Schmerzmedizin 3 / 2018

Modifiziertes autogenes Training Erfolgreiche Behandlung von chronifizierten Phantomschmerzen Phantomschmerzen können das Leben der Patienten stark beeinträch- tigen. Neben medikamentösen Verfahren scheint auch eine adaptierte Form des autogenen Trainings diese Schmerzen lindern zu können. D as bewährte autogene Training nach Johannes Heinrich Schultz hat durch die jahrzehntelange Anwendung einen etablierten Platz in der psychotherapeutischen Versorgung eingenommen. Im Rahmen einer thera­ peutischen Sitzung wurde diese alt­ bewährte Methode vom Verfasser spezi­ ell für Patienten mit Phantomschmerz modifiziert, verbessert und erstmals an Probanden mit einem amputierten Glied angewandt und vollständig in die Behandlung integriert. Pilotstudie vielversprechend Von Februar 2009 bis Juli 2009 übten die Patienten in einer Gruppen in insgesamt zehn Sitzungen von jeweils etwa einer Stunde Dauer. Das erste Mal wurde das autogene Training nach Schultz (Schwe­ re- und Wärme-Übung) an Armen und Beinen geübt. Danach neun Mal das mo­ difizierte autogene Training (MAT) im Abstand von zwei Wochen, welches in­ haltlich von Stunde zu Stunde variierte. Die Patienten übten die neuen Lernin­ halte, die sie sich unmittelbar nach dem Training aufschreiben konnten, zu Hau­ se weiter. Bandaufzeichnungen waren nicht erlaubt. Zwei Patienten übten auch nach Been­ digung der Pilot-Studie regelmäßig täg­ lich 10–15 Minuten weiter. Bereits nach den 10 MAT-Übungseinheiten während der Studienphase waren sehr deutliche positive Erfolge feststellbar, die Verän­ derungen in den betroffenen Gehirnare­ alen bewirkt haben müssen, die offenbar auch anhaltend sind. Die positiven Re­ sultate auch nach 5–7 Jahren legen einen ursachenspezifischen Erfolg nahe. Vor­ gestellt werden hier zwei Fallbeschrei­ bungen von Patienten, die mit demMAT behandelt wurden. Fall 1 Patientin E – Ausgangssituation Febru­ ar 2009, 69 Jahre, rechtsseitige Ober­ schenkelamputation 2003 nach unver­ schuldetem Autounfall, sehr gute Zu­ sammenarbeit. Die Katamnese erstreckt sich bisher über sieben Jahre. Der Wirkungsbereich der Phantom­ schmerzen in Bezug auf Frequenz und Schmerzstärke war vor der Behandlung so intensiv und stark ausgeprägt, dass die Patientin in den Jahren vor der Be­ handlung zwei Mal stationär medika­ mentös behandelt werden musste. Unter anderem nahm die Patientin täglich 3 x 3 Kapseln Gabapentin ein, allerdings mit mäßigem Erfolg. Sie fühlte sich hilflos und dem Phantomschmerz ausgeliefert. Schlafen auf der Stumpfseite war nicht möglich. Vor dem Erlernen der Technik berich­ tete die Patientin von sechs Phantom­ schmerzereignissen pro Jahr. Nach dem Anwenden des modifizierten autogenen Trainings hatte sie in zweieinhalb Jahren nur fünfmal Phantomschmerzen. Diese traten auch nur bei extremen Stress­ belastungen auf, sonst war die Patientin schmerzfrei. Dies stellt eine deutliche Verbesserung dar. Die früheren Schmerzstärken wurden nicht mehr er­ reicht. Eine Krankenhauseinweisung zur Behandlung der Phantomschmerzen fand ebenfalls nicht mehr statt. Anzu­ merken ist jedoch, dass sich ein unange­ nehmes seltsames Gefühl (Phantom­ gefühl) bei Nicht-Üben nach zwei Tagen entwickelte. Bei sich langsam entwi­ ckelnden Phantomschmerzen konnte die Patientin durch sofortiges Durch­ führen der erlernten Übungen ein wei­ teres Ansteigen der Schmerzstärke stop­ pen und sogar rückgängig machen. Regelmäßiges autogenes Training kann auch bei Phantomschmerzen helfen. ©© Wavebreakmedia / Getty Images (Symbolbild mit Fotomodell) 44 Schmerzmedizin 2018; 34 (3) DGS Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQxNTg=