Schmerzmedizin 4 / 2019

Cannabinoide mit stabilem Wirkspiegel für die Palliativmedizin Unter den cannabishaltigen Arzneimit- teln hat sich für die Palliation der Wirk- stoff Nabilon als gute Wahl herausgestellt. Durch eine deutlich lang- samere Anflutung als bei anderen Canna- bisprodukten und ohne „Flash“ sowie durch seinen länger stabilen Wirkspiegel erfüllt das oral eingenommene Medika- ment eines der Hauptkriterien in der Palli- ation und Schmerzmedizin: Eine Versorgung des Patienten mit gleichmäßi- gen Wirkspiegeln, um einen „steady state“ zu erreichen. Nabilon hat dabei eine etwa sechsfach stärkere Potenz als THC und ist das Cannabinoid mit der längsten Wirk- dauer. Der Einsatz von circa 1–2 mg am Tag genügt, um die gewünschten Effekte in der Palliation zu erreichen. red Nach Informationen von Austrian Orphan Pharmaceuticals Neue Waffe bei opioidinduzierter Obstipation auf demMarkt Die Firmen Sandoz und Shionogi haben eine Vereinbarung über die Vermarktung von Naldemedin in mehreren europäischen Schlüsselmärkten sowie ein Vorkaufsrecht für bestimmte andere europäische Märkte unterzeichnet. Nal- demedin, ein von Shionogi entdeckter peripher wirkender µ-Opioid-Rezeptor- Antagonist (PAMORA), wird einmal täg- lich in einer Dosis von 200 µg eingenom- men. Er ist zugelassen für opioidbeding- te Obstipation bei Erwachsenen, die zu- vor mit Abführmittel therapiert wurden. red Nach Informationen von Sandoz Erstmals sortenreine Cannabisprodukte verfügbar Seit Anfang Juni sind erstmals zwei sor- tenreine Medizinalcannabisblüten in deutschen Apotheken verfügbar: Die Sorten Cannamedical Indica und Canna- medical Hybrid forte der Firma Canname- dical®. Die Blüten besitzen ein gleich bleibendes THC/CBD-Profil, zudem wird das Terpenprofil pro Lieferung offenge- legt. Das Sortiment soll in den nächsten Monaten um zehn weitere Produkte er- weitert werden. red Nach Informationen von Cannamedical Weniger Schmerzen und Angst durch THC:CBD-haltiges Mundspray — — Noch immer gibt es bezüglich Cannabis als Medizinprodukt viele offene Fragen und Unsicherheit in der Praxis. „Ein nicht uner- hebliches Problem bei der Verordnung von Cannabis als Medizin ist, dass es ein paar wenige Ärzte gibt, die es tun, und ein paar, die es gerne tun würden, sich aber nicht trauen. Und die, die es tun, werden zum Teil überflutet mit Patienten, die mit vollkom- men irrationalen Vorstellungen kommen“, fasste PDDr. Michael Überall, Schmerzthera- peut aus Nürnberg, auf einem von Almirall unterstützten Symposium während des Schmerz- und Palliativtages in Frankfurt am Main die Problematik zusammen. Als eine Cannabisarznei mit der höchsten Evidenz nannte Überall das THC:CBD-Oromukosal- spray Nabiximols das zur Behand- lung von MS-Spastik und assoziierten Schmerzen zugelassen ist. Um die Effekte von Nabiximols unter Real- World-Bedingungen einschätzen zu kön- nen, wertete Überall zusammen mit seinen Kollegen die Daten von 800 Behandlungs- fällen aus dem PraxisRegister Schmerz aus [Überall MA et al. Schmerzmedizin 2019;35(2):42-50]. Die Ärzte prüften, wie sich insgesamt neun Parameter – darunter Schmerzintensität, Depressivität und Angst – im Laufe der zwölfwöchigen Therapie mit Nabiximols veränderten. Ein hoher Anteil der Patienten litt an bereits chronifizierten Schmerzen oder stand kurz vor einer Schmerzchronifizierung. Zum Zeitpunkt des Therapiebeginns hatten die Patienten im Schnitt bereits bis zu 17 Vorbehandlun- gen hinter sich und nahmen durchschnitt- lich pro Tag drei Medikamente plus im Mittel zwei Notfallmedikationen. Unter Nabiximols ging die Schmerzintensität sig- nifikant zurück und reduzierte sich von bis zu 73,3 mm auf der visuellen Analogskala (VAS) auf 28,9 mm VAS für den Fall der höchsten Schmerzintensität. Auch der An- teil der Patienten mit schwerwiegender Beeinträchtigung aufgrund Depressivität reduzierte sich innerhalb der zwölf Wochen von 90,4% auf 30,0%. Eine ähnlich starke Reduktion fand sich für den Parameter Angst (87,3% auf 29,8%). Dass durch die Anwendung des THC:CBD-Oromukosal- sprays neben den Schmerzen auch Angst und Stress abnahmen, die ja auch einen maßgeblichen Einfluss auf die Schmerz- chronifizierung haben, ist für Überall ein wichtiges Ergebnis: „Das ist aus meiner Sicht wahrscheinlich der Teil, der viel ent- scheidender ist für das Wohlbefinden dieser Patienten: Nicht die direkte analgetische Wirkung, sondern die direkte Wirkung auf die Möglichkeit, mit der Situation umzuge- hen“. Infolge der THC:CBD-Therapie konnten zu- dem 35,6% der Patienten mindestens eine ihrer vorbestehenden analgetischen Thera- pien vollständig beenden, und knapp die Hälfte (47,9%) konnte auf mindestens eine ihrer zusätzlichen Notfalltherapien verzich- ten. Besonders gut hätten Patienten mit neuropathischen Schmerzen auf die Thera- pie angesprochen, weniger gut solche mit nozizeptiven Schmerzen. Dr. Lamia Özgör Lunchsymposium „Cannabis als Medizin – Evidenz oder Eminenz?“, Deutscher Schmerz- und Palliativtag, Frankfurt am Main, 7.3.2019; Veranstalter: Almirall ©© SENTELLO / Fotolia Nabiximols eignet sich besonders bei neuro- pathischen Schmerzen. Schmerzmedizin 2019; 35 (4) 47

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