Schmerzmedizin 5 / 2018

aufgrund ihrer spezifischen pharmako- kinetischen und -dynamischen Eigen- schaften formulierten Risikoprofile nicht nur als hypothetisches Konstrukt, sondern als real existentes Problem mit signifikantem Einfluss bezüglich der Häufigkeit unerwünschter Arzneimit- telwirkungen/Nebenwirkungen, die da- raus resultierenden vorzeitigen Behand- lungsabbrüche sowie letztlich auch den erzielbaren Behandlungserfolg. Bemerkenswert ist im Rahmen dieser Evaluation das schlechte Abschneiden der unverändert von vielen interessier- ten Kreisen als auch in Deutschland zu bevorzugenden Goldstandard propa- gierten Morphinpräparate. Dabei bele- gen die hier vorgelegten Auswertungen dieser Registeranalyse von Echt-Welt- Daten eindrucksvoll, dass die bekann- ten wirkstoffspezifischen Probleme die- ses Opioidagonisten unter Alltagsbe- dingungen keine praxisfernen Spinne- reien von pharmaindustrieabhängigen beziehungsweise gesponsorten Cla- queuren, sondern ganz im Gegenteil als mit geeigneten Verfahren validierbar und sehr wohl klinisch relevant sind so- wie mit erheblichen Problemen in der alltäglichen Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen einherge- hen. Zweifellos kommt Morphin auf- grund der langjährigen Erfahrungen, der umfangreichen Publikationsbasis, des breiten Spektrums verfügbarer Ap- plikationsalternativen, seiner weltwei- ten Verfügbarkeit und der eher geringen Behandlungskosten eine wichtige, ange- sichts der heute verfügbaren Alternati- ven jedoch ganz sicher keine zentrale Rolle mehr bei der medikamentösen Versorgung von Menschen mit Schmer- zen zu. Gerade bei älteren Menschen, Patienten mit komplexen oder mehre- ren Grund-/Begleiterkrankungen und entsprechender Polymedikation sind die Indikationen für den Einsatz von Morphin heute limitiert und stehen si- cherere, besser verträgliche und letzt- lich (wie u.a. auch in dieser Echt-Welt- Analyse belegt) besser/stärker wirksame Alternativen zu Verfügung. Vorteilhaft erwies sich im Rahmen dieser Evaluation (und insbesondere im Vergleich zu dem vorgenannten Mor- phin) das pharmakologische Profil des Opioidagonisten Hydromorphon, der – bei vergleichbarer Ausgangssituation seitens der evaluierten Patientengrup- pen – im Vergleich zu Oxycodon und insbesondere Morphin nicht nur mit ei- nem rechnerisch signifikant geringeren Anteil an Patienten mit wirkstoffkriti- schen Risikofaktoren einherging, son- dern in praxi auch die geringste Rate un- erwünschter Arzneimittelwirkungen so- wie entsprechender vorzeitiger Behand- lungsabbrüche aufwies. Die im Subgruppenvergleich am Ende des 12-wöchigen Evaluationszeitraums nachweisbaren Wirksamkeitsunter- schiede zugunsten von Hydromorphon beruhen im Wesentlichen auf der im Vergleich zu den beiden anderen evalu- ierten Agonisten signifikant geringeren Abbruchrate und der sich daraus erge- benden Chance zur Etablierung einer in- dividuell wirksamen und verträglichen Dosis, weniger auf spezifische Wirk­ effekte auf Rezeptorebene. Bezüglich der vielfach und mitunter gerne auch kontrovers diskutierten Rol- le der einmal täglich zu applizierenden oralen 24-Stundenpräparate im Ver- gleich zu den mehrfach täglich einzu- nehmenden konventionellen Retardprä- paraten für die praktische Schmerzme- dizin zeigen die verfügbaren Daten der vorliegenden Registerevaluation für die Tab. 4: Absolute/relative Häufigkeit der beobachteten Responderquoten bezüglich Schmerzlinderung (oben), schmerzbedingten Beeinträchtigungen im Alltag (2. von oben), Lebensqualität (3. von oben) und allen drei Parame- tern (unten) in Abhängigkeit von der bezüglich Hydromorphon zum Einsatz gebrachten Galenik (24-Stundenpräparat vs. konventionelle orale Retardprä- parate) sowie resultierende Zwischengruppenunterschiede (weiß) 50% Schmerz ↓ (PIX) 24-Std. HYD (n=103) Resp.: n=80 77,7% (68,7-84,6) ALLE (n=185) Resp.: n=136 (73,5%) Sign: 0,076 OR: 1,81 (0,89-3,68) Sonstige HYD (n=82) Resp.: n=56 68,3% (57,6-77,4) 50% Funktion ↑ (mPDI) 24-Std. HYD (n=103) Resp.: n=65 63,1% (53,5-71,8) ALLE (n=185) Resp.: n=109 (58,9%) Sign: 0,194 OR: 1,48 (0,79-2,78) Sonstige HYD (n=82) Resp.: n=44 53,7% (42,9-64,0) 50% Lebensqualität ↑ (QLIP) 24-Std. HYD (n=103) Resp.: n=79 76,7% (67,7-83,8) ALLE (n=185) Resp.: n=131 (70,8%) Sign: 0,037 OR: 1,96 (0,99-3,90) Sonstige HYD (n=82) Resp.: n=52 63,4% (52,6-73,0) 50% Besserung PIX, mPDI, QLIP 24-Std. HYD (n=103) Resp.: n=51 49,5% (40,1-59,0) ALLE (n=185) Resp.: n=78 (42,2%) Sign: 0,023 OR: 2,00 (1,09-3,81) Sonstige HYD (n=82) Resp.: n=27 32,9% (23,7-43,7) Abkürzungen: HYD: Hydromorphon; Resp: Responder (Anzahl, Prozent, 95%-Vertrauensbereich); Sign: Signifikanz; OR: Odds Ratio (95%-Vertrauensbereich) DGS Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. 54 Schmerzmedizin 2018; 34 (5)

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