Schmerzmedizin 3 / 2019

von Cannabis als Schmerzmedizin be- schäftigen, die sich aktuell bietende Chance nutzen und systematisch das Ansprechen ihrer Patienten auf diese neuen Therapieformen unter Alltagsbe- dingungen dokumentieren. Zwei der fünf Jahre der Übergangsphase sind be- reits vorbei – mehr als ein Drittel. Etwas mehr als die Hälfte der Zeit steht noch zu Verfügung, um zu klären, welche Anwendungsform von Cannabis als Schmerzmedizin bei welchen Betroffe- nen mit welchen schweren/chronischen Schmerzerkrankungen und unter wel- chen Bedingungen welche Wirkungen entfaltet und wie hilft. Das Cannabis Informations- und Beobachtungssystem der DGS Ziel dieser Aktivitäten seitens der DGS ist es, zu tun, was getan werden muss, um die Versorgung von Menschen mit schweren chronischen Schmerzerkran- kungen zu verbessern. Auf allen Ebenen, unter Nutzung aller Möglichkeiten und zusammen mit allen Beteiligten. Also machen Sie mit – ganz egal, wel- che Darreichungsform von Cannabis Sie verordnen, welche Behandlungsin- dikation Sie im Auge haben und ganz egal, welcher Fachgruppe Sie angehören. Dokumentieren Sie systematisch Ihre Anwendungserfahrungen und die Be- obachtungen der von Ihnen behandel- ten Patienten. Teilen Sie diese Informa- tionen mit der DGS – im Idealfall über das (für DGS-Mitglieder und alle Pati- enten unabhängig von ihrem Versicher- tenstatus kostenlose) PraxisRegister Schmerz beziehungsweise die ihm zu- grunde liegende Online-Dokumentati- onsplattform iDocLive® und das dort verfügbare „Cannabis Informations- und Beobachtungssystem“ (CIBS) ( Kas- ten „Das Cannabis Informations- und Beobachtungssystem (CIBS)“ ). Tra- gen Sie Ihren Anteil dazu bei, gemein- sam eine Therapieform zu evaluieren, die Schmerzmediziner seit zwei Jahren aufgerufen sind, im Interesse ihrer Pa- tienten individuell umzusetzen. PD Dr. med. Michael A. Überall Privates Institut für Neurowissenschaften, Algesiologie und Pädiatrie Nürnberg DGS-Exzellenzzentrum für Versorgungs- forschung Nordostpark 51 90411 Nürnberg E-Mail: Michael.Ueberall@ifnap.de Im weltweiten Jahr gegen Schmerzen bei den besonders Gefährdeten Die Risikogruppe für chronische Schmerzen im Auge behalten — — Die International Association for the Study of Pain (IASP) be- nennt 2019 zum „weltweiten Jahr gegen Schmerzen bei den be- sonders Gefährdeten“ („global year against pain in the most vul- nerable“). Zu den besonderen Risikogruppen für die Entstehung chronischer Schmerzen zählt die IASP: Ältere, Kinder und junge Erwachsene, Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung oder psychischen Erkrankungen sowie Opfer von Folter und Gewalt. Aber gibt es nur diese meist „Anfälligen“, bezogen auf den chroni- schen Schmerz? Wie können wir weitere Gruppen identifizieren und so frühzeitige Versorgung ermöglichen und vermehrt präven- tiv tätig werden? Bei Patientenmit Rückenschmerzen werdenWarnsignale, die eine sofortige bildgebende Diagnostik notwendig machen, als „rote Flaggen“ („red flags“) bezeichnet. Für die „gelben Flaggen“ („yel- low flags“), die die Gefahr einer Chronifizierung der Schmerzen anzeigen, fehlen konkrete und realistische Modelle für eine sofor- tige Versorgung. Im Fall von Rückenschmerzen bestehen konkrete Hinweise auf eine negative Entwicklung, bei anderen Schmerz­ arten müssen diese konkreter definiert werden. Marker definieren und Versorgungsmodelle entwickeln Schmerzen, die neu auftreten, und sich nicht innerhalb von drei Monaten befriedigend behandeln lassen, sind immer ein Warn­ signal. Schmerzen imRahmen einer Zostererkrankung sind es von Anfang an. Wollen wir eine oft lebensbegleitende Symptomatik mit Krankheitswert verhindern, ist es sinnvoll, die besonderen Risikogruppen zu identifizieren und weitere Marker für eine Schmerzchronifizierung zu definieren. Ein Fokus richtet sich auf spezielle Personengruppen. Bestehende Depressionen, eine Missbrauchs- und/oder Folteranamnese, Scheidungs- und Tren- nungssituationen, Verlust von Bezugspersonen oder Arbeitsplatz können die Personengruppen kennzeichnen, die besonders ge- fährdet sind, dass ein akuter Schmerz – etwa nach einer Operation oder einem Trauma – zu einem chronischen wird. Treten bei diesen Gruppen Schmerzen auf, sollte das dazu führen, dass die Patienten schneller in der speziellen schmerzmedizinischen Diagnostik und Therapie vorgestellt werden können. Zwei Aufgabenstellungen ergeben sich: Die Definition von Mar- kern für eine Schmerzchronifizierung und die Entwicklung ent- sprechender Versorgungsmodelle. Lassen Sie uns das Jahr der IASP zum Anlass nehmen, das Thema Prävention und Versorgung von Schmerzpatienten stärker in den persönlichen und allgemeinen Fokus zu setzen. Als Fachgesellschaft, für die die Verbesserung der schmerzmedizi- nischen Versorgung eine zentrale Aufgabe darstellt, wird die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. die Schmerzpräven- tion noch deutlicher thematisieren. Eine Gruppe mit dem größten Bedarf an besserer und rechtzeitiger Versorgung sind alteMenschen. Aus diesemGrundwerdenwir auf dem31. Deutschen Schmerz- und Palliativtag 2020 die Besonderheit ihrer Versorgung zum Schwer- punktthema machen. Darüber hinaus werden wir Sie über weitere Veranstaltungen und Aktionen informieren. Dr. Thomas Cegla DGS Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. 52 Schmerzmedizin 2019; 35 (3)

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