Schmerzmedizin 1 / 2019

salbe behandelt wurden, viele erhielten in Monotherapie Pregabalin, einige Qutenza-Auflagen, und das teilweise ohne jede Wirkung. Nur bei einer extre- men Minderheit orientierte sich dieThe- rapie an den Leitlinien zur Behandlung chronisch neuropathischer Schmerzen (z. B. der DGN) [8]. Die Fragen waren bunt gemischt. Eine junge Mutter fragte, ob sie ihr Kind ge- gen Zoster impfen lassen solle. Wir ei- nigten uns darauf, lieber ihre über 60-jährige Mutter impfen zu lassen. Das geschilderte Leid der Patienten war zu- weilen herzzerreißend. Eine 93-jährige Patientin aus Neuwied – klar in Elo- quenz und geistiger Beweglichkeit – sag- te wörtlich unter Tränen: „Jetzt bin ich 93 Jahre alt geworden und man hat ja vieles durchgemacht – unter anderem Krankheit und Krieg – so etwas aber noch nicht, das ist die Hölle“. Das Haupt- Manko betraf aber die praktische Ver- sorgung mit schmerzmedizinischer Ex- pertise. Fast kein Anrufer hatte einen Schmerztherapeuten aufgesucht oder hatte überhaupt Kenntnis davon, dass es solche Therapeuten gibt. Deshalb be- stand die hauptsächliche Tätigkeit der Experten am Telefon darin, herauszufin- den, wo die nächste schmerzmedizini- sche Einrichtung ist (Kasten „Schmerz- zentren auf einen Klick“). Bei Post-Zoster-Neuralgie mit Expres- sion der Entzündung am Kopf wurden ophthalmische, aurikuläre und okzipi- tale Probleme als am schlimmsten ge- schildert. Selten wurde nach der neuen Impfung nachgefragt, diese aber fleißig beraten. Da die meisten Anrufer anam- nestisch oder aktuell von Herpes zoster berichteten, kam für sie die Impfung nicht mehr in Frage, wohl aber für ihre Angehörigen. Häufig wurde auch nach den Kostenträgern gefragt. Hier konn- ten die Experten Krankenkassen benen- nen, die ohne Probleme die Indikations- impfung bezahlen. Allen anderen wurde empfohlen, zunächst bei ihrer Kranken- kasse einen entsprechenden Antrag zu stellen. Fazit Summa summarum ist festzuhalten, dass solche Telefonaktionen zusammen mit den sehr informativen Pressemel- dungen in ganz Deutschland einen wichtigen Teil zur Aufklärung von Pati- enten leisten können und in diesem Fal- le geleistet haben. Dies ist ein Modell, das man auch bei anderen Schmerzer- krankungen wiederholen müsste. Denn nur der informierte Patient ist ein „guter Patient“, im Sinne von Adhärenz und Therapieerfolg. Literatur 1. www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/ Merkblaetter/Ratgeber_Varizellen. html#doc2374554bodyText1 2. Varghese L et al. The temporal impact of aging on the burden of herpes zoster. BMC Geriatrics 2017;17:30 3. Ultsch B et al. Herpes zoster in Germany: Quantifying the burden of disease BMC In- fectious Diseases 2011;11:173 4. S2k-Leitlinie: Zoster und Zosterschmerzen. AWMF-Registernr. 013-023 5. Oxman MN et al. A vaccine to prevent her- pes zoster and postherpetic neuralgia in ol- der adults. N Eng J Med 2005;352:2271-2284 6. www.rki.de/DE/Content/Service/Presse/ Pressemitteilungen/2018/14_2018.html 7. www.gsk-arzneimittel.de/assetManager. xm?action=getFi&id=13715870 8. S1-Leitlinie: Pharmakologisch nicht inter- ventionelle Therapie chronisch neuropathi- scher Schmerzen. AWMF-Registernr. 030-114 San.-Rat Dr. med. Oliver M.D. Emrich Facharzt für Allgemeinmedizin und Anästhesiologie, spezielle Schmerz­ therapie, Palliativmedizin Leiter des Schmerz- und Palliativzentrums DGS Past Vice-President German Pain Associa­ tion Rosenthalstr. 17, 67069 Ludwigshafen E-Mail: o.emrich@praxis-emrich.de Schmerzzentren auf einen Klick Eine Übersicht über die regionalen Schmerzzentren der DGS findet sich auf der Website der DGS unter: http://dgschmerzmedizin.de/schmerz- zentren.html Expertenrat am Telefon Das Lesertelefon „Gürtelrose“ am 25.10.2018 war eine bundesweite Aktion der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin, der Deutschen Schmerzliga e.V. und von GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG. Folgende Experten beantworteten alle Fragen rund um die Gürtelrose, Behandlungs- möglichkeiten und die vorbeugende Impfung: — Dr. med. Dipl. Lic. Psych. Johannes Horlemann ; Facharzt für Innere- und Allgemeinmedizin, spezielle Schmerztherapie, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V., Leiter des Regionalen Schmerzzentrums DGS Geldern, Kevelaer — Norbert Schürmann ; Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V., Regionales Schmerzzentrum DGS Duisburg — Günter Rambach ; Vizepräsident der Deutschen Schmerzliga e.V., Frankfurt a. M. — San.-Rat Dr. med. Oliver Emrich ; Facharzt für Allgemeinmedizin und Anästhesio­ logie, Algesiologe DGS, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerz­ medizin e.V., Leiter des Regionalen Schmerzzentrums DGS Ludwigshafen, Arbeits- schwerpunkte spezielle Pharmakotherapie, diagnostisch-therapeutische Lokal­ anästhesie, traditionell chinesische Medizin, Akupunktur, invasive Schmerztherapie, Naturheilverfahren, Psychosomatik, Ernährungsmedizin, Suchtmedizin. Leiter der interdisziplinären Schmerzkonferenz Ludwigshafen-Speyer — Dr. med. Jan Maier ; Facharzt für Anästhesie, Spezielle Schmerztherapie, Palliativ­ medizin, Ärztliche Leitung des Schmerz- und Palliativzentrums Rhein-Main; Wiesbaden — Dr. med. Jutta von Gierke ; Ärztin für Anästhesiologie, Spezielle Schmerztherapie, Palliativmedizin, Psychotherapie, Akupunktur, Schmerzzentrum Rhein-Main in Frankfurt a. M. — Dr. med. Michael Küster ; Facharzt für Innere Medizin, Allgemeinmedizin, Anästhesiologie, Spezielle Schmerztherapie, Manuelle Medizin und Schlafmedizin, Leiter des regionalen Schmerzzentrums DGS Bonn - Bad Godesberg, — Géraldine Stein ; Ärztin für Anästhesiologie, Spezielle Schmerztherapie, Akupunktur, Schmerzzentrum Rhein-Main in Frankfurt a. M. DGS Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. 50 Schmerzmedizin 2019; 35 (1)

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