Schmerzmedizin 2 / 2019

linie „Langzeitanwendung von Opio- iden bei nicht tumorbedingten Schmer- zen“ (LONTS). Die aktuell publizierten S3-Leitlinien sind hingegen oft nicht praxistauglich. Die zugrundeliegenden Studien untersu- chen häufig akribisch ausgewählte Pati- entengruppen – der Durchschnittspati- ent im Versorgungsalltag allerdings ist älter, multimorbider und weiblicher. Die Beobachtungszeiträume, oft kürzer als die jeweilige Behandlungsdauer, sind zu kurz und lassen keinen Rückschluss zu, ob eventuelle günstige medikamentöse Effekte anhalten. Die Frage, ob Patienten nach definierten Zeiträumen auch von einem Absetzen profitieren könnten, bleibt in der Regel unbeantwortet. RCT berücksichtigen kaum oder gar nicht die verbreitete Multimorbidität der Patien- ten mit chronischem Schmerz. Positive Studienergebnisse können je nach Vor- erkrankungen, Alter und Patientenprä- ferenz für individuelle Patienten völlig irrelevant sein. Die derzeit verbreiteten Leitlinien­ empfehlungen sind oft zu komplex for- muliert, nicht immer aktuell, unterein- ander manchmal widersprüchlich und besitzen eine schwache Evidenz für vie- le, auch traditionelle, schmerzmedizini- sche und palliative Handlungsweisen. Empfehlungen zu einem Therapieende fehlen durchgehend, ebenso wird eine begrenzte Lebenserwartung nicht be- rücksichtigt. Solche Leitlinien, die sich allein oder vorrangig auf die vorhande- ne RCT-Literatur berufen, beseitigen die Therapieunsicherheit häufig nicht, son- dern fördern sie eventuell sogar. Die ärztliche Entscheidung gilt stets für die gesamte Krankheitslast eines Patienten, nicht einem monomorbid definierten Standard. Aus der anhaltenden ärztli- chen Unsicherheit resultieren im schmerzmedizinischen Alltag deshalb vermehrt fraglich sinnvolle und zweifel- haft indizierte Untersuchungen, Über- weisungen, Röntgenbilder oder invasive Maßnahmen – und damit im Ergebnis möglicherweise eine iatrogene Chroni- fizierung von Schmerzzuständen über Jahre, die sich auch wirtschaftlich aus- wirkt, insbesondere bei Rückenschmer- zen und degenerativen Krankheitsbil- dern sowie bei somatoformen und neu- ropathischen chronischen Schmerzen. Zehn Thesen für eine bessere Schmerztherapie Im Dezember 2018 wurden diese Erfah- rungen im Rahmen eines Symposiums der DGS in Salach diskutiert und Emp- fehlungen entwickelt. Patienten mit chronischen Schmerzen sind Menschen mit komplexen biopsychosozialen Be- einträchtigungen. Diese komplexe Pati- entenwirklichkeit wird in einer zum Standard erhobenen Leitlinienmedizin nur unzureichend abgebildet. Aus die- sem Grunde hat sich die DGS entschie- den, Praxisleitlinien zu entwickeln. Die Philosophie der Praxisleitlinien entspricht der ursprünglichen Intention von David Sackett, über eine gute Daten- DGS Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. Effektiver geht es nicht: Nutzen Sie mit dem e.Med-Abo Deutsch- lands größtes CME-Angebot auf SpringerMedizin.de und punkten Sie ganz entspannt auf IhremSmartphone oder PC. Egal, ob auch Sie am 30. Juni 2019 Ihre Punkte einreichen müssen oder nicht: Sichern Sie sich bis dahin Ihren Abo-Vorteilspreis und sparen Sie 100 € imersten Jahr. Jetzt schnell zugreifen! Weitere Informationen: bit.ly/eMed4CME e.Med – Ihr Zugang zumArztwissen auf SpringerMedizin.de CME-Punkte sammeln leicht gemacht Jetzt 100€ sparen SpringerMedizin.de

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