Schmerzmedizin 5 / 2018

Kraft der Worte Hilfreiche Kommunikation mit chronischen Schmerzpatienten Dieser Beitrag möchte ein neues Verständnis chronischer Schmerzen und eine veränderte Haltung gegenüber Betroffenen eröffnen. Aus- gangspunkt ist die Arbeit der Diplom-Psychologin und Psychothera- peutin Ursula Frede, die vielfach über ihre Erfahrungen geschrieben hat – als Psychologin, aber auch als persönlich betroffene Schmerz­ patientin. S eit ich mich mit chronischen Schmerzpatienten beschäftige, hat mir an den angebotenen psycho- therapeutischen Ansätzen etwas gefehlt. Das änderte sich, als ich 2007 das Buch „Herausforderung Schmerz“ [1] von Ur- sula Frede las. Mit dem von ihr beschrie- benen Menschenbild und den daraus ab- geleiteten therapeutischen Grundhal- tungen eröffnete sich mir eine Sichtwei- se, die meine weitere Arbeit in diesem Gebiet tiefgreifend veränderte. Nachfol- gend stelle ich zentrale Aspekte dieser Grundhaltungen vor. Möglichkeiten der Umsetzung verdeutliche ich anhand von Beispielen. Das Leiden am Schmerz Bei Patienten mit chronischen Schmer- zen sind zwei Aspekte bedeutsam: der körperliche Schmerz und das seelische Leiden daran. Interessanterweise scheinen der kör- perliche Schmerz und das seelische Lei- den oft nicht deckungsgleich zu sein. Das Leiden speist sich aus unterschied- lichen Quellen – nicht nur aus der Schmerzwahrnehmung an sich, sondern auch aus der Persönlichkeit des Patien- ten, seiner Lebensgeschichte, seinen Er- fahrungen mit körperlichen und seeli- schen Schmerzen, seiner vergangenen und gegenwärtigen Lebenssituation. Ein weiterer Einflussfaktor ist die ge- sellschaftliche Bewertung chronischer Schmerzerkrankungen. Besonders be- lastend ist dabei die in Medien und Rat- geberliteratur verbreitete Vorstellung, chronischer Schmerz sei eine Folge be- stimmten Fehlverhaltens des Patienten in der Vergangenheit oder seiner ver- minderten Anstrengungen zur Rehabi- litation in der Gegenwart. Kurz: Chro- nischer Schmerz müsse nicht sein, wenn der Patient nicht falsch gelebt hätte oder sich nur genug anstrengen würde, wie- ©© Jonas Glaubitz / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodellen) DGS Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. 42 Schmerzmedizin 2018; 34 (5)

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