Schmerzmedizin 4 / 2019

Komplementäre Medizin Patienten verschweigen, wie sie ihre Therapie ergänzen — — Viele Patienten, die auf komplemen­ tärmedizinische Verfahren zurückgreifen, sprechen mit ihren Ärzten nicht darüber. Wie oft und aus welchen Gründen Patien­ ten ihren Ärzten gegenüber unerwähnt lassen, dass sie sich zusätzlich zur konven­ tionellen noch komplementärer Medizin bedienen, hat eine australische Arbeits­ gruppe beschäftigt [Foley H et al. Sci Rep 2019;9:1573]. Für ihre systematische Übersicht hatten die Forscher 14 Studien einer Metaanalyse un­ terzogen. Die Offenlegungsraten für prak­ tizierte komplementäre Medizin schwank­ ten in den einschlägigen Studien stark, sie lagen zwischen 7% und 80%. Diejenigen, die sich auf Mind-Body-Medizin (eine Art Stressmedizin) verließen, sprachen dies ih­ ren Ärzten gegenüber in 80% der Fälle an. Komplementärmedizin auf biologischer Basis kam den Ärzten seltener zu Ohren. Im Mittel gestanden nur 33%der betreffenden Patienten ihren Ärzten, zu solchen Mitteln zu greifen. Als Grund für ihr Schweigen nannten die Patienten an erster Stelle die Furcht vor Missbilligung. An zweiter Stelle kam die Antwort, der Arzt habe sich nicht danach erkundigt. Weitere Gründe waren die An­ nahme, die Offenlegung sei unerheblich, die Vermutung, dem Arzt fehle es am nöti­ gen Wissen über Komplementärmedizin, Zeitmangel während der Konsultation so­ wie der Glaube, Komplementärmedizin sei sicher und wechselwirke nicht mit der kon­ ventionellen Therapie. Aber auch eine un­ regelmäßige Anwendung zum Zeitpunkt der Konsultation sowie frühere Erfahrungen mit negativen Reaktionen von Ärzten wur­ den genannt. Auch für die Offenheit gegenüber den Ärzten gab es Gründe, zuvorderst den, dass der Arzt nach dem Einsatz von Komplemen­ tärmedizin gefragt hatte. Zudem förderte es die Aufdeckung, wenn Patienten glaub­ ten, ihr Arzt sei der Komplementärmedizin gegenüber positiv eingestellt. Bestimmte Verhaltensweisen seitens der Ärzte schei­ nen die Patienten zur Offenlegung zu ermu­ tigen. Wer als Arzt von seinem Patient für jemanden gehalten wird, der Komplemen­ tärmedizin akzeptiert, kann etwa öfter da­ mit rechnen, vomGebrauch solcher Metho­ den zu erfahren. Gleiches gilt für Ärzte, die als nicht wertend eingeschätzt werden. Im Übrigen will eine Mehrheit der Patienten mit den Ärzten über komplementäre Ver­ fahren sprechen – mehr als es wirklich tun. Dr. Robert Bublak EAPC-Atlas Deutschland auf Platz 15 der europaweiten Palliativversorgung — — Der „Atlas der Palliativversorgung in Europa“ der European Association for Palliative Care (EAPC) ist nun in dritter Auflage erschienen. Im europäischen Durchschnitt weist er 0,8 speziali­ sierte Palliativdienste/Einrichtungen für je 100.000 erwachsene Einwohner aus, in Deutschland beträgt die Zahl 1,1 Dienste pro 100.000 Menschen. Vor dem Hintergrund dieser Daten und der EAPC-Empfehlung von zwei Diensten pro 100.000 Menschen erreicht Deutschland im Europavergleich hinsichtlich der Pallia­ tivversorgung von Erwachsenen deshalb Platz 15 von 49 Län­ dern. Professor Lukas Radbruch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, gibt jedoch zu bedenken: „Die Einordnung auf Platz 15 bei der Zahl der Einrichtungen ergibt insofern eine Schieflage, als dass hier zum Beispiel die 1.321 ambulanten Hospizdienste für Erwachsene nicht mitgezählt werden, in denen sich nach aktuellen Schätzungen weit über 80.000 Menschen ehrenamtlich engagieren.“ Dies sei ebenfalls eine wesentliche Ressource der Umsorgung und des Halts für lebensbegrenzend erkrankte Menschen und ihre Familien. In der Gesamtbetrach­ tung wäre Deutschland nicht im Mittelfeld, sondern deutlich in Richtung Spitzengruppe unterwegs: „Wir haben in der Hospiz- und Palliativversorgung in den vergangenen Jahren sehr viel erreicht, was sich nicht allein in der Anzahl der Palliativstationen, der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) und Palliativdienste abbilden lässt.“ In den Atlas sind Zahlen aus dem „Wegweiser Hospiz- und Palli­ ativversorgung Deutschland“ vom Januar 2019 eingeflossen, der Online-Plattform der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedi­ zin: Für Erwachsene waren zu diesem Zeitpunkt 336 Palliativsta­ tionen, 283 SAPV-Teams, 232 stationäre Hospizen und 63 Pallia­ tivdienste im Krankenhaus ausgewiesen. Weitere 24 spezialisier­ te Einrichtungen sind bis heute hinzugekommen. Außerdem sind aktuell 1.321 ambulante Hospizdienste für Erwachsene verzeichnet. Die Einrichtungen für schwerkranke Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene werden zusätzlich ausgewiesen. Bis Ende 2017 hatten 11.440 Ärzte die Zusatzbezeichnung Palliativmedizin er­ worben. red Nach Informationen der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin ©© ngad / stock.adobe.com Vor allem wenn sie Missbilligung fürchten, verschweigen Patienten ihrem Arzt ergänzende Therapien. 6 Schmerzmedizin 2019; 35 (4) Panorama

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQxNTg=