Schmerzmedizin 4 / 2018

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schädigten Lebern. Es gelangen also Agonist sowie Antagonist gleichzeitig in den großen Kreislauf und es entsteht keine Analgesie. Vorteile von Methadon Methadon weist derartig komplexe Pro- bleme trotz gegenteiliger Beschreibun- gen in den Lehrbüchern nicht auf. Diese Lehrbücher beziehen sich noch auf Er- kenntnisse aus Hochdosisstudien der 1950er- und 1960er-Jahre. Erst seit der Australier Ayonrinde sich im Jahr 2000 erneut dem Thema Methadon in der Schmerztherapie widmete, entstanden neue Daten und eine verlässliche Um- rechnungsstabelle ( Abb. 1 , Tab. 1 ) [6]. Die Plasmahalbwertszeit von Metha- don liegt bei idealen 20–24 Stunden. Sei- ne vielfach beschriebenen, sehr langen Ausscheidungszeiten basieren auf seiner hohen Lipophilie und der damit verbun- denen Depotbildung im zentralen Ner- vensystem, der Lunge (150-Faches des Plasmaspiegels), im Fettgewebe und der Muskulatur. Es bildet sich ein Fließ- gleichgewicht, sonst wären jahrzehnte- lange Substitutionsbehandlungen wegen der überall kolportierten Kumulations- gefahr immer tödlich. Methadon wird kompetitiv renal und hepatisch ausge- schieden, als primäres Stoffwechselend- produkt EDDP (2-Ethylidin-1,5-dime- thyl-3,3-diphenylpyrrolidin) oder eben als Methadon [7]. Interaktionen mit Me- dikamenten, die den enzymatischen Ab- bau zu EDDP über die Cytochrom-P- Familie blockieren, haben daher wenig klinische Effekte, da dann die Ausschei- dung des nicht metabolisierten Metha- dons steigt. Alkalischer Urin ist ein Ex- kretionshindernis, aber in der Palliativ- medizin ein sehr unwahrscheinliches Geschehen, da die Patienten meist kata- bol sind. Schwankende Wirkspiegel, die die so- genannten Durchbruchsschmerzen bei den enteral retardierten Opiaten durch- lassen, sind schon nach zwei Tagen nicht mehr vorhanden ( Tab. 2 ). Die mentalen Einschränkungen (das Gefühl, den Kopf nicht frei zu kriegen), die von Opiaten hervorgerufen werden, sind nicht vor- handen. Im Gegenteil: Adrenerge, nor- adrenerge und serotonerge Effekte ma- chen wach und reduzieren Depressionen. Dies ist ein Grund, warum die sero- tonergen Antidepressiva unter Metha- don in reduzierter Dosis gegeben werden Abb. 2: Als einziges chirales Opioid liegt Methadon (Strukturformel) als Razemat aus den zwei Wirksubstanzen Levometha- don und Dextromethadon vor. CH 3 O CH 3 N CH 3 H 3 C Abb. 1 : Grafische Darstellung der von Ayonrinde ermittelten Äquivalenzwerte (vgl. Tab. 1) zur vereinfachten Interpolation. mg Methadon 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65 1200 1000 800 600 400 200 0 mg Morphin O A B C D E F ©© Mod. nach Ayonrinde OT, Bridge DT. Med J Aust 2000;173(10):536–40 Tab. 1: Umrechnungstabelle Morphin/Methadon (nach [6]) Morphindosis (mg) Morphin zu Methadon Methadondosis in %Morphin ≤ 100 3 zu 1 33,3 101–300 5 zu 1 20,0 301–600 10 zu 1 10,0 601–800 12 zu 1 8,3 801–1.000 15 zu 1 6,7 ≥ 1.000 20–30 zu 1 5,0–3,3 Tab. 2: Nebenwirkungen von Methadon Nebenwirkungen Dauer/Therapie Obstipation Macrogol und Natriumpocosulfat stehen für die Daueranwendung zur Verfügung. Für„harte“ Fälle: 3 Esslöffel Mannitol in 100 ml Rotwein gemischt mit 100 ml Orangensaft Übelkeit Entsteht durch Triggerung des Brechzentrums im Hirn und kann meist vollständig durch Levomepromazin blockiert werden. Das Hirn gewöhnt sich meist nach 14 Tagen an die Anwesenheit von Methadon. Benommenheit/Schwindel Muss manchmal für ein paar Tage toleriert werden. Albträume Können bei allen Opioiden/Opiaten lästig werden. Verwirrtheit Keine Nebenwirkung des Methadons, sondern in anderen Ursachen der analgetischen Therapie zu finden. Muskelzuckungen und Müdigkeit Zeichen einer zu hohen Dosis. Bei Kombination mit Pregabalin sind Muskelzuckungen meist eine Folge dieses Wirkstoffes. Schmerzmedizin 2018; 34 (4) 25

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