Schmerzmedizin 4 / 2019

stimulation effektiv war; hier fehlen allerdings Langzeitdaten. Die elektrische Stimulation von Spinalganglien („dorsal root ganglion stimulation“, DRG) könnte hier in Zukunft eine Al- ternative sein. Für regionalanästhetische Verfahren am Sympathikus (gan- glionäre lokale Opioidanalgesie, GLOA, Stellatum-Blockade) gibt es nach wie vor keine Evidenz zur Wirksamkeit [15]. Die oft angewandte „pain exposure physical therapy“ (PEPT) konnte bei CRPS-Patienten in Studien die Funktion, aber nicht die Schmerzen verbessern und wird daher nicht mehr emp- fohlen. Im Rahmen der interdisziplinären Betreuung des Patienten ist die Schmerzpsychotherapie obligat. Hier geht es um eine angstlösende Vermittlung eines biopsychosozialen Krankheits- modells, um Entspannungs- und Imaginationsverfahren und natürlich auch um die Behandlung einer psychischen Komor- bidität. Nach unserer Erfahrung sind der Abbau der Kinesio- phobie und der dysfunktionalen Schonmythen die wichtigsten therapeutischen Maßnahmen beim CRPS. Fazit für die Praxis Diagnostik und Therapie des CPRS (Morbus Sudeck) haben sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Im Septem- ber 2018 ist eine neue Leitlinie erschienen, die einige Thera- pieverfahren neu bewertet. Alle Ärzte sollten mit den Diagnosekriterien („modifizierte Budapest-Kriterien“) des CRPS vertraut sein. Die Diagnose ist meist klinisch ohne ap- parative Zusatzuntersuchungen zu stellen. Für eine gute Pro- gnose ist die rasche Diagnose undTherapieeinleitung essenzi- ell. Die Therapie wird interdisziplinär durchgeführt und rückt neben der Analgesie die Verbesserung der Funktion in den Mittelpunkt. Dr. med. Andreas Böger Chefarzt DRK Kliniken Nordhessen, Klinik für Schmerzmedizin, Manuelle Therapie und Naturheilverfahren Hansteinstrasse 29, 34121 Kassel E-Mail: boeger@drk-nh.de Interessenkonflikt Der Autor erklärt, dass er sich bei der Erstellung des Beitrags von keinen wirtschaftlichen Interessen leiten ließ und dass keine potenziellen Interessenkonflikte vorliegen. Der Verlag erklärt, dass die inhaltliche Qualität des Beitrags von zwei unabhängigen Gutachtern geprüft wurde. Werbung in dieser Zeitschriftenausgabe hat keinen Bezug zur CME-Fortbildung. CME- Fortbildung und -Fragen frei sind von werblichen Aussagen und Produktempfehlungen. Tab. 1: Therapieoptionen bei einem komplexen regionalen Schmerzsyndrom (CRPS) Maßnahme Dosis Besonderheiten Bisphosphonate — — Alendronat 40 mg /Tag für 8 Wochen Hohe Dosis imVergleich zur Anwendung in der Indikation — — Pamidronat 60 mg i.v. einmalig — — Clodronat 300 mg/Tag i.v. an 10 Tagen — — Neridronat 100 mg/Tag i.v. an 4 Tagen Steroide — — Prednisolon 100 mg/Tag Ausschleichen über 2–3 Wochen; keine Dauertherapie Analgetika/Antineuroleptika — — Gabapentin 1.200–2.400 (3.600) mg/Tag Siehe auch Leitlinie„Neuropathischer Schmerz“ — — Ketamin Individuell titrierte Dauerinfusion (ca. 22 mg/h bei 70 kg) über 4 Tage DMSO topisch 50%ige Creme 5×/Tag Verursacht Hautirritationen, Knoblauchgeruch Physiotherapie/Ergotherapie/Verhaltenstherapie (Spiegeltherapie, graded motor imagery, exposure in vivo) Möglichst täglich Eigentherapie und -initiative zwingende Voraussetzung für die Wirksamkeit Psychotherapie Bei Hinweisen auf Komorbidität Bei therapierefraktäremVerlauf Grenzstrangblockaden 2–3×/Woche Serie nur nach positiver Testblockade in spezialisierter Einrichtung Rückenmarkstimulation Bei therapierefraktären Schmerzen eines CRPS am Fuß, keine wesentliche psychische Komorbidität, wirkt circa 5 Jahre Schmerzmedizin 2019; 35 (4) 31

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