Schmerzmedizin 1 / 2019

Multimodale Schmerztherapie Mitleiden und Mitheilen – Edukation von Bezugspersonen Chronischer Schmerz beeinflusst nicht nur das Leben des Patienten, sondern auch die Beziehung zu Freunden und der Familie. Nicht zu unterschätzen ist zudem, wie sehr auch die Schmerztherapie in die Beziehungsgefüge der Betroffenen eingreifen kann. Eine multimodale Schmerztherapie sollte daher idealerweise auch die Angehörigen der Patienten ins Boot holen. D ie „International Association for the Study of Pain“ (IASP) hat aus gutem Grund 2018 zum Jahr der Schmerzedukation („2018 Global Year for Excellence in Pain Education“) für professonielle und nicht professionelle Gruppen ausgerufen [1]. Die Vermitt- lung von Wissen ist die Grundlage für Verständnis und aktives Gestalten. Für Betroffene mit chronischen Schmerzen gilt dies besonders, da bei fehlender Kenntnis über die Differenzierung zum akuten Schmerz Mythen entstehen kön- nen. Neben der eigenen Interpretation spielen dabei Freunde und Angehörige eine wesentliche Rolle. Jeder ist auf sei- ne Weise Schmerzexperte und kann zu einer Verunsicherung des Einzelnen beitragen. Die Quellen der vermeintli- chen Kenntnis beziehen sich auf selbst erlebte Schmerzereignisse, von Dritten Gehörtes, gelesene Artikel oder Bot- schaften des Marketings. Dabei sind eine Akzeptanz des wirklich vorhande- nen Schmerzes sowie die Differenzie- rung des akuten Schmerzes die Grund- lage für eine Neubeurteilung und Neu- ausrichtung. Multimodale Schmerztherapie kommt erst spät zum Einsatz In der Behandlung chronischer Schmer- zen haben sich multimodale Behand- lungskonzepte als effektiv erwiesen [2]. Die Patienten (und ihre Bezugspersonen) haben nicht selten eine langmonatige oder gar langjährige Konsultation zahl- reicher Akteure unseres Gesundheits- systems hinter sich gebracht, bevor sie in die multimodale Schmerztherapie ein- münden. Häufig ist die stationäre Thera- pie eine späte Hoffnung nach zahlrei- chen enttäuschten Behandlungserwar- tungen mit daraus folgenden Frustratio- nen sowie einer als misslungen erlebten Schmerzkommunikation in der Mono- therapie. Der schmerztherapeutischen Ein- richtung fällt nun die spannende Auf- ©© Portra / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodellen) Eine Schmerztherapie kann den Patienten verändern und damit auch das Beziehungsgefüge beeinflussen. Daher sollten auch Ange- hörige von Patienten mit chronischen Schmerzen in eine multimodale Schmerztherapie einbezogen werden. DGS Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. 44 Schmerzmedizin 2019; 35 (1)

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