Schmerzmedizin 6 / 2018

Eine aktuelle Übersichtsarbeit weist darauf hin, dass die Therapieeffekte psychologischer Verfahren bei diversen Schmerzsyndromen (darunter auch Kopfschmerzen) bezogen auf eine Schmerzreduktion bislang tendenziell überschätzt wurden [43]. Hierbei waren die Anforderungen an die Studi- en allerdings gerade für psychologische Interventionsstudien sehr hoch; entsprechend randomisiert-kontrollierte Studien sind bei psychologischen Interventionen in mehrerlei Hin- sicht deutlich aufwendiger, etwa bezogen auf Personalauf- wand, Verblindung und Placebobedingung. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass für die Evaluation von psycho- logischen Interventionen größere und bessere randomisiert- kontrollierte Studien erforderlich sind. Als ein weiterer As- pekt ist darauf hinzuweisen, dass die Schmerzsymptomatik in Evaluationsstudien nicht als einziges Erfolgskriterium he- rangezogen werden sollte. So ist die Erfassung von psycholo- gisch relevanten Parametern wie Selbstwirksamkeitserleben und Beeinträchtigung der Lebensqualität von hoher Relevanz für den Therapieerfolg. Es stellt eine wissenschaftliche Her- ausforderung dar, einen methodischen Standard für die Er- fassung von Therapieeffekten in der Schmerzbehandlung zu entwickeln [44]. Fazit für die Praxis PsychologischeTherapieverfahren sind in der Behandlung von Kopfschmerzen wirksam. Deren Einsatz ist insbesondere bei chronischen Kopfschmerzen beziehungsweise einer hohen Be- einträchtigung sowie als Ergänzung oder Alternative zur me- dikamentösen Behandlung sinnvoll. Aktuell lassen sich meh- rere Entwicklungen beschreiben: — Die Ausweitung der klassischen Therapeut-Patient-Bezie- hung: Hierunter ist die Durchführung psychologischer In- terventionen durch andere Berufsgruppen sowie die Zusam- menarbeit des Psychologen/Psychotherapeuten mit anderen Berufsgruppen im Sinne einer interdisziplinären Behand- lung zu verstehen. — Die inhaltliche Weiterentwicklung verhaltenstherapeuti- scher Ansätze: Dazu zählen die Anwendung von Neurofeed- backverfahren und das Triggermanagement, in dem ein flexibler Umgang mit Kopfschmerzauslösern angestrebt wird. — Die Nutzung digitaler Medien (E-Health), etwa durch spezi- fische Smartphone-Applikationen oder internetbasierteThe- rapie. Aktuelle Herausforderungen im wissenschaftlichen Kontext bestehen in der differenzierteren Evaluation von psy- chologischen Interventionen, sodass Behandlungsoptionen noch spezifischer eingesetzt werden können. Dr. Thomas Dresler Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und Graduiertenschule & Forschungsnetzwerk LEAD Universität Tübingen Calwerstr. 14 72076 Tübingen E-Mail: thomas.dresler@med.uni-tuebingen.de Dr. Timo Klan Psychologisches Institut Johannes Gutenberg-Universität Mainz E-Mail: klan@uni-mainz.de Dr. med. Torsten Kraya Universitätsklinik und Poliklinik für Neurologie Universitätsklinikum Halle (Saale) E-Mail: torsten.kraya@medizin.uni-halle.de Prof. Dr. Peter Kropp Institut für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie Universitätsmedizin Rostock E-Mail: peter.kropp@med.uni-rostock.de Interessenkonflikt Die Autoren erklären, dass sie sich bei der Erstellung des Beitrages von keinen wirtschaftlichen Interessen leiten ließen und dass keine poten- ziellen Interessenkonflikte vorliegen. Der Verlag erklärt, dass die in- haltliche Qualität des Beitrags von zwei unabhängigen Gutachtern geprüft wurde. Werbung in dieser Zeitschriftenausgabe hat keinen Be- zug zur CME-Fortbildung. Der Verlag garantiert, dass die CME-Fortbil- dung sowie die CME-Fragen frei sind von werblichen Aussagen und keinerlei Produktempfehlungen enthalten. Dies gilt insbesondere für Präparate, die zur Therapie des dargestellten Krankheitsbildes geeig- net sind. Literatur 1. Headache Classification Committee of the International Headache Society. The international classification of headache disorders, 3rd edition (beta version). Cephalalgia 2013;33(9):629-808 2. Woldeamanuel YW, Cowan RP. Migraine affects 1 in 10 people world- wide featuring recent rise: A systematic review and meta-analysis of community-based studies involving 6 million participants. J Neurol Sci 2017;372:307-15 3. Yoon MS et al. Prevalence of primary headaches in Germany: results of the German Headache Consortium Study. J Headache Pain 2012;13(3):215-23 4. Gaul C, Diener HC. Kopfschmerzen: Pathophysiologie – Klinik – Dia­ gnostik – Therapie. 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