Schmerzmedizin 6 / 2018

Patienten mit geistiger Behinderung In Leichter Sprache den Schmerz bestimmen Helga Schlichting, Leipzig Viele Schmerzfragebögen sind vielschichtig und komplex formuliert und deshalb für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen nicht geeignet. Der hier vorliegende Fragebogen, basierend auf dem „Deut- schen Schmerzfragebogen“ der DGSS, wurde nach den Regeln der „Leichten Sprache“ erstellt und ist deshalb auch für Menschen geeig- net, die nur über grundlegende Fähigkeiten des Lesens verfügen. M enschen mit geistiger Behinde- rung können aufgrund ver- schiedener Syndrome und chronischer Erkrankungen häufiger von Schmerzen betroffen sein als Menschen der sogenannten Normalbevölkerung. Vor allem Menschen mit zusätzlichen körperlichen Beeinträchtigungen, insbe- sondere einer zerebralen Bewegungsstö- rung (ICP), haben Erkrankungen, die mit Schmerzen einhergehen. Außerdem müssen sie meist von Beginn ihres Le- bens an medizinische, pflegerische so- wie therapeutische Verrichtungen in Anspruch nehmen, die mit Schmerzen verbunden sein können. Tab. 1 zeigt mögliche Schmerzursachen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit geis- tigen, schweren oder mehrfachen Behin- derungen auf [1, 2, 3]. Kommunikation von Schmerzen Schmerz wird von jedem Menschen in ei- ner besonderen Weise kommuniziert, wo- bei sprachliche und nicht sprachliche Ka- Tab. 1: Schmerzen bei Menschen mit geistiger und schwerer Behinderung [4] Schmerzen des Stütz- und Bewegungsapparates — — Ereignis im Alltag (Sturz, Immobilisation) — — Schulter- und Rückenschmerzen, Blockaden — — Luxation (v.a. Hüftluxation) — — Druckprobleme (Skoliose, Beckenschiefstand, Dekubitus) — — Morgendlicher Schmerz in den Gelenken — — Muskelschmerzen durch Spastiken — — Kontrakturschmerzen (Orthesenversorgung), Fraktur, Entzündung oder Distorsion — — Arthrose/Osteoporose sowie degenerative Knorpelveränderungen diffusen Ursprungs (Entzündung im Gelenk, Schleimbeutel, u.a.) — — Ödembildung im Bereich der Beine Schmerzen bei genetischen Syndromen und typische schmerzhafte Prozesse Trisomie 21: — — Bewegungsapparat: HWS (Instabilität, degenerative Veränderungen), Hüfte (Luxationen), Kniegelenk (Patellaluxation) — — Arthrose — — Mittelohrentzündungen — — Augen: Blepharitis, Glaukom, Keratokonus mit Ulkus Cornelia de Lange-Syndrom: — — Mittelohrentzündungen — — Gastrointestinaltrakt: gastroösophagealer Reflux Sturge-Weber-Syndrom: — — Kopf-/Hirnhäute: Kopfschmerzepisoden — — Augen: Glaukom Ursachen von Schmerzen in speziellen Situationen — — Intestinale Obstruktion durch verschluckte Gegenstände — — Dislozierte Baclofenpumpe — — Einführen von Gegenständen (Schrauben, Steinen etc.) in Körper­ öffnungen (Automutilation, z. B. bei Smith-Magenis-Syndrom) Schmerzen aufgrund von Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) — — Gastroösophagealer Reflux, Ösophagodynie — — Urogenitalsystem: Blasenentleerungsstörung (Spastizität) — — Obstipation — — Passagestörungen im Magen-Darm-Trakt, Blähungen — — Sondenproblematiken (operativ angelegt, Bauchfellentzündung/Wund- heilungsstörung) — — Magengeschwüre/Entzündungen — — Kopfschmerzen (Shunt-Dysfunktion), Ohrenschmerzen Schmerzen des Zahn- und Mundbereiches — — Probleme bei der Zahnreinigung — — Zahnfehlstellung — — Dauermedikation fördert Zahnprobleme/Schädigung des Zahnfleisches (Mundflora) — — Aphten im Mundbereich — — Kariöses Gebiss 34 Schmerzmedizin 2018; 34 (6) For tbildung

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