Schmerzmedizin 5 / 2019

rungs- und Flüssigkeitsaufnahme allein mit dem Sterbeprozess in Zusammen- hang stehen. Eine Flüssigkeitsmenge von 500 ml in 24 Stunden ist in der Re- gel in dieser Lebensphase völlig ausrei- chend, um etwa einen Dekubitus zu ver- hindern [1]. Bei Fieber oder Durchfall beispielsweise ist die Flüssigkeitsmenge hingegen anzupassen [6]. Haben Sterbende Hunger? Unumstritten ist die Sinnhaftigkeit des Einsatzes künstlicher Ernährung bei reversiblen Organfunktionsstörungen. Anders sieht es aus, wenn die Funktions- störung mit einer nicht heilbaren fortge- schrittenen Erkrankung einhergeht. Die unreflektierte Fortführung von subkutaner Flüssigkeitsgabe bis in die Terminalphase ist kontraproduktiv, sie erhöht das Risiko von peripheren Öde- men, Aszites, Pleuraergüssen und Lun- genödemen! Sie sollte daher individuell erfolgen. Die Vermeidung belastender, künstlich zugeführter Flüssigkeit und Nahrung bedeutet für die meisten Ster- benden mehr Lebensqualität. Die PEG- Ernährung ist unter anderem ein bedeu- tender Risikofaktor für Aspiration, zu- mal dadurch Infektionen eher gefördert als verhindert werden. Ein Vorteil für eine Verlängerung der Lebenszeit durch eine PEG konnte bislang nicht festge- stellt werden [2]. Bei anhaltender Nahrungskarenz wird eine Reihe von Stresshormonen ausgeschüttet, gleichzeitig werden stim- mungsaufhellende Hormone gebildet, vor allem Serotonin. Wenn der Nah- rungsverzicht gewollt und geplant ist, entfällt der psychische Stress. Dies führt dazu, dass mehr Endorphine gebildet werden, die aufgrund des verlangsamten Stoffwechsels lange im Blut bleiben und das Sterben für die Patienten erträgli- cher machen ( Tab. 3 ). Solche Reaktionen und Abläufe sind in der Palliativmedizin keine Seltenheit. Erst durch vermehrte Volumengabe werden diese Effekte wie- der aufgehoben. Fazit Entscheidend für unser palliatives Han- deln ist der Wille des Patienten! Keine Leitlinien, keine Eminenzen entscheiden über Behandlungsformen, sondern allei- ne und ausschließlich der Patient, mög- licherweise sogar zu seinem Schaden. Wir können und sollten Ratgeber un- serer Patienten sein, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Frühzeitige Aufklä- rung des Patienten und deren Angehö- rigen über die Besonderheiten der letz- ten Lebensphase sind die Pflichtaufga- ben jedes Mediziners. Norbert Schürmann Facharzt für Anästhesie und Allgemeinmedizin Departmentleiter der Abteilung für Schmerz- und Palliativmedizin St. Josef Krankenhaus GmbH, Moers Asberger Str. 4 47441 Moers E-Mail: norbert.schuermann@ dgschmerzmedizin.de Literatur 1. Leitlinien der DGP Sektion Pflege. Ernährung und Flüssigkeit in der letzten Lebensphase. 2014 www.dgpalliativmedizin. de/images/stories/pdf/Leitlinie_ Ern%C3%A4hrung_end.pdf 2. Borasio GB. „Wir können ihn doch nicht verdursten lassen...“ http://www.rhccc.med . tum.de/sites/www.rhccc.med.tum.de/files/ inhaltsseiten_generell/HerrBorasio_TUMu- enchen_Ern_FluessigkeitamLebensen- de_22092011.pdf 3. Remane UK et al. Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit in der Palliative Care: ein Mapping Review. Pflege 2013;26:411-20 4. Thöns M et al. Ernährungsmedizinische Aspekte in der Palliativversorgung. Schmerzmedizin 2017;33(3):28-32 5. Thöns M. Ernährung am Lebensende. Witten transparent 2014;5(10):22-3 6. Brantzen KB. Künstliche Ernährung am Lebensende. Ja oder nein? Der Allgemein- arzt 2017;39(12):18-22 Tab. 3: Vorteile einer verminderten Flüssigkeitszufuhr am Lebensende Weniger Erbrechen Weniger Husten, Verschleimung Weniger Ödeme Weniger Schmerzen Erhöhte Endomorphinkonzentration Verbesserter Hauttugor: Verhinderung von Dekubitus DGS 44 Schmerzmedizin 2019; 35 (5) € (D) sind gebundene Ladenpreise in Deutschland und enthalten 7 % für Printprodukte bzw. 19 %MwSt. für elektronische Produkte. € (A) sind gebundene Ladenpreise in Österreich und enthalten 10 % für Printprodukte bzw. 20%MwSt. für elektronische Produkte. Die mit * gekenn- zeichneten Preise sind unverbindliche Preis- empfehlungen und enthalten die landesübliche MwSt. Preisänderungen und Irrtümer vorbehalten. M. Thöns, T. Sitte (Hrsg.) Repetitorium Palliativmedizin Zur Vorbereitung auf die Prüfung Palliativmedizin 3. Aufl. 2019. X, 375 S. 54 Abb., 43 Abb. in Farbe. Book + eBook. Brosch. € (D) 44,99 | € (A) 46,06 | CHF 48.50 ISBN 978-3-662-59089-8 € (D) 34,99 | CHF 38.50 ISBN 978-3-662-59090-4 (eBook) • Für die Zusatzbezeichnung Palliativmedizin und die Tätigkeit in Klinik und Praxis • Prüfungs- und Praxiswissenmit zahlreichen Fallbeispielen • Plus: eBook inside - kostenloser Download des eBooks inklusive springer.com/empfehlung

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