Schmerzmedizin 2 / 2018

Weniger Kopfschmerzen dank Antikörper — — Ein Viertel bis die Hälfte der Migräne­ patienten beenden die Prophylaxe vor dem Erreichen der geplanten Einnahmedauer oder –dosierung, erklärte Dr. med. Charlie Gaul, Neurologe, Migräneklinik Königstein auf dem deutschen Schmerzkongress in Mannheim. Dies hänge meist mit dem spä­ ten Wirkeintritt oder Nebenwirkungen zu­ sammen. Deshalb sollte die ideale Prophy­ laxe in seinen Augen vor allem schnell wirksam und verträglich sein sowie Komor­ biditäten wie Depression, Angst oder Schlafstörungen nicht verschlechtern und auch nicht mit anderen Pharmaka interagie­ ren. Monoklonale Antikörper wie Erenumab könnten eine neue Option für die Prophy­ laxe darstellen. Erenumab ist gegen den Calcitonin Gene-Related Peptide(CGRP)-Rezeptor gerichtet und wird subkutan ein­ mal monatlich appliziert. Die bisherigen Studiendaten sähen vielver­ sprechend aus, so Professor Uwe Reuter von der Charité Berlin. Auf dem Schmerzkon­ gress in Mannheim präsentierte er die aktu­ ellen Daten der Phase-III-Studien zur Wirk­ samkeit von Erenumab bei episodischer Migräne: Mit beiden Dosierungen 70 mg und 140mg Erenumab konnte bei Patienten mit episodischer Migräne bereits ab dem ersten Anwendungsmonat ein Rückgang der monatlichen Migränetage erzielt wer­ den (–2 Tage). In den Folgemonaten 4–6 erzielten die Patienten im Erenumab-Arm in beiden Dosierungen eine signifikante Reduktion der Kopfschmerztage um im Mittel 3,2 beziehungsweise 3,7 Tage (Base­ line 8,3 Tage) gegenüber Placebo (–1,8 Tage). Auch bei Patientenmit chronischer Migräne zeigte sich in der bereits abgeschlossenen Phase-II-Studie schon nach vier Wochen ein Rückgang der Migränetage (–5 Tage). Nach drei Monaten Behandlung hatten sowohl die Patienten mit 70 als auch 140 mg des Antikörpers im Schnitt 6,6 Tage weniger Kopfschmerzen, was einem signifikanten Rückgang im Vergleich zu Placebo ent­ sprach (–4,2 Tage; Baseline 18 Tage) [Tepper S et al. Lancet Neurol 2017;16(6):425–34]. Diese Reduktion zeigte sich auch bei Pati­ enten mit Medikamentenübergebrauchs­ kopfschmerz (medication overuse head­ ache; MOH). Die häufigsten Nebenwirkungen der Erenumab-Prophylaxe waren Schmerzen an der Einstichstelle und Nasopharyngitis. Beim Vergleich zwischen Verum- und Placeboarm ergab sich kein signifikanter Unterschied in der Nebenwirkungshäufig­ keit, auch nicht in der um ein Jahr verlänger­ ten Extensionsphase [Ashina M et al. Neuro­ logy. 2017;89(12):1237–43]. „Anders als wir es von vielen Studien mit anderen Präpara­ ten kennen, sind in dieser Phase-III-Studie weniger als 5% der Patienten innerhalb der drei Monate ausgeschieden, was bedeutet, dass das Präparat sehr gut verträglich sein muss“, so Reuter. Julia Rustemeier Symposium „Monoklonale Antikörper gegen CGRP – für eine migränespezifische Prophylaxe“, 13.10.2017; Veranstalter: Novartis Pharma GmbH BfArM für Widerruf der Zulassung von Flupirtin — — Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) informiert darü­ ber, dass sich der Ausschuss für Risiko­ bewertung im Bereich der Pharmakovigi­ lanz (PRAC) bei der Europäischen Arzneimit­ tel-Agentur (EMA) dafür ausgesprochen hat, die Zulassungen von Arzneimittelnmit dem Wirkstoff Flupirtin zu widerrufen. Flupirtin ist ein Schmerzmittel, das für bis zu zwei Wochen zur Behandlung von akuten Schmerzen bei Patienten angewendet wird, die keine anderen Schmerzmittel wie Opio­ ide oder nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) einnehmen können. Diese Ein­ schränkung wurde getroffen, nachdem 2013 bei einemRisikobewertungsverfahren schwerwiegende Leberprobleme im Zusammenhang mit der Einnahme von Flupirtin festgestellt wurden. Zudem wur­ den Laborkontrollen der Leberwerte wäh­ rend der Behandlung eingeführt. Die Wirk­ samkeit dieser Maßnahmen wurde von der EMA durch Studien kontrolliert. Diese zeigten, dass zwar die Anzahl der Patienten, die mit Flupirtin behandelt werden, abge­ nommen hat, die 2013 eingeführten Ein­ schränkungen aber nicht ausreichend be­ achtet werden. Auch wurden weiterhin Fälle von schwerwiegenden Leberschädi­ gungen berichtet. Der PRAC kamdaher jetzt zu dem Schluss, dass Patienten, die flupir­ tinhaltige Arzneimittel einnehmen, weiter­ hin schwerwiegenden Risiken ausgesetzt sind, die den Nutzen dieser Arzneimittel überwiegen und empfahl den Widerruf der Zulassungen dieser Arzneimittel. Nach Informationen des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte Mit CGRP-Antikörpern lassen sich laut aktuellen Studien sowohl episodische als auch chronische Migräneattacken prophylaktisch behandeln. ©© V_Sot /Getty Images /iStock Industrieforum  54 Schmerzmedizin 2018; 34 (2)

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