Schmerzmedizin 3 / 2018

Vorsicht geboten Diagnostisch-therapeutische Injektionen an der Halswirbelsäule Stephan Klessinger, Biberach Injektionen an der Wirbelsäule stellen einen wichtigen Bestandteil der Schmerztherapie dar. Die Idee besteht darin, ein Medikament aus diag- nostischen oder therapeutischen Gründen an eine spezifische anato- mische Struktur zu injizieren. Insbesondere an der Halswirbelsäule sind viel Erfahrung und eine genaue Kenntnis der Techniken wichtig. F ür die Indikation einer therapeuti­ schen Maßnahme an der Halswir­ belsäule (HWS) muss entweder eine spezifische Schmerzursache be­ kannt sein, wie etwa ein radikulärer Schmerz bei einem Bandscheibenvorfall, oder es soll die Hypothese eines spezifi­ schen Schmerzes überprüft werden, wie beim Verdacht auf einen Facetten­ gelenkschmerz mittels „medial branch block“ mit Lokalanästhesie. Somit muss zwischen diagnostischen und therapeu­ tischen Injektionen unterschieden wer­ den. Zudem unterscheiden sich die Eingrif­ fe je nachdem, ob es sich um radikuläre Beschwerden handelt oder um einen axi­ alen, lokalen Schmerz. Bei radikulärer Schmerzausbreitung ist eine periradiku­ läre Therapie (PRT) oder auch eine in­ terlaminäre, epidurale Injektion mög­ lich. Anders bei nicht radikulären Nackenschmerzen. Hier kann die Hypo­ these eines Facettengelenkschmerzes mittels „medial branch blocks“ verifi­ ziert und dann gegebenenfalls therapeu­ tisch eine Radiofrequenz-Denervation durchgeführt werden. Diese unter­ schiedlichen Techniken sind streng von­ einander abzugrenzen. Sie werden im Folgenden ausführlich vorgestellt. Um die Indikation für eine der ge­ nannten Techniken zu stellen, ist es je­ doch notwendig zu wissen, welche Be­ schwerden der Patient hat (radikulär, axial) und das genaue Ziel (Nervenwur­ zel, Facettengelenk) zu definieren. Dafür ist es unumgänglich, selbst die Anamne­ se zu erheben, den Patienten (auch neu­ rologisch) zu untersuchen, sich mit den MRT-Aufnahmen zu befassen sowie die Anatomie und den pathologischen Be­ fund zu studieren. Injektionen allein an­ hand von Befunden zu tätigen, sollte ob­ solet sein. Gerne wird die Abkürzung PRT als Überbegriff für sämtliche Injektions­ techniken verwendet. Auf eine präzise Bezeichnung sollte aber ebenso Wert ge­ legt werden wie auf eine präzise Technik. Letztere ist entscheidend für effizientes Arbeiten, gute Ergebnisse und die Ver­ meidung von Komplikationen. Damit die verwendeten Verfahren valide sind, muss dokumentiert werden, dass die Na­ del das zuvor definierte Ziel erreicht hat. Idealerweise wird hierzu die Röntgen­ durchleuchtung (C-Bogen) verwendet ( Abb. 1 ). Injektionen mit Hilfe von Com©© rcfotostock – Fotolia Injizierte Anästhetika können auch Schmerzen im Nacken reduzieren. Bei diesen sensiblen Strukturen ist jedoch viel Erfahrung gefragt. 36 Schmerzmedizin 2018; 34 (3) For tbildung

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