Schmerzmedizin 5 / 2019

Trotz erfolgreicher Behandlung Ehemalige Krebspatienten leiden langfristig an chronischen Schmerzen — — Jeder dritte Krebspatient leidet, nach- demer die Erkrankung erst einmal überstan- den hat, langfristig unter chronischen Schmerzen; gut 16% sind dadurch imAlltag beeinträchtigt, wie eine US-Studiemit 4.526 erwachsenen Krebsüberlebenden ergeben hat [Jiang C et al. JAMAOncol 2019;5:1224-6]. Die Autoren entnahmen die Patientendaten demNational Health Interview Survey, einer US-weiten Umfrage. Darin wurden die Teil- nehmer zwischen 2016 und 2017 sowohl zu chronischen Schmerzen als auch zu chroni- schen „High-Impact“-Schmerzen befragt, also Schmerzen, die sie in ihren Alltags- beziehungsweise Arbeitsaktivitäten ein- schränkten. Umdas Kriterium „chronisch“ zu erfüllen, mussten die Schmerzen innerhalb des letzten halben Jahres „an den meisten Tagen“ aufgetreten sein. In der Studie berichteten 1.648 Patienten über chronische und 768 über chronische „High-Impact“-Schmerzen. Am höchsten war die Schmerzprävalenz in der Gruppe der Überlebenden von Knochen- und Nie- renkrebs (54% bzw. 52%). Danach folgten Patientenmit HNO- und Gebärmuttertumo- ren (48% bzw. 45%). Bemerkenswert war, dass es im Hinblick auf die Schmerzen na- hezu unerheblich ist, wie lange die Krebsdiagnose zurücklag: Selbst wenn be- reits 16 oder mehr Jahre vergangen waren, waren chronische Schmerzen noch bei knapp 35% der Patienten vorhanden, die Prävalenz von „High-Impact“-Schmerzen lag immer noch bei knapp 16%. „Chronische Schmerzen gehören zu den häufigsten Langzeitfolgen einer Krebsthe- rapie und sind mit erheblichen Einbußen bei der Lebensqualität verbunden“, stellten die Studienautoren fest. Die Schmerzen betrafen beide Geschlechter gleicherma- ßen; Patienten ohne Anstellung, mit gerin- ger Bildung und niedrigem Einkommen litten deutlich häufiger und stärker daran. Allerdings fehlen Informationen zur genau- en Schmerzursache, zur Art der Krebsthera- pie und zum Schmerzmanagement. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Betroffenen oft unzureichenden Zugang zum US-amerikanischen Gesundheitssys- tem hatten. Die Schmerzmuster, die sie in ihrer Studie beobachtet hätten, ließen sich möglicherweise durch ein mangelhaftes Krankheits- und Schmerzmanagement er- klären. Dr. Elke Oberhofer Online-Umfrage Akademiker wollen eher eine Zweitmeinung — — Mehr als jeder zweite Patient ist unsi- cher, ob die ihm empfohlene Operation wirklich notwendig ist. Das hat eine reprä- sentative Online-Umfrage der Barmer Krankenkasse an 1.000 Männern und Frauen über 18 Jahren ergeben. Aber nur 57%der Zweifler holen bei einemplanba- ren Eingriff eine Zweitmeinung ein. Fast drei Viertel der Befragten (72%), die einen Eingriff vornehmen lassen sollten, gaben an, dass der zweite Arzt die Diagnose bestätigt habe, bei 21%wurde die gleiche Therapie empfohlen. Bei 8% wurde eine andere Diagnose gestellt, 17% erhielten eine andere Therapieempfehlung. Am häufigsten holten die Befragten Zweit- meinungen bei planbaren Eingriffen in der Orthopädie und Unfallchirurgie ein (27%). Die Chirurgie liegt mit 24% an zweiter Stelle, gefolgt von der Gynäkolo- gie (10%) und der HNO (8%). Je höher Einkommen und Bildung, desto eher sind Patienten geneigt, eine Zweitmeinung einzuholen. Von den Befragtenmit Hoch- schulabschluss wollten fast drei Viertel (72%) eine zweite Meinung, hatten die Befragten einen Volks- oder Hauptschul- abschluss neigten nur 57% dazu. chb Behandlung der Kalkschulter Schmerzen mit Stoßwellen lindern — — Bei einer Kalkschulter bilden sich Kalkansammlungen in einer Sehne in der Schulter, betroffen sind vor allemMenschen zwischen 35 und 50 Jahren betroffen, rund zwei Drittel davon sind Frauen. Solange die Patienten mit ihren Beschwerden gut zu- rechtkommen, kann der Spontanverlauf der Erkrankung abgewartet werden, mitunter treten aber auch starke Schmerzen auf. Pa- tienten können dann oft den Arm kaum noch bewegen und nicht auf der betroffe- nen Schulter liegen; durch eine Schonhal- tung kann es sogar zur Versteifung der Schulter kommen. Bei großen Kalkansammlungen wird den Patientenmanchmal zur Operation geraten. Eine schonende Alternative dazu kann je- doch die fokussierte extrakorporale Stoß- wellentherapie (ESWT) sein. Hier werden mit Hilfe der „Piezoelektrik“ außerhalb des Körpers Impulse erzeugt, die innerhalb des Körpers wirken. Der Arzt richtet die fokus- sierten Stoßwellen gezielt auf das Kalkde- pot in der Schultersehne. Das Gewebe um die Kalkansammlung herum – also die Haut, die Muskulatur und das Bindewebe – wird somit nicht beeinträchtigt. Die Anwendung gehört für gesetzlich Ver- sicherte zu den individuellen Gesundheits- leistungen (IGeL); der Patient muss die Kosten also selbst tragen. Die meisten pri- vaten Kassen und Beihilfestellen überneh- men hingegen die Behandlung. eb Nach Informationen der Deutschen Gesell- schaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) Vor allem Patienten, die Knochen- oder Nierenkrebs überstanden haben, litten laut Umfrage in den Folgejahren an chronischen Schmerzen. ©© marvinh / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell) 6 Schmerzmedizin 2019; 35 (5) Panorama

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