Schmerzmedizin 2 / 2019

DAGST Deutsche Akademie für ganzheitliche Schmerztherapie Widersprüchliche Ansichten zu Cannabis Keine Wunderdroge, aber ein nützliches Tool Liebe Kolleginnen und Kollegen, es mutete schon sehr seltsam an, als vor Kurzem Folgendes in der Saarbrücker Zeitung stand: „Im Jahr 2017 haben saarländische Ärzte 209 Mal pro 100.000 Einwohner Cannabis aus medizinischen Gründen verordnet, wie aus einer Studie der Techniker Krankenkasse hervor- geht. In Mecklenburg-Vorpommern wa- ren es 52, in Sachsen 96 Verordnungen“, so schrieb Staatssekretär Stephan Kolli- ng, Landesdrogenbeauftragter der CDU/ SPD-Landesregierung im Saarland. Da- mit belege das Saarland einen Spitzen- platz. Aber anstelle voll des Lobes zu sein, bekamen die saarländischen Ärzte erst einmal eine Belehrung. „Die Saar- Ärzteschaft verordnet zu großzügig“, er- klärte Kolling. Das liege auch daran, dass die Kriterien für einen medizini- schen Einsatz des Rauschmittels nicht klar genug definiert seien. Eigentlich traurig, sich so unreflektiert in der Öf- fentlichkeit zu präsentieren. Sind wir als verschreibende Mediziner nur zu Dealern geworden? Der Eindruck könnte schon entstehen, wenn ein medi- zinischer Laie so etwas in der Zeitung zu lesen bekommt. Die Diskussion scheint nach wie vor in vollem Gange zu sein und wird aktuell noch durch Befürch- tungen aufgeheizt, dass zukünftig Can- nabis aus Luxemburg vermehrt ins an- grenzende Saarland und dann in den Rest der Republik gelangen könnte. Mehr Objektivität vonnöten Die Welt ist im Umbruch. Kanada baut immer mehr Cannabis an, große Firmen schlucken kleinere Firmen, um noch mehr Profit zu generieren. Auf den Schmerzkongressen, in den Kliniken und Schmerzkonferenzen wird das The- ma Cannabis oft diskutiert und aktuell noch nicht mit wirklich guten Studien nachhaltig belegt. Viele Länder legalisie- ren den Gebrauch von Cannabis. Das kommt natürlich einigen Politikern ge- rade recht. Bei aller Kritik amUmgang mit medi- zinischem Cannabis (denn darum geht es den Medizinern) sollten wir nicht ver- gessen, dass am Ende Menschen (Patien- ten) stehen, die hoffen und zum Teil die gesamte Partitur der Analgetika und Koanalgetika hinter sich haben, ohne dass sich ein besonderer Erfolg einge- stellt hat. Nein, Cannabis ist keine Wun- derdroge, aber ja, es ist ein Tool, das durchaus seine Daseinsberechtigung hat. Wir sollten es nicht stigmatisieren. Neben guten Studien sind sicherlich auch Erfahrungen mit der Substanz von Wert. Aufklärung im Hinblick auf die verschiedenen Cannabinoide sollte ebenso im Fokus stehen, wie das Ent- mystifizieren von medizinischem Can- nabis. Angst ist und bleibt eine große Triebfeder in allen Lebensbereichen. Wir haben die große Chance, eine gewisser- maßen altbekannte Substanz neu in un- ser Portfolio aufzunehmen, die uns als Die DAGST e. V. ist eine originäre Schmerzgesellschaft und setzt sich seit ihrer Gründung 2002 ausschließlich für eine qualitativ hoch­ wertige Ausbildung in ganzheitlicher Schmerztherapie ein. Unsere Ziele: — Bessere Behandlung von Schmerz­ patienten durch ganzheitlichen Ansatz — Berufsbegleitende qualifizierte Schmerztherapie-Ausbildung mit Zertifikat zum Tätigkeitsschwerpunkt „Ganzheitliche Schmerzbehandlung“ — Interaktive Vorträge mit Beteiligung des Auditoriums und Demonstration von Behandlungsverfahren — Umsetzung der Ergebnisse aktueller Schmerzforschung in die Ausbildung und Therapie — Intensiver kollegialer Austausch sowie Bildung von interdisziplinären Netzwerken Deutsche Akademie für ganzheitliche Schmerztherapie e. V. 1. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Sven Gottschling (Schriftleitung) 2. Vorsitzende: Birgit Scheytt Weitere Informationen: Fortbildungsbüro DAGST Amperstr. 20A 82296 Schöngeising Telefon: 08141 318276-0 Fax: 08141 318276-1 E-Mail: kontakt@dagst.de Redaktion: Christine Höppner E-Mail: ch@orgaplanung.de www.dagst.de „Wir haben die große Chance, eine gewisser- maßen altbekannte Substanz neu in unser Portfolio aufzunehmen, die uns als additives Werkzeug dienen kann, wenn andere Substan- zen versagt haben.“ Dr. med. Patric Bialas Klinik für Anästhesiologie, Intensiv­ medizin und Schmerztherapie, Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes  52 Schmerzmedizin 2019; 35 (2)

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