Schmerzmedizin 2 / 2019

mit Hirnstammaura getestet [36]. Die Studie umfasste 24 Pati- enten (davon 23 Frauen) mit vestibulärer Migräne und 16 Pa- tienten (davon 12 Frauen), die an Migräne mit Hirnstammaura litten. Beobachtet wurde eine signifikante Verringerung der mittleren Schwindelhäufigkeit sowie der mittleren Kopf- schmerzhäufigkeit, -dauer und -intensität (p < 0,001). Für den Kalziumkanalantagonisten Flunarizin gibt es eine randomisierte kontrollierte Studie, in der die Wirksamkeit von Flunarizin 10 mg bei 48 Patienten mit vestibulärer Migräne mit der Standardbehandlung aus regelmäßigen vestibulären Übun- gen und symptomatischer Verwendung von Betahistin 16 mg sowie Paracetamol 1 g verglichen wurde [37]. Flunarizin führ- te zu einer Verringerung der Schwindelhäufigkeit (p = 0,01) und des Schweregrads des Schwindels (p = 0,046). Im Gegensatz dazu wurden die Kopfschmerzen (Schweregrad und Häufig- keit) nicht signifikant reduziert. Zwei große, offene, Post-Marketing-Studien demonstrierten eine Wirksamkeit von Flunarizin bei Migräne (imVergleich zu Propranolol) und Schwindel (im Vergleich zu Betahistin) [38, 39]. Leider konzentrierten sich die Studien nicht spezifisch auf Patienten mit vestibulärer Migräne und können folglich nur indirekt beurteilt werden. In einer weiteren Analyse erwiesen sich Flunarizin und Pro- pranolol bei vestibulärer Migräne vergleichbar effektiv: Wäh- rend 68% der Patienten auf Flunarizin (p < 0,001) ansprachen, wurde bei 73% der Patienten unter Propranolol (p < 0,001) eine Verbesserung der Symptome beobachtet [40]. In einer prospektiven, randomisierten, kontrollierten Ver- gleichsstudie wurde die Wirksamkeit von Venlafaxin und Pro- pranolol zur Prophylaxe der vestibulären Migräne bei 64 Pati- enten untersucht [41]. Endpunkte waren das „dizziness handi- cap inventory“, der Schweregrad des Schwindels und die An- zahl der Schwindelattacken. Nach vier Monaten hatten sich alle Endpunkte signifikant verbessert; die Behandlungseffekte waren in beiden Gruppen ähnlich (p > 0,05). Zusätzlich wur- de das Beck-Depressions-Inventar durchgeführt, dessen Ergeb- nisse sich allerdings nur im Venlafaxin-Arm der Studie bes- serten. Selbst für Medikamente, die üblicherweise nicht für die Mi- gränetherapie verwendet werden oder hierbei generell nicht wirksam sind, gibt es positive Daten zur Behandlung von ves- tibulärer Migräne. Zu diesen Medikamenten gehören Benzo- diazepine, Pizotifen, Dothiepin, selektive Serotonin-Wieder- aufnahmehemmer (SSRI) und Acetazolamid [32]. Die Daten Tab. 2: Medikamente zur Prophylaxe der vestibulären Migräne Wirkstoffklasse Medikament Dosierung (oral) Studiendesign Betablocker Metoprolol 150 mg Retrospektive Kohortenanalyse [30] 100–200 mg Retrospektive Kohortenanalyse [32] Propranolol 160 mg Retrospektive Kohortenanalyse [30] 40–160 mg Retrospektive Kohortenanalyse [31, 32] 40–160 mg Prospektiv, open-label, randomisierte kontrollierte Studie [41] Antikonvulsiva Valproinsäure 600 mg Retrospektive Kohortenanalyse [30] 600 mg Kohortenstudie, Vestibulookluärer Reflex [33] Topiramat 50 mg Retrospektive Kohortenanalyse [30] 50–100 mg Open-label, Aktenreview [43] Lamotrigin 75 mg Retrospektive Kohortenanalyse [30] 100 mg Retrospektiv, open-label [34] Antidepressiva Amitriptylin 75/100 mg Retrospektive Kohortenanalyse [30] 10 mg Retrospektive Kohortenanalyse [32] Nortriptylin 25–75 mg Open-label, Aktenreview [43] Venlafaxin 75–150 mg Prospektiv, open-label, randomisierte kontrollierte Studie [41] Kalziumkanalblocker Flunarizin 5 mg Retrospektive Kohortenanalyse [30] 5–10 mg Retrospektiv, Kohortenanalyse [32] 5–10 mg Open-label, Post-Marketing [38, 39] Cinnarizin 37,5–75 mg Retrospektiv, open-label [36] Andere Magnesium 400 mg Retrospektive Kohortenanalyse [30] Pestwurz 50 mg Retrospektive Kohortenanalyse [30] Clonazepam 0,25–1 mg Retrospektive Kohortenanalyse [32] Schmerzmedizin 2019; 35 (2) 25

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