Schmerzmedizin 5 / 2018

Fibromyalgie Die Anliegen des Patienten verstehen — — Eine große Herausforderung besteht für Ärzte darin, Patientenmit einem Fibromyal- gie-Syndrom (FMS) zu vermitteln, dass sie nicht auf Heilung hoffen dürfen und auch eine Linderung ihrer Leiden nicht garantiert werden kann. Welche Bilder soll man auch nutzen, um die „anhaltende somatoforme Schmerzstörung“ als Wechselwirkung zwi- schen neuronaler Schmerzverarbeitung, gelernter Schmerzbewältigung, sozialen Ängsten und vegetativemNervensystem zu erklären – ohne bei der Vereinfachung eine fehlerhafte Vorstellung zu fördern oder ei- ner Psychiatrisierung Vorschub zu leisten? Dass die einzig erfolgversprechenden Arz- neimittel klassische Antidepressiva sind, ist dabei keine Hilfe, sondern oftmals Anlass für weitere Skepsis. Die Deutschen Fibromyalgie Vereinigung (DFV) e.V. möchte daher helfen, die Kommu- nikation zwischen Patienten und Ärzten zu verbessern. Besonders wichtig ist der DFV dabei, die Perspektive der Patienten auf ihre Erkrankung zu erklären und deren beson- deren Gesprächsbedürfnisse zu vermitteln. Dabei ist weniger die Dauer als vielmehr die Qualität des Gesprächs relevant. Gerade Betroffene erinnern sich oft nur an wenige, als wichtig hervorgehobene Aspekte. Ande- rerseits wollen sie auch selbst zu Wort kommen und über besonders Belastendes berichten. Wer die speziellen Anliegen sei- ner Patienten kennt, kann das Gespräch in beiderseitigem Interesse straffen. Mit der Broschüre „Patientengespräch Fib- romyalgie“ hat die DFV ein neues Informa- tionsformat entwickelt: aktuelle For- schungsergebnisse zum FMS vereint mit Praxisempfehlungen für das Gespräch mit Patienten. Experten-Interviews lockern den 70-seitigen Informationstext auf. Antwor- ten auf häufig gestellte Patientenfragen zur Fibromyalgie und ein Diagnosebogen er- gänzen die Texte. Ärzte, die DFV-Mitglieder behandeln, erhalten in den kommenden Wochen die Broschüre „Patientengespräch Fibromyalgie“ frei Haus von ihren Patienten. Weiteres Infomaterial lässt sich über die Website der DFV (www.fibromyalgie-fms. de) bestellen. Nach Informationen der Deutschen Fibromyalgie Vereinigung e.V. Rückenschmerzen Mehr Aufklärung statt Bildgebung gefordert — — Die Gesundheitsweisen legen in ihrem aktuellen Gutachten mehrere Ansätze für eine bedarfsgerechte Versorgung von Rü- ckenschmerzen vor, die die Patienten weder über- noch unterversorgt zurücklässt und sie vor allem lange fit hält: — Bessere Information: Ärzte sollten Patien- ten verpflichtend darüber aufklären, dass bei unspezifischen Rückenschmerzen vor allem Bewegung wichtig und eine radio- logische Diagnostik meist nicht zielfüh- rend ist. — Red flags als Maßgabe: Vor allem eine frü- he Bildgebung nur bei entsprechenden Warnsignalen wie Lähmungen — Direktzugang der Patienten zur Physio- therapie sowie Einsatz von Blankoverord- nungen (d.h. der Therapeut bestimmt die Anzahl der Sitzungen) — Sprechende Medizin stärken: Das könne über Verträge für eine besondere Versor- gung nach Paragraf 140a SGB V gesche- hen. Über die Verträge sollte auch eine ambulante multimodale Schmerzthera- pie evaluiert werden. — Wirbelsäulen-Operationen in die Zweit- meinungs-Richtlinie des GBA aufnehmen, da es aktuell eine Fehlversorgung gebe. — Verpflichtendes Melderegister und Be- gründung für Wirbelsäulen-Operationen, etwa an das Deutsche Wirbelsäulenregis- ter. (reh) Kommunikationspreis der DGP Den Themen Sterbender eine Stimme geben — — Im Juni wurde erstmals der von der Deutschen Gesellschaft für Palliativme- dizin (DGP) und der Deutschen Palliativ- stiftung (DPS) ausgeschriebene Kommu- nikationspreis verliehen. Ziel war es, eine qualitativ hochwertige Medien- und Öffentlichkeitsarbeit zu hospizlich-palli- ativen Themen zu fördern. Dotiert war er mit einem Preisgeld von 10.000 €. Ausgezeichnet wurde der Journalist Dr. Markus Günther für seinen Essay „Du musst kämpfen“ in der Frankfurter Allge- meinen Sonntagszeitung. Weitere vier Medienarbeiten waren nominiert. In seiner Laudatio für den Preisträger würdigte Professor Boris Zernikow be- sonders, dass genau der Satz „Du musst kämpfen“ kritisch hinterfragt wird: „Ge- rade die Aufforderung ‚Du musst kämp- fen‘ dient meist mehr dem eigenen Trost, als dass er der Situation der Betroffenen gerecht wird.“ Tatsächlich habe der Essay ungewöhn- lich viele Reaktionen vor allem bei Krebspatienten, aber auch ihren Ange- hörigen ausgelöst, so Günther: „Viele Menschen haben diesen Text mit einem Gefühl der Erleichterung gelesen, weil sie die Rhetorik vom ‚Kampf‘ als zusätz- liche Belastung empfunden haben.“ Die fünf präsentierten Arbeiten sind auf dieser Shortlist zu hören, zu lesen und anzuschauen: www.dgpalliativmedizin. de/kommunikationspreis/nominierun- gen.html. Nach Informationen der DPS und der DGP Weniger Operationen und Bildgebung, dafür eine Stärkung der sprechenden Medizin fordern die Gesundheitsweisen für Rückenschmerz-Patienten. ©© artstudio_pro / stock.adobe.com 6 Schmerzmedizin 2018; 34 (5) Panorama

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