Schmerzmedizin 1 / 2019

DGS-Telefonaktion zu Herpes zoster und Zosterschmerzen Nur der informierte Patient ist ein „guter“ Patient Mit steigendem Alter erhöht sich nicht nur die Wahrscheinlichkeit, an Gürtelrose zu erkranken, sondern auch das Risiko, eine Post-Zoster- Neuralgie zu entwickeln, die sich nur schwer behandeln lässt. Viele Patienten wissen aber weder über die Zoster-Impfung noch über spezi- elle Schmerztherapien Bescheid. Kampagnen wie das „Lesertelefon Gürtelrose“ der DGS sollen dabei helfen, die Patienten aufzuklären. D er Herpes zoster („Gürtelrose“) stellt nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) „keine exo- gene Neuinfektion, sondern ein endo- genes Rezidiv dar und kann sich nur bei Individuen mit einer früheren Varizella- zoster-Virus-Infektion ausbilden. Der in den Spinal- beziehungsweise Hirnnerven- ganglien des Organismus persistierende Erreger führt dann bei einer Reaktivie- rung zumHerpes zoster“ [1]. Fulminante, tragische Verläufe, wie im Fallbeispiel beschrieben (Kasten Fallbeispiel), treten zwar selten auf, zeigen aber, dass man die Gürtelrose nicht nur wegen der Hauptkomplikation Post-Zoster-Neur- algie sehr ernst nehmen muss. Das Risiko steigt mit dem Alter Gürtelrose wird zwar auch spontan bei immunkompetenten Menschen und jüngeren Erwachsenen sowie bei Kin- dern und Jugendlichen beobachtet, tritt aber überwiegend bei immunge- schwächten oder älteren Personen auf, vor allem jenseits des 50. Lebensjahres. Die Erkrankungsrate steigt mit zuneh- mendem Alter erheblich an [2]: Wäh- rend die Herpes-zoster-Inzidenz bei den 50- bis 59-Jährigen noch 6,21 pro 1.000 Personenjahre beträgt, liegt sie bei den 90-Jährigen bereits doppelt so hoch (13,19 pro 1.000 Personenjahre) [3]. Laut RKI kann man davon ausge- hen, „dass jeder Zweite, der das 85. Le- bensjahr erreicht, einmal während sei- ner Lebensspanne an einem Herpes zos- ter erkrankt. Bei Herpes zoster besteht (im Gegensatz zur Ersterkrankung Windpocken) eine geringe Kontagiosität, da nur die virushaltige Bläschenflüssig- keit infektiös ist. Durch Abdecken der Hautläsionen kann bei einem Herpes zoster die Ansteckungsfähigkeit deutlich reduziert werden.“ [1]. Die aktuell in Arbeit befindliche Leit- linie zu Zoster und Zosterschmerz be- nennt als die häufigsten neurologischen Komplikationen neben akuten und chronischen Schmerzen die Zoster-Me- ningitis, motorische Neuropathien und Lähmungen, das Guillain-Barré-Syn- drom, die granulomatöse Arteriitis so- wie Hirnnervenausfälle. Vor allem aber entwickeln sich chronisch neuropathi- ©© Neufried / OKAPIA KG / picture-alliance / dpa DGS Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. 48 Schmerzmedizin 2019; 35 (1)

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