Schmerzmedizin 3 / 2019

Krebshilfe-Preis 2018 Würdigung der Palliativmedizin — — Die Stiftung Deutsche Krebshilfe wür- digt Professor Eberhard Klaschik mit dem Krebshilfe-Preis für seinen jahrelangen be- harrlichen Einsatz für die Palliativmedizin in Deutschland. Der 74-Jährige war unter an- derem Inhaber des Lehrstuhls für Palliativ- medizin amUniversitätsklinikumBonn, dem ersten seiner Art in Deutschland, und ehe- maliger Leiter des Zentrums für Palliativ­ medizin am Malteser-Krankenhaus Bonn/ Rhein-Sieg. Er war 1994 Gründungsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Palliativme- dizin und von 1998 bis 2006 ihr Präsident. Klaschik habe seit den 90er-Jahren eine Flut von Anträgen an die Deutsche Krebshilfe gestellt – „manchmal auch penetrant“ – berichtete Gerd Nettekoven, Vorstandsvor- sitzender der Stiftung Deutsche Krebshilfe, bei der Preisverleihung in Bonn. Im Bereich palliativmedizinischer Versor- gungsstrukturen sei zwar schon viel erreicht worden, „aber wir sind noch nicht so weit, dass wir die Palliativmedizin in der Fläche zur Anwendung bringen“, mahnte Netteko- ven. An der Auszeichnung durch die Deut- sche Krebshilfe freut Klaschik eines ganz besonders: „Die Palliativmedizin ist inzwi- schen preiswürdig geworden.“ Ilse Schlingensiepen Internationales Forschungsprojekt Für weniger Leid bei Atemnot — — Das neue EU-Projekt „better treat- ments for refractory and chronic breath- lessness“ (BETTER-B) will die Behand- lung der Patienten mit Atemnot verbes- sern. Daran beteiligt sind Einrichtungen aus mehreren europäischen Kliniken, in denen Patienten mit schwerer Atemnot behandelt werden, unter anderem auch die Klinik und Poliklinik für Palliativ­ medizin des LMU Klinikums München. Das Projekt hat mehrere Komponenten. In einem ersten Schritt etwa ist unter Federführung der Münchner Mediziner eine Webseite online gegangen, die sich auch an Ärzte, Pflegekräfte und Thera- peuten wendet, die Atemnot behan- deln. Zusammen mit der LMU Klinik für Pneu- mologie unter Leitung von Professor Jürgen Behr rekrutiert die Atemnot­ ambulanz außerdem Patienten, um das Medikament Mirtazapin zu testen. Die Arznei wird bislang in der Therapie von Depressionskranken eingesetzt. „Nach ersten Erkenntnissen hat sie aber auch einen positiven Effekt auf schwere Atem- not, auchwenn Patienten nicht depressiv sind“, erklärt Professor Claudia Bause- wein, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin in München. Neue medikamentöse Alternativen für die Therapie wären wichtig, weil bislang nur Opioide die Symptome der Atemnot nachweislich lindern. Das BETTER-B-Programm baut auf die internationale Forschungsarbeit der beteiligten Partner. Dazu gehören Studi- en über die Auswirkungen der Atemnot auf das Leben der Menschen, die ver- schiedenen Arten der erlebten Atemnot und über bessere Behandlungen. Syste- matische Analysen aller bisher vorlie- genden Daten haben etwa ergeben, dass andere Medikamente wie die Ben- zodiazepine Atemnotpatienten nicht helfen, aber immer noch zu häufig ver- ordnet werden, so Bausewein. Auch für Therapiemaßnahmen wie Atemübun- gen und Yoga fehlt der wissenschaftli- che Nachweis der Wirkung. Das Projekt ist auf vier Jahre angelegt. Ziel sei, so Bausewein, eine neue europä- ische Stellungnahme für Spezialisten der Lungen- und Palliativmedizin zum The- ma Atemnotmanagement. Nach Infor- mationen des Klinikums der LMU München Chronifizierung verhindern Kopfschmerz auf mehreren Ebenen anpacken — — Etwa 3% der Bevölkerung in Deutsch- land leidet an chronischen Kopfschmerzen, also an Schmerzen an mindestens 15 Tagen pro Monat. Zu den Risikofaktoren für eine Chronifizierung zählen weibliches Ge- schlecht, psychische Begleiterkrankungen, Übergewicht und Bewegungsmangel. Aber auch Therapeutika gegen Kopfschmerzen selbst können Schmerzen auslösen, betont PD Dr. Charly Gaul von der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein im Taunus: „Werden an 15 oder mehr Tagen einfache Schmerzmittel oder sogenannte nicht ste- roidale Antirheumatika (NSAR) wie Acetyl- salicylsäure, Ibuprofen oder Diclofenac eingenommen oder anmehr als zehn Tagen Opioide, Triptane, Ergotamine oder Schmerzmittelmischpräparate, steigt das Risiko zur Kopfschmerzchronifizierung er- heblich an“. Häufig würde auch nicht ausrei- chend geprüft, ob die verordnete oder empfohlene Akutmedikation überhaupt wirksam sei. Wenn Kopfschmerzen nicht nur gelegent- lich, sondern regelmäßig oder gar häufig bestehen, empfiehlt Gaul vorbeugende Maßnahmen. Bewährt hätten sich kognitive Verhaltenstherapien, regelmäßiger Ausdau- ersport sowie Entspannungsverfahren wie Yoga oder Mediation. Darüber hinaus sind etliche Medikamente zur vorbeugenden Einnahme zugelassen, beispielsweise Beta- blocker, trizyklische Antidepressiva, Anti- konvulsiva oder mittlerweile auch mono- klonale Antikörper. Eine Kombination aus Verhaltensänderung, klassischen Entspan- nungsmaßnahmen und der vorbeugenden Einnahme von Medikamenten zeige die beste Wirkung bei der Behandlung von Kopfschmerzen, resümiert Gaul. Nach Informationen der DGKN ©© webphotographeer / Getty Iamges / iStock (Symbolbild mit Fotomodell) Auch Yoga kann der Chronifizierung von Kopf- schmerzen entgegenwirken. 8 Schmerzmedizin 2019; 35 (3) Panorama

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQxNTg=