Schmerzmedizin 2 / 2019

p = 0,021) – die sich zusammen für 36,1% des Vorhersagemodells verant- wortlich zeichneten – der rechnerisch ermittelten durchschnittlichen 24-Stun- den-Schmerzintensität (PIX) mit einem Aufklärungsanteil von 8,6% (p = 0,037) sowie der körperlichen Subskala des Short Form (SF)-12-Lebensqualitäts- kurzfragebogens (5,8%; p = 0,047). Die restlichen 15 in die Prädiktionsanalyse mit einbezogenen Parameter konnten in keiner nennenswerten Weise zur Vor- hersagbarkeit des dokumentierten Be- handlungserfolges beitragen (p-Wer- te > 0,1) und wurden konsekutiv von der weiteren Analyse ausgeschlossen. Eine Korrelationsanalyse unter Ver- wendung der PDQ 7 -dokumentierten klinischen Schmerzphänomenologie und der mittels ASR-9 berechneten Be- schwerdelinderung zeigte mit R 2 =0,7702 eine enge Korrelation. Beste/größte ASR- 9-Effekte fanden sich für Patienten mit PDQ 7 -Werten über 30 (81,1 ± 4,2; Medi- an 82,2; Spannweite 65,7–84,8%), nied- rigste/schlechteste für Patienten mit PDQ 7 -Werten von 10 oder weniger (–11,9 ± 10,5; Median –11,1; Spannweite –41,3 bis 11,6%; p < 0,001; Abb. 8 ). Statistisch resultiert aus der Korrelati- on zwischen einem ≥ 30%igen Response gemäß ASR-9 und dem unter Verwen- dung des PDQ 7 klinisch ermittelten Schmerztyps für Patienten mit phäno- menologisch neuropathischen Schmerz- formen im Vergleich zu solchen mit no- zizeptiven oder gemischten Schmerzen prädiktiv bei einem relativen Risiko von 5,86 (95%-KI: 4,72–7,30; p < 0,001) eine fast sechsmal höhere Wahrscheinlich- keit eines positiven Ansprechens auf die Behandlung mit THC:CBD. Diskussion In der beschriebenen Auswertung ano- nymisierter Real-World-Daten des Pra- xisRegisters Schmerz zum Einsatz von Cannabis als Medizin bei 800 Patienten mit schwerwiegenden chronischen Schmerzen erwies sich der Einsatz des evaluierten THC:CBD-haltigen Mund- sprays als eine für viele Patienten wirk- same und vor allem auch gut verträgli- che Behandlungsoption. Knapp drei Viertel (73,4%) aller Pati- enten erlebten im Vergleich zum Aus- gangsbefund (unter Bezugnahme auf den für die Wirksamkeitsanalyse ge- wählten Endpunkt ASR-9) innerhalb des 12-wöchigen Beobachtungszeitraums eine mindestens 30%ige Linderung ih- rer Beschwerden und zeigten damit nicht nur ein statistisch signifikantes, sondern vor allem auch klinisch relevan- tes Ansprechen auf THC:CBD. In Folge konnte der Einsatz der zuvor für die Schmerzbehandlung verwende- ten (mehr oder weniger wirkungslosen) Dauer- und (konsekutiv notwendiger) Notfallmedikamente bei 35,6% bezie- hungsweise 47,9% der Patienten voll- ständig beendet und ihre Dosis bei wei- teren 54,3% beziehungsweise 72,1% re- duziert werden, was für die Betroffenen mit einem signifikanten Rückgang des mit der (Langzeit-)Anwendung dieser Arzneistoffe häufig verbundenen Neben- wirkungsrisikos einherging. Wirkeffekt(stärke), Ausmaß von Schmerzlinderung und Rückgang der sonstiger schmerzbedingter Beeinträch- tigungen waren dabei – analog den Da- ten für die in Deutschland zugelassene Indikation Multiple Sklerose – weitest- gehend unabhängig von der letztlich zum Einsatz gebrachten THC:CBD-Ta- gesdosis. Zwar zeigte sich ein Trend hin zu einem stärkeren Rückgang der Be- schwerden mit höherer Dosis, doch war die Streuung der dokumentierten An- zahl an Sprühstößen des THC:CBD- Oromukosalsprays so hoch, dass sich hieraus keine konkreten Dosierungs- empfehlungen ableiten lassen – allen- falls die Empfehlung, dass es bei guter Verträglichkeit und bislang unzurei- chendem Behandlungserfolg keinen Grund gibt, die Anzahl der täglichen Sprühstöße (und damit die applizierte THC:CBD-Tagesdosis) nicht innerhalb des auch für die Behandlung der Multi- plen Sklerose zugelassenen Dosierungs- bereichs (d. h. auf bis zu zwölf Sprühstö- ße pro Tag) zu steigern. Während sich in dieser Auswertung somit keine nennenswerte Dosis-Wir- kung-Beziehung nachweisen ließ, konn- te mittels bivariat logistischer und line- arer Regressionsanalysen ein auch prak- tisch relevanter – und aufgrund seiner einfachen Umsetzbarkeit auch alltags- tauglicher – Parameter identifiziert wer- den, mit dem sich die Wahrscheinlich- keit des positiven Ansprechens eines Pa- tienten mit schwerwiegenden Schmer- zen erhöhen lässt: die mit dem PDQ 7 einfach quantifizierbare Schmerzphäno- menologie. So dokumentierten Patien- ten mit höheren PDQ 7 -Werten (18–35 und damit wahrscheinlich pathophysio- logisch über neuropathische Mechanis- men vermittelte Schmerzen) nahezu sechsmal häufiger eine mindestens 30%ige Beschwerdelinderung als solche mit niedrigeren Werten (0–17). Abb. 8 : Korrelation zwischen klinischer Phänomenologie (PDQ 7 ; x-Achse) und dem dokumentierten Beschwerderückgang durch die THC:CBD-Behandlung (ASR-9; y-Achse) PDQ– Summenwert 0–5 (n = 12) 6–10 (n = 42) 11–15 (n = 95) 16–20 (n = 392) 21–25 (n = 177) 26–30 (n = 61) 31–35 (n = 21) Verschlechterung (–100 = maximale Verschlechterung) Verbesserung (100 = vollständige Linderung) Grad der Beschwerdeänderung unter THC:CBD (ASR-9) 100 80 60 40 20 0 –20 –40 –60 30 y = –0,9808x³ + 10,99x² – 14,963x – 17,395 R² = 0,7702 DGS Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. 48 Schmerzmedizin 2019; 35 (2)

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