Schmerzmedizin 6 / 2018

Palliative Onkologie Behandlung exulzerierender Karzinome – eine Herausforderung Norbert Schürmann, Moers Exulzerierende Karzinome sind eine besondere Herausforderung für jedes Palliativteam. Eine effiziente symptomkontrollierte Therapie, insbesondere die Schmerzbehandlung sowie die Geruchsbindung, sind bei Betroffenen neben der Psychoonkologie wichtige Elemente zur Verbesserung ihrer Lebensqualität. D ie enormen psychischen und phy­ sischen Belastungen der Patien­ ten im Sinne von C. Sauders Total Pain sowie auch der Pflegenden und Be­ handelnden in der Palliativmedizin sind eine besondere Herausforderung. Exul­ zerierende Karzinome sind im Palliativ­ bereich leider nicht selten und treten bei etwa 5–10% aller fortgeschrittenen Tu­ morerkrankungen auf. Die British Co­ lumbia Cancer Agency definiert exulze­ rierende Tumore als „maligne Läsion der Haut, verursacht durch einen primären Hauttumor, eine Hautmetastase eines anderen primären Tumors oder den Durchbruch eines Tumors aus untenlie­ genden Gewebeschichten“ [1]. Tumorerkrankungen sindmeist für den Patienten und sein Umfeld an der Körper­ oberfläche nicht sichtbar. Treten jedoch exulzerierende Karzinome auf, so sind diese ständig zugegen. Die Erkrankung entstellt die Menschen ( Abb. 1 , Abb. 2 ) und belastet sie psychisch enorm. Hinzu kommen meist der intensive Faulgeruch des Gewebes, der die Patienten zusätzlich isoliert, weiterhin Schmerzen, schwerste Funktionseinschränkungen, Schluckstö­ rungen, fehlende Teilnahme am sozialen Leben und häufig schwerst depressives Verhalten. Solche Patienten zeigen das ganze Ausmaß einer Krebserkrankung und deren Leid. Die medikamentöse The­ rapie ist hier ein wichtiger Teilaspekt der Palliativmedizin, eine erfolgreiche Symp­ tomkontrolle verbessert die Lebensquali­ tät des Patienten und schafftVertrauen zu den Behandelnden. Schmerztherapie Es existieren verschiedene Vorgehens­ weisen zur Erstbehandlung von Tumor­ schmerzen ( Abb. 3 ). Wir empfehlen zur Dosisfindung bei Patienten mit starken Tumorschmerzen (VAS/NRS ≥ 7) die intravenöse Opiattitration bis auf ein Niveau von VAS/NRS 3–5. Diese Appli­ kationsart von Opioiden wie Morphin oder Hydromorphon ist geeignet, ein­ fach und effizient auch sehr starke Schmerzen schnell zu lindern [2, 3]. Belastungsabhängiger Schmerz, Bedarfsmedikation Trotz der titrationsangepassten Opioid- Neueinstellung (= schmerztherapeuti­ sche Basismedikation), die zu einer aus­ reichenden Schmerzreduktion in Ruhe führt, können körperliche Aktivitäten wie schon das Aufstehen zu den Mahl­ zeiten und der Gang zur Toilette zu star­ ken Schmerzen führen. Daher benötigen Tumorpatienten zusätzlich zur Basis- eine Bedarfsmedikation. Diese sollte etwa ein Sechstel der Gesamttagesopio­ iddosis betragen. Belastungsabhängiger Schmerz und Durchbruchschmerz Wichtig ist die Unterscheidung des be­ lastungsabhängigen Schmerzes vom Durchbruchschmerz. Den belastungs­ abhängigen Schmerz löst der Patient durch Belastung selbst aus, zum Bei­ spiel durch den Gang zur Toilette. Der Abb. 1 : 54-jähriger Patient mit sarko­ matoidem, entdifferenziertem Karzinom Abb. 2 : 83-jährige Patientin mit exulzerierenden Lymphknotenmetastasen der linken Leiste. ©© N. Schürmann (2) Schmerzmedizin 2018; 34 (6) 47 For tbildung

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