Schmerzmedizin 4 / 2018

Schmerzmedizin 4 / 2018

Palliativmedizin Migranten nutzen die Angebote kaum — — 22,5% der Bevölkerung in Deutschland haben einen Migrationshintergrund. Doch oftmals nehmen Menschen aus anderen Kulturkreisen die Angebote der Palliativme­ dizin nicht wahr. Ihre Beweggründe dafür hat nun erstmals die Gruppe um Professor Friedemann Nauck, Direktor der Klinik für Palliativmedizin der Universitätsmedizin Göttingen, untersucht. In ausführlichen In­ terviews haben sie Betroffene, deren Ange­ hörige und die behandelnden Fachkräfte befragt und die Antworten ausgewertet. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass mangelnde Sprachkenntnisse es den Pati­ enten oft erschweren, sich zu informieren oder entsprechende Hilfe anzunehmen. Sie seien abhängig von den Diensten mehr­ sprachiger Angehöriger, Übersetzern oder dem Engagement von Versorgern. Dazu kommt, dass viele Patienten ihre Erkran­ kung als einen Statusverlust erleben. Schon die Migration empfanden sie als Bruch in der Biografie, da sie ihre Position aus frühe­ ren beruflichen und sozialen Strukturen aufgeben mussten. Eine schwere Krebs­ erkrankung verursacht zusätzlich Angst und Schamgefühle, den Angehörigen oder dem Gesundheitssystem zur Last zu fallen. Als besonderes Problem stellte sich zudem heraus, dass die betroffenen Familien mit Hindernissen konfrontiert werden, die sie selbst nicht überwinden können. So schei­ tern Rückkehrwünsche oft an bürokrati­ schen und medizinischen Hürden. Auch das medizinische Personal und die Pflegekräfte stellt diese komplexe Pflege­ situation oft vor Hindernisse. „Insbesondere wenn diese Probleme der Patienten und ihrer Angehöriger vom medizinischen Per­ sonal als Ausdruck von kulturellen Unter­ schieden verstanden werden, entstehen Missverständnisse, die eine angemessene Betreuung erschweren“, erläutert Nauck. Das Fazit der Wissenschaftler: Die palliativ­ medizinische Versorgung von Menschen mit Migrationshintergrund ist nicht selten besonders herausfordernd für alle Beteilig­ ten. Hier sei es vor allem von zentraler Be­ deutung, sehr genau auf die vielfältigen biografischen Umstände der Betroffenen einzugehen. Nach Informationen der Deutschen Krebshilfe Notfallmedizin „Patientenverfügung light“ für Palliativpatienten — — Viele Palliativpatienten wünschen sich in einer Notfallsituation keinen Transport ins Krankenhaus, sondern rein lindernde Maßnahmen zuhause. Diese Wünsche sind zwar meist in Form einer Patientenverfü­ gung schriftlich hinterlegt, jedoch haben Notärzte im Ernstfall oft nicht die Zeit, da­ nach zu suchen. Die Folge: Nicht immer kann der Patientenwunsch berücksichtigt werden. Daher hat die Stadt Düsseldorf in Zusam­ menarbeit mit dem Runden Tisch Palliative Versorgung, ein Partner des Universitäts­ klinikums Düsseldorf, den Düsseldorfer Notfallausweis entwickelt: Knapp 11 cm hoch, passt er in jedes Portemonnaie oder kann gut sichtbar ans Bett gelegt werden. Ebenso wie die Patientenverfügung wird der neue Notfallausweis zusammen mit dem Arzt ausgefüllt und ist bindend. „Er dient als Kurzzusammenfassung des Patien­ tenwillens und gibt den Rettungskräften Rechtssicherheit“, erklärt Dr. Martin Neukir­ chen, Leitender Arzt am Interdisziplinären Zentrum für Palliativmedizin der Uniklinik Düsseldorf. Ausgestellt wird der neue Ausweis zunächst auf allen Düsseldorfer Palliativstationen sowie über das ambulant tätige Palliative Care Team. In einem nächsten Schritt ist dann die weitere Verbreitung über die nie­ dergelassenen Allgemein- und Palliativ­ mediziner im Stadtgebiet geplant. Nach Informationen des Universitätsklinikums Düsseldorf Neue S3-Leitlinie Schmerzassessment bei Bewohnern von Pflegeeinrichtungen — — Ungefähr sechs von zehn Bewohnern einer Altenpflegeeinrichtung leiden unter Schmerzen. Diese einzuschätzen, ist aber oft gar nicht so einfach, etwa weil der Patient unter kognitiven Einschränkungen leidet und Fragen nicht mehr verlässlich beantwor­ ten kann. Zudem glauben viele ältere Menschen, dass Schmerzen zum Alter gehören und äußern sie daher nur selten. Damit Pflegekräfte und Ärzte Schmerzen bei Heimbewohnern besser erkennen, einschätzen und schließlich auch behandeln können, hat eine interdisziplinäre Exper­ tengruppe aus zirka 40 Fachgesellschaften und Organisationen eine S3-Leitlinie zum Thema „Schmerzassessment bei älteren Menschen in der vollstationären Altenhilfe“ entwickelt. Bei dieser Leitlinie handelt es sich um die erste wissenschaftlich fundierte Empfehlung für Mitarbeiter im Altenheim im deutschsprachigen Raum. Nutzer erhal­ ten darin etwa 50 alltagstaugliche Hinweise, etwa für ein einfaches Screening auf Schmerzen, ein differenziertes Assessment oder die Verlaufskontrolle. Nach Informationen der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) Leitlinie: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/145-001m_S3_Schmerzassessment- bei-aelteren-Menschen_in-der-vollstationaeren_Altenhilfe_2018-02_01.pdf Im Gegensatz zu einer Patientenver­ fügung steht der Notfallausweis immer griffbereit zur Verfügung. Düsseldorfer Notfallausweis HerausgegebenvonderLandeshauptstadtDüssedorf unddemRundenTischPaliativeVersorgungDüsseldorf Name Geburtsdatum Adresse □ GesetzlicherBetreuer □ Vorsorgebevollmächtigter Name Telefon EngsterAn-/Zugehöriger Name Telefon DieKonsequenzen ausden zuvor festgelegtenRege- lungen im Notfall und beim Transport habe ich mt meinemArztbesprochen. Datum,UnterschriftPatient Therapieentscheidung für den nicht einwiligungs- fähigenPatientenaufgrund: □ bestehenderPatientenverfügung □ mündichemBehandlungswunsch □ mutmaßlichemWllendesPatienten Datum,Unterschrft □ Betreuer □ Bevollmächtigter □ Angehöriger Datum,Unerschriftdes Sempel behandendenArztes Quelle: www.duesseldorf.de 6 Schmerzmedizin 2018; 34 (4) Panorama

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