Schmerzmedizin 4 / 2019

54 Schmerzmedizin 2019; 35 (4) Leitfaden für Ärzte Nebenwirkungen richtig melden Viele Ärzte melden unerwünschte Arzneimittelwirkungen nicht – oft weil sie sich nicht sicher sind, welche davon wirklich wichtig sind. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft hat nun einen Leitfaden herausgebracht. M it dem im März in erster Aufla- ge herausgebrachten Leitfaden „Nebenwirkungen melden“ re- agiert die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) auf eine hauseigene Online-Umfrage, an der vo- riges Jahr 1.700 Ärzte teilgenommen hatten. Gefragt wurde unter anderem, warum unerwünschte Arzneimittelwir- kungen nicht gemeldet werden. Neben „Zeitmangel“ wurden fehlende Informa- tionen zum Meldesystem sowie die Un- kenntnis, welche Nebenwirkungen ge- meldet werden sollten, am häufigsten ge- nannt. Verpflichtung für Ärzte durch Musterberufsordnung Anders als Pharmaunternehmen, die ge- setzlich verpflichtet sind, Nebenwirkun- gen, die ihnen bekannt werden, an die europäische EudraVigilance-Datenbank oder alternativ an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zu melden, sind Ärzte lediglich durch § 6 der Musterberufsordnung be- rufsrechtlich verpflichtet, der AkdÄ un- erwünschte Arzneimittelwirkungen an- zuzeigen. Wenn Ärzte dem nachkommen, dann aber auch sehr gewissenhaft: Ärztliche Meldungen seien meist sehr gut, so eine Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), einer Oberbehörde, die Meldun- gen zu unerwünschten Arzneimittel- wirkungen entgegennimmt. Dies läge daran, dass häufig auch Entlassbriefe und andere Anamneseunterlagen mit- geschickt würden, die für die weitere Einordnung berichteter Verdachtsfälle sehr nützlich seien. Zudem zeichneten sich Meldungen von Medizinern durch hohe Stringenz und Verlässlichkeit aus: „Ärzte sind gute Filterstationen, weil sie Wichtiges von Unwichtigem trennen können.“ Pharmafirmen steuern die meisten Meldungen bei 2018 verzeichnete die AkdÄ nach eige- nen Angaben rund 3.600 Verdachts­ berichte über Arzneimittelnebenwir- kungen. Damit liege das Meldeauf­ kommen ärztlicherseits auf dem Niveau der Vorjahre, so die AkdÄ. Mit einem Anteil von zuletzt 55% kämen die Mel- dungen hier vorwiegend von Nieder­ gelassenen. Anzumerken ist, dass es sich dabei nicht um die Gesamtmenge ärztlich erstellter Berichte zu uner- wünschten Arzneimittelwirkungen han- delt, da ja auch BfArM und PEI Mel- dungen entgegennehmen. Auch Über- schneidungen sind dabei nicht auszu- schließen. Dem BfArM lagen im Jahr 2018 rund 21.300 entsprechende Meldungen vor – bei in diesem Zeitraum gemäß den Zah- len von Marktforscher Iqvia rund 98 Milliarden abgegebenen Arzneimittel- packungen, -zubereitungen und Impf- stoffdosen. Die meisten Meldungen (6.746) steuerten hier Pharmafirmen bei. Ärzte und Apotheker sowie die Arznei- mittelkommissionen reichten in Summe 11.141 Erst- und Folgemeldungen ein. 3.468 Verdachtsmeldungen kamen di- rekt von den Patienten ( Abb. 1 ). Christoph Winnat Abb. 1 : Die Zahl der Meldungen zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW), die in den vergangenen Jahren an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte übermittelt wurden – unterteilt in Meldungen von Ärzten und Apothekern sowie von Patienten. Welche Nebenwirkungen sollten Sie melden? — Alle Nebenwirkungen, die Ihnen relevant erscheinen. — Insbesondere solche, die nicht in der Packungsbeilage aufgeführt sind. — Schwerwiegende Nebenwirkungen. — Nebenwirkungen von Arzneimitteln, die weniger als fünf Jahre auf dem Markt sind. Meldungen an die AkdÄ können per Post, Fax, E-Mail oder über die Website der AkdÄ erfolgen: www.akdae.de/ Arzneimittelsicherheit/UAW-Meldung 12.000 10.000 8.000 6.000 4.000 2.000 0 Anzahl der UAW-Meldungen Jahr von Ärzten und Apothekern von Patienten 2012 2018 2017 2016 2015 2014 2013 Praxis konkret 

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