Schmerzmedizin 3 / 2018

zeptor – wurde erfolgreich getestet. Bei Patienten mit chroni- scher Migräne (im Durchschnitt 18 Migränetage pro Monat) wurde eine Reduktion der Kopfschmerztage um 6,6 imGegen- satz zu 4,2 im Placeboarm gezeigt. Bei 40% der Probanden war eine Reduktion der Kopfschmerztage um über 50% nachweis- bar [10]. Weitere CGRP-Antikörper (Eptinezumab, Galcane- zumab) befinden sich in klinischen Studien. Nichtmedikamentöse Methoden Neben medikamentösen Behandlungsverfahren steht eine Viel- zahl von Methoden zur Verfügung, derenWirksamkeit sich al- lerdings häufig nicht hinreichend von einer Placebobehandlung unterscheidet. Sie stärken aber die Selbstwirksamkeit beim Pa- tienten. Für die verschiedenen Formen der Akupunktur sind vielfältige Einzeluntersuchungen publiziert, die allerdings für eine evidenzbasierte Aussage nicht ausreichen [11]. Die elek­ trische Nervenstimulation der Okzipitalnerven mit implantier- ten Elektroden und die externe Stimulation der Vagusnerven in der Halsregion sind Verfahren mit deren Hilfe Einfluss auf die elektrische Regulation am Hirnstamm genommen werden soll. Wobei erstere aufgrund von Nebenwirkungen nicht mehr empfohlen werden kann [12]. Die Durchtrennung von be- stimmten Gesichtsmuskeln wurde ebenfalls mit der Reduktion der Migränesymptomatik in Zusammenhang gebracht [13], ohne dass hierfür eine Evidenz besteht. Zudem werden zahllo- se Empfehlungen zur Ernährungsumstellung ausgesprochen. Einen hohen Stellenwert haben psychologische Verfahren wie Entspannungstrainings unterschiedlicher Art erlangt. Die Pro- gressive Muskelrelaxation nach Jacobsen (PMR) hat weite Ver- breitung gefunden, mit Biofeedbackverfahren können dem Be- troffenen physiologische Vorgänge reflektiert und diese trai- niert werden. Viele dieser Verfahren sind auf die Stressreduk- tion ausgelegt, sodass auch körperliche Ertüchtigung und regelmäßiger Ausdauersport empfohlen werden [3]. Fazit für die Praxis Die Diagnose „chronische Migräne“ kann bei Patienten mit mehr als 15 Kopfschmerztagen im Monat mit mindesten acht Tagen von migräneartigen Kopfschmerzen mit der ICD 43.3 gestellt werden. Eine Abgrenzung zumKopfschmerz bei Medi­ kamentenübergebrauch ist zu treffen. Patienten mit chroni- scher Migräne leiden häufiger an Komorbiditäten wie Depres- sion, Angst oder sonstigen chronischen Schmerzen. Die Akut- therapie der Kopfschmerzen unterscheidet sich nicht von der der episodischen Migräne oder des Spannungskopfschmerzes, allerdings sollten an weniger als 15 Tagen Monoanalgetika oder an weniger als zehn Tagen Triptane eingenommen werden. Zur medikamentösen Prophylaxe sind besonders Topiramat und Onabotulinumtoxin A geeignet. Sollen gesetzlich versicherte Patienten Onabotulinumtoxin A verordnet bekommen, muss zuvor der Nachweis der Unwirk- samkeit oder die Unverträglichkeit einer geeigneten Migräne- prophylaxe erbracht worden sein. Patienten mit chronischer Migräne sollten in ein multimodales Behandlungskonzept in- tegriert werden, wobei neben medikamentöser Behandlung Verhaltenstherapie, Entspannungsverfahren und Sportthera- pie zum Einsatz kommen sollten. Korrespondierender Autor: Dr. med. Eberhard A. Lux Klinik für Schmerz- und Palliativmedizin Klinikum St. Marine-Hospital GmbH Lünen Leiter Regionales Schmerzzentrum DGS Lünen Altstadtstr. 