Schmerzmedizin 3 / 2019

über eine Facharztbezeichnung in dem für den jeweiligen Eingriff festgelegten Fachgebiet verfügen, ihre Fortbildungs- verpflichtungen nachweislich erfüllt ha- ben und über eine Befugnis zur Weiter- bildung oder eine akademische Lehrbe- fugnis verfügen müssen. Hinweise auf die Notwendigkeit interdisziplinärer Be- gutachtungsansätze (z. B. analog den für die Schmerzmedizin so wichtigen inter- disziplinären Schmerzkonferenzen) feh- len in den nun verabschiedeten Bestim- mungen ebenso wie jegliche über den Tellerrand der jeweils fachspezifischen Nabelschau hinausreichende Bewer- tungskonzepte. Somit drohen nicht nur beim Thema Tonsillotomie und Tonsill- ektomie konfliktträchtige Auseinander- setzungen zwischen den unterschiedli- chen Fachdisziplinen mit ihren mitunter um das Patientenwohl konkurrierenden Interessen. Inwiefern das wirklich er- wünscht ist oder der Verbesserung einer ganzheitlich orientierten medizinischen Versorgung dient, bleibt abzuwarten. Die Rechte der Operateure gestärkt Insbesondere bei den wirklich komple- xen Fragstellungen zu Sinn und Notwen- digkeit operativer Eingriffe – wie sie etwa in Deutschland täglich bei chroni- schen Rückenschmerzen oder Gelenker- satzoperationen gestellt werden müssen – würde für den Fall einer analogen Aus- gestaltung der vereinbarten Rahmenbe- dingungen absehbar nicht die dringend notwendige Verbesserung für den be- troffenen Patienten eintreten, sondern allenfalls eine Stärkung der jeweils indi- kationsstellenden operativ-tätigen ärzt- lichen Fachdisziplinen. Über diese Entwicklungen freuen dür- fen sich alle, die gerne und viel operieren beziehungsweise deren Geschäftsmodell auf der Umsetzung möglichst vieler Operationen beruht. Ein Kotau vor den lobbyistischen Aktivitäten chirurgischer Interessengruppen. Ein Schlag ins Ge- sicht all derer, die sich im Rahmen eines interdisziplinären Zweitmeinungsver- fahrens um eine patientengerechte und bedürfnisorientierte Individualversor- gung bemühen. Ein Desaster für viele Betroffene, denen hiermit die Chance auf eine echte Alternativmeinung im Sinne eines interdisziplinären Gesamt- konzeptes genommen wird. Ob diese Entscheidung dem an sich absolut unterstützenswerten Grundge- danken der Zweitmeinung (zumindest aus schmerzmedizinischer Sicht) gerecht werden kann, ist dabei zu bezweifeln. Ebenso wie das ernsthafte Bemühen des G-BA, die tsunamiartig anwachsende Bedrohung durch ein iatrogen/operativ bedingtes Krankheitsbild einzudäm- men, das seit geraumer Zeit sogar schon einen eigenen Fachbegriff hat: das Failed-Back-Surgery-Syndrom (FBSS). Allein das aufgeregte Klagen über die aus Sicht vieler Operateure unzulässigen Einmischungen konservativ tätiger (Schmerz-)Mediziner oder gar Nichtme- diziner (z. B. algesiologischer Psycho- und Physiotherapeuten) wird nun kon- tinuierlich nachlassen und damit auch der Aktionismus der entsprechenden In- teressengruppen. Zeit, um in der nach- folgenden Stille seitens des G-BA viel- leicht noch einmal darüber nachzuden- ken, ob das wirklich eine gute Entschei- dung war (und das nun exemplarisch vereinbarte Verfahren analog auch auf andere Indikationen übertragen werden kann), oder ob hier nicht doch mit tat- kräftiger Unterstützung des obersten Organs der ärztlichen Selbstverwaltung der Bock zum Gärtner gemacht wurde. PD Dr. med. Michael A. Überall Privates Institut für Neurowissenschaften, Algesiologie und Pädiatrie Nürnberg DGS-Exzellenzzentrum für Versorgungs- forschung Nordostpark 51, 90411 Nürnberg E-Mail: Michael.Ueberall@ifnap.de Dr. med. Gerhard H.H. Müller-Schwefe Schmerz- und Palliativzentrum Göppingen Dr. med. Thomas Nolte Schmerz- und Palliativarzt, Wiesbaden Harry Kletzko Integrative Managed Care GmbH Mit Crêpes gegen Krebs – Spenden für den Verein Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt e.V. — — Krebs macht vor Kindern nicht halt. „Welche Auswirkungen nicht heilbare Tumorerkrankungen bei Kindern haben und welches Leid damit verbunden ist, erleben wir als Palliativmediziner leider zu häufig“, erklärt Dr. Johannes Horlemann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS). Die mit rund 4.000 Mitgliedern größte Gesellschaft praktisch tätiger Schmerztherapeuten in Europa setzt sich seit über 25 Jahren ge- meinsammit der Deutschen Schmerzliga erfolgreich für eine bessere Versorgung von Patienten mit chronischen Schmer- zen ein. Anlässlich des 30-jährigen Beste- hens des Schmerz-und Palliativtages in Frankfurt amMain haben sich die beiden Vereine etwas Besonderes ausgedacht: Mit einer Spendenaktion sollte der Verein Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt e.V. bei seiner wertvollen Arbeit unterstützt werden. Dafür wurden an drei Tagen verschiedene Varianten der französischen Pfannkuchen für den symbolischen Wert von 1 € verkauft. Insgesamt 1.000 € sind so zusammengekommen und fließen nun in die Betreuung krebskranker Kinder und ihrer Familien. Annika Klee vom Verein Hilfe für krebs- kranke Kinder Frankfurt e.V. zeigte sich begeistert: „Das ist wirklich eine tolle Aktion! Seit seiner Gründung vor 36 Jah- ren erhält unser Verein keinerlei finanziel- le Unterstützung der öffentlichen Hand. Alle Maßnahmen, Aktivitäten und Ange- bote werden über private Spendengelder finanziert. Wir sind daher auf die Hilfsbe- reitschaft aus der Bevölkerung angewie- sen und dankbar für jeden Cent, mit dem wir krebskranken Kindern, ihren Eltern und Geschwistern die Krankheit erträgli- cher gestalten können.“ red Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. www.dgschmerzmedizin.de Schmerzmedizin 2019; 35 (3) 47

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