Schmerzmedizin 6 / 2018

tests, unter Umständen mit Hilfe bildgebender Verfahren. Immer sollten Störfelder wie neuromo- dulative Trigger anamnestisch und durch klinische Untersuchung (Adler- Langer-Druckpunkte) ermittelt und the- rapiert werden. Diese sind regelmäßig über Funktionsketten geleitet und an der Chronifizierung der Schmerzerkran- kung des Bewegungssystems beteiligt. Therapeutische Strategie Zu einer spürbaren Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung sind min- destens vier bis sechs Injektionsbehand- lungen erforderlich im Abstand von zwei bis drei Wochen, nicht unter drei Tagen, nicht über sechs Wochen. Man beginnt immer mit einer 10%igen Pro- liferationsmischung und kann bei einer Besserung auf eine 12%ige Mischung umsteigen ( Tab. 1 ). Während der Injek- tionsserie sollte keine Gabe von Steroi- den oder nichtsteroidalen Antirheuma- tika (NSAR) erfolgen. Gleichzeitig ist immer die Suche und Reduktion von Störfeldern und gegebenenfalls deren chirurgische Sanierung empfohlen. Injektionstechnik Gezielte lokale Injektionen um oder in Gelenke, Gelenkkapseln, Sehnen und Sehnenansätze erfolgen meist mit der sogenannten Ligament- oder Pepper- technik. Dabei werden Gelenkkapseln, Ligamente oder Faszien imAbstand von 2–5 mmmit 0,2 ml der Proliferationsmi- schung flächig infiltriert (ähnlich einem Pfefferstreuer), um kleine Regenerati- onsreize zu setzen ( Abb. 1 ). Bei großen Gelenken wie Knie, Hüfte oder Schulter kann eine direkte Infiltration von 5–10ml Proliferationsmischung erfol- gen. Tab. 2 gibt Beispiele für Techniken bei ausgewählten Indikationsgebieten. Informationen zur Ausbildung in diesem speziellen, minimalinvasiven schmerztherapeutischen Verfahren er- halten Sie über www.dgfan.de oder per Anfrage über dgfan@t-online.de . Dr. med. Rainer Wander Facharzt für Allgemeinmedizin Naturheilverfahren, Homöopathie, Chirotherapie, Spezielle Schmerztherapie Friedensstraße 47, OT Coschütz 07985 Elsterberg Dr. med. Stefan Schmidt, Elsterberg Literatur 1. Banks AR. A Rationale for Prolotherapy. J Orthopaed Med 1991;13:54–9 2. Barbor R. Sclerosant therapy, the theory of treatment of ligamentous disturbance by a dextrose sclerosant. Reunion Sobre patolo- gia de la columna vertebral Murcia (Spain); 1978 3. Dorman TA, Ravin TH. Diagnosis and Injec- tion Techniques in Orthopedic Medicine. Baltimore: Williams & Wilkins; 1991;38–9 4. Hackett GS. Ligament and tendon relaxati- on treated by prolotherapy. Springfield, IL: Charles C. Thomas; 3rd ed., 1958 5. Kokemohr H. Praxis der therapeutischen Lokalanästhesie und Neuraltherapie. Hei- delberg: Springer; 2000 6. Linsenmeyer TF. Collagen. In: Hey ED, ed. Cell biology of extracellular matrix. New York, London: Plenum Press; 2. ed., 1983;5–38 7. Pischinger A. Das System der Grundregula- tion. Heidelberg: Haug; 7. Aufl., 1989;68–9 8. Viidik A et al. On fundamental and pheno- menological models, structure and mecha- nical properties of collagen, elastic and glylcosaminoglycan complexes. 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Stuttgart: Thieme; 2001 Tab. 2: Proliferationstherapie für ausgewählte Körperregionen Körperregion Therapie Halswirbelsäule (Abb. 1a) — — Infiltrationen der Ligg. supraspinalia, Lig. nuchae, Ligg. interspinalia, an Facettenkapselgelenke mit Peppertechnik — — Facetteninfiltration: 1 QF seitlich der Dorne etwa 1–2 ml pro Facette oder vom Einstich 2–3–4 Depots auf kaudalere Facettenpeppertechnik, immer mit Knochenkontakt, Aspiration — — Cave: intrathekale Injektion, zu weit medial, zu weit lateral in A. vertebralis oder an Spinalnerv — — Nadel: 0,5 x 40, 0,8 x 50 oder 0,6 x 60 Suboccipitale Region — — Aufsteigende Nadelführung an Occiput zum Ansatz des M. trapezius oder M. semispianalis und M. splenius capitis — — Umflutung des N. occipitalis major et minor in Peppertechnik Lendenwirbel­ säule (Abb. 1b) — — Periartikuläre Injektion der Facettengelenke mit Peppertechnik — — Infiltration der Ligg. interspinalia und supraspinalia an schmerzhafte Dorne — — Injektion in das Iliosakralgelenk, an Lig. iliosakrale: Peppertechnik, Lig. ilio­ lumbale Schulter — — Nach klinisch manueller Untersuchung der passiven und aktiven Strukturen Injektion an/in das Gelenk von dorsal und/oder von ventral — — An Insertionsstellen der Rotatorenmanschette — — An Bizepssehne in Incisur oder supraglenoidalen Ansatz — — In Bursa subdeltoacromialis — — An Akromioklavikulargelenk (ACG) — — An Sternoklavikulargelenk (SCG) — — Ansatz der 1. Rippe Knie — — Intraartikuläre Injektion von 10 ml in das Kniegelenk von vorn oder von seit­ lich am oberen Patellarand — — An mediales und/oder laterales Seitenband mit Peppertechnik — — Peripatellare Injektionen Sprunggelenk — — Intraperiartikulär in/um oberes und unteres Sprunggelenk — — Peppertechnik um Bänder des medialen und lateralen Knöchels Achillessehne — — Direkte flächige Infiltration der verdickten oder schmerzhaften Sehnenanteile mit Ansatz am Calcaneus — — Bei Achillodynien immer Iliosakralgelenk und suboccipitale Strecke beachten! Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. www.dgschmerzmedizin.de Schmerzmedizin 2018; 34 (6) 57

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