Schmerzmedizin 3 / 2018

ximalpunkt der Bursa palpiert und infil- triert ( Abb. 5 ). Beim Impingement-Syndrom sollten diese Injektionen mit einer Infiltration von lateral unter das Akromion kombi- niert werden, dabei wird die Nadel zum Humeruskopf und dann aufsteigend un- ter das Akromion geführt ( Abb. 6 ). Ver- gessen darf man keinesfalls die Quadde- lung („Affenschaukel“). Die Injektion an das Ganglion stellatum kann außerdem hilfreich sein. Injektionen in die Bizepssehne Unterhalten werden diese dystrophen, muskelhypertonisierenden Reizzustän- de fast immer von den neuromodulati- ven Triggern der HWS, zugeordneten inneren Organen, den Nasennebenhöh- len, den Zähnen und der Tonsille –, sie alle gehören zu den sogenannten Störfel- dern. Bei Therapieversagen sollte vor ei- ner Operation immer erst an die Sanie- rung der Störfelder gedacht werden. Bei einer schmerzhaften Innenrota­ tion ist eine M. subscapularis-Tendinits zu erwägen und durch isometrische An- spannung zu bestätigen. Dieser Muskel neigt zur Abschwächung, deswegen ist gleichzeitig an die sich verkürzenden, hypertonen Muskeln als Ursache der Dysbalance zu denken. Jede Dezentralisation des großen Hu- meruskopfes zur kleinen Fossa glenoida- lis der Scapula ist schmerzauslösend! Neurogene, muskuläre, traumatische oder haltungsbedingte Ursachen sind zu eruieren und zu korrigieren. Auch eine Bizepstendinose ist zunehmend am Schulterschmerz beteiligt. Sehr häufig werden partielle muskuläre Einrisse vor demÜbergang in die lange Bizepssehne nicht erkannt. Die Bizepstendinose ist durch den Yergason-Test und den O`Brien-Test zu bestätigen. Läsionen, Einrisse oder ver- haltene Destruktionen sind per Injekti- onen mehrfach zu behandeln. Bei einem kompletten Abriss der langen Bizepsseh- ne sollte eine operative Korrektur erwo- gen werden. Diese Injektionen der Bizepssehne er- folgt in die Incisura bicipits. Eine recht- winkelige Abbiegung der Sehne, die Pul- ley-Läsion, ist palpatorisch zu lokalisie- ren und gezielt zu therapieren. Bei einem positiven O`Brien-Test liegt eine soge- nannte SLAP-Läsion vor, die Destruk­ tion oder der bevorstehende Abriss der langen Sehne am Tuberculum supra­ glenoidale. Nach Franke ist der ideale Zugang eine Injektion senkrecht von oben im äußeren Winkel zwischen Kla- vikula und Spina scapulae bis zum Kno- chenkontakt. Wir erreichen dort ziel­ genau die Insertion der langen Bizeps- sehne ( Abb. 7 ). Natürlich darf man die Insertion am Processus coracoideus und die Insertion am Radius bei Supinations- haltung nicht vergessen. Bei der „frozen shoulder“ ist das Kap- selmuster positiv, aber das „joint play“ unauffällig. Hier sollten Sie alles versu- chen, aber ohne pharmakologische Schmerztherapie kommen Sie nicht wei- ter. Vor einer gewaltsamen Kapseldeh- nung in Narkose ist allerdings zu war- nen. Mit Gelenkkapselinjektionen von hinten, von vorn und einer Technik nach Wander ist eine Linderung anzu- streben. Gelenkinjektion von oben: Der Patient sitzt, man palpiert den Raum zwischen Klavikula und Spina scapulae, die Injek- tion erfolgt zwei bis drei QF von latera- len Winkel entfernt. Beim Einstich soll- te die Nadel in Richtung des Deltoideus- ansatzes zeigen, dabei sticht man in Der- matom C4, durch den M. supraspinatus, durch Anteile der Bursa, bis zur Gelenk- kapsel mit Anästhesie des N. suprasca- pularis ( Abb. 8 ). Bei der gesamten Injek- tion wird infiltrierend vorgegangen. Fazit für die Praxis Eine Kombination von gezielter lokaler Injektion mit Störfeldlöschung im Sinne der Neuraltherapie und manueller The- rapie oder Osteopathie der Halswirbel- säule mit Physiotherapie lassen die opti- malen Erfolgsaussichten erwarten. Ab einer dritten Behandlung sollte sich eine Besserung zeigen. Ist nach der sechsten oder gar zehnten Behandlung keine Bes- serung erreicht, helfen auch 20 Behand- lungen nicht. Eine genaue Diagnostik und gezielte Injektionen werden in den Kursen der Deutschen Gesellschaft für Akupunktur und Neuraltherapie gelehrt und eingeübt (www.dgfan.de ). Da es nichts gibt, was nicht noch zu verbessern wäre, sind wir für alle Anregungen und Kritiken sehr dankbar. Literatur 1. Heine H. Lehrbuch der biologischen Medizin. Hippokrates, Stuttgart 1991 2. Hoppenfeld S. Klinische Untersuchung der Wirbelsäule und der Extremitäten. Verlag Volk und Gesundheit Berlin, 3. Aufl. 1985 3. Lewit K. Manuelle Medizin. J. A. Barth, Leipzig 1987 4. Sachse J, Schildt K. Manuelle Untersuchung und Mobilisation der Wirbelsäule, Verlag Volk und Gesundheit 1989 5. Tischler H, Eder M. Infiltrationstherapie – Therapeutische Lokalanästhesie. 3.Aufl., Hippokrates, Stuttgart 1996 6. Travell J, Simons DG. Myofascial Pain and Dysfunktion. The Trigger Point Manual. The upper extremities. Williams & Wilkins, Balti- more 1983 7. Wancura-Kampik I. Segment-Anatomie, Elsevier-GmbH, 1. Aufl., München 2009 8. Wander R. Der Schulterschmerz. Ärzte Z. Naturheilverf. 33 (1992): 420–2 9. Wander R. Neuraltherapie der Wirbelsäule und Gelenke. Ärzte Z. Naturheilverf. 33 (1992): 972–5 Dr. med. Rainer Wander Facharzt für Allgemein- medizin Spezielle Schmerz­ therapie, Chiropraktik, Naturheilverfahren Friedensstr. 39 07985 Elsterberg-Coschütz E-Mail: Dr.Wander@t-online.de Schmerzmedizin 2018; 34 (3) 35

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