Schmerzmedizin 5 / 2019

Neue Migräneprophylaktika Monoklonale Antikörper im Praxisalltag Seit Kurzem gibt es mit Antikörpern gegen Calcitonin-Gene-Related- Peptide neue medikamentöse Migräneprophylaktika. Ihre Indikation bedarf spezifischer Voraussetzungen. Kopfschmerzspezialisten haben dazu Empfehlungen für die Praxis publiziert. D ie Indikation zur Migränepro- phylaxe ist immer dann gegeben, „wenn das planerische Gestalten der Zukunft migränebedingt nicht mehr möglich ist.“ So hat es die Essener Kopf- schmerzspezialistin und Vizepräsiden- tin der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) Dr. Astrid Gendolla in diesem Jahr beim Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt am Main formuliert. Wenn zum Beispiel drei At- tacken oder mehr pro Monat die Lebens- qualität stark beeinträchtigen, wenn At- tacken länger als 72 Stunden andauern, wenn die Symptomatik trotz adäquater Therapie nicht nachlässt oder wenn die Therapie nicht toleriert wird, dann ist die regelmäßige Prophylaxe mit nicht medikamentösen wie mit medikamen- tösen Instrumenten angezeigt. Als ermutigend haben Gendolla und viele ihrer Kollegen von der DGS und der Deutschen Migräne- und Kopf- schmerzgesellschaft (DMKG) in diesem Zusammenhang die in Studien erzielten Wirkungen von monoklonalen Antikör- pern gegen das Calcitonin-Gene-Rela- ted-Peptide (CGRP) oder den CGRP-Re- zeptor bezeichnet. Seit Ende 2018 ist Ere- numab in Deutschland verfügbar, in- zwischen sind auch Galcanezumab und Fremanezumab in der Europäischen Union zugelassen. Alle drei Antikörper müssen einmal monatlich subkutan injiziert werden, Fremanezumab kann zudem in höherer Dosierung vierteljährlich injiziert wer- den. In den Zulassungsstudien erschien deren Wirksamkeit im indirekten Ver- gleich mit bislang etablierten und zuge- lassenen Migräneprophylaktika als ähn- lich gut. Register prüft Langzeitwirkung und Verträglichkeit „Im klinischen Alltag sieht man, dass etwa 60% der Patienten gut bis sehr gut auf den CGRP-Rezeptor-Antikörper an- sprechen, 20% sprechen mäßig und etwa 20% gar nicht an“, so Gendollas bisheri- ge Erfahrung mit Erenumab. Das sei mehr, als man aus den Studien erwarten konnte. Zugleich müsse man die über- zogenen Hoffnungen mancher Migräne- patienten zugunsten realistischer Er- wartungen dämpfen. Die Neurologin verweist auf ein groß angelegtes Register unter Federführung der DMKG, mit dem die Langzeitwirksamkeit und die Verträglichkeit der neuen Therapien be- urteilt werden wird. Bislang wird die Verträglichkeit von Experten unisono als gut beschrieben, zentrale Nebenwir- kungen wurden nicht beobachtet. Das spricht dafür, dass die Antikörper nicht die intakte Blut-Hirn-Schranke über- winden können. Das Neuropeptid CGRP spielt eine bedeutsame Rolle bei der trigeminalen Schmerz- übertragung. ©© psdesign1 / Fotolia DGS Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. 40 Schmerzmedizin 2019; 35 (5)

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