besonders für assoziierte psychische Störungen (z. B. Depression) relevant. Primäre Kopfschmerzen hingegen werden direkt durch vorwiegend pharmakologische und psychologische Therapieansätze behandelt ( Tab. 1 ). Primäre Kopfschmerzen sind weit verbreitet und machen ver- mutlich über 90% aller Kopfschmerzen aus. Unter Migräne lei- den mindestens 10% der Bevölkerung, unter Kopfschmerz vom Spannungstyp deutlich mehr [2, 3, 4]. Vor allemMigräne führt zu erheblichen Beeinträchtigungen im Alltag (z. B. im Berufs- und Sozialleben). In einer aktuellen Zusammenstellung zur Be- einträchtigung der Lebensqualität („disability-adjusted life ye- ars“) bei neurologischen Erkrankungen für den Zeitraum 1990– 2015 nahm sie nach dem Schlaganfall den zweiten Rang ein [5]. Psychologische Verfahren Für primäre Kopfschmerzen haben sich psychologische Be- handlungsansätze bislang gut etablieren können [6] und sind besonders bei folgenden Rahmenbedingungen indiziert [7]: ©© Jupiterimages / Thinkstock (Symbolbild mit Fotomodell) 24 Schmerzmedizin 2018; 34 (6) Zer tif izier te For tbildung

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