Schmerzmedizin 5 / 2018

rüber hinaus auch noch niedriger als für Oxycodon (p<0,001; Tab. 1 ). Dosierungsverlauf Bezogen auf die wirkstoffunabhängig normierte Dosis (in mg Morphinäquiva- lent, MÄQ) wurde die Behandlung in al- len drei Subgruppen mit vergleichbaren Tagesdosen begonnen (Mittelwert ± Stan- dardabweichung, Median: MOR: 28,6± 12,0, 30; OXY: 28,4±10,4, 30; HYD: 21,4±8,1, 16mgMÄQ) und bis zumEnde des 12-wöchigen Evaluationszeitraums schrittweise auf 101,2±40,2, 100 (MOR), 106,2±39,3, 120 (OXY) oder 117,3±42,8, 128 (HYD) mg MÄQ gesteigert. Unerwünschte Arzneimittel­ wirkungen und Abbruchraten Über den evaluierten 12-Wochenzeit- raum hinweg beendeten insgesamt 203 Patienten (36,6%) vorzeitig die Behand- lung mit einem der drei Opioidagonisten ( Abb. 4, Abb. 5, Tab. 2 ). Unabhängig von der zugrundeliegenden Ursache beende- te mit 48,7% nahezu jeder zweite Patient unter Morphin die Behandlung vorzeitig und unter Oxycodon mit 41,1% immer- hin noch vier von zehn Patienten. Die si- gnifikant niedrigste vorzeitige Abbruch- rate wurde mit 20,0% für die mit Hydro- morphon behandelten Patienten doku- mentiert (p<0,001 vs. OXY und MOR). Hauptgrund des vorzeitigen Behand- lungsendes waren unerwünschte Arz- neimittelwirkungen sowie sonstige Ver- träglichkeitsprobleme. So lag in den eva- luierten Subgruppen die UAW-Häufig- keit für HYDmit 12,4% hochsignifikant niedriger als die für OXY mit 28,7% (p<0,001) und die für MOR mit 30,8% (p<0,001). Konsekutiv war die direkt UAW-assoziierte Abbruchrate mit 15,7% für HYD hochsignifikant niedri- ger als die für OXY mit 34,6% und die für MOR mit 38,4% (jeweils p<0,001). Hauptprädiktor für einen vorzeitigen Behandlungsabbruch waren die im Rah- men dieser Evaluation identifizierten wirkstoffspezifischen Risikofaktoren für den Einsatz der verschiedenen Opioid­ analgetika ( Abb. 6 ). So lag die Abbruch- rate bei den 294 Patienten (54,2%) mit mindestens einem dieser Faktoren mit n=155 (52,7%) dreimal höher als für die 261 Patienten ohne (n=48, 18,4%; p<0,001; OR: 4,95, RR: 2,87). Beschwerdelinderung Unter der Therapie mit den drei evaluier- ten oralen Retardopioiden kam es in al- len drei Gruppen zu einer nachvollzieh- baren Beschwerdelinderung. Im Mittel wurde im Verlauf der 12 Wochen ein ab- soluter Rückgang des Schmerzindex von 26,3±16,7mm (Median 25 mm) VAS do- kumentiert, entsprechend einer relativen Schmerzlinderung von 60,6±33,9% (Median 61%) versus Ausgangsbefund (p<0,001 für alle Behandlungsgruppen). Der Anteil Patienten mit einer klinisch relevanten Schmerzlinderung (d. h. ei- nem absoluten Rückgang der Schmerzin- tensität um mehr als die „minimal clini- cal important difference“ (MCID) von 20 mm VAS) lag im Mittel bei 61,4%, vari- ierte jedoch – wie die meisten evaluier- ten Parameter – deutlich zwischen den drei Behandlungsgruppen und lag für Hydromorphon mit 73,5% signifikant höher als für Oxycodon (59,5%) und Morphin (51,4%; jeweils p<0,001). Ihr individuelles Behandlungsziel (IBZ) er- reichten unter Morphin 50,8%, unter Tab. 2: Absolute/relative Häufigkeit der im Verlauf der 12-wöchigen Beobach­ tungsphase dokumentierten UAW (oben), UAW-bedingten vorzeitigen Be­ handlungsabbrüche (Mitte) und vorzeitigen Behandlungsabbrüche unabhängig vom auslösenden Ereignis (unten) in den drei evaluierten Be­ handlungsgruppen (hellgrau) sowie die resultierenden Zwischengruppenun­ terschiede (weiß/dunkelgrau je nach Reihenfolge des Vergleichs) Patienten mit UAW Rechts/unten vs. links/oben HYD (n=185) NW: n=23 12,4% (8,4–18,0) Sign: <0,001 OR: 2,83 (1,60–5,04) Sign: <0,001 OR: 3,14 (1,78–5,56) Sign: <0,001 OR: 0,35 (0,20–0,63) OXY (n=185) NW: n=53 28,7% (22,6–35,6) Sign: 0,649 OR: 1,11 (0,69–1,78) Sign: <0,001 OR: 0,32 (0,18–0,56) Sign: 0,649 OR: 0,90 (0,56–1,44) MOR (n=185) NW: n=57 30,8% (24,6–37,8) Links/oben vs. rechts/unten Abbruch wegen Nebenwirkungen Rechts/unten vs. links/oben HYD (n=185) Stop: n=29 15,7% (11,1–21,6) Sign: <0,001 OR: 2,85 (1,68–4,84) Sign: <0,001 OR: 3,35 (1,99–5,67) Sign: <0,001 OR: 0,35 (0,21-0,60) OXY (n=185) Stop: n=64 34,6% (28,1-41,7) Sign: 0,450 OR: 1,18 (0,75–1,34) Sign: <0,001 OR: 0,30 (0,18–0,50) Sign: 0,450 OR: 0,85 (0,54–1,33) MOR (n=185) Stop: n=71 38,4% (31,7–46,2) Links/oben vs. rechts/unten Jeglicher Abbruch Rechts/unten vs. links/oben HYD (n=185) Stop: n=37 20,0% (14,9–26,4) Sign: <0,001 OR: 2,79 (1,71–4,56) Sign: <0,001 OR: 3,79 (2,33–6,18) Sign: <0,001 OR: 0,35 (0,22–0,59) OXY (n=185) Stop: n=76 41,1% (34,2–48,3) Sign: 0,143 OR: 1,36 (0,88–2,09) Sign: <0,001 OR: 0,26 (0,16–0,43) Sign: 0,143 OR: 0,74 (0,48–1,13) MOR (n=185) Stop: n=90 48,7% (41,6–55,8) Links/oben vs. rechts/unten Abkürzungen: MOR: Morphin; OXY: Oxycodon; HYD: Hydromorphon; NW: Nebenwirkung (Anzahl, Prozent, 95%-Ver- trauensbereich); Stop: Abbruch (Anzahl, Prozent, 95%-Vertrauensbereich); Sign: Signifikanz; OR: Odds Ratio (95%-Ver- trauensbereich) Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. www.dgschmerzmedizin.de Schmerzmedizin 2018; 34 (5) 51

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