Schmerzmedizin 1 / 2019

Die Symptome der Patienten sind oft vieldeutig Hüftschmerz: Ursachen, Differenzialdiagnosen und Therapie Ingo J. Banke, Johannes Schauwecker, Christian Suren, Gernot Hertel, Hans Gollwitzer, Rüdiger von Eisenhart-Rothe Ein Patient mit akuten oder chronischen Hüftproblemen klagt typischerweise über Leistenschmerz, seitlichen Hüft- oder Gesäßschmerz, seltener über Knie-, Unterbauch- oder tiefsitzende Kreuzschmerzen. Diese vieldeutige Symptomatik erfordert eine sinnvolle Differenzialdiagnostik und Antworten auf die Fragen: Wann kann man erst einmal zuwarten und konservativ therapieren? Wann sollte die Notwendigkeit eines primär operativen Vorgehens schon zu Beschwerdebeginn abgeklärt werden? D ie Abklärung von Hüftschmerzen bei (jungen) Erwach- senen erfordert eine umfassende Beurteilung hinsicht- lich Beginn (unfallbedingt, akut, schleichend, chro- nisch), Lokalisation und Dauer der Beschwerden, Vorbehand- lungen, Operationen, Alter, Geschlecht sowie Provokations- bewegungen/-belastungen [1, 2]. Danach ist oft eine radiologi- sche und laborchemische Abklärung indiziert. Nach Aus- schluss operationsbedürftiger Ursachen kann zunächst eine konservativeTherapie mit spezifischer Physiotherapie sinnvoll sein. Bei Beschwerdepersistenz oder -progredienz ist eine wei- terführende, gegebenenfalls invasive Diagnostik angezeigt. Im Folgenden werden typische Krankheitsbilder vorgestellt. Femoroazetabuläres Impingement Das femoroazetabuläre Impingement (FAI) beruht auf einer bewegungsabhängigen Enge zwischen Hüftkopf und -pfanne [3]. Überwiegend sind junge, sportliche Männer betroffen. Je nach Ausprägung und Belastung kann das Impingement auch erst in fortgeschrittenem Alter symptomatisch werden [4]. Ursachen Dem FAI liegt in der Regel eine reduzierte oder fehlende Schen- kelhalstaillierung amÜbergang zwischen Hüftkopf und Schen- kelhals („Cam-Impingement“, engl. cam = Nockenwelle) zu- grunde ( Abb. 1 a ). Seltener kann auch ein zu weit übergreifen- des Pfannendach („Pincer-Impingement“, engl. pincer = Beiß- zange) oder eine Fehlrotation der Pfanne ursächlich sein. Auch eine zu prominente Spina iliaca anterior inferior kann zu einer Enge führen (subspinales Impingement). Alle diese Verände- rungen können alleine oder in Kombination auftreten. Symptome Typisch für ein Impingement sind einschießende Leisten- schmerzen und Einklemmungserscheinungen bei tiefer Hüft- beugung mit Drehung des Beines nach innen (längeres Sitzen, Autofahren, sportliche Belastung wie Fußballspielen) [2]. Leit- symptom ist ein schmerzhaft reduzierter Bewegungsumfang – vor allem bei Hüftbeugung – bis hin zur aufgehobenen Innen- rotationsfähigkeit. ©© I. J. Banke Abb. 1 : Femoroazetabuläres Hüftimpingement mit knöchernem Überstand = fehlende Schenkelhalstaillierung am Hüftkopf- Schenkelhalsübergang („Cam-Impingement“; a ); wieder regelrechte Schenkelhalstaillierung nach minimalinvasiver hüftarthroskopischer Abtragung ( b, c) ; voll autologe hüftarthroskopische Knorpelzelltransplantation ( d ) a b c d 24 Schmerzmedizin 2019; 35 (1) Zer tif izier te For tbildung

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