Schmerzmedizin 2 / 2019

Diese Korrelation steht in Einklang mit den Daten mehrerer unabhängiger Metaanalysen zur Wirksamkeit von Cannabis als Medizin bei verschiedenen Schmerzsyndromen, die (ausschließlich für Patienten mit neuropathischen Schmerzen und ausschließlich für die kombinierte Anwendung von THC:CBD in Form des auch von uns evaluierten Oromukosalsprays) eine ausreichende Evidenz für den Einsatz bei Patienten mit neuropathischen Schmerzen in ran- domisierten placebokontrollierten Stu- dien nachweisen konnten. Die biometrisch an zweiter und dritter Stelle bedeutsamen (und unter Verwen- dung der im Deutschen Schmerzfrage- bogen der DGS ebenfalls als Standardin- strument vorhandenen DASS auch quan- tifizierbaren) Prädiktionsparameter Stress und Angst erwiesen sich – ebenso wie die rechnerisch ermittelte 24-Stun- den-Schmerzintensität und die körperli- che Lebensqualität – bezüglich der kon- kreten Vorhersagbarkeit eines mögli- chen Ansprechens auf THC:CBD zwar statistisch als relevant, jedoch im prakti- schen Alltag (sowohl aufgrund ihrer im Vergleich zum PDQ 7 deutlich geringeren Bedeutung für die individuelle Respon- sevorhersage als auch der etwas komple- xeren Quantifizierung) unter Alltagsbe- dingungen nur nachrangig bedeutsam. Dennoch sollte festgehalten werden, dass insbesondere ein hohes Stressni- veau, aber auch erhöhte Angstwerte, eine hohe Schmerzintensität sowie eine deutlich eingeschränkte körperliche Le- bensqualität die Wahrscheinlichkeit des Ansprechens neuropathischer Schmer- zen auf den Einsatz von THC:CBD erhö- hen und somit als klinisch relevante Ko- Faktoren in die Therapieentscheidung eingehen sollten. Aus Anwendersicht bedeutsam er- scheint der Umstand, dass weder das ge- setzlich geforderte Ausschöpfen der ver- fügbaren und gegebenenfalls auch leitli- niengerecht angewandten (weil zugelas- senen) Therapiealternativen noch der Einsatz spezifischer Analgetika oder Ko- Analgetika noch die Anzahl der insge- samt bislang eingesetzten Wirkstoffen oder der Nachweis einer bestimmten Diagnosekodierung (ICD-10), eines fort- geschrittenen Chronifizierungsstadi- ums (MPSS), seelischer Lebensqualitäts- beeinträchtigungen, einer per definitio- nem schweren Schmerzerkrankung (nach von Korff), hoher schmerzbeding- ter Beeinträchtigungen im Alltag oder einer mehrjährigen Schmerz-/Erkran- kungsdauer ebensowenig wie Alter, Ge- schlecht oder körperliche Konstitution (BMI) nennenswert zur Vorhersage ei- nes möglichen Erfolgs der THC:CBD- Behandlung beigetragen haben und so- mit – zumindest aus medizinischer Sicht – irrelevant sind! Bei der Bewertung der unter THC:CBD patientenseitig dokumentier- ten Beschwerdeänderungen fällt die (vor Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. www.dgschmerzmedizin.de

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