Schmerzmedizin 3 / 2019

Migräneprophylaxe Erenumab – Empfehlungen für die Praxis ©© fotoliaxrender / Fotolia Ernenumab ist der erste Antikörper, der zur Vorbeugung von Migräneattacken zugelassen wurde. Der folgende Artikel soll eine Übersicht darüber geben, welche Wirkung von Erneumab zu erwarten ist, für welche Patienten er geeignet und wie er in der Praxis anzuwenden ist. Hintergrund Die Migräne belegt weltweit hinter Zahnkaries und Kopfschmerz vom Spannungstyp den dritten Platz der häu- figsten Erkrankungen des Menschen [1]. Die Ein-Jahres-Prävalenz beträgt für alle Migräneformen in Europa 43,6% bei Frauen und 26,9% bei Männern [2]. Jeden Tag sind allein in Deutschland etwa 900.000 Menschen von Migräne­ attacken betroffen, davon sind täglich 100.000 Menschen arbeitsunfähig und bettlägerig. 3 Millionen Deutsche neh- men im Mittel täglich eine Kopf- schmerztablette über Selbstmedikation ein; rund 59.000 Triptan-Einzeldosen werden in Deutschland jeden Tag zur Behandlung von Migräneattacken ver- wendet [3]. Chronische Kopfschmerzen mit mehr als 15 Kopfschmerztagen pro Monat finden sich bei 9,5% der Frauen und 4,9% der Männer [4]. Migräne ist der bedeutsamste Grund für Behinde- rung bei den unter 50-Jährigen [5, 6]. Kopfschmerzerkrankungen sind für mehr als 75% aller durch neurologische Erkrankungen bedingten Jahre mit Be- hinderung verantwortlich, einschließ- lich Schlaganfall, Demenzerkrankun- gen, Parkinson, Multiple Sklerose und Epilepsie [5]. Die Migräne als eine der heute bekannten 367 Kopfschmerzer- krankungen steht an zweiter Stelle aller Erkrankungen, die die meisten Jahre mit Behinderungen in der Bevölkerung be- dingen [5]. Das Risiko für Depression, Angsterkrankung und Suizid ist bei Mi- gränepatienten 3- bis 7-mal, das Risiko für Herzkreislauferkrankungen, Herz­ infarkt und Schlaganfall 1,5- bis 2-mal höher als bei Gesunden [7, 8]. Die Ge- samtkosten von Kopfschmerzen bei den 18- bis 65-Jährigen in Europa betragen 173 Milliarden Euro pro Jahr [9]. Der Migräneschmerz basiert nach heutigen Erkenntnissen auf einer neuro- genen Entzündungsreaktion an den Ar- terien der Hirnhäute. Im Initialstadium einer Attacke werden dort Entzün- dungsstoffe freigesetzt, die zu einer ver- stärkten Schmerzempfindlichkeit der Hirnhäute sowie zu einer Schwellung und Erweiterung der Gefäßwände füh- ren [10, 11, 12, 13]. Jeder Pulsschlag führt dann zu einem pochenden, hämmern- den Migräneschmerz, jede Bewegung des Kopfes schmerzt aufgrund Allody- nie und Hyperpathie und verstärkt die Beschwerden. Migränepatienten versu- chen daher, im Anfall möglichst Ruhe und Reizabschirmung einzuhalten so- wie körperliche Tätigkeit und Erschüt- terungen zu vermeiden. In den letzten Jahren ist es gelungen, spezifische, monoklonale Antikörper gegen die Botenstoffe zu entwickeln, die die Entzündung während des Migräne- anfalls bedingen. Sie können die Wir- DGS Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. 40 Schmerzmedizin 2019; 35 (3)

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