Schmerzmedizin 5 / 2019

se erteilt werden. Zur Erinnerung: In der neuen MWBO werden Kurzzeit-, Lang- zeit- und Dauertherapien in einer termi- nalen Behandlungsphase einer palliati- ven Situation mit einer Richtzahl von 10 gefordert. Dies wurde im Rahmen eines Fachgespräches, das maßgeblich von Fachgruppenvertretern der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. (DSG) bestimmt worden war, am 1. August 2017 mit der Bundesärztekammer abgestimmt. Nicht die Opioide sind das Problem ImHinblick auf die Versorgung unserer Patienten mit den neuen Migräneanti- körpern muss ein aktueller Beschluss des G-BA als bedenklich eingestuft wer- den: Vor der Erstverordnung dieser An- tikörper soll unter anderemValproat zur Migräneprophylaxe eingesetzt worden sein. Der G-BA stellt nun klar, dass Val- proat in dieser Indikation aber nur durch Fachärzte für Nervenheilkunde, Neurologie und/oder Psychiatrie oder durch Fachärzte für Psychiatrie und Psy- chotherapie verordnet werden darf. Die DGS wird sich intensiv bemühen, diese Situation im Sinne der Versorgung zu verbessern. Aktuelle Informationen fin- den Sie auf der Homepage der DGS. In einer Pressemitteilung im Septem- ber 2019 hat die DGS zum epidemiologi- schen Suchtsurvey 2018 des Instituts für Therapieforschung in München Stellung genommen. Dieser Survey ist für unsere Arbeit von höchster Relevanz. Viele, die Bedenken gegenüber einer Opioidthera- pie bei chronischen Schmerzen geäußert haben, sind inzwischen kleinlaut gewor- den. Nicht nur im Suchtsurvey wurde es deutlich, auch auf dem diesjährigen Kon- gress der Föderation der Europäischen Schmerzgesellschaften (EFIC) in Valen- cia lautete die einhellige Meinung: Von einer Opioidepidemiologie kann in Deutschland keine Rede sein! Auch wenn Verbesserungsbedarf besteht, wird die Opioidtherapie in Deutschland weitge- hend seriös betrieben. Überraschender- weise liegt das Problem ganz woanders: Im nicht sachgemäßen Gebrauch von freiverkäuflichen (OTC), nicht opioidhal- tigen Analgetika über einen längeren Zeitraum. So sind laut Survey etwa 1,6 MillionenMenschen zwischen 18 und 64 Jahren süchtig nach Analgetika, aber eben vorrangig nach nicht verschrei- bungspflichtigen. Die DGS unterstützt die Initiativen des Gesundheitsministeri- ums, die Öffentlichkeit für die Risiken der OTC-Medikation zu sensibilisieren. Es ist zu wenig verbreitet, dass auch OTC- Analgetika, die sehr häufig im Rahmen psychischer Erkrankungen eingenom- men werden, zur Sucht führen können. Neue Gelegenheiten für Austausch Mit großer Vorfreude schauen wir auf den Deutschen Schmerz- und Palliativ- tag 2020 in Leipzig. Die Räumlichkeiten vor Ort haben große Zustimmung erfah- ren und das Organisationskomitee hat bereits ein interessantes Programm zu- sammengestellt. Am Kongresssamstag wird wieder ein aktuelles Fokusthema im Zentrum stehen, nämlich „Schmerz bei älteren Patienten“, in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Ger- iatrie e.V. (DGG). Der Leipziger Schmerz- und Palliativtag wird ausdrücklich er- neut den Titel „Individualisierung statt Standardisierung“ tragen. Der DGS- Vorstand ist der Meinung, dass dieses Thema so bedeutend ist – für unsere täg- liche Arbeit wie auch für das Selbstver- ständnis unserer Gesellschaft –, dass zum Jahreskongress 2019 noch nicht al- les dazu gesagt werden konnte. Das ge- meinsame Nachdenken und zahlreiche Fachdiskussionen, auch mit anderen Fachgesellschaften, haben die Notwen- digkeit deutlich gemacht, dieses Thema weiterhin auf unsere Fahne zu heften. Doch zunächst steht vom 15. bis 16. November 2019 das DGS-Innovations- forum Schmerzmedizin und die DGS- Regionalleitertagung in Berlin an. Sie werden zu diesem traditionellen Treffen zu hochaktuellen Themen aus der Schmerzmedizin und internen Neuig- keiten eine separate Einladung erhalten. Dr. med. Dipl. Lic. Psych. Johannes Horlemann, Kevelaer Stellungnahme der DGS zum Suchtsurvey 2018 — — Der aktuelle Epidemiologische Sucht­ survey 2018 des Instituts für Therapiefor­ schung in München informiert über den aktuellen Stand von Über-und Fehlge­ brauch sowieMissbrauch der Schmerzme­ dikation. Die immer wieder angestoßene Befürchtung, dass sich Entwicklungen wie in den USA zur Schmerzmittelsucht – ins­ besondere durchOpioide – bewahrheiten, wird nicht bestätigt. Allerdings besteht eine bedenkliche Entwicklung zu freiver­ käuflichen Analgetika. Dr. Johannes Horlemann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedi­ zin e.V. (DGS), weist daher darauf hin, „dass auch der unsachgemäße Gebrauch freiver­ käuflicher nicht opioidhaltiger Analgetika über einen längeren Zeitraum (ab 15 Tage pro Monat) bedenklich sein kann.“ Es können medikamenteninduzierte Kopf­ schmerzen oder ein weiterer Medikamen­ tenmissbrauch bis hin zur Abhängigkeit ausgelöst werden. Nach ESA-Daten aus dem Jahr 2015 wird die Prävalenz einer Gebrauchsstörung durch Opioidanalgeti­ ka nach DSM-V auf 1% und der Anteil der durch Analgetika verursachten psychi­ schen Störungen auf 12% geschätzt. Daher unterstützt die DGS die Initiative des Gesundheitsministers, die freie Abga­ be von Schmerzmitteln verstärkt zu kont­ rollieren beziehungsweise zu beenden. Denn die gesundheitlichen und volkswirt­ schaftlichen Folgen sind eine schwere Belastung für die gesamte Gesellschaft. Als Versorgergesellschaft unterstützt die DGS den schmerzmedizinisch begründeten Gebrauch von Opioiden und nicht opioid­ haltigen Analgetika bei chronischen Schmerzen. Jedochwendet sie sich gegen unkontrollierte Abgabebedingungen von freiverkäuflichen Analgetika, die nach der vorliegenden Datenlage Suchterkrankun­ gen fördern. red Die vollständige Stellungnahme finden Sie unter www.dgschmerzmedizin.de Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. www.dgschmerzmedizin.de Schmerzmedizin 2019; 35 (5) 39

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