Schmerzmedizin 1 / 2019

Nebenwirkungen bei Opioidanalgetika DGS-Praxisleitlinie zur opioidinduzierten Obstipation Die neue Praxisleitlinie der DGS beschäftigt sich mit einer der häufigsten unerwünschten Nebenwirkungen von Opioidanalgetika – der Obstipation. Opioidinduzierte Verstopfungen werden oft unter­ diagnostiziert, doch sie beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen erheblich und führen zu mangelnder Therapieadhärenz. Die Empfehlungen der Praxisleitlinie schärfen den Blick des Behandlers und geben therapeutische Hilfestellungen. D er Einsatz von Opioidanalgetika zur Behandlung starker Schmer- zen ist, unabhängig von deren Ursache, für viele Betroffene nicht selten die letzte therapeutische Eskalationsstu- fe nach einer mitunter jahrelangen Lei- denszeit. Im Gegensatz zu ihrer nachge- wiesen starken Wirkung und situations- bedingt guten Verträglichkeit bei star- ken, akuten Schmerzen (etwa nach Unfällen, Operationen oder tumorbe- dingten Durchbruchschmerzen) werden die Effekte von Opioiden bei chroni- schen Schmerzen kontrovers diskutiert und die Sinnhaftigkeit ihres Einsatzes in Frage gestellt. Anlass hierfür ist das – trotz fehlender toxischer Wirkungen auf die inneren Organe – breite Spektrum opioidbedingter unerwünschter Arznei- mittelwirkungen (UAW), welches insbe- sondere in der Langzeitanwendung die erwünschten analgetischen Effekte kon- terkariert und bei zahlreichen Patienten zu einem vorzeitigen Abbruch der Be- handlung führen kann. Die in der Langzeitanwendung häu- figste und meist zunehmende UAW be- trifft den Gastrointestinaltrakt und wird heute unter dem Begriff der „opioid-in- duced bowel dysfunction“ (OIBD) zu- sammengefasst. Ihr wichtigster Teilas- pekt ist die opioidinduzierte Obstipation (OIC: „opioid-induced constipation“). Für den praktischen Alltag in der Schmerzmedizin und insbesondere für die betroffenen Patienten ist die OIC aus verschiedenen Gründen eine kritische Komplikation. So resultieren für die Be- troffenen zusätzlich zu ihrer jeweiligen Schmerzerkrankung nicht nur unter ökonomischen Gesichtspunkten kriti- sche Gesundheitsstörungen (etwa häufi- gere Arztbesuche und Krankenhausauf- enthalte, längere Arbeitsunfähigkeits- zeiten und Einschränkungen der beruf- lichen Leistungsfähigkeit). Insbesondere haben sie auch signifikante zusätzliche Einschränkungen ihres körperlichen und seelischen Wohlbefindens, der Funktionalität in und der Teilhabe an den Aktivitäten des alltäglichen Lebens und der Lebensqualität. Erschwerend kommt hinzu, dass Be- troffene unter zahlreichen Vorurteilen ihrer Umwelt hinsichtlich Ursache und medizinischer Relevanz ihrer Gesund- heitsprobleme leiden. Den therapiebe- dingten UAWwird trotz umfangreicher Evidenz von verschiedenen Seiten (auch Fachkreisen) ein definierter, behand- lungskritischer Krankheitswert abge- stritten. Auch seitens der Krankenkas- ©© sebra / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell) Obstipation ist eine ernstzunehmende Nebenwirkung von Opioidanalgetika, die thera- pieerschwerend ist und die Adhärenz der Patienten beeinträchtigt. DGS Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. 34 Schmerzmedizin 2019; 35 (1)

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