Schmerzmedizin 2 / 2019

Hilfe für Schwerstkranke PraxisLeitlinie Cannabis online — — Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) hat ihre Pra- xisLeitlinie „Cannabis in der Schmerz- therapie“ online gestellt. Die DGS möchte mit dieser Praxisleitlinie eine Hilfestellung für die Anwendung von Cannabinoiden in der Betreuung von schwerstkranken Patienten bieten. Eine Förderung des Freizeitge- brauchs von Cannabis lehnt die Ge- sellschaft ausdrücklich ab. Unsicherheit im Umgang mit Canna- binoiden aufgrund einer niedrigen bis mäßigen Evidenzlage sei weit verbreitet, besonders „in den vorhan- denen wissenschaftlichen Publikati- onen, weniger bei den Anwendern“, so die DGS. Dabei nähmen Cannabi- noide in der schmerz- und palliativ- medizinischen Versorgung einen zunehmend wichtigen Platz ein. Die PraxisLeitlinie ist auf der Websei- te der DGS (www.dgschmerzmedizin. de) abrufbar. Dr. Anne Bäurle Laufendes Ausschreibungsverfahren des BfArM Anbau von medizinischem Cannabis bald auch in Deutschland — — Im Ausschreibungsverfahren des Bun- desinstituts für Arzneimittel und Medizin- produkte (BfArM) für den Anbau von medi- zinischem Cannabis haben 79 Bieter bezie- hungsweise Bietergemeinschaften Ange- bote abgegeben. Diese werden nun ausgewertet, die Zuschlagserteilung soll dann im zweiten Quartal 2019 erfolgen. Das BfArM erwartet die erste Ernte für das vierte Quartal 2020. Derzeit wird Cannabis aus dem Ausland importiert, wobei der Import auch künftig möglich sein wird. Die Ausschreibung umfasst 10.400 kg Can- nabis, verteilt auf vier Jahre mit jeweils 2.600 kg. Bei der Festlegung der Ausschrei- bungsmenge musste auch berücksichtigt werden, dass Hersteller, Händler und Apo- theken medizinisches Cannabis künftig nicht ausschließlich bei der Cannabisagen- tur, sondern weiterhin auch bei Importeu- ren kaufen können. Die Aufteilung in 13 Lose zu je 200 kg Jah- resmenge sollte auch kleineren Unterneh- men eine Beteiligung ermöglichen und zugleich im Sinne der Patientenversorgung das Risiko für Lieferausfälle vermindern. Ein Bieter kann einen Zuschlag für maximal fünf Lose erhalten. Insgesamt haben die 79 Bie- ter beziehungsweise Bietergemeinschaften 817 Angebote für die 13 Lose abgegeben. Eine erste Ausschreibung hatte das BfArM aus rechtlichen Gründen aufhebenmüssen. Mit Blick auf die Entwicklung der Patienten- zahlen wurde die Gesamtmenge der aktu- ellen Ausschreibung gegenüber der ersten Ausschreibung von 6.600 auf 10.400 kg für vier Jahre erhöht. Nach Informationen der BfArM Schmerzen durch falsche Haltung Selbsterfahrung schlägt Ermahnungen — — Rund 30 Sekunden lang extra krumm vor dem Computerbildschirm sitzen: Das schlagen Forscher vor, damit jedem be- wusst wird, was eine schlechte Haltung für den Körper bedeutet [Harvey R et al. Bio- feedback 2018;46:65-71]. In ihrer Studie lie- ßen die Wissenschaftler um Dr. Richard Harvey von der San Francisco State Univer- sity zunächst 87 Studenten aufrecht sitzen und den Kopf nach beiden Seiten drehen. Dann sollten die Studenten ihren Kopf nach vorne neigen und dasselbe tun. Erstes Er- gebnis: 92% konnten ihren Kopf nicht mehr so gut drehen wie zuvor. In einem weiteren Versuch sollten 125 Stu- denten 30 Sekunden in dieser vorgebeug- ten Haltung verharren. Danach berichteten 98% von Schmerzen im Kopf, im Nacken oder im Bereich der Augen. Solche Experi- mente, die eine Wirkung deutlich machen, seien hilfreicher für eine gute Haltung vor dem Bildschirm als ständige Ermahnungen, gerade zu sitzen, schreiben die Forscher. In einem weiteren Test sollten 125 Studen- ten erst gerade sitzen und dann das Kinn 30 Sekunden lang leicht vorstrecken. 98% berichteten über Symptome wie einen steifen Nacken oder Kopfweh. Einige von ihnen registrierten, dass sie vor dem Bild- schirm generell zu dieser Haltung neigten und lösten das Problemmit einer Brille oder durch Größerstellen der Schrift. Um ein Zusammensinken über den Tag hinweg zu vermeiden, raten die Forscher daher, mor- gens den Bildschirm optimal einzustellen und später nicht mehr zu verstellen. „Fühlen und Sehen – Selbsterfahrung – ist sehr viel wirkungsvoller als Teilnehmern zu sagen, sie sollten ihre Haltung korrigieren“, fassen die Autoren zusammen. „Das ist eine vernünftige Studie“, findet auch Professor Bernd Kladny von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchir- urgie. „Das sich Bewusstmachen von sol- chen Effekten ist schonmal der erste Schritt. Die Frage ist, wie lange solch ein Effekt anhält.“ dpa ©© pathdoc / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell) Zuschläge für den Anbau von Cannabis sind für das Frühjahr 2019 geplant. Die erste Ernte soll dann Ende 2020 erfolgen. Bewusst krumm vor dem Bildschirm zu sitzen, kann einem die Auswirkung einer schlechten Haltung verdeutlichen. ©© Atomazul / stock.adobe.com 6 Schmerzmedizin 2019; 35 (2) Panorama

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