Schmerzmedizin 3 / 2018

kognitive Defizite zu erkennen. Für wei- terführende Informationen, wie sich das Symptom „Schmerz“ bei Demenzkran- ken erkennen lässt, möchte ich auf den lesenswerten Artikel von Albert Lukas in der „Schmerzmedizin“ (Ausgabe 2/2018) und auf die Beobachtungskrite- rien „Schmerzassoziiertes Verhalten bei Demenz“ der Amerikanischen Geriatri- schen Gesellschaft verweisen – wobei Körpersprache, Gesichtsausdruck und sprachliche Äußerungen ebenso bedeut- sam sind wie Aktionen von Apathie und Aggression, Aktivität und Gewohnhei- ten (Essenverweigerung, Rückzug, geis- tiger Zustand wie Weinen, Reizbarkeit, Verzweiflung). In den Einrichtungen der Altenhilfe begegnen uns häufig standardisierte Be- obachtungsinstrumente, insbesondere die BESD-Skala (Beurteilung des Schmerzes bei Demenz). Lukas verweist in seinem Artikel darauf, dass Men- schen mit mittelstark ausgeprägter De- menz durchaus noch in der Lage sind, ei- ner numerischen Ratingskala zu folgen, was in der Mini-Mental-State-Examina- tion (MMSE) einem Punktwert von 10 entspricht. Grundwissen der Geriatrie Die geriatrische Medizin hat zum Ziel, ein autonomes und selbstbestimmtes Le- ben in vertrauter Umgebung unter Aus- nutzung der gegebenen sozialen Unter- stützungssysteme zu ermöglichen. Der erste Schritt dazu ist die Erkennung der Defizite wie auch der Ressourcen. Der Einsatz des geriatrischen Assessments bildet hierfür eine Basis. Wer sich mit weiteren Assessmentins- trumenten in der Geriatrie beschäftigen möchte, dem sei das Buch „Geriatrisches Assessment und Testverfahren – Grund- begriffe – Anleitungen – Behandlungs- pfade“ von Henning Freund aus dem Jahr 2017 ans Herz gelegt. Praxisnah be- schreibt es die Evaluationsinstrumente anschaulich und verständlich. Gerade beim älteren Menschen spie- len im Rahmen der medikamentösen Therapie zunehmend Organinsuffizien- zen und Wechselwirkungen der oftmals vielfachen Medikation eine Rolle. Ver- wiesen sei auf die Priscus-Liste (www. medikamente-im-alter.de/priscus.html ), in der Medikamente aufgeführt sind, die für ältere Menschen kritisch diskutiert werden. Nicht steroidale Antirheumati- ka und Coxibe sollten bei alten Men- schen nicht zur unkritischen Dauer­ medikation werden, die kombinierte Einnahme mit Acetylsalicylsäure (ASS) sollte nur in vierstündigem Abstand er- folgen. Besonders anticholinerge Medi- kamente wie trizyklische Antidepressiva sind auf ihre Indikation und Wirksam- keit zu überprüfen. Morphin sollte gera- de in höheren Dosierungen bei alten und niereninsuffizienten Menschen zuguns- ten von Hydromorphon oder Buprenor- phin ausgetauscht werden. Dadurch dass inzwischen vielfach Ko- operationsvereinbarungen zwischen PKD und Einrichtungen der Altenhilfe bestehen, wird unser Engagement im Bereich dieser Menschen in Zukunft ei- nen noch höheren Stellenwert einneh- men. Wir sollten uns und unsere Koor- dinatoren durch gezielte Fortbildung in diesem Bereich stärken. Dr. med Eberhard A. Lux, Lünen Clock-Completion-Test: Der Uhrentest informiert über wichtige kognitive Aspekte der Demenz (Gedächtnis, exekutive Funktion sowie optisch-räumliche Wahrnehmung). Durchführung: Der Patient wird gebeten, erst in einen vorgezeichneten Kreis die fehlenden Zahlen/ Ziffern einer Uhr von 1 bis 12 einzutragen und anschließend die Uhrzeiger für die Uhr- zeit 11:10 Uhr einzuzeichnen. Während der Durchführung macht sich der Therapeut Notizen zur Ausführung der gestellten Aufgabe. Um das Vorliegen einer Pseudodemenz (kognitive Beeinträchtigung im Rahmen einer Depression) zu beurteilen, ist es notwendig, den Blick auf depressive Symptome zu richten. Hier hat sich die Geriatrische Depressionsskala (GDS) bewährt. Mini-Mental-State: Dieser Test dient der Einschätzung und Bewertung der kognitiven Fähigkeiten des Patienten. Durchführung: Dem Patienten werden nacheinander einzelne Fragen zu verschiedenen Bereichen (Orientierung, Aufnahmefähigkeit/ Merkfähigkeit, Sprache, Aufmerksamkeit und Rechenfähigkeit, Gedächtnis/ Erinnerungsvermögen, Ausführung von dreiteiligen Aufforderungen, Lesen und Ausführen, Schreiben, Kopieren/ visuelle konstruktive Fähigkeiten) gestellt. Die jeweilige Punktzahl wird nach entsprechender Bewertung notiert und am Ende zusammengezählt. Der Zeitbedarf liegt zwischen 10 bis 20 Minuten. Schmerzmedizin 2018; 34 (3) 55

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