Schmerzmedizin 5 / 2018

Hydromorphon-haltigen 24-Stunden- präparate im Vergleich zu den konven- tionellen Retardpräparaten bezüglich des primären Endpunktes eine über­ legene analgetische Wirkung und mit 49,5% (40,1 – 59,0%) vs. 32,9% (23,7 – 43,7%) auch eine signifikant hö- here Responderrate (p= 0,023, OR: 2,0). Für den praktischen Alltag kann hier- aus die Empfehlung abgeleitet werden, derartige Hydromorphonpräparate – insbesondere bei Patienten mit kontinu- ierlich anhaltenden beziehungsweise über den gesamten 24-stündigen Tages- verlauf weitestgehend stabil nachweis- baren Schmerzen und fehlendem Be- darf für eine intensitätsadjustierte vari- able Schmerztherapie – bevorzugt ein- zusetzen. Dies würde jedoch eine entsprechende Vorabevaluation der in- dividuellen Schmerzkinetik sowie die Entwicklung eines individuellen, be- dürfnisorientierten Behandlungskon- zeptes erfordern, eine – für den Versor- gungsalltag jenseits (?) der speziellen Schmerzmedizin – romantisch ideali- sierte Vorstellung, die sich trotz des be- stehenden Bedarfs unter den aktuellen budgetären Rahmenbedingungen der ärztlichen Versorgung kaum umsetzen lässt. Überhaupt werfen die vorliegenden Daten zahlreiche Fragen auf wie ange- sichts der großen Zahl an Begleiter- krankungen und der hierfür notwendi- gen Begleittherapien schmerzmedizini- sche Behandlungskonzepte – nicht nur mit Opioidanalgetika – unter Alltagsbe- dingungen realisiert werden können. Pauschalisierte Standardroutinen emp- fehlen sich hierfür ebenso wenig wie die üblichen Minimalpragmatismen. Elek- tronische Assistenzsystem – wie intelli- gente Praxisprogramme mit geeigneten Behandler-Patienten-Schnittstellen ent- sprechend dem der vorliegenden Analy- se zugrunde liegenden Dokumentati- onssystem iDocLive® – könnten in Ver- bindung mit großangelegten Behand- lungsregistern – wie dem PraxisRegister Schmerz® der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin – und geeigneten Programmroutinen das individuelle Ri- sikoprofil für mögliche Alternativthera- pien berechnen und damit nicht nur verwaltungstechnisch bei der Schmerz- dokumentation und der Verlaufsbeob- achtung assistieren, sondern auch bei der Optimierung der schmerzmedizini- schen Versorgung. Technisch wäre heu- te schon Vieles (und sehr viel mehr als aktuell umgesetzt) möglich! Doch bis diese Hilfsmittel flächendeckend den Versorgungsalltag durchdrungen und ärztlicherseits allgegenwärtige Vorur- teile und Vorbehalte gegenüber solchen intelligenten Hilfsmitteln ausgeräumt sind, werden wir wohl noch lange war- ten müssen. Konsequenzen für den Alltag Trotz der Entfaltung ihrer Wirkungen über die Stimulation identischer Opio- idrezeptoren und der theoretisch dar- aus resultierenden vergleichbaren an- algetischen Effekte sind hochpotente oral-retardierte Opioidanalgetika durch unterschiedliche pharmakologische Profile charakterisiert, die im Wechsel- spiel mit den individuellen Besonder- heiten des jeweiligen Schmerzpatienten, seinen Begleiterkrankungen und Be- gleittherapien entscheidend Einfluss auf Sicherheit und Verträglichkeit unter Alltagsbedingungen nehmen. Die konkrete Evaluation des indivi- duellen Risikoprofils und die entspre- chende Auswahl eines – aufgrund seiner pharmakodynamischen und -kineti- schen Besonderheiten – „risikoarmen“ Opioidanalgetikums senkt das Risiko eines vorzeitigen Behandlungsabbruchs infolge unerwünschter Arzneimittel- wirkungen und erhöht die Chancen auf einen zufriedenstellenden Behand- lungserfolg mit klinisch relevanten Ver- besserungen von Schmerzintensität Funktionalität und Lebensqualität. Von den in Deutschland für die orale Applikation in retardierter Form ver- fügbaren, hochpotenten Opioidagonis- ten erwies sich im Rahmen der vorlie- genden Evaluation von Versorgungsda- ten des PraxisRegister Schmerz® der Wirkstoff Hydromorphon (insbesonde- re in Form der einmal täglich zu appli- zierenden 24-h-Präparate) gegenüber Morphin und Oxycodon signifikant überlegen. Transparenzerklärung Die vorliegende Auswertung erfolgte mit finanzieller Unterstützung der Aristo Pharma GmbH Deutschland PD Dr. med. Michael A. Überall (Korrespondenz) Institut für Neurowissenschaften, Algesiologie & Pädiatrie – IFNAP DGS Exzellenzzentrum für Versorgungsforschung Nordostpark 51 90411 Nürnberg E-Mail: michael.ueberall@ifnap.de Dr. med. Gerhard H. H. Müller-Schwefe DGS Schmerz- und Palliativzentrum Göppingen Schillerplatz 8/1 73033 Göppingen Dr. med. Johannes Horlemann DGS Schmerzzentrum Kevelaer Grünstraße 25 47625 Kevelaer DGS Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. 56 Schmerzmedizin 2018; 34 (5)

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