Schmerzmedizin 3 / 2018

Reisen mit Betäubungsmitteln Mit Cannabis auf Reisen – was ist zu beachten? Wenn einer eine Reise tut, sollte er gut vorbereitet sein. Dies gilt ins­ besondere für Patienten, die von Ihnen ein Cannabisprodukt verordnet bekommen haben, das mit ins Reisegepäck soll. Was gilt es zu hierbei zu beachten? F ür Cannabis gibt es keine gesonder- te Regel. Da es zu den Betäubungs- mitteln gehört, gelten die Bestim- mungen der Betäubungsmittel-Verschrei- bungsverordnung (BtMVV), das Betäu- bungsmittelgesetz (BtMG) und die Betäubungsmittel-Außenhandelsverord- nung (BtMAHV). Darin ist geregelt, dass Sie als behandelnder Arzt Betäubungs- mittel, wie etwa Cannabis, in angemesse- ner Menge verordnen dürfen (BtMVV). Dass Ihr Patient – ausschließlich er und keine von ihm beauftragte Person – das verschriebene Cannabis beziehungsweise Betäubungsmittel in der für die Reise- dauer angemessenen Menge als Reisebe- darf aus- oder einführen darf, ist in dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG; § 4 Abs. 1 Nr. 4 b) beziehungsweise in der Betäu- bungsmittel-Außenhandelsverordnung (BtMAHV; § 15 Abs. 1) geregelt. Prinzipiell wird unterschieden zwi- schen Reisen in die Staaten des Schenge- ner Abkommens und in andere Länder. In beiden Fällen muss rechtzeitig vor Reiseantritt eine Bescheinigung vom Arzt über das Mitführen von Cannabis im Rahmen einer ärztlichen Behand- lung vorliegen. Diese muss anschließend von der zuständigen obersten Landesge- sundheitsbehörde oder eine von ihr be- auftragten Stelle beglaubigt werden. Reisen in Schengen-Länder Bei Reisen bis zu 30 Tagen Dauer in eines der Mitgliedsstaaten des Schengener Ab- kommens ( Tab. 1 ) benötigt Ihr Patient eine von Ihnen ausgefüllte Bescheinigung nach Artikel 75 des Schengener Durch- führungsübereinkommens. Für jedes ver- schriebene Betäubungsmittel ist eine ge- sonderte Bescheinigung erforderlich. Reisen in andere Länder Bei Reisen in andere Länder rät die Bun- desopiumstelle den Patienten, nach dem Leitfaden für Reisende des Internationa- len Suchtstoffkontrollamtes (INCB) zu verfahren (http://www.incb.org/incb/en/ publications/Guidelines.html). Das vor- geschlagene Modellzertifikat enthält die Mindestanforderungen an eine Beschei- nigung analog zur Bescheinigung für die Vertragsstaaten des Schengener Ab- kommens. Die Form ist nicht strikt vor- gegeben, aber zu empfehlen. In beiden Fällen muss die Bescheini- gungen vor Antritt der Reise durch die oberste Landesgesundheitsbehörde oder eine von ihr beauftragte Stelle beglaubigt werden. Das zuständige Amt kann Ihr Patient bei der Bundesopiumstelle unter der Telefonnummer 0228-99 307 5136 5136 erfragen. Ausführliche Informationen rund um das Thema Reisen mit Betäubungsmitteln finden sich auch auf der Homepage der Bundesopiumstelle: https://www.bfarm. de/DE/Bundesopiumstelle/node.html Dr. Ute Essner O. Meany Consultancy GmbH Ohkamp 26, 22339 Hamburg Tab. 1: Länder des Schengen-Raumes Belgien Malta Dänemark Niederlande Deutschland Norwegen Estland Österreich Finnland Polen Frankreich Portugal Griechenland Schweden Island Schweiz Italien Slowakei Lettland Slowenien Liechtenstein Spanien Litauen Tschechische Republik Luxemburg Ungarn Cannabis im Gepäck? Das geht mit einer beglaubigten Bescheinigung. ©© Ipetunyia / stock.adobe.com Weitere nützliche Links http://www.gesetze-im-internet.de/ btmg_1981/ http://www.gesetze-im-internet.de/bt ­ mvv_1998/BJNR008000998.html http://www.gesetze-im-internet.de/bt ­ mahv/ https://www.bfarm.de/DE/Bundesopi­ umstelle/node.html http://www.incb.org/incb/en/publica­ tions/Guidelines.html DGS Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. 46 Schmerzmedizin 2018; 34 (3)

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