Schmerzmedizin 1 / 2019

Phase-III-Studie erfolgreich Triptanalternative lindert akute Migräne — — Eine Triptantherapie ist für kardiovasku- lär erkrankte Patienten problematisch, da Triptane über ihre Bindung am Serotonin­ rezeptor 5-HT1B eine Vasokonstriktion ver- ursachen. Für Patienten mit ohnehin schon verengten Gefäßen könnte dies das Risiko für ischämische Ereignisse und Infarkte er- höhen. Eine Alternative zu Triptanen haben nun Wissenschaftler um Dr. Bernice Kuca aus Cambridge vomUnternehmen CoLucid Pharmaceuticals in einer Phase-III-Studie getestet [Kuca B et al. Neurology 2018;91: e2222-32]. Ihr Wirkstoffmit der Bezeichnung Lasmiditan bindet zwar auch an 5-HT-Re- zeptoren, allerdings selektiv an den Subtyp 1F. Dieser wird nicht verdächtigt, Gefäße zu verengen. An der Studie nahmen knapp 1.900 Patien- ten mit episodischer Migräne teil. Diese hatten keine bekannte koronare Herzer- krankung, keine klinisch signifikante Ar- rhythmie und keine unkontrollierte Hyper- tonie, aber zum überwiegenden Teil (78%) kardiovaskuläre Risikofaktoren. Mehr als 80% der Teilnehmer waren Frauen. Im Schnitt litten die Betroffenen seit 19 Jahren unter Migräne, ein Drittel hatte eine Migrä- ne mit Aura. Beim primären Endpunkt schnitt sowohl eine Dosierung von 200 mg als auch die 100 mg-Dosierung von Lasmiditan signifi- kant besser ab als Placebo: Zwei Stunden nach der ersten Einnahme verschwanden die Kopfschmerzen bei 32% der Patienten mit der hohen Dosierung, bei 28% mit der niedrigen und bei 15% der Teilnehmer un- ter Placebo. Deutliche Unterschiede zeigten sich bereits nach einer Stunde. Auch Be- gleiterscheinungen der Attacke wie Phono- phobie und Photophobie gingenmit Lasmi- ditan stärker zurück als unter Placebo. Auf der anderen Seite kam es mit dem Sero- toninagonisten deutlich häufiger zu thera- piebezogenen Nebenwirkungen. Am häu- figsten klagten Patienten nach der Lasmidi- taneinnahme über Benommenheit (16%), Parästhesien (8%), Somnolenz und Übelkeit (jeweils 5%, bezogen auf die hohe Dosis). Schwere unerwünschte Wirkungen wurden nicht beobachtet. Auch die kardiovaskuläre Sicherheit ist noch in Langzeitstudien zu beweisen. Thomas Müller Wissenschaftliche Förderung Regierung offen für Methadonstudien — — Seit Jahren wird über den Nutzen von Methadon in der Krebstherapie diskutiert. Zuletzt schlug das Thema 2017 Wellen bis in die Publikumsmedien. Infolgedessen wur- den Onkologen und Palliativmediziner zu- nehmend von Patienten mit dem Wunsch nach einer Methadonverordnung konfron- tiert. Fachgesellschaften warnten dagegen mit Verweis auf die ungesicherte Studienla- ge vor überzogenen Hoffnungen. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bildungsministerium, Thomas Rachel (CDU), erklärte nun, die Bundesregierung stehe „der Förderung klinischer Studien zum Ein- satz von Methadon in der Krebstherapie offen gegenüber“. Das Ministerium und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) förderten Studienvorhaben „themenoffen“. Förderanträge könnten daher „aus allen Bereichen der Medizin gestellt werden“. Seinem Haus läge derzeit jedoch kein An- trag zur Mittelbewilligung für eine klinische Methadonstudie vor, versicherte Rachel. Anlass der Ausschusssitzung war eine Ende April gestartete Petition (78411) mit dem Ziel einer gesetzlichen Förderung klinischer Methadonstudien. Die Ulmer Chemikerin Dr. Claudia Friesen, die den Methadonein- satz in der Tumortherapie schon seit Lan- gem erforscht, berichtete nach Bundes- tagsangaben, dass bereits mehrere Finan- zierungsanträge bei der DFG gestellt, je- doch „niederschmetternd abgelehnt“ worden seien. Die Deutsche Krebshilfe hatte 2009 einem Projekt Friesens zur Be- handlung von Hirntumoren 300.000 € be- willigt. Andere Anträge seien jedoch abge- lehnt worden. Im Juni 2018 hatte die Krebshilfe gemeldet, dass zwei weitere Anträge (Methadon gegen Hirn- und Dick- darmtumoren) von Gutachtergremien noch geprüft würden. (cw) Gesundheit am Arbeitsplatz Digitalstress führt zu Kopf- und Rückenschmerzen — — Stress mit Digitalisierung am Arbeits- platz schwächt die Arbeitskraft. Das legt eine neue Studie der Universität Augsburg nahe, an der insgesamt 2.640 Arbeitneh- mer teilgenommen hatten. Demnach lei- det mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer, die sich hohemdigitalen Stress ausgesetzt sehen, unter Rückenschmerzen, Kopf- schmerzen und allgemeiner Müdigkeit. 25- bis 34-Jährige empfinden durch die neuen Technologien größere Belastung als ältere Kollegen, Frauen sollen digital gestresster sein als Männer. Wirtschaftsingenieur und Projektleiter Henner Gimpel und seine Kollegen er- stellten die Untersuchung gemeinsam mit der Fraunhofer Projektgruppe Wirt- schaftsinformatik. Die Wissenschaftler befragten die Arbeitnehmer zunächst, welche von 40 Technologien sie bei der Arbeit nutzen – angefangen vom Fest- netztelefon übers Navi bis zu künstlicher Intelligenz. Anschließend wurden Stressempfinden, berufliche Belastung, Krankheitstage und Ähnliches abge- fragt. Hauptursache für Digitalstress sei aber nicht die Technik selber, sondern mangelndes Wissen im Umgang damit. Einzelne Stressfaktoren sind Komplexi- tät und Unzuverlässigkeit der Technolo- gie, ebenso wie Sorge um den eigenen Arbeitsplatz. nach Informationen der dpa Vor allem Unwissenheit sowie komplexe oder nicht funktionelle Technik stressen Arbeitnehmer. ©© slavemotion / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell) 6 Schmerzmedizin 2019; 35 (1) Panorama

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