Schmerzmedizin 4 / 2019

Eine ungeahnte Gesundheitsressource Von der Scham zum Wohlbefinden Claude-Hélène Mayer Scham ist ein Thema, das auch im medizinischen Kontext eine Rolle spielt und mit Gesundheit, Krankheit sowie Schmerzen verbunden ist. In diesem Artikel wird gezeigt, welche konstruktiven Ansätze es gibt, um mit der Scham im medizinischen Kontext umzugehen und sie schließlich als Ressource in der Interaktion zwischen medizinischem Fachpersonal, Ärzten und Patienten zu nutzen. S cham ist eine wichtige Emotion, die oftmals als negativ und störend empfunden wird. Gleichzeitig wird sie bis heute in vielen sozio-kulturellen Kontexten tabuisiert, da sie häufig mit den Schattenseiten eines Menschen as- soziiert wird. Scham ist universell und betrifft alle Menschen, verweist auf die Menschlichkeit und die Zerbrechlich- keit des Seins und appelliert an Mitge- fühl und Empathie [1]. Sie wird jedoch kulturspezifisch definiert und empfun- den und verlangt demnach kulturspezi- fische Umgangsweisen [2]. Schließlich zeigt Scham auch den existenziell-spiri- tuellen Kern eines jeden Menschen auf [3]. Es gibt unterschiedliche Arten, mit Scham umzugehen – je nach Kontext und Hintergrund. Auch welche Inter- vention genutzt wird, um sie zu über- kommen, hängt davon ab, wann Scham von wem wo und wodurch empfunden und ausgelöst wird. Einig sind sich wei- terhin viele Wissenschaftler, dass Schamerfahrungen als traumatisch er- lebt werden und langfristige Auswir- kungen haben können. Entsprechend sollten Menschen ein Bewusstsein dafür entwickeln, wenn sie Scham empfinden und wie sie damit umgehen. Der medizinische Kontext bei Scham ist ein spezieller, auch wenn es um das Erkennen und den Umgang da- mit geht. Im Folgenden soll nun das The- ©© ljubaphoto / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell) 40 Schmerzmedizin 2019; 35 (4) DAGST Deutsche Akademie für ganzheitliche Schmerztherapie

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