Schmerzmedizin 6 / 2018

gelöst und unterhalten. Initial wird vor allem in Gewebemakrophagen die NFκB-assoziierte Entzündungskaskade aktiviert. Damit einher geht die Sekre- tion von Zytokinen wie Interleukin-1 (IL-1), Tumornekrosefaktor alpha (TNF-α) und Interleukin-6 (IL-6) sowie auch der Substanz P und Prostaglandi- nen (v. a. PGE2). Die Makrophagen ge- ben diese Alarmbotenstoffe in das um- gebende Gewebe und in das zirkulieren- de Blut ab. Sie aktivieren Mastzellen, die lokal große Mengen an Histamin und Serotonin freisetzen, welche periphere Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren) sen- sibilisieren. Vor allem IL-1 aktiviert zu- dem in verschiedensten Gewebezellen die Cyclooxigenase-2 (COX2) und indu- ziert darüber PGE2. PGE2 dilatiert lo- kale Blutgefäße (Rötung, Überwär- mung), erhöht die Gefäßwandpermea- bilität (Schwellung) und sensibilisiert wie Histamin und Serotonin die Nozi- zeptoren. Auch zahlreiche weitere Mast- zellmediatoren sowie bei Gewebeverlet- zung frei werdende Bradykinine sensi- bilisieren Nozizeptoren und erhöhen damit die Reaktionsbereitschaft bei der Auslösung von Schmerzreizen. Zwei weitere Mechanismen tragen zur Chronifizierung des lokalen Schmerz- prozesses bei ( Abb. 3 ). Zum einen setzen Nervenzellen im Entzündungsgebiet NGF (Nerve Growth Factor) frei, was zur Aussprossung neuer Nervenfasern führt; zum anderen sezernieren sie die Substanz P und Neuropeptide wie CGRP (Calcitonin Gene Related Peptide), um die lokale Entzündung durch Gefäß­ dilatation und Makrophagenaktivie- rung zu verstärken. Nozizeptoren finden sich besonders zahlreich in den Organen des Bewe- gungsapparates, also den Muskeln, Seh- nen und Gelenken. Diese Häufung er- klärt, warum eine systemische Entzün- dung meist diffuse Myalgien und Arth- ralgien imBewegungsapparat hervorruft. Die Energiereserven sollen dabei umver- teilt werden, hin zum Immunsystem und weg von der Muskulatur als größ- tem Energieverbraucher. Antientzündliche Therapie ergänzend zur Schmerztherapie? Unter Berücksichtigung der erläuterten Pathomechanismen bei chronischer Entzündung, insbesondere der Nozizep- tor-sensibilisierenden, schmerzverstär- kenden Effekte von TNF-α, IL-6, IL-1 und Histamin, sollte der subklinischen Entzündung mehr Beachtung geschenkt werden. Dieses gilt insbesondere bei nicht organbezogenen diffusen Schmer- zen. Als Laborparameter zumNachweis der subklinischen Entzündung sind ne- ben dem CRP (als hoch-sensitives CRP gemessen) das TNF-α, das IL-6 sowie das Histamin (im Vollblut) geeignet ( Tab. 1 ). Neben den pharmakologisch gut eta- blierten, aber auch nebenwirkungsrei- chen, antientzündlichen Präparaten (Kortison, NSAR), können für die Be- handlung der chronischen Entzündung Tab. 2: Ärztlicher Befundbericht Untersuchung Ergebnis Einheit Referenzbereich TNF-α-Basiswert (LPS stimuliert) 1932 pg/ml TNF-α-Präparat 1 132 pg/ml Curcumin TNF-α-Präparat 2 1981 pg/ml Boswellia serrata TNF-α-Präparat 3 1741 pg/ml S-Adenosylmethionin (SAM) TNF-α-Präparat 4 294 pg/ml Lidocain Nur Curcumin und Lidocain zeigen in vitro einen signifikanten TNF-α-hemmenden und somit antientzündlichen Effekt. Abb. 3 : Immunpathogenese der Schmerzreaktion For tbildung Inflammationsschmerz 44 Schmerzmedizin 2018; 34 (6)

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