Schmerzmedizin 4 / 2018

Schmerzmedizin 4 / 2018

Doch Kosten und Aufwand können sich lohnen, da immer mehr Patienten Bewertungsportale nutzen, ihren nächs- ten Arzttermin online buchen oder zu- künftig sogar eine Online-Videosprech- stunde in Anspruch nehmen werden. Ärzte, die sich frühzeitig darauf einstel- len, werden imWettbewerb um neue Pa- tienten die Nase vorn haben. Keine Angst vor Kritik Patienten orientieren sich oft an Bewer- tungen, wenn sie sich für einen Arzt ent- scheiden – daher ist es wichtig, viele aus- sagekräftige Bewertungen zu sammeln. Ärzte sollten sich auch nicht scheuen, zu- friedene Patienten um eine Empfehlung zu bitten. Glückliche Patienten honorie- ren die Mühe ihrer Ärzte meist gerne mit guten Bewertungen. Zudem ist die Bitte um eine Bewertung eine wertschät- zende Geste, die dem Patienten zeigt, dass seine Meinung wichtig ist. Ärzte können auch kleine Empfehlungskärt- chen mitgeben und damit auf das Portal verweisen, auf dem die Patienten bewer- ten sollen. Wichtig ist, seine Bewertungen immer im Blick haben, um zeitnah darauf zu re- agieren und eventuelle Falschaussagen dementieren zu können. Damit Ärzte nicht ständig die einzelnen Portale durchsuchen müssen, bieten viele Porta- le eine Benachrichtigungsfunktion per E-Mail, sobald neue Bewertungen veröf- fentlicht wurden. Ärzte brauchen keine Angst vor Kritik zu haben. Zum einen macht eine kriti- sche Äußerung nicht gleich das ganze Image zunichte, zum anderen ist ein dif- ferenzierter Bewertungsverlauf sehr viel glaubwürdiger als durchgehend gutes Feedback. Wer offen mit Kritik umgeht und auch auf negative Bewertungen mit Bedacht reagiert, zeigt, dass er seine Pa- tienten ernst nimmt und kritikfähig ist. Bewertungsportale tragen eine beson- dere Verantwortung. Sie befinden sich im Spannungsfeld zwischen dem Recht auf Informations- und Meinungsfreiheit der Patienten (verankert in Art. 5 GG) und dem Persönlichkeitsrecht der Ärzte. Um Ärzte etwa vor Schmähkritik zu schützen, werden Bewertungen auf hochwertigen Portalen von qualifizier- ten Teams geprüft. Falls Ärzte dennoch der Meinung sind, dass die Kritik eines Patienten gegen rechtliche Vorgaben verstößt, kann er eine Prüfung veranlas- sen.Das Vorgehen der einzelnen Portale kann sich von dem hier beschriebenen Ablauf unterscheiden. Ärzte sollten sich diesbezüglich also bei dem jeweiligen Arztbewertungsportal informieren. Ärzte in den sozialen Medien Auch soziale Medien wie Facebook kön- nen helfen, Patienten online zu gewin- nen. Denn Arztpraxen können dort na- türlich auch Profile anlegen und so mit ihren Patienten in Kontakt treten. Hier können Ärzte über geänderte Öffnungs- zeiten informieren, Neuerungen verbrei- ten oder Einblicke in die Praxis geben. Das erzeugt Nähe und schafftVertrauen. Wichtig ist, die passenden Kanäle auszu- wählen. Für jemanden, der eher öffent- lichkeitsscheu ist, ist zum Beispiel Insta- gram ungeeignet. Außerdem sollten Ärzte sich bewusst sein, dass es Zeit kos- tet, Profile in sozialen Netzwerken zu pflegen. Denn vernachlässigte Social- Media-Accounts helfen keinem weiter. Die Nutzerzahlen von YouTube bewei- sen, dass die Bedeutung von Videos ste- tig steigt, wobei YouTube kein klassisch soziales Netzwerk, sondern eine Such- maschine ist. Dieses Potenzial sollten auch Ärzte nutzen. Nach dem Begriff „Wirbelgleiten“ wird beispielsweise über 10.000 Mal im Monat gesucht [14]. Ein Arzt, der in der Ergebnisliste mit seinen Schwerpunktleistungen ganz oben auf- taucht, hat so bereits den ersten Kontakt zum potenziellen Neupatienten geschaf- fen. Mit YouTube können Ärzte also nicht nur eine emotionale Bindung auf- bauen und Kompetenz zeigen, sondern auch neue Patienten gewinnen. Fazit Eine schöne Webseite allein bringt noch keine neuen Patienten. Deshalb sollten sich Ärzte Gedanken darüber machen, wie sie online auftreten möchten. Dazu bedarf es einer klaren Positionierung, ei- ner genauen Analyse, der Erstellung ei- nes individuellen Konzepts und einer professionellen Umsetzung. Das alles kostet Zeit und setzt eine große Portion Online-Affinität voraus. Daher ist es häufig sinnvoll, sich einen Partner zu su- chen, der sich auf das Online-Praxis- marketing spezialisiert hat und über langjährige Erfahrung in der Gesund- heitsbranche verfügt. Literatur beim Verfasser Markus Reif Gründer und Geschäftsführer der Agentur Reif & Kollegen GmbH und Mitgründer von jameda Abb. 3 : Ergebnis der Google-Suche nach Schmerztherapiepraxen in München. Mod. nach www.google.de DGS Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. 52 Schmerzmedizin 2018; 34 (4)

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