Schmerzmedizin 5 / 2018

tika – auch bei Patienten mit definierten Warnhinweisen – erklärt. Ob die sich hieraus ergebenden Probleme im Rah- men einer individualisierten Behand- lung mit niedrigen Einstiegsdosen und langsam einschleichender Dosiseskala- tion wirklich vermieden werden können oder nur einfach ignoriert werden, ist bislang nicht wirklich gut untersucht worden. Kontrollierte Studien sind na- turgemäß nicht in der Lage, hierauf eine Antwort zu finden oder stoßen an for- male und/oder ethische Grenzen. Syste- matische Evaluationen qualitativ hoch- wertiger Echt-Welt-Daten, etwa von ge- eigneten Behandlungsregistern, fehlen bislang. Deshalb erfolgte die vorliegende Eva- luation anonymisierter Behandlungsda- ten des PraxisRegister Schmerz® der Deutschen Gesellschaft für Schmerzme- dizin mit dem Ziel, das Ausmaß patien- tenbedingter Parameter auf Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit einer Behandlung mit stark wirksamen Opio- idanalgetika unter Alltagsbedingungen zu evaluieren. Auswertungskonzept Methodisch folgte die Auswertung for- mal dem Konzept einer vergleichenden, nicht interventionellen Kohortenstudie, wobei die Patienten der avisierten Behandlungssubgruppen/-kohorten – also Morphin (MOR), Oxycodon (OXY) und Hydromorphon (HYD) – ausge- hend vom Bestandsdatensatz des Praxis- Register Schmerz® über eine individuel- le „matched-pairs-Analyse“ auf dem Bo- den einer Propensity-Score-Analyse (PSA) ausgewählt wurden. Grundlage der statistischen Analyse waren die Routinedaten des PraxisRegis- ter Schmerz® zum Einsatz der genannten WHO-3-Opioide bei Patienten mit the- rapieschwierigen, also bis zum Zeit- punkt ihrer Um-/Einstellung weder auf nicht medikamentöse noch medikamen- töse Maßnahmen zufriedenstellend re- agierende, Kreuz-/Rückenschmerzen, die bis zum Stichtag (28. Februar 2018) erstmalig eine entsprechende Behand- lung mit dem jeweiligen Wirkstoff er- hielten und für die zum Zeitpunkt der Ersteinstellung eine entsprechende be- handlungsbegleitende Verlaufsdoku- mentation über mindestens 12 Wochen festgelegt wurde. Die Verlaufsdokumen- tation erfolgte unter Verwendung der seitens DGS und DSL für die standardi- sierte Dokumentation im Rahmen der Qualitätsvereinbarung spezielle Schmerztherapie nach § 135 Abs. 2 SGB V empfohlenen und validierten Selbst- auskunftsinstrumente des Deutschen Schmerzfragebogens DGS und des Deut- schen Schmerztagebuchs DGS, inklusive ergänzender Angaben seitens der behan- delnden Ärzte. Für diese Subgruppe er- folgt dann wiederum die Suche nach passenden Partnern in den genannten drei Wirkstoffgruppen bezüglich folgen- der Kriterien: Alter (Jahre), Geschlecht (m/w), Diagnose (M40–M54), Chroni­ fizierungsstadium nach Gerbershagen (I–III), Schmerzgraduierung nach von- Korff (funktionale oder dysfunktionale Schmerzen), Erkrankungsdauer, Beglei- terkrankungen und Begleittherapien. Die Auswertung erfolgte retrospektiv, ausschließlich unter Verwendung der bereits zum Zeitpunkt des Stichtages vorliegenden Daten und nach vollstän- diger Anonymisierung bezüglich Patient und Einrichtung sowie behandelndem Arzt. Die Dokumentation der Daten erfolg- te routinemäßig unter Verwendung elektronischer Endgeräte (Tablets, Desk- top-PCs) und der von der Deutschen Ge- sellschaft für Schmerzmedizin bereitge- stellten online Dokumentationsplatt- form iDocLive® im Rahmen der Regel- versorgung und primär zum Zweck der individuellen Patientenbetreuung. Zu keinem Zeitpunkt der Dokumentation erfolgte eine Intervention oder eine fi- nanzielle Kompensation im Sinne einer Aufwandsentschädigung für die gegebe- nenfalls mit der Nutzung von iDocLive® verbundenen (Mehr-)Aufwendungen oder für die Verordnung spezifischer Therapien. Die Auswahl der zum Einsatz gebrachten Pharmakotherapien und de- ren Umsetzung orientierte sich an den individuellen Bedürfnissen der jeweili- gen Patienten und erfolgte ohne externe Einflussnahme. Die Nutzung der elekt- ronischen Dokumentationsplattform war für DGS-Mitglieder sowie für Pati- enten unabhängig von ihrem jeweiligen Versichertenstatus kostenlos. Tab. 1: Absolute/relative Häufigkeit wirkstoffkritischer/relevanter Kontrain- dikationen/Risikofaktoren in den drei evaluierten Behandlungsgruppen (dunkelgrau) sowie die resultierenden Zwischengruppenunterschiede (hell) Relevante Kontraindikationen MOR (n=185) KI: n=140 75,7% (69,0 – 81,3) Sign: <0,001 OR: 3,28 (2,06 – 5,24) OXY (n=185) KI: n=90 48,7% (41,6 – 55,8) Sign: <0,001 OR: 5,88 (3,65 – 9,50) Sign: <0,001 OR: 1,79 (1,15 – 2,78) HYD (n=185) KI: n=64 34,6% (28,1 – 41,7) Links/oben vs. rechts/unten Abkürzungen: MOR: Morphin; OXY: Oxycodon; HYD: Hydromorphon; KI: Kontraindikation (Anzahl, Prozent, 95%-Ver- trauensbereich); Sign: Signifikanz; OR: Odds Ratio (95% Vertrauensbereich) Abb. 3 : Relative kombinierte Häufigkeit wirkstoffkritischer Risikofaktoren/Kontraindikatio- nen für den Einsatz stark-wirksamer Opioidanalgetika in den drei evaluierten Behand- lungsgruppen Morphin retard (n=185) Oxycodon retard (n=185) Hydromorphon retard (n=185) Häufigkeit wirkstoffkritischer Kontraindikationen (Prozent) 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 75,7 48,7 34,6 DGS Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. 48 Schmerzmedizin 2018; 34 (5)

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQxNTg=