Schmerzmedizin 2 / 2019

Facharzt für Schmerzmedizin? Seit Jahren bemüht sich die DGS, die Zu- satzbezeichnung „spezielle Schmerzme- dizin“ in den fachärztlichen Sektor als eigenständigen Facharzt zu installieren, um eine sichere Bedarfsplanung zu ge- währleisten. Nun hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in einer Sit- zung am 20. September 2018 beschlos- sen, den Endbericht „Gutachten zur Weiterentwicklung der Bedarfsplanung i.S.d. §§99 ff. SGB V zur Sicherung der vertragsärztlichen Versorgung“, Fas- sung vom 12. Juli 2018 gemäß der Anla- ge, abzunehmen. In diesem, von mehreren unabhängi- gen Gutachtern verfassten, mehr als 800 Seiten starken Papier erhält nun die Schmerzmedizin einen besonderen Stel- lenwert. Wird sie bis dato in der Be- darfsplanung hauptsächlich der Anäs- thesie zugehörig verstanden, so heißt es jetzt in dem neuen Gutachten (S. 545): „….Bei den Anästhesisten wird die sepa- rate Planung von Anästhesiologie und Schmerztherapie befürwortet.“ Die Au- toren plädieren für eine verstärkt sekto- renübergreifende Gestaltung der neuen Bedarfsplanung und sehen im Sektor 2, der allgemein fachärztlichen Versor- gung, den Bedarf, die Schmerzmedizin als eigenständigen Facharzt aufzuneh- men. Ein erster Schritt in die richtige Richtung! Die DGS sieht sich hier in ihrem Be- mühen um die Anerkennung eines Facharztes für Schmerzmedizin bestärkt und wird gemeinsam mit dem Berufs- verband der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland (BVSD) weiter daran arbeiten. Auch durch die Kassenärztliche Bun- desvereinigung (KBV) erfahren wir gro- ße Unterstützung. Dies wird auch am 9. März 2019 auf dem 30. Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt amMain beim Symposium „Bedarfsplanung, Bedarfs- sicherung und Nachwuchsfragen in der Schmerzmedizin“, das die DGS zusam- men mit KBV und Ärtzekammer gestal- ten wird, thematisiert. Auf nach Frankfurt! Sie werden er- wartet. Dr. med. Dipl. Lic. Psych. Johannes Horlemann PD Dr. Michael Überall, Dr. Thomas Cegla, Norbert Schürmann, Dr. Astrid Gendolla und Dr. Silvia Maurer Leserbrief über die Hürden bei der Beantragung von Cannabis Verwirrung und Frust unter den Ärzten D as Antragswesen für Cannabis zum medizinischen Gebrauch treibt schon merkwürdige Blüten! Zum einen werden selbst gut formulierte und den formalen Vorgaben entsprechende An- träge sehr häufig und nicht nur in Aus- nahmefällen – also gesetzwidrig! – von den Kostenträgern abgelehnt. Dies ge- schieht in aller Regel mithilfe eines Gut- achtens des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK). Hier fällt uns sehr häufig die nahezu identische Formulierung auf (copy & paste?). Zum anderen gibt es in einigen Fällen auch nur eine befristete Genehmigung und Kostenübernahme durch die Kostenträ- ger. Unserer Meinung nach sieht das Ge- setz aber keine Befristungsmöglichkeit vor – also erneut ein gesetzwidriges Vor- gehen der Kostenträger! Am Ende der Befristung wird der Patient dann aufge- fordert, erneut eine ärztliche Stellung- nahme zu erwirken und vorzulegen. Rät der behandelnde Kollege dann dem Pa- tienten, sich mit einem Eilantrag an das zuständige Sozialgericht zu wenden, das mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Genehmigung als dauerhaft anerkennt, kommt es auch schon mal vor, dass die- ser Patient nicht das Gericht anruft, son- dern sich mit einer Beschwerde über eine nicht erlangte Krankenkassenaus- kunft an die zuständige Ärztekammer wendet. Hier kann ich den Frust der Kol- legen wirklich verstehen. Es kann doch nicht ärztliche Aufgabe sein, gesetzwid- riges Verhalten der Kostenträger durch zusätzliche, unbezahlte Verwaltungsar- beit zu unterstützen! Diese Zeit käme besser unseren Patienten zugute. Zugleich fällt mir der CME-Fortbil- dungsartikel von Professor Matthias Karst aus „Der Schmerz“, dem Mittei- lungsblatt der Deutschen Schmerzgesell- schaft (DSG), auf (Karst M. Der Schmerz 2018;32:381–96). Hier wird behauptet, dass die Kostenträger eine Befristungs- option hätten. Aus meiner Sicht ist hier unser Vorstand gefordert, mit der Schwestergesellschaft ein klärendes Ge- spräch zu führen und das Ergebnis zu veröffentlichen, damit durch solche Pu- blikationen nicht noch zusätzliche Ver- unsicherung unter den Kollegen ge- schürt wird. Im Übrigen müssen Gespräche mit Politikern in Berlin gesucht und genutzt werden, um dieses unsägliche Verfahren abzuschaffen! Wir Ärzte tragen nicht nur die Verantwortung für die Indikati- on, sondern auch für die Wirtschaftlich- keit der Cannabisverordnung – wie bei allen anderen Medikamentenverord- nungen auch! Da stellt sich wirklich die Frage nach Notwendigkeit und Sinnhaf- tigkeit dieses Procederes. Zumal die Ab- lehnungsbegründungen des MDK ganz häufig ein Kopfschütteln hervorrufen und sich damit auch erhebliche Zweifel an der Kompetenz dieser Kollegen für diese Fragestellung ergeben. Man kann hier auch die Frage nach der Unabhän- gigkeit dieser Institution stellen. Dr. Edgar Pinkowski Ko-Leiter des Regionalen DGS-Schmerz- zentrums Gießen/Pohlheim DGS Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. 32 Schmerzmedizin 2019; 35 (2)

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