Schmerzmedizin 1 / 2019

unzureichende Wirkung der verordne- ten Laxanzien, wohingegen 53% der zu- ständigen Behandler die Patientenzu- friedenheit in dieser Hinsicht als „hoch“ oder „vollständig“ beschrieben. Ähnli- che Diskrepanzen fanden sich bezüglich der analgetischen Wirkung: Hier doku- mentierten 73% der Behandler eine wei- testgehend adäquate Wirksamkeit, wäh- rend 49% der Betroffenen deutliche Pro- bleme bei ihrer Opioidbehandlung an- gaben (EL: 2; EG: A). Eine fundierte klinische Evaluation von Vorgeschichte, aktueller Therapie und körperlichem Befund sollte bei je- dem Patienten mit Verdacht auf eine OIBD/OIC durchgeführt und dokumen- tiert werden. Besonderes Augenmerk sollte neurologischen Systemerkrankun- gen gelten. Neben somatischen/körper- lichen Beschwerden sollten dabei insbe- sondere auch psychologische Symptome und der Einfluss der Beschwerden auf das eigentliche behandlungsauslösende Krankheitsbild, die Fähigkeit zur Teil- habe an Aktivitäten des alltäglichen Le- bens sowie die Lebensqualität bewertet und das Verständnis des Betroffenen für diesen speziellen Behandlungseffekt hinterfragt werden (EL: 4; EG: C). Entsprechend der Rom-IV-Kriterien kann die Diagnose einer OIC gestellt werden, wenn mindestens zwei der nachfolgend aufgeführten Beschwerden erstmalig nach Beginn beziehungsweise Dosiseskalation oder Wechsel vonWirk- stoff/Darreichungsform einer Opioidbe- handlung auftreten und zeitgleich ohne Laxanzien oder sonstige Maßnahmen keine spontanen, weichen oder flüssigen Stühle beobachtet werden: 1. weniger als drei spontane Defäkatio- nen pro Woche und/oder 2. bei mehr als einem Viertel aller Defäkationen: — pressen, — klumpiger/harter Stuhl (nach Bristol- Stuhlformen Skala 1–2), — Gefühl der inkompletten Darment­ leerung, — Gefühl der anorektalen Blockade, — Notwendigkeit manueller Manöver. Im Allgemeinen bedarf es für die Diag- nose einer OIBD/OIC keiner exzessiven, umfangreichen oder aufwendigen diag- nostischen Maßnahmen. Bei Beschwer- defreiheit vor Beginn der Opioidbe- handlung, Erstmanifestation typischer Symptome während der Behandlung und klinischem Ausschluss möglicher anderer Obstipationsursachen (wie einer Dehydratation oder anderen Medika- menten) kann aus der zeitlichen Koinzi- denz auf einen ursächlichen Zusam- menhang geschlossen und sollten geeig- nete Behandlungsmaßnahmen ergriffen werden (EL: 4; EG: C). Zu Erstdiagnostik wie auch zur Quan- tifizierung des Schweregrades einer OIC können verschiedene validierte Instru- mente verwendet werden, wobei es sich – aufgrund unzureichender Überein- stimmung zwischen den verschiedenen Verfahren – empfiehlt, für ein und den- selben Patienten stets das identische In- strument zu verwenden (EL: 3; EG: C). Nicht nur im deutschsprachigen Großraum hat sich – sowohl zur Diag- nosestellung als auch zur Quantifizie- rung der Beschwerdeintensität im zeitli- chen Verlauf, beziehungsweise dem An- sprechen auf eine gewählte Therapie – der Bowel-Function-Index (BFI) als einfache, valide und verlässliche Alter- native zu den zahlreichen anderen inter- national diskutierten (und verwendeten) Instrumenten erwiesen (EL: 1; EG: A). Entscheidender Vorteil des BFI ist das Vorhandensein eines definierten Cut- Offs zur Abgrenzung zwischen einem unauffälligen (≤ 28,8 mm VAS) und ei- nem (im Sinne einer Obstipation) auffäl- ligen Stuhlverhalten (> 28,8 mm VAS) sowie eines klinisch bedeutungsvollen Unterschieds („minimal clinical impor- tant difference“, MCID). Der MCID bezeichnet einen konkre- ten Änderungswert von 12 mm VAS, dessen Überschreiten Betroffene mit ei- ner klinisch relevanten Änderung ihres Stuhlverhaltens assoziieren (EL: 1; EG: A). Durch seine Verwendung als Teil standardisierter, konventioneller Befra- gungen (wie den Deutschen Schmerzfra- gebogen oder das Schmerztagebuch DGS) oder elektronischer Assistenzsys- teme (wie iDocLive®) kann der BFI dabei helfen, den vorliegenden Leitlinienemp- fehlungen zu Erst- und Verlaufsdiagnos- tik auf ökonomische Art und Weise nachzukommen (EL: 1; EG: A). Prävention der OIC Vorbeugung und Behandlung der OIC sind in der Praxis eine Herausforderung. Klassische Stuhlförderer bewirken bei opioidinduzierter Obstipation meist wenig. ©© irenica / stock.adobe.com Schmerzmedizin 2019; 35 (1) 37 Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. www.dgschmerzmedizin.de

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