23, 44534 Lünen E-Mail: drlux@web.de Dr. med. Astrid Gendolla Praxis für Neurologie, Psychosomatik, Psychiatrie, Nervenheilkunde, Psychotherapie und Spezielle Schmerztherapie Vizepräsidentin der DGS, Leiterin Regionales Schmerzzentrum DGS Essen Am Alfredusbad 2, 45133 Essen Interessenkonflikt Die Autoren erklären, dass sie sich bei der Erstellung des Beitrages von keinen wirtschaftlichen Interessen leiten ließen. E. A. Lux hat Kostenerstattungen im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung von Novartis erhalten. A. Gendolla hat Honorare für Vorträge und Beratungsleistungen sowie Reisekostenerstattungen erhalten von: Novartis, Allergan, MSD, Bayer, Grünenthal, Mundipharma, Reckitt Benckiser, Teva und Lilly. Der Verlag erklärt, dass die inhaltliche Quali- tät des Beitrags von zwei unabhängigen Gutachtern geprüft wurde. Werbung in dieser Zeitschriftenausgabe hat keinen Bezug zur CME- Fortbildung. Der Verlag garantiert, dass die CME-Fortbildung sowie die CME-Fragen frei sind von werblichen Aussagen und keinerlei Pro- duktempfehlungen enthalten. Dies gilt insbesondere für Präparate, die zur Therapie des dargestellten Krankheitsbildes geeignet sind. Literatur 1. Olesen J et al. IHS Classification ICHD-III. Cephalalgia,2018 (38);1–211 2. Straube A, Gaul C, Förderreuth S et al. Therapie und Versorgung der chronischen Migräne. Nervenarzt 2012;83(12):1600–08 3. Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie der Deut- schen Gesellschaft für Neurologie in der AWMF: Migräne, Therapie, AWMF-Reg.-Nr. 030 – 057. http://www.awmf.org/uploads/tx_ szleitlinien/030-057l_S1_Migraene_Therapie_2012_abgelaufen.pdf 4. Aurora SK et al. OnabotulinumtoxinA for treatment of chronic migraine: pooled analysese oft he 56 week PREEMPT clinical program. Headache 2011;51(9):1358–73 5. Aurora SK et al. Onabutulinumtoxin A for treatment of chronic migraine: results trom the double-blind, randomized, placebo-cont- rolled phase oft he PREEMPT 1 trial. Cephalalgia 2010;30(7):793–803 6. Diener HC et al. OnabutulinumtoxinA for treatment of chronic migrai- ne: results trom the double-blind, randomized, placebo-controlled phase oft he PREEMPT 1 trial. Cephalalgia 2010;30(7):804–14 7. Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in der AWMF: Kopfschmerz bei Überge- brauch von Schmerz- und Migränemitteln 030 – 131; http://www.awmf. org/uploads/tx_szleitlinien/030-131l_S1_Kopfschmerz_Medikamente- nuebergebrauch_2012_abgelaufen.pdf (zuletzt zugegriffen 17.3.2018) 8. Cohen JM et al. Fremanezumab as add-on treatment for patients treated with other migraine preventive medicines Headache 2017;57(9):1375–84 9. Silberstein SD et al. Fremanezumab for the prevention treatment of chronic migraine. N Engl J Med 2017;377:2113–22 10. Goadsby PJ et al. A controlled trial of Erenumab for episodic migraine N Engl J Med 2017;377:2123–32 11. Meissner K et al. Differential effectiveness of placebo treatments: a sys- tematic review of migraine prophylaxis. JAMA Intern Med 2013;173(21):1941–51 12. Magis D et al. Neurostimulation therapies for primary headache disorders:present and future. Curr Opin Neurol. 2012;25(3):269–76 13. Gferer L, Guyuron B. Interface between cosmetic and migraine surgery. Aesthetic Plastic Surg 2017;41(5):1096-9 Schmerzmedizin 2018; 34 (3) 25

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