Schmerzmedizin 2 / 2018

Flüssiges Oxycodon für starke Schmerzen Seit Kurzem ist in Deutschland nun auch eine perorale flüssige Oxycodon-Formu- lierung ösung) zur patientenindividuellen Behandlung starker Schmerzen verfügbar. Zusätzlich eignet sich die Lösung, die in den Dosierungen 1 mg/ml und 10 mg/ml erhältlich ist, zur dosisgerechten Auf­ titrierung, etwa im Rahmen einer Erst­ einstellung bis zur Umstellung auf retardierte Formulierungen oder bei erwarteten Schmerzspitzen. Das Präparat ist dank der beigelegten Applikationsspritze genau dosierbar und damit auch zur Einstellung von Risiko­ patienten (bei Nieren- oder Leber­ funktionsstörungen, geringem Körpergewicht oder langsamer Meta­ bolisierung) geeignet. Außerdem besteht die Möglichkeit eines fein abgestimmten Ausschleichens des Opioids. Nach Informationen von Aristo Pharma Cannabis-Vollspektrumextrakte in Deutschland Seit Oktober 2017 sind nun auch Cannabis-Vollspektrumextrakte bundesweit in den Apotheken verfügbar. Die Extrakte ermöglichen die orale Einnahme ohne Inhalation. Die Präparate enthalten den Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) und sind in der Formulierung 25 mg/ml, sowie als Kombinationspräparat mit den niedrig dosierten Wirkstoffen THC und Cannabi- diol (CBD) zu jeweils gleichen Teilen (10 mg/ml:10 mg/ml) erhältlich. Sie werden weder geraucht noch inhaliert, sondern dienen als Rezepturarzneimittel für die orale Darreichung. Bei beiden Produkten handelt es sich um sogenann- te Vollspektrumextrakte. Dies sind ölige Lösungen, die neben den Haupt- wirkstoffen THC und CBD sämtliche weiteren Cannabiswirkstoffe und Terpene enthalten. Die Extrakte sind damit eine wichtige Ergänzung des pharmazeutischen Angebots an Cannabisprodukten in Deutschland. Nach Informationen von Tilray Deutschland Dronabinol als cannabishaltiges Arzneimittel der Wahl — — Die Nachfrage zur Cannabinoidtherapie ist seit Verabschiedung des „Cannabis-Gesetzes“ im März groß. Unter den verfüg- baren Cannabis-basierten Arzneimitteln bietet Dronabinol klare Vorteile, da es oral anwendbar ist und eine gleichbleibende pharmazeutische Qualität aufweist. Seit dem 10. März 2017 ist es nun auf Antrag er- stattungsfähig. Damit können schwerkran- ke Patienten, die Cannabinoide benötigen, einfacher behandelt werden, wie Dr. med. Johannes Horlemann, Leiter des Regionalen Schmerzzentrums DGS Geldern, betonte. Therapieempfehlungen oder Vorgaben zur Indikation gebe es nicht. Allerdings müsse die Verordnung gemäß Definition einer schwerwiegenden Erkrankung laut SGB V erfolgen und eine nicht entfernt liegende Aussicht auf einen Therapieerfolg bestehen. Das mit dem wirksamkeitsbestimmenden Tetrahydrocannabinol (THC) identische Dronabinol entfaltet seine analgetische, muskelrelaxierende, antiemetische und antikachektische Wirkung durch Bindung an Cannabinoid-Rezeptoren des Endo­ cannabinoid-Systems. Anders als bei inha- lativer Applikation in Form von getrockne- ten Blüten sind THC-Gehalt und Wirkung pharmakologisch standardisiert, so Profes- sor Burkhard Hinz, Pharmakologe am Uni- versitätsklinikum Rostock. Zudem sei bei oraler Gabe das Risiko für unerwünschte Wirkungen, die bei Inhalation durch eine rasche Wirkstoffanflutung beobachtet werden, begrenzt. Dronabinol sollte zu Beginn möglichst abendlich und in niedriger Dosierung gege- ben werden, als Einstiegmeist mit 2,5 mg/d. Dann solle alle zwei bis drei Tage in zwei bis drei Einzeldosen aufdosiert werden. Richt- wert für die Dauertherapie bei chronischen Schmerzen ist eine Dosis von 5–20(30)mg/d. Als Kontraindikationen gelten schwere psychische Erkrankungen, Psychosen (Schi- zophrenie), Schwangerschaft/Stillzeit und eine Überempfindlichkeit/Allergie gegen Dronabinol. Bei Krampfanfällen/Epilepsie besteht eine relative Gegenanzeige. Horlemann sieht den Einsatz von Cannabi- noiden nicht als Monotherapie, sondern als Add-on zu Opioiden. Bei Palliativpatienten könnten so therapieresistente Beschwer- den in mehreren Bereichen gelindert wer- den, wie die Ergebnisse von HOPE 2014 (Hospiz- und Palliativ-Erfassung) nahelegen. Dr. Wiebke Kathmann Lunch-Symposium „Cannabinoide in der Medizin – Therapeutisches Plus oder High auf Rezept?“ anlässlich des Deutschen Schmerz­ kongresses 2017, Mannheim, 13.10.2017; Veranstalter: Bionorica Ethics GmbH Neue Oxycodon- Tabletten verfügbar — — Zur Behandlung von Erwachsenen mit starken Schmerzen, die nur mit Opioid-Analgetika ausreichend behandelt werden können, steht nun ein weiteres Oxycodon- Präparat zur Verfügung. Die Retardtablette kombi- niert die Wirkstoffe Oxycodonhydrochlorid und Naloxonhydrochlorid und hat somit Betäubungsmittelstatus. Erhältlich ist das Präparat in den Wirkstärken 5 mg/2,5 mg (Oxycodonhydrochlorid/Naloxonhydro- chlorid), 10 mg/5 mg, 20 mg/10 mg, 30 mg/15 mg und 40 mg/20 mg mit jeweils 20, 50 oder 100 Tabletten pro Packung. Nach Information von 1 A Pharma Zulassungsantrag angenommen — — Kürzlich gab die Europäische Arznei­ mittelagentur (EMA) demZulassungsantrag für den Anti-Calcitonin Gene-Related (CGRP)-Antikörper Fremanezumab zur Pro- phylaxe von episodischer und chronischer Migräne bei Erwachsenen statt. Nachdem der Zulassungsantrag in den USA von der Food and Drug Administration bereits an- genommen wurde, läuft nun auch die Prü- fung in Europa. Dafür herangezogen wer- den unter anderemDaten der HALO-Studie, in der über 2.000 Migränepatienten über 16 Wochen monatlich oder dreimonatlich Fremanezumab bekamen. Nach Information von Teva Schmerzmedizin 2018; 34 (2) 55

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