Schmerzmedizin 6 / 2018

oftmals sehr heftige Durchbruch- schmerz kommt jedoch sozusagen aus heiterem Himmel, hält meist etwa 5–30 Minuten an und flaut dann ebenso schnell wieder ab. Zur Therapie des Durchbruchschmerzes ist das schnell und kurz wirkende Opioid Fentanyl als Nasenspray oder Buccaltablette beson- ders geeignet. Ko-Analgetika Unterstützend zur Schmerztherapie kön- nen Ko-Analgetika begleitend zur Opio- idtherapie gegeben werden ( Tab. 1 ). Sie sind indiziert, wenn mit Opioiden allein keine zufriedenstellende Schmerzreduk- tion erzielt werden kann oder zur Reduk- tion der Opioiddosis und damit der opi- oidassoziierten Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Obstipation. Auch bei Tumorpatienten ist nicht je- der Schmerz somatisch, aufgrund der aussichtslosen Situation ist das Schmerz- empfinden oft psychisch bedingt. Ben- zodiazepine eignen sich zur Sedierung, zur Anxiolyse und helfen dem Patienten, kurzfristig ein wenig Distanz zur Er- krankung aufzubauen. Lokale Behandlung von exulzerierenden Karzinomen Exulzerierende Karzinome oder offene, sezernierende Wundflächen haben häu- fig einen penetranten, unangenehmen Geruch, der den Patienten und sein Um- feld stark belastet. Zu Geruchsunterdrü- ckung wird zu Beginn der Behandlung der Wundbereich mit NaCl 0,9% oder Octinisept-Lösung gespült oder mit Lei- tungswasser ausgeduscht. Anschließend werden 20 ml des Anti- biotikums Metronidazol gleichmäßig im Wundgebiet verteilt. Die tägliche lo- kale Anwendung von Metronidazol führt zu einer Geruchsreduktion, die das soziale Leben der Patienten deutlich verbessert. Weitere mögliche Maßnahmen zur Geruchsreduktion [2, 4]: — Chlorophyll-Lösung 2,5% + Aqua cons ad 100 g (Kompressen an abge- wandter Seite befeuchten. Wirkt stark desodorierend und desinfizierend) — Aktivkohleauflagen zur Absorption von Geruchsmolekülen (Carbonet) — Applikation von medizinischem Ho- nig (z. B. Medihoney); hydrolytische Enzyme hemmen das Bakterien- wachstum — Antimikrobielle Wundauflagen (sil- berhaltig; Hydrobalance-Wundaufla- ge; wirkstofffreie Wundauflage mit hydrophober Wirkung) — Täglicher Wechsel der Körper- und Bettwäsche, ausreichend Frischluft — Geruchsneutralisation durch das Auf- stellen von Kaffeepulver oder Katzen- streu — Raumaromatisierung — Aromatherapie Lokale Schmerztherapie mit Opioiden Eine lokale Schmerztherapie bietet sich bei exulzerierenden Karzinomen förm- lich an. Da die oberen Hautschichten beziehungsweise die Schleimhautzellen oberflächlich und zugänglich für eine lo- kale Behandlung sind, kann das Gewebe die Opioide sehr gut aufnehmen. An der Oberfläche und in der Tiefe von exulze- rierenden Karzinomen befinden sich Opioidrezeptoren; im Tumorgewebe be- finden sich 1.000- bis 10.000-mal mehr µ-Rezeptoren als in gesundem Gewebe. Zu empfehlen sind Morphin oder Oxy- Abb. 3 : Schmerzkonzept Opiattitration Basismedikation Bedarfsmedikation Durchbruchschmerz Lokale Schmerztherapie Tab. 1: Ko-Analgetika und deren Einsatzgebiete in der Schmerztherapie Analgetika Beschwerden Antidepressiva Neuropathische Schmerzen Antikonvulsiva Neuropathische Schmerzen Steroide Kapselschmerz Bisphosphonate Knochenschmerzen Benzodiazepine Luftnot, Angst Abb. 4 : 78-jähriger Patient mit metastasiertem Mundbodenkarzinom ©© N. Schürmann For tbildung Palliative Onkologie 48 Schmerzmedizin 2018; 34 (6)

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