Schmerzmedizin 6 / 2018

— Selbstkontrolltechniken: Schmerzpro- vokations-Reduktionsübung, Absorp- tionsübung Ressourcenübungen haben alle ein festes Ablaufschema: — Edukation und Vorbereitung — Imagination – Induktion eines positi- ven Zustandes — Fokussierung auf die zugehörigen Emotionen und Körpergefühle — Verankerung — Ausklang Weiterhin brauchen wir in der speziellen Schmerztherapie die allgemeine Eduka- tion, Information und das Erlernen ge- eigneter Entspannungsverfahren, am besten in Gruppen. Individuell emp- fiehlt sich ein gemeinsam mit dem Pati- enten erstellter „Handwerkskoffer“ oder „Notfallkoffer“ mit einem vereinbarten Interventionsplan für akut auftretende, besondere Schmerzkrisen oder belasten- de Situationen (geeignete Notfallmedi- kamente, geeignete und bereits erlernte psychologische Techniken, physikali- sche Maßnahmen wie Wärme, TENS, Einreibungen, Notfalltelefonnummern). Ziel ist immer, dass der Patient nach dem gemeinsamen Erlernen die Techni- ken regelmäßig zuhause übt und in Kri- sensituationen selbstständig anwendet. Selbstberuhigung durch Tapping Bei den Tapping-Verfahren aus der ener- getischen Psychotherapie handelt es sich um mittlerweile gut beforschte und in der psychotherapeutischen Praxis be- währte Interventionsmethoden. Nach Ermittlung von effektivem Inhalt und Form durch den Therapeuten werden die Verfahren zur Selbstbehandlung ge- übt und genutzt. Sie finden in zuneh- mendem Maße Verwendung in der Traumatherapie, bei der Bearbeitung von Ängsten, bei der Auflösung menta- ler Blockaden und hemmender Glau- benssätze, in der Suchtbehandlung und bei akuten Kriseninterventionen. Sie sind lösungsorientiert und gut mit ande- ren Verfahren kombinierbar. Fragen und Perspektiven Die EMDR-Ausbildung und Zertifizie- rung von Ärzten und Psychologen er- folgt in Deutschland über das EMDR- Institut und die von Francine Shapiro anerkannte EMDRIA-Gesellschaft (www.emdria.de) . Hier wird die Quali- fikation als ärztlicher oder psychologi- scher Psychotherapeut oder Kinder- und Jugendpsychotherapeut vorausgesetzt. Wie will man aber unter diesen Kon- ditionen den allgemeinen Bedarf de- cken? Heilpraktiker dürfen EMDR an- bieten und praktizieren. Warumwerden erfahrene Algesiologen bisher nicht in die ärztliche Ausbildung einbezogen? Behandeln wir Tausende von Patienten mit unzureichenden Methoden? War- um? Wie können wir das ändern? Vergleich verschiedener Verfahren EMDR, Hypnose, Tapping und Psycho- kinesiologie nach Klinghardt haben vie- les gemeinsam, aber auch wesentliche Unterschiede. Zeitlich sind Psychokine- siologie und Klopftechniken am schnellsten – was können die anderen Verfahren besser? Das sollte Gegenstand wissenschaftlicher Studien und der An- wendungsforschung im Alltag der Schmerztherapeuten werden! Mit spezi- ellen Biofeedback-Geräten, die auch EMG-Module anbieten, lässt sich heute die Technik des „Neurofeedback“ durch- führen. Hier gibt es ebenfalls ermutigen- de Erfahrungen bei Schmerz-Trauma- Patienten. Auch hier sollte untersucht werden: Was bringen Neurofeedback- Programme in Form vorgegebener Computerprogramme an zusätzlichen Arzt-unabhängigen therapeutischen Op- tionen und Optimierung des ärztlichen, personellen Zeitaufwandes? Als Pflicht für alle genannten Verfah- ren gilt in der Schmerztherapie ihre Ein- bettung in ein multimodales Setting und das Erlernen universeller Selbstbe- handlungstechniken! Fehlernährung, Bewegungsmangel und Muskelverkür- zungen können wir natürlich nicht weg- klopfen. Unser gemeinsames Ziel, das mit dem Patienten bewusst vereinbart werden muss, ist: Patientenautonomie stärken – Therapeutenabhängigkeit re- duzieren! Literatur 1. Tesarz J, Seidler HG, Eich W. Schmerzen be- handeln mit EMDR. Stuttgart: Klett-Cotta 2016 2. Liedl A, Knaevelsrud C, Müller J. Trauma und Schmerz: Manual zur Behandlung traumati- sierter Schmerzpatienten. Stuttgart: Schattauer 2013 Dr. med. Günther Bittel MVZ Duisburg-West/Schmerzzentrum Duisburg Tab. 3: Klassisches EMDR-Protokoll (nach [1]) Phasen Behandlungsschritte Phase 1 Anamnese und Behandlungsplanung Phase 2 Stabilisierung und Vorbereitung Phase 3 Wertungsphase, Einschätzung Phase 4, eigentliche EMDR-Phase Desensibilisierung und Reprozessierung Phase 5 Verankerung positiver Affirmationen und Emotio- nen (analog auch zu„Mantras“ und NLP) Phase 6 Körpertest (Bodyscan, optional) Phase 7 Abschluss Phase 8 bzw. Neubeginn der Folge-Sitzung Überprüfung und Neubewertung Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. www.dgschmerzmedizin.de Schmerzmedizin 2018; 34 (6) 55

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