Schmerzmedizin 4 / 2019

Die Zukunft der ambulanten Palliativversorgung Alles unter einen Hut bringen Mehrere Gesetze der letzten Jahre haben die spezielle ambulante Palliativversorgung gestärkt, während die allgemeine ambulante Palliativversorgung bei dieser Entwicklung nicht mithalten konnte. Dabei dürfte es am sinnvollsten sein, beide Strukturen zu kombinieren. D ie Gesundheitsreform aus dem Jahr 2007 und die folgende Richt- linie zur Verordnung von spezia- lisierter ambulanter Palliativversorgung vom 11. März 2008 als Entscheidung des gemeinsamen Bundesausschusses haben die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die spezielle ambulante Palliativver- sorgung (SAPV) geschaffen. Bis dato war die palliativmedizinische und palli- ativpflegerische Versorgung in die allge- meine Leistungserbringung von Ärzten und Pflegenden integriert, ohne speziell als solche benannt, differenziert oder vergütet worden zu sein. Mit der Stär- kung des Rechtsanspruchs wurden die SAPV sowie deren Inhalt konkretisiert. Als anspruchsberechtigt gelten gesetz- lich Versicherte mit einer weit vorange- schrittenen und tödlich verlaufenden Erkrankung mit ausgeprägter komple- xer Symptomatik, die eine spezifische Versorgungsform benötigen. Was AAPV und SAPV unterscheidet Die allgemeine ambulante Palliativver- sorgung (AAPV) wiederum dient dem Ziel, Lebensqualität und Selbstbestim- mung von Palliativpatienten soweit wie möglich zu erhalten, zu fördern, zu ver- bessern und ihnen ein menschenwürdi- ges Leben bis zum Tod in der gewohnten Umgebung, in stationären Pflegeeinrich- tungen beziehungsweise stationären Hospizen zu ermöglichen. Die AAPV beinhaltet die Palliativversorgung, die von Leistungserbringung der Primär- versorgung (in erster Linie Haus- und Fachärzte sowie ambulante Pflegediens- te) mit palliativmedizinischer Basisqua- lifikation erbracht werden kann. Der Großteil der Palliativpatienten, die me- dizinische/pflegerische Versorgung be- nötigen, können damit ausreichend ver- sorgt werden. Ergänzend steht die SAPV den Patienten zur Verfügung, deren Krankheitsverlauf mit intensiven oder komplexen Problemen den Einsatz eines spezialisierten Palliativteams notwendig macht – sei es vorübergehend oder dau- erhaft. Sie erfolgt im Rahmen einer auf Palliativversorgung ausgerichteten Ver- sorgungsstruktur. Dies beinhaltet insbe- sondere die spezialisierte palliativärztli- che und -pflegerische Beratung und Ver- sorgung, einschließlich der Koordinati- on notwendiger Versorgungsleistungen, bis hin zu einem umfassenden individu- ellen Unterstützungsmanagement. Wei- tere Kennzeichen sind Multiprofessiona- lität, 24-stündige Erreichbarkeit an sie- ben Tagen in der Woche sowie der Spe- zialistenstatus der Behandelnden (Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Palliativme- dizin, Pflegende mit einer Weiterbildung in Palliative Care). Damit ist klar, dass die Vertragsstruk- tur „Vereinbarung zur ambulanten pal- liativmedizinischen Versorgung von un- heilbar erkrankten Patienten im häusli- chen Umfeld“, die der ambulanten Pal- liativversorgung in Westfalen-Lippe zugrunde liegt, grundsätzlich ein SAPV- Vertrag ist. Innerhalb dieses SAPV-Ver- trages ist allerdings durch die Definition von Vollversorgung (§ 5, Abs.3) eine Leistungslegende eingeführt, die die be- sonderen Bedürfnisse hochkomplexer Unsere Ziele sind: — Qualitätsindikatoren in der ambulan- ten Palliativmedizin zu definieren und weiterzuentwickeln, — Betroffene und Angehörige über die Möglichkeiten einer fachgerechten palliativmedizinischen Versorgung zu informieren, — die Diskussion über ethische und rechtliche Fragestellungen am Lebensende anzustoßen und zu vertiefen, — ein langfristiger Kulturwandel im Umgang mit Tod und Sterben. Berufsverband der Palliativmediziner in Westfalen-Lippe e.V. Geschäftsstelle: Sabine Schäfer Dieckmannstraße 200 48161 Münster Tel. 02 51 / 5308-9960 E-Mail: info@bv-palliativmediziner.de Öffentlichkeitsarbeit: PD Dr. med. Eberhard A. Lux Klinik für Schmerz- und Palliativmedizin am Klinikum St.-Marien-Hospital Lünen Telefon: 02306 77-2920 Fax: 02306 77-2921 E-Mail: drlux@web.de www.bv-palliativmediziner.de Berufsverband der Palliativmediziner 44 Schmerzmedizin 2019; 35 (4) in Westfalen-Lippe e.V.

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