Schmerzmedizin 6 / 2018

Update zu Diagnostik und Therapie Die Herausforderung „neuropathischer Schmerz“ meistern Markus Geuting, Löwenstein Neuropathische Schmerzen sind keine Seltenheit, aber nicht immer leicht zu diagnostizieren. Ziele der Therapie sind die Schmerzreduktion und die Aufrechterhaltung der Lebensqualität. Dafür stehen sowohl pharmakologische Ansätze zur Verfügung als auch invasive Verfahren wie die Neuromodulation. D ie Behandlung neuropathischer Schmerzen (NPS) wird oft als Herausforderung angesehen, weil die Diagnosesicherung primär meist schwierig ist und die Patienten da- her medikamentös nicht optimal einge- stellt werden können [1]. Der Deutsche Forschungsverbund Neuropathischer Schmerz (DFNS) geht davon aus, dass circa 20% aller Patienten einer schmerz- therapeutischen Spezialeinrichtung an nicht ausreichend behandelten NPS lei- den [2]. In Europa liegt die Prävalenz chroni- scher Schmerzen bei 25–30% [1, 3]. Von diesen chronischen Schmerzpatienten leiden circa 20% an NPS; dies entspricht je nach Quelle einer Prävalenz von 6,9–10% der Bevölkerung [1, 4, 5]. In Deutschland geht man von circa 3,5 Mil- lionen Menschen mit NPS aus [6]. NPS sind also ein Phänomen, das wir häufi- ger in der klinischen Praxis antreffen. Diagnostik Die Klassifikation des NPS kann anato- misch und ätiologisch in periphere Neu- ropathien, zentrale Neuropathien sowie sogenannte Mixed-Pain-Syndrome er- folgen. Als periphere Neuropathien gel- ten zum Beispiel Postzosterneuralgien, Phantomschmerzen, Trigeminusneural- gien, Morbus Sudeck (komplexes regio- nales Schmerzsyndrom, CRPS), Nerven- engpasssyndrome, diabetische sowie alkoholische Neuropathie, aber auch neuropathische Schmerzsyndrome auf- grund von HIV, Speicherkrankheiten oder Mangelzuständen. Zentrale Neuro- pathien treten etwa nach Hirninfarkten oder bei Multipler Sklerose (MS) auf. Die Mixed-Pain-Syndrome fassen beispiels- weise chronische, nicht spezifische Rü- ckenschmerzen, Rücken-Beinschmer- zen, Tumorschmerzen und CRPS zu- sammen [7, 8, 9]. Für die Diagnostik von Nerven- schmerzen stehen verschiedene Metho- den zur Verfügung, wie Fragebögen (z. B. „paindetect“), die quantitative sensori- sche Testung, die visuelle Analog- und numerische Ratingskala, Sonografie, la- serevozierte Potenziale, MRT und Li- quordiagnostik (bei MS). Die genaue Di- agnostik von NPS ist entscheidend für die Behandlung [4, 9]. Bis zu 10% der Bevölkerung leiden an neuropathischen Schmerzen. ©© BanksPhotos/IStock 38 Schmerzmedizin 2018; 34 (6) For tbildung

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