Schmerzmedizin 2 / 2019

trakt (8,3%) und Psychiatrie (7,8%). Mit 53 Nennungen (6,6%) betrafen die häu- figsten UAW den aus Sicht vieler Betrof- fenen unangenehmen Geschmack des Mundsprays, gefolgt von 50 (6,3%) Nen- nungen eines auffällig gesteigerten Ap- petits. 32 Patienten (20,1% derjenigen mit einer UAW-Meldung und 4,0% des gesamten Evaluationskollektivs) been- deten die Behandlung wegen einer der dokumentierten Nebenwirkungen vor- zeitig, davon 18 (2,3%) wegen der Ge- schmacksprobleme, weitere 113 (14,1%) wegen einer unzureichenden analgeti- schen Wirkung. Sicherheit Ausgehend von den vorliegenden Daten der Regelversorgung des PraxisRegisters Schmerz konnten im Rahmen der vor- liegenden Evaluation unter THC:CBD keinerlei Hinweise auf eine missbräuch- liche Anwendung, vorsätzliche Überdo- sierung oder eine gezielte/absichtliche Fehlanwendung nachgewiesen werden. Für keinen Behandlungsfall ergaben sich Hinweise auf eine klinisch relevante, be- handlungsbedingte Verschlechterung seines Gesundheits- und/oder Allge- meinzustandes. Keiner der evaluierten Patienten verstarb unter der Behandlung mit dem THC:CBD-Mundspray. Responderanalyse Unter Verwendung eines binär logisti- schen Regressionsverfahrens konnten unter Bezugnahme auf die vor Behand- lungsbeginn verfügbaren demografi- schen Parameter und klinischen Aus- gangsbefunde das Ansprechverhalten der Patienten auf die Behandlung mit dem THC:CBD-Mundspray bezüglich des Endpunktes einer ≥ 30%igen ASR- 9-Beschwerdelinderung bei neun von zehn Patienten (88,5%; n = 708) korrekt vorhergesagt werden (85,0% der Non- Responder und 90,6% der Responder). Ohne Einschränkung der Vorhersage- qualität konnte im Rahmen einer ergän- zend durchgeführten linearen Regressi- onsanalyse die Anzahl der Prädiktions- parameter auf insgesamt fünf (Schmerzphänotyp, Stress, Angst, Schmerzintensität und körperliche Le- bensqualität) reduziert werden, die im zugrunde gelegten Modell gemeinsam – quantitativ jedoch in unterschiedlichem Ausmaß – signifikant (p-Werte zwischen 0,001 und 0,047) zur prädiktiven Diffe- renzierung zwischen Respondern und Non-Respondern beigetragen haben ( Abb. 7 ). Wichtigster und aufgrund seiner im praktischen Alltag einfachen Anwend- barkeit auch als einziger klinisch nutz- barer Parameter war mit einem biomet- rischen Aufklärungsanteil von 49,4% an der Gesamtvarianz der Daten im Rah- men der logistischen Regressionsanaly- se der unter Bezugnahme auf die subjek- tive Schmerzphänomenologie definierte PDQ7-Wert, gefolgt von den über die Depressions-, Angst- und Stress-Skala (DASS) kodierten Parametern Stress (22,8%; p = 0,014) und Angst (13,3%; Abb. 6 : Korrelation zwischen der maximalen täglichen THC:CBD-Dosis (maximale Anzahl der Sprühstöße pro Tag; x-Achse) und dem dokumentierten Beschwerderückgang (ASR-9; y-Achse) Maximale Anzahl THC:CBD-Sprühstöße pro Tag y = 3,7927x + 13,8 R² = 0,0647 Verschlechterung (-100 = maximale Verschlechterung) Verbesserung (100 = vollständige Linderung) Grad der Beschwerdeänderung unter THC:CBD (ASR-9) 0 2 4 6 8 10 12 100 80 60 40 20 0 –20 –40 –60 Abb. 7 : Übersicht über die Bedeutung verschiedener demografischer, anamnestischer und klinischer Parameter bezüglich der Vorhersage eines positiven Ansprechens auf die Behandlung mit THC:CBD Seelische Lebensqualität (SF12PS) Schmerzphänotyp (PDQ ) Habituelles Wohlbefinden (MFHW) Stress (DASS) Depressivität (DASS) Angst (DASS) Diagnose (ICD10) Schmerzintensität (PIX) Körperliche Lebensqualität (SF12KS) Alltagsfunktionalität (mPDI) Schmerzdauer 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 0,7 0,8 0,9 Vorhersagerelevant 0,84 0,39 0,23 0,15 0,10 0,06 0,06 0,03 0,02 0,01 0,01 0,01 0,01 0,01 0,01 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 Vorhersageirrelevant Geschlecht Analg. Dauertherapien (n) von Korff Aktuelle WHO-Stufe Nichtanalg. Dauertherapien (n) Alter (in Jahren) Standardisierter Regressionskoeffizient (ß) Schmerzchronifizierung (MPSS) Body-Mass-Index Schlafqualität Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. www.dgschmerzmedizin.de Schmerzmedizin 2019; 35 (2) 47

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQxNTg=